Samuel (Sally) Neugarten (1882-1945) Kaufmann Shoah-Opfer
Samuel "Sally" Neugarten (*17. Juli 1882 in Mengede; ✡ 2. März 1943 in Auschwitz) war ein deutscher Kaufmann jüdischen Glaubens. Während der Zeit des Nationalsozialismus engagierte er sich als Vertrauensmann der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RVJD) im Präsidialbezirk Bochum. Er wurde im Zuge der sogenannten „Fabrikaktion“ verhaftet und gemeinsam mit seiner Ehefrau Frieda nach Auschwitz deportiert und ermordet.
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Erinnerung
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| Ehret die Opfer Benennt die Täter Nie wieder Faschismus Nie wieder Krieg |
Herkunft und Familie
Sally Neugarten wurde am 17. Juli 1882 in Mengede geboren. Er war deutscher Staatsangehöriger und gehörte der jüdischen Religion an.
Sein Vater war Jakob Neugarten (*8. Dezember 1857 in Mengede; ✡ 7. Juli 1918 in Mengede), seine Mutter Sara Neugarten, geb. Kulp (*12. September 1853 in Blokzijl/Niederlande; ✡ 11. März 1927 in Mengede).
Er hatte vier Geschwister:
- Albert Neugarten (*11. Januar 1884 in Mengede; ✡ 23. Mai 1915 in Mengede), verheiratet mit Johanna Goldschmidt
- Robert Neugarten (*30. April 1885 in Mengede; ✡ 16. April 1886 in Mengede)
- Siegfried Neugarten (*16. März 1887 in Mengede; ✡ vor dem 8. Mai 1945)
- Alma Neugarten (*27. Februar 1890 in Mengede; ✡ 14. Mai 1952), verheiratet mit Josef Dresen
Am 17. Oktober 1920 heiratete er in Essen-Werden Frieda Friederike Isaac (*17. November 1893 in Velbert; ✡ 28. Februar 1943 in Auschwitz). Über gemeinsame Kinder liegen keine gesicherten Angaben vor.
Beruf und Wohnorte
Sally Neugarten lebte zunächst in Mengede, später in Herne, wo er zunächst im Haus Heinrichstraße 25, und später an der Bahnhofstraße wohnte. Nach dem Tode Oskar Schiffmanns am 10. Januar 1935 in Düsseldorf übernahmen am 8. Mai 1935 der Kaufmann Sally Neugarten und dessen Ehefrau Frieda geb. Isaac das Unternehmen "Kaufhaus Gebr. Rindskopf".[1]
1938 wurden die Geschäftsinhaber unter massivem Druck gesetzt, die Firma wurde weit unter Wert verkauft und als letztes jüdisches Geschäft in der Bahnhofstraße „arisiert“.[2]
Bei der „Deutschen Minderheiten-Volkszählung“ vom 17. Mai 1939 wurden Sally und Frieda Neugarten in Herne erfasst. In Herne lebten damals laut Zählung noch 189 jüdische Mitbürger.
Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus
Novemberpogrom 1938
Am 10. November 1938 wurde Sally Neugarten im Zuge des Novemberpogroms verhaftet. Er kam in sogenannte „Schutzhaft“ in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Seine Häftlingsnummer ist nicht bekannt. Am 7. Dezember 1938 wurde er aus dem KZ Sachsenhausen entlassen.
Tätigkeit für die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland
Im Februar 1939 wurde aus der im September 1933 gegründeten Reichsvertretung der Juden heraus die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RVJD) als letzte selbständige jüdische Interessenvertretung gebildet. In den nächsten Jahren von 1939 bis 1943 war Sally Neugarten Vertrauensmann der Reichsvereinigung für den Präsidialbezirk Bochum. Nach der Deportation des bisherigen Vertrauensmannes für den Präsidialbezirk Recklinghausen, Dr. Willy Stern, nach Riga im Januar 1942 übernahm er zusätzlich dessen Zuständigkeit. Später kam auch der Ennepe-Ruhr-Kreis hinzu.
Seine Ehefrau Frieda Neugarten arbeitete als Fürsorgerin der RVJD im Präsidialbezirk Bochum. Frau Neugarten unterhielt daher in ihrer Wohnung Heinrichstraße die Geschäftsräume der "Israelischen Wohlfahrt"[3] Die Bezirksstellen der RVJD waren gezwungen, unter zunehmendem Druck der nationalsozialistischen Behörden soziale Betreuung, Zwangsmaßnahmen und organisatorische Aufgaben innerhalb der jüdischen Gemeinden zu koordinieren.
Deportation und Ermordung
Ende Februar 1943 begann reichsweit die sogenannte „Fabrikaktion“. Dabei wurden die letzten noch in Arbeitslagern oder kriegswichtigen Betrieben beschäftigten jüdischen Männer und Frauen verhaftet und in Konzentrationslager deportiert, insbesondere nach Auschwitz, um den Arbeitskräftebedarf im Nebenlager Buna zu decken.
Am 28. Februar 1943 wurden Sally und Frieda Neugarten im Rahmen dieser Aktion verhaftet. Sie brachte man in das Sammellager in der Wehrhahnschule, Lindenstraße 51, in Dortmund, wo sich auch das jüdische Gemeindehaus befand.
Am 2. März 1943 verließ ein Transport mit über 500 jüdischen Menschen den Dortmunder Südbahnhof in Richtung Bielefeld. Dort wurden etwa 250 weitere Personen im „Saal der Eintracht“ am Klosterplatz gesammelt. Von dort aus erfolgte die Weiterfahrt nach Auschwitz.
Sally Neugarten wurde am 2. März 1943 in Auschwitz ermordet. Seine Ehefrau Frieda wurde ebenfalls mit ihm deportiert und kam in Auschwitz ums Leben.
Transportliste Auschwitz 1943 aus Dortmund:
297. Grabowski, Adolf 298. Jordan, Martha 299. Jordan, Siegfried 300. Neugarten, Frieda 301. Neugarten, Samuel 302. Ransenberg, Herbert
Gedenken
Sally und Frieda Neugarten sind im Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung verzeichnet.
Seit 2026 wird dem Ehepaar mit zwei Stolpersteinen in Herne gewürdigt. Ihr Schicksal steht exemplarisch für die Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung aus Herne und dem Ruhrgebiet.
Literatur und Links
- https://spurenimvest.de/2023/08/23/neugarten-sally/
- Jürgen Hartmann: Die Bezirksstelle Westfalen der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in Bielefeld 1939 bis 1943. In: in: Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte, 25/2021, S. 68–151.
- Bundesarchiv, Gedenkbuch der Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung
- Ralf Piorr/Peter Witte (Hg.): Ohne Rückkehr. Die Deportation der Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg nach Zamość im April 1942. Essen 2012.
- Statistik des Holocaust, Transportdokumente
- Hoffmann, Daniel: Lebensspuren meines Vaters, Wallstein Verlag, 2007. ISBN 978-3-8353-0149-8
- https://www.mappingthelives.org: Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939

