Mondpalast von Wanne-Eickel
Der Mondpalast von Wanne-Eickel ist ein privates Volkstheater an der Wilhelmstraße im Herner Stadtteil Wanne. Das am 28. Januar 2004 eröffnete Theater entstand auf Initiative des Theaterunternehmers Christian Stratmann im ehemaligen Städtischen Saalbau. Es entwickelte sich mit Komödien aus dem Ruhrgebiet, einem eigenen Schauspielensemble und einer starken regionalen Ausrichtung zu einer überregional bekannten Kultureinrichtung. Inhaltlich verbindet der Mondpalast die Unterhaltung mit der Darstellung des Alltags, der Sprache und der Lebenswirklichkeit der Menschen im Ruhrgebiet.[2]
Das Theater versteht sich als Volkstheater mit einem eigenständigen Profil. Anders als ein reines Gastspielhaus setzt es auf ein festes Ensemble und auf Komödien, die eigens für die Bühne an der Wilhelmstraße entwickelt werden. Figuren und Schauplätze greifen häufig typische Situationen des regionalen Alltags auf: Fußballrivalitäten, Nachbarschaftskonflikte, Familienbeziehungen, Eheprobleme und die Eigenheiten des Zusammenlebens im Ruhrgebiet.[3]
Geschichte
Die Idee eines Ruhrgebietstheaters
Die Entstehung des Mondpalasts geht auf den Theaterunternehmer Christian Stratmann zurück. Er hatte bereits gemeinsam mit seinem Bruder Ludger Stratmann das Stratmanns Theater Europahaus in Essen betrieben. Anfang der 2000er-Jahre entwickelte er die Idee, ein eigenes Volkstheater für das Ruhrgebiet zu schaffen, dessen Programm sich unmittelbar an der Lebenswelt der Region orientieren sollte.
Auf der Suche nach einem geeigneten Standort wurde Stratmann auf den Städtischen Saalbau in Wanne aufmerksam. Das Gebäude verfügte über einen Theatersaal mittlerer Größe und eine entsprechende Bühneneinrichtung. Auch das Umfeld mit dem Stadtgarten erschien ihm für das geplante Theater geeignet.

- Kaisergartensaal – Saalbau - Mondpalast
In einem 2003 veröffentlichten Interview mit dem städtischen Magazin inHerne erläuterte Stratmann seine Vorstellungen. Er wollte ein Theater mit festem Ensemble etablieren, dessen Stücke die Menschen im Ruhrgebiet wiedererkennen sollten. Als Vorbilder dienten ihm regionale Volkstheatertraditionen, wie sie durch das Millowitsch-Theater in Köln oder das Ohnsorg-Theater in Hamburg bekannt geworden waren.[4]
Die Standortentscheidung war zugleich ein Bekenntnis zu Wanne-Eickel. Der Theatergründer wollte ein kulturelles Angebot schaffen, das nicht ausschließlich auf das Zentrum der Großstadt ausgerichtet war, sondern die Eigenständigkeit des Stadtteils hervorhob. Die Verbindung von regionaler Identität und professionellem Theaterbetrieb wurde damit zum Grundgedanken des Projekts.
Namensgebung
Der Name „Mondpalast“ verbindet zwei Bezüge zur Stadtgeschichte und zur populären Kultur Wanne-Eickels.
Der „Mond“ verweist auf das bekannte Lied „Der Mond von Wanne-Eickel“, das von Friedel Hensch und den Cyprys interpretiert wurde und Wanne-Eickel über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machte. Der Begriff „Palast“ wurde bewusst gewählt. Christian Stratmann spielte damit auf das Kontrastverhältnis zwischen dem eher bescheidenen Image der Industriestadt und dem anspruchsvoll klingenden Begriff eines Palastes an.
Der Name war somit nicht nur eine Bezeichnung für das neue Theater, sondern zugleich ein humorvoller Kommentar zur regionalen Selbstwahrnehmung. Er passte zum geplanten Programm, das mit den Klischees des Ruhrgebiets spielen und diese zugleich aufgreifen sollte.[4]
Eröffnung am 28. Januar 2004
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Mondpalast von Wanne-Eickel
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Mondpalastsaal
Am 28. Januar 2004 wurde der Mondpalast mit der Komödie Ronaldo & Julia – Zwei Herzen zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 eröffnet. Das Stück übertrug die Handlung von William Shakespeares Tragödie Romeo und Julia auf die Fußballrivalität zwischen den beiden großen Vereinen des Ruhrgebiets.
Im Mittelpunkt stehen zwei miteinander verfeindete Wirtsfamilien, deren unterschiedliche Vereinszugehörigkeit die Beziehungen zwischen den Familien bestimmt. Als sich die junge Julia aus der einen und Ronaldo aus der anderen Familie ineinander verlieben, gerät die bestehende Ordnung ins Wanken. Die Geschichte verbindet eine bekannte literarische Vorlage mit den regionalen Fußballtraditionen und dem Alltag der Ruhrgebietskneipe.
Mit der Wahl dieses Stücks setzte das Theater bereits zur Eröffnung sein künstlerisches Programm um: allgemein verständliche Konflikte, vertraute Milieus und regionale Besonderheiten wurden zum Ausgangspunkt einer Komödie. Die Premiere fand auch überregional Beachtung. Die ARD-Tagesthemen berichteten über die Theatereröffnung und trugen dazu bei, den neuen Spielort einem größeren Publikum bekannt zu machen.[2][5]
Die Gründung fiel in eine Zeit, in der der ehemalige Städtische Saalbau nach einer neuen Nutzung gesucht hatte. Mit dem Mondpalast erhielt das Gebäude eine dauerhafte kulturelle Funktion, die sich nicht auf einzelne Gastspiele beschränkte. Der private Theaterbetrieb setzte auf ein kontinuierliches Programm und ein eigenes Ensemble.
Das künstlerische Konzept
Volkstheater mit regionalem Bezug
Das Programm des Mondpalasts beruht auf dem Prinzip, Theatergeschichten aus der Lebenswirklichkeit des Ruhrgebiets zu entwickeln. Die Figuren sind häufig Menschen aus alltäglichen Berufen und sozialen Zusammenhängen: Gastwirte, Nachbarn, Ehepaare, Fußballfans oder Familienangehörige. Ihre Konflikte werden komödiantisch zugespitzt, ohne dass die dargestellten Probleme ausschließlich auf die regionale Umgebung beschränkt bleiben.
Die regionale Verankerung zeigt sich auch in der Sprache. Umgangssprachliche Wendungen, der Klang des Ruhrdeutschen und vertraute Redensarten prägen zahlreiche Dialoge. Der Dialekt beziehungsweise die regionale Umgangssprache wird dabei nicht nur als sprachliche Besonderheit eingesetzt, sondern vermittelt auch soziale Zugehörigkeit und Charaktereigenschaften.
Das Theater richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die sonst nur selten eine klassische Theateraufführung besuchen. Die Stücke setzen keine umfassenden literarischen Vorkenntnisse voraus. Ihre Themen erschließen sich aus alltäglichen Situationen, während die komödiantische Gestaltung einen unmittelbaren Zugang ermöglicht.[2]
Die Bezeichnung „Volkstheater“ meint in diesem Zusammenhang eine Theaterform, die ein breites Publikum ansprechen und regionale Lebenswelten auf der Bühne sichtbar machen will. Der Mondpalast ist deshalb nicht mit einer kommunalen Bühne oder einem Stadttheater gleichzusetzen. Er wird als privates Unternehmen geführt und entwickelt sein Programm unter den Bedingungen eines eigenständigen Theaterbetriebs.
Sigi Domke und Thomas Rech
Eine wichtige Rolle beim Aufbau des Mondpalasts spielten der Autor Sigi Domke und der Regisseur und Schauspieler Thomas Rech.
Sigi Domke wurde als Hausautor zu einem der prägenden Autoren des Theaters. Seine Komödien greifen typische Konflikte des Ruhrgebiets auf und verbinden sie mit allgemeinen gesellschaftlichen Themen. Dabei geht es unter anderem um familiäre Spannungen, Vorurteile, Generationenkonflikte, die Arbeitswelt und die Schwierigkeiten des Zusammenlebens.
Thomas Rech war Gründungsintendant und Regisseur. Er prägte die Inszenierungen der Anfangsjahre und war maßgeblich an der Entwicklung der charakteristischen Spielweise des Hauses beteiligt. Die Zusammenarbeit zwischen Autor, Regie und Ensemble trug dazu bei, ein wiedererkennbares künstlerisches Profil zu schaffen.[2]
Das Zusammenspiel von eigens entwickelten Texten und einem regelmäßig auftretenden Ensemble unterschied den Mondpalast von einer Bühne, deren Programm hauptsächlich aus wechselnden Gastspielen besteht. Die Figuren und die Art ihrer Darstellung konnten sich über mehrere Produktionen hinweg zu vertrauten Bestandteilen des Theaterangebots entwickeln.
Humor und gesellschaftliche Themen
Die Komödien des Mondpalasts beschränken sich nicht auf die Darstellung regionaler Eigenheiten. Hinter den humoristischen Situationen stehen häufig Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
In Ronaldo & Julia wird die Rivalität zwischen Fußballanhängern zum Ausgangspunkt einer Geschichte über Vorurteile und familiäre Abgrenzung. Flurwoche greift Konflikte des nachbarschaftlichen Zusammenlebens und Vorurteile gegenüber Menschen mit Einwanderungsgeschichte auf. Andere Produktionen behandeln Beziehungen im Alter, Eheprobleme oder den Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen.[2]
Die Komik entsteht häufig aus der Übertreibung vertrauter Verhaltensweisen. Die Zuschauer sollen sich in den Figuren und Situationen wiedererkennen können. Das Theater verbindet damit Unterhaltung mit einer Darstellung sozialer Wirklichkeit, ohne den Anspruch eines wissenschaftlichen oder dokumentarischen Abbilds zu erheben.
Bedeutende Produktionen
Ronaldo & Julia
Ronaldo & Julia gehört zu den bekanntesten Produktionen des Mondpalasts. Das Stück wurde am Eröffnungsabend 2004 gezeigt und entwickelte sich zu einem Markenzeichen des Theaters.
Die Komödie verbindet die Liebesgeschichte zweier junger Menschen mit der Rivalität zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04. Die Fußballvereine stehen stellvertretend für konkurrierende Zugehörigkeiten, die bis in Familien und persönliche Beziehungen hineinreichen. Der Stoff eignet sich damit besonders für ein Theater, dessen Selbstverständnis eng mit der regionalen Fußballkultur verbunden ist.[5]
Die anhaltende Präsenz des Stücks im Spielplan zeigt, wie stark der Mondpalast auf wiederkehrende Publikumserfolge und auf die Vertrautheit seiner Zuschauer mit den dargestellten Milieus setzt.
Weitere Komödien
Neben Ronaldo & Julia gehören Produktionen wie Flurwoche, Auf der wilden Rita, Waschtag und Ganz in Weiß!? zum Repertoire beziehungsweise zur Aufführungsgeschichte des Theaters. Sie behandeln unterschiedliche Aspekte des Alltags und der zwischenmenschlichen Beziehungen.
Mit der Komödie Die unendliche Baustelle nahm das Theater 2025 beispielsweise bürokratische Hindernisse, die Entwicklung von Stadtquartieren und die Schwierigkeiten kleiner Gewerbetreibender zum Ausgangspunkt einer satirischen Handlung. Die Produktion zeigt, dass der Mondpalast seine regionale Ausrichtung nicht ausschließlich auf Fußball und traditionelle Ruhrgebietsklischees beschränkt, sondern auch aktuelle kommunale und gesellschaftliche Themen aufgreift.[6]
Bekannte Komödien (Auszug)
- Ronaldo & Julia
- Auf der Wilden Rita (früher: Die Senior-Ritas)
- Wat'ne herrliche Welt
- Selbs' in Schuld
- Peterchens Mondfahrt
- Wilhelmstraße
- Anne Tanke
- Otello, der Schwatte von Datteln
- Frohet Fest
- Ein kleiner Engel zweiter Klasse
- Die Wanne-Kopps
- Flurwoche
- Herr Pastor und Frau Teufel
- Der zerdepperte Pott
- Das Phantom vom Oppa
- Die (fast) glorreichen Sieben
- Das Schweigen der Frösche
- Alle(t) unter einem Dach
Das Ensemble
Der Mondpalast arbeitet mit einem eigenen Ensemble, dessen Mitglieder regelmäßig in den Produktionen des Hauses auftreten. Zu den Schauspielerinnen und Schauspielern, die den Mondpalast über viele Jahre prägten, gehören Silke Volkner, Susi Fernkorn, Axel Schönnenberg, Heiko Büscher und Martin Zaik. Einige von ihnen waren bereits in der Anfangszeit des Theaters dabei.[2]
Das Ensemble ist ein wesentlicher Bestandteil des künstlerischen Konzepts. Wiederkehrende Darsteller schaffen Vertrautheit und ermöglichen es dem Publikum, bestimmte Schauspieler mit charakteristischen Rollen und Spielweisen zu verbinden. Anders als bei einem reinen Gastspielbetrieb entwickelt sich so eine dauerhafte Beziehung zwischen Bühne und Publikum.
Die Arbeit des Ensembles umfasst neben den Aufführungen auch die Probenarbeit für neue Produktionen. Die Entwicklung einer Komödie erfordert dabei ein Zusammenspiel von Text, Regie, Timing und Darstellung. Gerade bei humoristischen Szenen hängt die Wirkung wesentlich davon ab, wie präzise die Schauspieler Dialoge und Situationen gestalten.
Entwicklung des Theaterbetriebs
Die ersten Erfolgsjahre
Der Mondpalast entwickelte sich in den ersten Jahren zu einer festen Größe im Kulturleben Wanne-Eickels und des Ruhrgebiets. Das Konzept, regionale Geschichten mit einem festen Ensemble auf die Bühne zu bringen, erwies sich als tragfähig. Die Besucherzahlen stiegen, und die Produktionen fanden zunehmend auch außerhalb der unmittelbaren Umgebung Beachtung.
Zum zwanzigjährigen Bestehen im Jahr 2024 berichtete das Theater, dass seit der Eröffnung mehr als eine Million Gäste die Vorstellungen besucht hatten. Für den Zeitraum bis zum Jubiläum wurden rund 3.000 Vorstellungen und 25 Premieren genannt.[2]
Die Zahlen verdeutlichen die Bedeutung des Hauses als privates Theaterunternehmen. Sie zeigen zugleich, dass der Mondpalast nicht nur von einzelnen erfolgreichen Inszenierungen lebt, sondern ein dauerhaftes Publikum an sich binden konnte.
Die Corona-Pandemie
Die Einschränkungen während der Corona-Pandemie stellten den Theaterbetrieb vor erhebliche Schwierigkeiten. Zeitweise waren Aufführungen aufgrund der geltenden Schutzmaßnahmen nicht oder nur unter besonderen Bedingungen möglich. Für ein privatwirtschaftlich betriebenes Theater bedeutete der Ausfall des regulären Spielbetriebs eine besondere wirtschaftliche Belastung.
Christian Stratmann beschrieb die Pandemie später als eine Zeit, die ihn persönlich und unternehmerisch stark beansprucht habe. Trotz dieser Schwierigkeiten blieb das Ziel bestehen, den Mondpalast als eigenständige Bühne mit regionalem Profil zu erhalten.[2]
Übergang zu Marvin Boettcher
Im Mai 2023 übernahm Marvin Boettcher (*1987) die Verantwortung für den Mondpalast. Er war bereits zuvor mit dem Theater verbunden gewesen. 2009 hatte er die kleineren „Wanne-Eickeler Kammerspielchen“ aufgebaut, die als ergänzendes Bühnenangebot zum Mondpalast dienten. Nach weiteren beruflichen Stationen kehrte er in die Theaterlandschaft des Ruhrgebiets zurück und übernahm die Nachfolge Christian Stratmanns.[7]
Stratmann blieb dem Haus als Berater verbunden. Mit dem Wechsel der Leitung begann eine Phase, in der das bewährte Konzept des Volkstheaters weitergeführt, zugleich aber um neue Formate und zusätzliche Spieltermine ergänzt wurde.
Im Jahr 2025 setzte Boettcher verstärkt auf neue Produktionen, zusätzliche Spieltage und Vorstellungen auch während der Sommermonate. Außerdem wurden Gastspiele und weitere Angebote in das Programm aufgenommen. Damit sollte das Theater auch neue Zielgruppen erreichen, ohne seine regionale Ausrichtung aufzugeben.[8]
Das Gebäude und seine Lage
Der Mondpalast befindet sich in der Wilhelmstraße 26 im Herner Stadtteil Wanne, in unmittelbarer Nähe des Stadtgartens. Das Theater nutzt den historischen Städtischen Saalbau, dessen Geschichte bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückreicht.
Das Gebäude wurde 1911 als repräsentativer Saalbau errichtet und war zunächst unter der Bezeichnung „Kaisersaal“ bekannt. Im Laufe seiner Geschichte wurde es für unterschiedliche kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt. Nach baulichen Veränderungen und Brandschäden erhielt es im Zuge seiner späteren Nutzung als Theater eine neue Funktion.
Mit der Eröffnung des Mondpalasts im Jahr 2004 wurde das Gebäude zu einer dauerhaften Spielstätte für ein eigenständiges Theaterensemble. Der historische Bau und das moderne Volkstheater bilden seitdem eine Verbindung zwischen der älteren Veranstaltungsgeschichte Wanne-Eickels und der heutigen Kulturlandschaft des Stadtteils.
Die Geschichte des Gebäudes ist vom Theaterbetrieb zu unterscheiden: Während der Saalbau bereits lange vor 2004 als Veranstaltungsort diente, bezeichnet der Name Mondpalast das seit 2004 bestehende Theaterkonzept und dessen Betrieb.
Bedeutung für Wanne-Eickel und das Ruhrgebiet
Der Mondpalast hat sich zu einer kulturellen Einrichtung entwickelt, deren Bedeutung über den Stadtteil Wanne hinausreicht. Er trägt dazu bei, Wanne-Eickel als eigenständigen Kulturstandort sichtbar zu machen und regionale Themen einem größeren Publikum zu vermitteln.
Die bewusste Entscheidung für Wanne-Eickel war ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Konzepts. Der Theatername greift ein bekanntes lokales Symbol auf, während die Stücke häufig Situationen und Eigenheiten des Ruhrgebiets thematisieren. Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen kultureller Unterhaltung und regionaler Identität.
Der Erfolg des Theaters zeigt außerdem, dass ein privatwirtschaftlich betriebenes Haus mit einem klar erkennbaren Profil über einen längeren Zeitraum ein großes Publikum erreichen kann. Der Mondpalast verbindet professionelle Theaterarbeit mit einer leicht zugänglichen Form der Komödie und spricht damit auch Menschen an, die sich weniger für das klassische Theaterrepertoire interessieren.
Die regionale Ausrichtung bedeutet dabei nicht, dass die Themen ausschließlich für ein Publikum aus dem Ruhrgebiet verständlich wären. Familienkonflikte, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Liebe, Vorurteile und gesellschaftliche Veränderungen sind allgemein verständliche Gegenstände. Das Ruhrgebiet bildet den besonderen Rahmen, in dem diese Themen komödiantisch bearbeitet werden.
Der Mondpalast ist damit ein Beispiel für die Verbindung von lokaler Kultur, privatem Unternehmertum und professionellem Theaterbetrieb. Seine Entwicklung seit 2004 verdeutlicht, welche Bedeutung ein dauerhaftes kulturelles Angebot für die Wahrnehmung und Identität eines Stadtteils gewinnen kann.
Weitere Theater- und Unterhaltungseinrichtungen
Wanne-Eickeler Kammerspielchen
Die Entstehung des Mondpalasts steht auch im Zusammenhang mit kleineren Theaterprojekten in Wanne-Eickel. Zu diesen gehörten die 2009 von Marvin Boettcher aufgebauten „Wanne-Eickeler Kammerspielchen“ im damaligen "Haus des Handwerks" an der Gerichtsstraße. (Heute Ruhr Apotheke Dr. Sibbel) Sie waren als kleinere Bühne im Umfeld des Mondpalasts konzipiert und boten ein ergänzendes Theaterangebot.
Boettcher, der später die Leitung und den Besitz des Mondpalasts übernahm, sammelte mit diesem Projekt früh Erfahrungen als Theaterunternehmer. Die Kammerspielchen bildeten damit einen Teil der Vorgeschichte seiner späteren Tätigkeit als Theaterdirektor. Nach weiteren beruflichen Stationen kehrte er in den Mondpalast zurück und übernahm 2023 die Nachfolge des Gründers Christian Stratmann.[7]
RevuePalast Ruhr
Eine weitere Verbindung zum Mondpalast besteht zum RevuePalast Ruhr. Das von Christian Stratmann 2009 gegründete Showtheater befand sich zunächst in der denkmalgeschützten Heizzentrale der ehemaligen Zeche Ewald in Herten. Anders als der Mondpalast, dessen Schwerpunkt auf Ruhrgebietskomödien mit einem festen Schauspielensemble liegt, konzentrierte sich der RevuePalast auf Travestie, Revue, Musik und aufwendig gestaltete Unterhaltungsshows.[9]
Im Mai 2023 übergab Christian Stratmann beide Theater an Marvin Boettcher, der damit die Verantwortung für zwei unterschiedliche Unterhaltungskonzepte übernahm. Während der Mondpalast an der Wilhelmstraße in Wanne seinen Spielbetrieb fortsetzte, endete der Betrieb des RevuePalasts am Standort Herten im Januar 2025 nach dem Auslaufen des Mietvertrags und aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten.[10]
Im März 2026 wurde der RevuePalast Ruhr in einer ehemaligen Squash- und Padelhalle am Eingang des Revierparks Gysenberg in Herne neu eröffnet. Damit erhielt das Showtheater einen neuen Standort innerhalb des Stadtgebiets. Die Wiedereröffnung zeigt, dass sich die von Stratmann begründete Verbindung von Unterhaltung und eigenständigen Theaterkonzepten unter der Leitung Boettchers fortsetzt, nunmehr an zwei räumlich getrennten Standorten in Herne.[11]
Die drei Einrichtungen stehen für unterschiedliche Formen der Theater- und Unterhaltungskultur: Die Kammerspielchen waren eine kleinere Bühne, der Mondpalast entwickelte sich zu einem regional verankerten Volkstheater, und der RevuePalast Ruhr ist auf Show- und Revueproduktionen ausgerichtet. Gemeinsam veranschaulichen sie die Entwicklung privater Theaterinitiativen im Umfeld Wanne-Eickels und Hernes.
Die Palastkantine
Zur gastronomischen Geschichte des Mondpalasts gehört die Palastkantine, die sich im Gebäude des Theaters an der Wilhelmstraße befindet. Das Restaurant ergänzt den Theaterbetrieb und bietet den Gästen die Möglichkeit, ihren Besuch mit einem Essen oder Getränken vor der Vorstellung und in der Pause zu verbinden.
Von der Mondschänke zur Palastkantine
Die Palastkantine ging aus der zuvor betriebenen Mondschänke hervor. Nach rund zehnjähriger Bewirtschaftung durch die Herner Tagungs- und Gastronomiegesellschaft (TGG) wurde die Gastronomie 2014 an den neuen Pächter Wladimir Paster übergeben. Im September desselben Jahres erhielt das Restaurant den Namen „Palastkantine“. Mit der Umbenennung wurde die gastronomische Einrichtung auch namentlich stärker an das Theater angelehnt.[12]
Das gastronomische Konzept griff die regionale Ausrichtung des Theaters auf. Die Speisekarte enthielt Gerichte mit Bezügen zur Küche des Ruhrgebiets. Dazu gehörten beispielsweise Steckrübensuppe und Grubengulasch, wobei Letzteres als Pfefferpotthast angeboten wurde. Die Karte wurde saisonal angepasst. Neben dem Restaurantbetrieb übernahm der Pächter auch die Bewirtung der Theaterbesucher im Foyer und während der Pausen.[12]
Die Palastkantine entwickelte sich damit zu einem ergänzenden Bestandteil des Theaterbesuchs. Sie verband die gastronomische Versorgung mit dem geselligen Charakter, den der Mondpalast als Volkstheater pflegt.
Schließung und Neuorganisation 2026
Im April 2026 wurde die Palastkantine überraschend geschlossen. Der Wegfall der Gastronomie stellte den Mondpalast vor die Aufgabe, die Versorgung seiner Besucher während des laufenden Spielbetriebs sicherzustellen. Das Theater übernahm deshalb zunächst den Getränkeverkauf im Foyer in eigener Regie. Regionale Getränkepartner unterstützten diese Übergangslösung. Später wurden dort auch wieder kleinere Speisen angeboten, darunter Currywurst und die sogenannte Theater-Brezel.[13]
Im Juni 2026 wurde über einen neuen Pächter für das Restaurant berichtet. Damit zeichnete sich eine Fortsetzung der gastronomischen Nutzung ab. Die Entwicklung verdeutlicht zugleich, dass Restaurantbetrieb und Theater zwar eng miteinander verbunden sind, organisatorisch und wirtschaftlich jedoch unterschiedliche Aufgaben erfüllen.[14]
Die Geschichte der Palastkantine zeigt, dass der Mondpalast nicht nur als Bühne, sondern auch als Veranstaltungsort mit gastronomischem Angebot wahrgenommen wird. Restaurant, Foyer und Theatersaal ergänzen sich und prägen gemeinsam das Besuchserlebnis an der Wilhelmstraße.
Literatur und Quellen
- https://www.mondpalast.com
- Lang, Sandra Anni: Ein Palast für Wanne-Eickel. Christian Stratmann im Gespräch über das geplante „Ruhrschwank-Theater“. In: inHerne, Ausgabe 5/2003, S. 17. Digitalisat.
- Mondpalast von Wanne-Eickel: Das Wunder von Wanne-Eickel – Mondpalast feiert 20. Geburtstag. 29. November 2024. [4].
- Mondpalast von Wanne-Eickel: Palast-Chef Marvin Boettcher erhält NRW-Preis für gelungene Nachfolge. 9. Oktober 2025. [5].
- Mondpalast von Wanne-Eickel: Ronaldo & Julia – Zwei Herzen zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. [6].
- Kulturserver NRW: Mondpalast von Wanne-Eickel. [7].



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Einzelnachweise
- ↑ https://commons.wikimedia.org
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Mondpalast von Wanne-Eickel: „Das Wunder von Wanne-Eickel“ – Mondpalast feiert 20. Geburtstag, 29. November 2024, online.
- ↑ Stadt Herne, Fachbereich Kultur: Informationen zum Mondpalast von Wanne-Eickel; ergänzend: offizielle Website des Mondpalasts.
- ↑ 4,0 4,1 Sandra Anni Lang: „Ein Palast für Wanne-Eickel. Christian Stratmann im Gespräch über das geplante ‚Ruhrschwank-Theater‘“, in: inHerne, Ausgabe 5/2003, S. 17, digitalisiert.
- ↑ 5,0 5,1 Mondpalast von Wanne-Eickel: „Ronaldo & Julia – Zwei Herzen zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04“, Stückbeschreibung.
- ↑ Mondpalast von Wanne-Eickel: „Endlich mal eine Baustelle, die Spaß macht!“, Informationen zur Produktion Die unendliche Baustelle, offizielle Website.
- ↑ 7,0 7,1 Mondpalast von Wanne-Eickel: „Palast-Chef Marvin Boettcher erhält NRW-Preis für gelungene Nachfolge“, 9. Oktober 2025, online.
- ↑ Mondpalast von Wanne-Eickel: „Mondpalast startet durch in eine Spielzeit ohne Grenzen“, 9. April 2025, online.
- ↑ Regionalverband Ruhr: „Christian Stratmann gibt die Leitung des Mondpalast an Herner Kulturmanager weiter“, [1].
- ↑ Westdeutscher Rundfunk: „Neue Heimat: RevuePalast Ruhr zieht von Herten nach Herne“, 4. Juni 2025, [2].
- ↑ Westdeutscher Rundfunk: „Von Zauberkunst bis Travestie: Revuepalast Ruhr eröffnet in Herne“, 12. März 2026, [3].
- ↑ 12,0 12,1 Der Palast bekommt eine Kantine. In: inHerne, 10. September 2014, online.
- ↑ Mondpalast von Wanne-Eickel: „Palastkantine“ geschlossen – Mondpalast übernimmt, 8. April 2026, online.
- ↑ Restaurant „Palastkantine“ in Herne: Spur führt zum „Haus am See“ in Essen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 29. Juni 2026.

