Hof Sengenhoff

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Sengenhoff
Stadtbezirk: Herne-Mitte
Ortsteil: Herne
Kartengitter: G5

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Letzte Änderung: 06.04.2021
Geändert von: Johann-Conrad

Die Straße Am Sengenhoff ist benannt nach dem Hof Sengenhof, in der alten Gemarkung „Sengenhofsfeld“, Gemarkung Herne, Flur IV, genannt Altenhöfe. [1]

Der Sengenhoff gehörte zu den Einzelhöfen, die früher das Dorf Herne umgaben. Im Lehnbuch der Grafen von der Mark erscheint 1392 die Belehnung des „Conrad van dem Oeverhuyss“ mit dem „Sengehehoeff in dem Kerspele van Herne“. Weitere Namen aus dieser Zeit sind „Bosengodenhoff“ und „Besengedenhoff“[2].

Durch Heirat kam der Hof an Johannes von Eickel auf Horst. Bei der Erbteilung zwischen den Söhnen des verstorbenen Johann von Eickel zu Krange und ihrem Onkel Evert von Eickel 1484 fällt diesem der Sengenhoff zu. 1486 wird ein „Rutger opden Sengenhave“ erwähnt. In der Türkensteuerliste von 1542 findet man in „Herne“ einen „Sengenhoff“.

Der Hof wird im Türkensteuerregister von 1598 „Senchenhoff“ genannt. Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664 wird erwähnt: „Pfächtiger Sengenhoff, ein Hof, hat gleichfalls eine Feuerstette“. Der Hof gehörte zur Grundherrschaft Gysenberg, und zwar noch bis in die Zeit zwischen 1780 und 1810. Im Jahr 1810 waren im Herner Grund- und Hypothekenbuch die Eheleute Johann Wilhelm Sengenhoff als Eigentümer des Hofes eingetragen.

Am 14. Mai 1856 wurde ein Kaufvertrag über das „Sengenhoff-Feld“ zwischen dem Bauern Heinrich Sengenhoff und William Thomas Mulvany geschlossen. Der Kaufpreis betrug 7.300 Taler. Der Bau des Schachtes I der Zeche „Shamrock“ stieß auf den Widerstand der umliegenden Bauern. Sie fürchteten ein Sinken des Grundwasserspiegels und als Folge unfruchtbare Felder. Außerdem beschwerten sie sich über die Bergarbeiter, die auf dem Weg zur Arbeit ihre Grundstücke beträten. Alle Einsprüche wurden entkräftet. Der erste Schacht konnte 1857 abgeteuft werden. Die Reste des Hofes wurden im Herbst 1940 abgebrochen. [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] [10]

Zugehörige Artikel

Weitere Artikel

"Bohrtürme auf Sengenhoffs Feld[11] Eigentümer forderten Kaufpreis und Entschädigung für verdorbene Kartoffel

Lange bevor die Gründung der Zeche Shamrock vom Handelsminister am 28. März 1857 genehmigt und damit rechtskräftig geworden war, waren die Vorarbeiten für die Schachtabteufung bereits im Gange. Hingewiesen wurde schon auf den Kaufvertrag vom 15. April 1856, in dem Mulvany für die Bergwerksgesellschaft Shamrock von [12] (sein Hof lag an der Ecke Shamrock- und Courrièresstraße) ein Grundstück, "Sengenhoffs Feld" genannt, und einen Teil der Holzung beim Hofe für 7.800 Taler gekauft hatte. In diesem Vertrage räumte der Verkäufer dem Käufer das Recht ein, die auf den verkauften Grundstücken und beim Bergbaubetriebe zum Vorschein kommenden Wasser mittels eines zum Hofe gehörenden Abzugsgrabens in den Overkampschen Mühlenbach (= Westbach) zu leiten. Weiter verpflichtete er sich, der Bergwerksgesellschaft Shamrock den zur Anlegung eines Fahrweges von dem Herne-Eickeler Communalwege ( = Shamrockstraße) zu den erworbenen Grundstücken erforderlichen Grund und Boden zu verkaufen. Am 17. Oktober 1856 trat Heinrich Sengenhoff[13] weiteren Grund und Boden ab, wobei in den Kaufpreis die Entschädigung für verdorbene Kartoffelfrucht eingeschlossen war.

Daraus geht hervor, daß die Arbeiten zur Anlegung des ersten Schachtes der Zeche Shamrock zwischen dem Grundstückskauf vom 15. April 1856 und dem Grundstückkauf vom 17. Oktober 1856 begonnen haben müssen. Noch besseren Aufschluß gibt darüber ein Antrag, in dem Wm. Th. Mulvany am 04. Juni 1858 beim Bürgermeister[14] von Forell die polizeiliche Erlaubnis zur Errichtung eines provisorischen Wohnhauses für Arbeiter (in der Größe einer heute üblichen Baracke) erbat, das die Stelle einer Bretter-Baubude einnehmen und der Reinlichkeit und Gesundheit, der Arbeiter wegen in fester Form errichtet werden sollte.

Am 21. Juni 1856 wurde die polizeiliche Erlaubnis zur Errichtung eines ‚Materialien-Schoppens‘ und einer Schmiede auf der von Sengenhoff gekauften Parzelle, einer Stallung und eines Ziegelofens beantragt. Nachdem der Herner Gemeinderat (Gemeindevorsteher Schulte und Gemeinderatsmitglieder Klüsener, Veuhoff, Feldmann, Mumme und Weusthoff) gegen Arbeiterwohnhaus, Materialienschuppen, Schmiede und Stallung keine Bedenken erhoben hatte, erteilte die landrätliche Behörde in Bochum die Erlaubnis.

Zur Frage des Ziegelofens schrieb Bürgermeister von Forell, wenn es sich nur um gewöhnlichen Feldbrand handele, könne die Genehmigung in Herne erteilt werden, für bleibende geschlossene Öfen sei die Genehmigung der Regierung erforderlich. Da die Akten nichts mehr über den Ziegelofen enthalten, scheint es sich nur um Feldbrand gehandelt zu haben. In einem anderen Schreiben vom gleichen 21. Juni 1856 beantragt der (von seinem Bruder aus Irland herübergeholte und zum Direktor von Hibernia und Shamrock bestellte) Thomas John Mulvany[15] einen kleinen Kanal den Communalweg (= Shamrockstraße) entlang des Westbachs zum Ablauf des Drainage-Wassers eröffnen zu dürfen.

Weisen schon diese Anträge deutlich darauf hin, daß im Sommer 1856 ein wachsender Betrieb zwischen der Shamrockstraße und dem Hoheneick sich entfaltete, so besagt eine Unfallmeldung vom 04. Juli 1856 näheres über die Arbeiten selbst. An diesem Tage zeigte nämlich der Direktor Thomas J. Mulvany dem Amt Herne an, daß am Tage vorher gegen 1 Uhr nachmittags der Bohrarbeiter Carl Engel einen Schlag mit dem Kabelarm erhalten habe und nach Verlauf von fünf Stunden gestorben sei.

Die Vernehmung des Kötters Georg Gartmann gt. Wieskämper aus Holsterhausen, bei dem der Verunglückte in Logis war, ergab, das der aus Rheinbrohl (Reg. Bez. Coblens) stammende Engel bei den Bohrarbeiten auf der Zeche Shamrock beschäftigt war und beim Aufziehen oder Einsetzen des Bohrgestänges von dem Kabel einen derartigen Schlag vor den Leib erhalten hatte, daß er gleich zusammengesunken war. Die übrigen Arbeiter hatten ihn nach Haus gebracht, der sie begleitende Med. Chirurg Goereke aus Herne hatte das Nötige zur Pflege angeordnet, Engel war auf ein Bett gelegt, ein Mann zur Bedienung bei Ihm bestellt worden, aber abends gegen 7 Uhr war er gestorben. Da er katholischer Konfession war, wurde er auf dem kath. Kirchhofe zu Eickel durch Pfarrer Schrepping beerdigt."

Siehe auch

Quelle

Stadtarchiv Herne Ordner Bauernhöfe und Kotten in Herne

  1. VuKAH, Gemeinde-Atlas Herne 1823. Übersichts-Handriß
  2. Urkunde 1464 Juni 19
  3. "HERNE - von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße", Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997
  4. Bauermann 1937, S. 112
  5. Borgmann 1936, S. 24
  6. Herner Anzeiger 28.09.1940
  7. Schulte 1925, S. 82
  8. Timm 1986, S. 46, Nr. 662
  9. Westerburg-Frisch 1967, S. 3, Nr. 4 u. S. 9, Nr. 151
  10. http://www.herne.de/kommunen/herne/ttw.nsf/id/DE_Am-Sengenhoff?OpenDocument&ccm=080068
  11. Herner Zeitung, Ende März 1957.
  12. Heinrich Sengenhoff starb bereits wenige Wochen später am 5. September 1856. Vgl.: OFB Herne auf Compgen.de
  13. Engelbert Henrich Wilhelm SENGERHOFF war der Erbe des Hofes. Somit verkaufte er aus der Erbmasse den Hofanteil. Vgl. OFB Herne, a.a.O.
  14. Amtmann ist hier die korrekte Bezeichnung!
  15. Geboren 1821 in Dublin, gestorben im Juli 1892 in Neuseeland.