Amtsgericht Herne

Amtsgericht Herne
Rathausplatz-Knoell-1922-S9.jpg
Bildinfo: Amtsgerichtsgebäude am
Friedrich-Ebert-Platz 1
Stadtbezirk: Herne
Ortsteil: Mitte
Letze Änderung: 07.12.2022
Geändert von: Andreas Janik

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Das Königliche Amtsgericht war von 18921921 an der Bahnhofstraße 7c - Gerichtskotten genannt - beheimatet. Dann erfolge der Umzug zum neuerrichteten Amtsgerichtsgebäude am Herner Rathaus.

26. September 1911: „Herne.(Neues Amtsgericht.) Endlich ist die seit fast zwei Jahren schwebende Frage des Amtsgerichtsneubaues geregelt. Der Justizfiskus hat mit dem Ersten Bürgermeister Dr. Büren einen Vertrag abgeschlossen, laut welchem das neue Amtsgerichtsgebäude auf dem früher sog. Bergelmannschen Grundstück errichtet wird, das die Stadt Herne seinerzeit für 1 200000 M. von den Erben Bergelmann erworben hat, kann Herne seine großzügigen Bebauungspläne in die Tat umsetzen. Es ist beabsichtigt, aus dem etwa 9 Hektar großen Bergelmannschen Grundstück eine Musteranlage zu schaffen. Die bereits seit einem halben Jahre fertig gestellte neue Reichspost, das im Bau befindliche monumentale Rathaus und der jetzt beschlossene Neubau des Amtsgerichtsgebäudes sollen einen großen, mit gärtnerischen Anlagen und Brunnen geschmückten Platz umschließen. Für den weiteren Ausbau des Geländes hat die Stadtverwaltung drei hiesige Architekten beauftragt, die, um einheitliche, moderne Straßenzüge zu schaffen, geschmackvolle Baupläne von Privathäusern entworfen haben, an die sich die Baulustigen zu halten haben. Auf der Städtebau=Ausstellung in Dresden erregte dieser Plan seinerzeit Anerkennung.[1]

In den Jahren 1911 wurde also im Zusammenhang mit dem Neubau des Rathauses auch die Errichtung eines neuen Gerichtsgebäudes beschlossen. Mit dem Bau des angeschlossenen Gerichtsgefängnisses wurde im Oktober 1915, mit dem Bau des jetzigen Amtsgerichts im Februar 1916 begonnen. Durch den I. Weltkrieg und der darauf folgenden Revulotion gerit der Bau ins Stocken. Das neue Gebäude wurde im Juli 1921 unter dem damaligen Aufsichtsrichter Middelanis bezogen und am 24. Oktober 1921 offiziell seiner Bestimmung übergeben werden.

Der damalige Stadtbaurat Heinrich Knöll schrieb in seinem Artikel Knöll 1922 - Die Stadt Herne in städtebaulicher Hinsicht IV darüber:

[So wurde] "ein neues Amtsgerichtsgebäude in unmittelbarer Nähe des Rathauses südlich des Rathausvorplatzes errichtet und im Jahre 1921 in Benutzung genommen worden ist. Dieses letztere Gebäude passt sich in seiner äußeren Ausführung und Gestaltung dem Rathausneubau an. Die Außenwände bestehen ebenfalls aus unverputztem, aber ausgefugtem Backsteinmauerwerk. Dagegen fehlt ein besonders herausgehobener Mittelbau. Die Betonung ist vielmehr auf die Seiten verlegt, wo die Ecken durch Vorsprünge und bogenförmige Abdeckungen die sonst ein lache Ausführung unterbrechen. Auch die Freitreppe mit Haupteingang konnte verhältnis-mäßig einfach gehalten werden, weil der Gesamtbau durch seine ruhige Gliederung und seine Masse wirkt." 

Das Gebäude steht mit seinem Hafthaus seit dem 26. August 1985 und dem 12. Juni 1991 unter Denkmalschutz. (Friedrich-Ebert-Platz 1, Bergelmannshof 10, Amtsgericht (7-63/DL-85 vom 26.08.1985), Zellentrakt)

Es handelt sich um ein vornehm gestaltetes, dem Neubarock zuzuordnendes Gebäude mit stilistischen Einschlägen aus der italienischen manieristischen Architektur. Das zugehörige südöstlich angebaute Gerichtsgefängnis an der Straße Bergelmanns Hof, ist mit strenger neoklassizistischer, dreigeschossiger Frontfassade aus dunklem Klinker ausgeführt. Innerhalb des Baugeschehens in der Stadt Herne stellten Amtsgericht und Gerichtsgefängnis hochwertige Bauten des späten Historismus, am Übergang zu einer expressionistischen Formtendenzen verpflichteten und die Sachlichkeit betonenden Architektur, dar. Amtsgericht und Zellentrakt gehören zu den aus architektonischer Sicht bemerkenswerten Gebäuden der öffentlichen Hand, die das Stadtzentrum der jungen Industriestadt (Stadtrechte seit 1897) prägen und ihren Aufstieg manifestieren. Rathaus, Polizeipräsidium, Amtsgericht und der ostwärts gerichtete Flügel des Zellentraktes bilden zusammen mit der Fassadenfront anliegender späthistorischer Wohn- und Geschäftshäuser die Randbebauung für den Friedrich-Ebert-Platz als Stadtzentrum. Es ist als ein Ensemble von hohem städtebaulichem Rang zu bewerten.[2] 


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Quellen