Wiederkehrende Christus (Baukau) 2008
Die Beckmann-Langohr Skulptur "Der wiederkehrende Christus" ist eine monumentale Wandskulptur an der Ostseite der St. Marien im Herner Stadtteil Baukau. Das Kunstwerk wurde 2008 als Auftragsarbeit des durch den ehem. Pfarrer Michael Beckmann (1935-2019) Mendener Künstlers Ulrich Langohr (1940) geschaffen und verbindet christologische Bildsprache mit der Geschichte der Kirchengemeinde St. Marien. Die Skulptur gilt als eines der bedeutendsten zeitgenössischen sakralen Kunstwerke im Stadtteil.
Skulptur "Der wiederkehrende Christus"
Der wiederkehrende Christus ist eine monumentale Bronze-Wandskulptur des deutschen Metallbildhauers Ulrich Langohr an der Ostfassade der St. Marien in Herne-Baukau. Das Kunstwerk wurde 2008 eingeweiht und verbindet eine christologische Darstellung der Wiederkunft Christi mit einer bildlichen Darstellung der Geschichte des Herner Stadtteils Baukau und der Pfarrgemeinde St. Marien.
Lage
Die Skulptur befindet sich an der Ostseite der St.-Marien-Kirche an der Bismarckstraße in Herne-Baukau. Sie ist in einen bereits beim Bau der Kirche vorhandenen neugotischen Spitzbogen eingefügt. Über die ursprüngliche Zweckbestimmung dieser Fassadennische lagen der Gemeinde keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die freie Fläche wurde deshalb bewusst für ein eigenständiges Kunstwerk genutzt.
Entstehungsgeschichte
Die Idee zur Gestaltung der bislang ungeschmückten Fassadenfläche entstand nach Angaben der Gemeinde bereits mehrere Jahre vor der Ausführung. Initiator des Projekts war der langjährige Pfarrer von St. Marien, Michael Beckmann. Er entwickelte die Vorstellung, die Geschichte Baukaus und der Kirchengemeinde in ein sakrales Kunstwerk einzubinden und beauftragte den Metallbildhauer Ulrich Langohr mit der künstlerischen Umsetzung. Zudem förderte Beckmann die Finanzierung des Projekts durch Spendenaktionen und persönliche Zuwendungen.
Der offizielle Auftrag wurde im August 2006 erteilt. Nach nahezu zweijähriger Arbeitszeit vollendete Langohr die Skulptur, die im September 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Künstler
Ulrich Langohr (* 1940 in Menden) zählt zu den bedeutenden sakralen Metallbildhauern Nordrhein-Westfalens. Seit 1964 arbeitet er als freischaffender Künstler mit Schwerpunkt auf kirchlicher Kunst. Sein Werk umfasst zahlreiche Ausstattungen für Kirchen, Klöster, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen. Im ehemaligen Pastoralverbund Herne-Nord schuf er unter anderem die Chorraumausstattung, das Hauptportal und die Bodenplatten der Josephskirche, Kupferreliefs und Chorraumgestaltungen der ehem. St. Barbara Kirche sowie die Gestaltung der Nikolaus-Kapelle in St. Pius.
Langohr verstand seine Arbeiten ausdrücklich als Glaubensverkündigung. Seine künstlerische Grundhaltung beschrieb er mit den Begriffen „Einfügen – Akzente setzen – Aussagen machen – zum Nachdenken anregen“. Die Quelle seiner Kreativität sah er in seinem christlichen Glauben.
Beschreibung
Die Skulptur besteht aus Bronzeguss und erreicht eine Gesamthöhe von etwa 2,20 Metern sowie eine Breite von etwa 1,60 Metern. Die Christusfigur misst rund 1,55 Meter in der Höhe und besitzt eine Armspannweite von etwa 1,60 Metern. Das quadratische Relieffeld hat eine Seitenlänge von etwa 1,10 Metern, während die kreisförmige Scheibe einen Durchmesser von etwa 1,20 Metern aufweist.
Hergestellt wurde das Werk im Wachsausschmelzverfahren durch die Kunstgießerei Petit & Gebrüder Edelbrock in Gescher. Die Christusfigur ist vollplastisch ausgearbeitet und tritt deutlich aus den geometrischen Grundformen hervor. Während die Figur und die erhöhten Bereiche des Reliefs poliert wurden, blieben die tiefer liegenden Flächen matt und dunkel. Die kreisrunde Scheibe besitzt eine blank polierte Oberfläche mit bronzen-goldenem Glanz.
Ikonographie
Christusfigur
Im Mittelpunkt der Komposition steht Christus als wiederkehrender Herr. Die Figur erscheint mit ausgebreiteten Armen und einladender Geste. Nach Aussage des Künstlers soll sie die christliche Frohbotschaft verkünden und ein Zeichen der Hoffnung sein. Christus wird dabei als Mittelpunkt des menschlichen Lebens und der christlichen Gemeinschaft dargestellt.
Die Gestaltung orientiert sich an den Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium (Johannes 14,2–3), insbesondere an der Verheißung der Wiederkunft Christi. Aus diesem theologischen Bezug leitet sich der Titel Der wiederkehrende Christus ab.
Himmel und Welt
Die Komposition verbindet zwei symbolische Ebenen. Die kreisförmige Scheibe oberhalb der Figur steht für den Himmel, die Transzendenz und die Vollendung. Der Kreis symbolisiert dabei Vollkommenheit und Ewigkeit. Das darunterliegende Quadrat repräsentiert die irdische Welt mit ihren Brüchen und Unvollkommenheiten.
Die Christusfigur verbindet beide Bereiche und schafft damit eine sichtbare Beziehung zwischen Himmel und Erde. Der Künstler verstand das Werk als Darstellung der Verbindung zwischen göttlicher Verheißung und menschlicher Lebenswirklichkeit.
Darstellung der Baukauer Geschichte
Besonderes Merkmal der Skulptur ist die Einbeziehung lokaler Geschichte. Im quadratischen Relief werden bedeutende Bauwerke, Industriebetriebe und Verkehrswege des Stadtteils dargestellt. Zu den abgebildeten Motiven gehören:
- Dionysiuskirche (1100–1876)
- Schlosskapelle Strünkede (1272)
- Schloss Strünkede (1664)
- Zeche Julia (1867–1962)
- Zeche Von der Heydt (1869–1928)
- STEAG-Kraftwerk (ab 1962)
- St.-Bonifatius-Kirche (1874)
- Evangelische Matthäuskirche (1900)
- St.-Marien-Kirche (1900)
Darüber hinaus sind die Eisenbahn, der Rhein-Herne-Kanal sowie das Herner Autobahnkreuz dargestellt. Historische Gebäude, die heute nicht mehr existieren, stehen dabei zugleich als Sinnbilder menschlicher Vergänglichkeit.
Finanzierung
Die Finanzierung erfolgte durch zahlreiche zweckgebundene Spenden von Gemeindemitgliedern sowie durch größere Einzelspenden privater Förderer, die anonym bleiben wollten. Die Gemeinde hob insbesondere das Engagement von Michael Beckmann hervor, der die Finanzierung maßgeblich unterstützte.
Bedeutung
Die Skulptur verbindet auf ungewöhnliche Weise christliche Heilserwartung, lokale Geschichtsdarstellung und moderne sakrale Kunst. Innerhalb des Herner Stadtgebiets stellt sie eines der wenigen zeitgenössischen Außenkunstwerke an einer historischen Kirche dar. Durch die Verbindung von Christusdarstellung und Baukauer Geschichtsrelief fungiert das Werk zugleich als religiöses Symbol, Erinnerungsmal und identitätsstiftendes Zeichen für die Gemeinde St. Marien und den Stadtteil Baukau.
Literatur
- Katholische Kirchengemeinde St. Marien (Hrsg.): Langohr-Skulptur. Der wiederkehrende Christus. Die neue Skulptur an der Außenfassade der St. Marien-Kirche in Herne-Baukau. Herne 2008.
- Baukunst NRW: St. Marien Herne-Baukau.
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