Mittwochs mit … – WDR-Talkshow aus den Flottmann-Hallen in Herne

Mittwochs mit … war eine Talkshow des Westdeutschen Rundfunks (WDR), die von 1997 bis 2000 im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Sendung wurde regelmäßig in den Flottmann-Hallen in Herne produziert und machte die ehemalige Industrieanlage zeitweise zu einem überregional bekannten Fernsehstandort. Moderator war der WDR-Journalist Manfred Erdenberger.[1]
Die Sendung war keine klassische regionale Talkshow. Im Mittelpunkt stand jeweils eine bekannte Persönlichkeit, deren Name den Titel der einzelnen Folge ergänzte, beispielsweise Mittwochs mit … Hildegard Knef. Die Gespräche wurden durch Überraschungsgäste, Einspielfilme, Spiele und musikalische beziehungsweise unterhaltende Elemente ergänzt. Ein wiederkehrendes Element war der Auftritt des Kabarettisten Ludger Stratmann als Ruhrgebietskneipenwirt „Jupp“ an einer Theke.[2]
Entstehung und Sendekonzept
Die erste Folge wurde am 29. Januar 1997 ausgestrahlt. Mittwochs mit … war als 90-minütige Live-Talkshow angelegt und wurde im 14-täglichen Rhythmus ausgestrahlt. Über die gesamte Laufzeit entstanden mehr als 70 Folgen.[3]
Das Besondere des Formats lag in der Konzentration auf einen Hauptgast. Anders als bei einer reinen Interviewsendung wurde dessen Biografie aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Neben dem Gespräch mit Erdenberger traten Personen auf, die mit dem jeweiligen Gast beruflich oder persönlich verbunden waren. Dazu kamen aktuelle Themen, Rückblicke und Unterhaltungselemente.
Der erste Gast war der damalige Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie Jürgen Rüttgers. Die erste Sendung wurde damit nicht mit einer Unterhaltungsgröße, sondern mit einem prominenten Politiker eröffnet.[4]
Der Bericht der damaligen Fachhochschule Gelsenkirchen zeigt zugleich die Arbeitsweise der Sendung. Rüttgers stellte sich den Fragen Erdenbergers, sprach über seinen beruflichen Werdegang und seine politische Arbeit und diskutierte mit weiteren Gesprächspartnern. Bei der ersten Ausgabe war unter anderem der Rektor der Fachhochschule, Prof. Dr. Peter Schulte, beteiligt.[5]
Die Flottmann-Hallen als Fernsehstudio
Für die Stadt Herne war die Wahl des Produktionsortes von besonderer Bedeutung. Die Flottmann-Hallen waren erst wenige Jahre zuvor von einem ehemaligen Industriekomplex zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum entwickelt worden. Die 1908 errichteten Fabrikgebäude der Flottmann-Werke waren nach der Stilllegung des Werkes 1983 teilweise erhalten geblieben und wurden anschließend einer kulturellen Nutzung zugeführt. 1986 wurden die Hallen als Kulturzentrum eröffnet.
Mit dem Beginn von Mittwochs mit … 1997 erhielten die Flottmann-Hallen eine zusätzliche Funktion: Neben Theater, Kabarett, Musik und Ausstellungen dienten sie nun auch als Fernsehstudio für eine regelmäßig ausgestrahlte WDR-Produktion. Die Stadt Herne erhielt dadurch eine ungewöhnliche Verbindung von Industriegeschichte, Kultur und Fernsehen.[6]
Die ehemalige Industriearchitektur wurde dabei nicht beseitigt oder durch ein anonymes Fernsehstudio ersetzt. Die Sendung entstand vielmehr an einem Ort, dessen industrielle Vergangenheit sichtbar Bestandteil des Veranstaltungsortes geblieben war. Damit passte die Produktion auch zur damaligen kulturellen Entwicklung der Flottmann-Hallen, die sich zunehmend als Veranstaltungsort mit überregionaler Ausstrahlung etablierten.
Das Sendungslogo
Das Logo von Mittwochs mit … nahm in seiner Gestaltung erkennbar Bezug auf die Architektur der Flottmann-Hallen. Im Mittelpunkt stand die stilisierte Darstellung des großen, bogenförmigen Fensters beziehungsweise Tores des Mittelbaues, dessen Linienführung an das charakteristische Rundbogenfenster der ehemaligen Industriehalle erinnert. Darunter erschien eine perspektivisch dargestellte Licht- und Schattenfläche, die an den durch die Fenster einfallenden Lichtschein anknüpft. Der Schriftzug mittwochs... war in blauer Schrift darüber beziehungsweise seitlich angeordnet und wurde durch eine rote horizontale Linie ergänzt. Damit verband das Signet den Namen der Sendung unmittelbar mit ihrem ungewöhnlichen Produktionsort: Die ehemalige Industriearchitektur der Flottmann-Hallen wurde nicht nur als Kulisse genutzt, sondern fand auch Eingang in die visuelle Identität der Fernsehsendung.
Manfred Erdenberger
Prägendes Gesicht der Sendung war Manfred Erdenberger. Der gebürtige Münsteraner (* 30. August 1941) war seit 1969 für den WDR tätig und hatte dort sowohl im Hörfunk als auch im Fernsehen gearbeitet. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem journalistische Leitungsfunktionen im Hörfunk und später die Tätigkeit als politischer Chefkorrespondent.[7]
Erdenberger war bereits aus der älteren WDR-Sendung Mittwochs in … als Moderator bekannt. Mit Mittwochs mit … übernahm er ab 1997 erneut eine regelmäßige Fernsehsendung. Das RADIOJournal bezeichnete ihn als Gastgeber der neuen Sendung seit Januar 1997.[8]
Seine journalistische Arbeitsweise verband das klassische ausführliche Interview mit Elementen einer Unterhaltungsshow. Dadurch konnten auch politische oder gesellschaftliche Persönlichkeiten in einem weniger formalisierten Rahmen vorgestellt werden.
Bekannte Gäste
Zu den Gästen der Sendung gehörten Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Unterhaltung und öffentlichem Leben. Überliefert sind unter anderem Johannes Rau, Hans-Dietrich Genscher, Camillo Felgen, Hildegard Knef] und Joachim Meisner.[9]
Eine besonders gut dokumentierte Folge ist Mittwochs mit … Camillo Felgen vom 13. Mai 1998. Gegenstand waren unter anderem Felgens Zeit bei Radio Luxemburg, seine Tätigkeit als Sänger und Moderator sowie seine Begegnungen mit den The Beatles. Neben Felgen traten weitere Gäste und Weggefährten auf. Die Sendung endete mit Gesprächen an der für das Format typischen Kneipentheke.[10]
Auch die Folge mit Hildegard Knef vom 1. April 1998 ist durch zeitgenössische Angaben dokumentiert. Die 90-minütige WDR-Produktion wurde in den Flottmann-Hallen in Herne aufgezeichnet beziehungsweise produziert. Neben Knef wirkten unter anderem Markus Neumann, Renan Demirkan, Sabine Postel, Kathrin Jürgens und Ludger Stratmann mit.[11]
Ludger Stratmann und das Ruhrgebiet
Ein besonderes Element der Sendung war der Kabarettist Ludger Stratmann. Er trat in der Rolle des Kneipenwirtes „Jupp“ auf und führte mit dem jeweiligen Hauptgast Gespräche an einer Theke. Die Figur verband die klassische Talkshow mit einem bewusst regionalen, vom Ruhrgebiet geprägten Unterhaltungselement.[12]
Stratmanns Mitwirkung war auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Sendung trotz ihrer bundesweit beziehungsweise landesweit bekannten Gäste ihren Produktionsort nicht verleugnete. Die Flottmann-Hallen lagen in einem ehemaligen Industriegebiet und standen für die industrielle Vergangenheit Hernes. Die Kneipenfigur „Jupp“ griff zugleich eine verbreitete Ruhrgebietswahrnehmung auf und wurde später zu einem eigenständigen Bestandteil von Stratmanns Fernsehkarriere. Von 1997 bis 2000 verkörperte er den Kneipenwirt in Mittwochs mit ….[13]
Mittwochs mit … und die Stadt Herne
Die Bedeutung der Sendung für Herne erschöpfte sich nicht darin, dass die Flottmann-Hallen als Produktionsort im Abspann genannt wurden. Über einen Zeitraum von etwa drei Jahren wurde hier regelmäßig eine Fernsehsendung produziert, die in das gesamte WDR-Sendegebiet ausgestrahlt wurde.
Damit gehörte Herne zeitweise zu den Produktionsorten eines der großen öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders. Die Flottmann-Hallen erfüllten dabei eine Doppelfunktion: Sie waren einerseits Kulturzentrum und andererseits professioneller Produktionsort für eine regelmäßig ausgestrahlte Fernsehsendung.
Besonders viele Mitbürger Hernes waren regelmäßige Livezuschauer und trafen diekt auf die Talk-Gäste.
In der öffentlichen Wahrnehmung der Stadt fügte sich die Sendung in die kulturelle Neuorientierung der Flottmann-Hallen ein. Aus einer ehemaligen Produktionsstätte der Flottmann-Werke war ein Kulturort geworden, der nun auch für Fernsehproduktionen genutzt wurde. Die Entwicklung war Teil eines umfassenderen Wandels, bei dem industrielle Hinterlassenschaften in Herne zunehmend für kulturelle Zwecke genutzt wurden.
Ende der Sendung
Mittwochs mit … wurde bis zum Jahr 2000 produziert. Damit endete nach mehr als 70 Ausgaben eine für die Flottmann-Hallen ungewöhnliche Phase als regelmäßiger Fernsehproduktionsort.[14]
Moderator Manfred Erdenberger beendete nach dem Ende von Mittwochs mit … seine regelmäßige Tätigkeit im Fernsehen. Im WDR blieb er weiterhin als Journalist und im Hörfunk tätig; 2006 verabschiedete er sich schließlich nach insgesamt 37 Jahren vom WDR.[15]
Bedeutung für die Herner Stadtgeschichte
Mittwochs mit … gehört zu den weniger beachteten Kapiteln der jüngeren Medien- und Kulturgeschichte Hernes. Die Sendung verbindet mehrere Entwicklungen, die für die Stadtgeschichte der 1990er Jahre charakteristisch sind: den Umgang mit industriellen Hinterlassenschaften, die Umnutzung der Flottmann-Werke als Kulturstandort und die Suche nach neuen kulturellen und medialen Funktionen für ehemalige Industriestandorte.
Die Fernsehproduktion machte die Flottmann-Hallen für einen Zeitraum von rund drei Jahren regelmäßig zum Schauplatz einer landesweit empfangbaren Live-Talkshow. Zugleich trafen hier unterschiedliche Bereiche aufeinander: politische und gesellschaftliche Prominenz, Unterhaltung, Kabarett, regionale Ruhrgebietskultur und die industrielle Architektur des ehemaligen Flottmann-Geländes.
Für die Geschichte der Flottmann-Hallen war Mittwochs mit … damit eine besondere Zwischenphase zwischen der Eröffnung als Kulturzentrum 1986 und ihrer späteren Etablierung als vielseitiger Kultur- und Veranstaltungsort. Für die Fernsehgeschichte Hernes wiederum stellt die Sendung ein Beispiel dafür dar, dass die Stadt in den 1990er Jahren nicht nur Gegenstand regionaler Berichterstattung war, sondern selbst zum Produktionsort eines regelmäßigen WDR-Fernsehformats wurde.
Literatur und Quellen
- Stadt Herne: inHerne, Nr. 4/2006, S. 8–9, Beitrag zur Geschichte der Flottmann-Hallen und zum Beginn von Mittwochs mit … 1997.[16]
- Fachhochschule Gelsenkirchen: TRIKON 2/97, Juni 1997, S. 10, Bericht über die erste Sendung mit Jürgen Rüttgers.[17]
- RADIOJournal: Memories of this... – Mittwochs mit ... Camillo Felgen, 1998.[18]
- Hildegard-Knef-Archiv: TV-Produktionen 1998, Eintrag zu Mittwochs mit... Hildegard Knef.[19]
- TV Wunschliste: mittwochs mit ..., Sendungsdaten und Episodeninformationen.[20]
- RADIOJournal: Manfred Erdenberger verabschiedete sich im WDR 2 Mittagsmagazin, 2006.[21]
Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ TV Wunschliste: mittwochs mit ..., Angaben zur Sendereihe, Erstausstrahlung am 29. Januar 1997, Moderator und Gäste: [[1](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)]
- ↑ TV Wunschliste: mittwochs mit ..., Sendungskonzept und Gäste: [[2](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)]; RADIOJournal: Memories of this... – Mittwochs mit ... Camillo Felgen, Ausgabe 9/1998, Dokumentation des Sendungsablaufs: [[3](https://www.radiojournal.de/luxi/camillo/memories.htm)]
- ↑ TV Wunschliste: mittwochs mit ..., Erstausstrahlung und Sendungsdaten: [[4](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)]; Angaben zur Zahl der produzierten Folgen nach den Darstellungen zur Sendungsgeschichte der Flottmann-Hallen.
- ↑ Fachhochschule Gelsenkirchen: TRIKON 2/97, Bericht über Mittwochs mit Dr. Jürgen Rüttgers und die erste Sendung aus den Flottmann-Hallen, Juni 1997, S. 10: [[5](https://trikon-online.w-hs.de/wp-content/uploads/2023/11/Trikon1997_2.pdf)]
- ↑ Fachhochschule Gelsenkirchen: TRIKON 2/97, S. 10: [[6](https://trikon-online.w-hs.de/wp-content/uploads/2023/11/Trikon1997_2.pdf)]
- ↑ Stadt Herne: inHerne, Nr. 4/2006, Beitrag Als sich Kultur in Fabriken verliebte – 20 Jahre Flottmann-Hallen, S. 8–9. Dort wird der Start der WDR-Talkshow 1997 in den Flottmann-Hallen ausdrücklich genannt: [[7](https://inherne.net/wp-content/uploads/2002/04/inherne-ausgabe-2006-4.pdf)]
- ↑ RADIOJournal: Manfred Erdenberger verabschiedete sich im WDR 2 Mittagsmagazin, 2006; biografische Angaben zu Erdenbergers Tätigkeit beim WDR: [[8](https://www.radiojournal.de/radioarchiv/2006/wdr2mittagsmagazin/erdenberger.htm)]
- ↑ RADIOJournal: Manfred Erdenberger verabschiedete sich im WDR 2 Mittagsmagazin, 2006: [[9](https://www.radiojournal.de/radioarchiv/2006/wdr2mittagsmagazin/erdenberger.htm)]
- ↑ TV Wunschliste: mittwochs mit ..., Übersicht und Beschreibung der Sendereihe: [[10](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)]
- ↑ RADIOJournal: Memories of this... – Mittwochs mit ... Camillo Felgen, 13. Mai 1998: [[11](https://www.radiojournal.de/luxi/camillo/memories.htm)]
- ↑ Hildegard-Knef-Archiv: TV-Produktionen 1998, Eintrag Mittwochs mit... Hildegard Knef, Erstausstrahlung 1. April 1998, Drehort Flottmann-Hallen, Herne: [[12](https://www.hildegardknef.de/filmografie%20TV%201998.htm)]
- ↑ TV Wunschliste: mittwochs mit ..., Beschreibung des Sendungskonzepts: [[13](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)]
- ↑ Angaben zur Rolle Ludger Stratmanns in Mittwochs mit …: [[14](https://de.wikipedia.org/wiki/Ludger_Stratmann)]
- ↑ Angaben zur Produktionsdauer und Zahl der Folgen: TV Wunschliste, mittwochs mit ...: [[15](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)]; Angaben zur Nutzung der Flottmann-Hallen: Stadt Herne, inHerne, Nr. 4/2006, S. 8–9: [[16](https://inherne.net/wp-content/uploads/2002/04/inherne-ausgabe-2006-4.pdf)]
- ↑ RADIOJournal: Manfred Erdenberger verabschiedete sich im WDR 2 Mittagsmagazin, 2006: [[17](https://www.radiojournal.de/radioarchiv/2006/wdr2mittagsmagazin/erdenberger.htm)]
- ↑ [18](https://inherne.net/wp-content/uploads/2002/04/inherne-ausgabe-2006-4.pdf)
- ↑ [19](https://trikon-online.w-hs.de/wp-content/uploads/2023/11/Trikon1997_2.pdf)
- ↑ [20](https://www.radiojournal.de/luxi/camillo/memories.htm)
- ↑ [21](https://www.hildegardknef.de/filmografie%20TV%201998.htm)
- ↑ [22](https://www.wunschliste.de/serie/mittwochs-mit)
- ↑ [23](https://www.radiojournal.de/radioarchiv/2006/wdr2mittagsmagazin/erdenberger.htm)



ⓘ Hinweis:
Dieser Inhalt wurde unter Nutzung von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Die KI-Grundlage wurde von menschlichen Bearbeiterinnen inhaltlich und sprachlich überarbeitet. KI-generierte Bilder stellen eine Interpretation dar und basieren auf überprüfbaren Vorlagen sowie den Angaben der Erstellerinnen.
| Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem deutschen Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes – auch als Zitat – außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen. |
