Kleinstzeche von-der-Heydt (Wisoka) - Eine bergbauhistorisches Kuriosum in Herne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Die Kleinstzeche Von der Heydt / Wisoka war eine Kleinzeche im heutigen Stadtgebiet von Herne. Zwischen 1952 und 1964 wurde auf dem Gelände der bereits 1928 stillgelegten Zeche Von der Heydt erneut Steinkohle gefördert. Betreiber war die Gewerkschaft Wisoka aus Bochum.

Kleinstzeche Von-der-Heydt †
Erbaut: 1952
Auch bekannt als: Wisoka
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Letzte Änderung: 24.02.2026
Geändert von: Thorsten Schmidt

Die Anlage stellte eine Besonderheit dar: Inmitten einer von Großzechen geprägten Bergbaustadt mit modernen Förderanlagen entstand eine Kleinzeche, die mit vergleichsweise einfachen Mitteln arbeitete und damit ein Stück „Bergromantik“ vergangener Zeiten wiederaufleben ließ.

Vorgeschichte

Die ursprüngliche Zeche Von der Heydt wurde 1928 stillgelegt. Ihre Schächte standen seitdem größtenteils unter Wasser. Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte im Ruhrgebiet akuter Kohlemangel. In dieser Situation entstanden zahlreiche Kleinzechen, insbesondere südlich der Ruhr.

1952 verpachtete die Märkische Steinkohlen AG Restfelder der stillgelegten Grube an die Gewerkschaft Wisoka. Während viele Kleinbetriebe als Stollenzechen mit geringer Teufe arbeiteten, handelte es sich hier um eine „echte“ Tiefbauzeche, da die vorhandenen Schächte weitergenutzt wurden.

Gewerkschaft WISOKA

Die Ursprünge der Gesellschaft lagen in Unna. Am 8. Januar 1940 wurde die Gewerkschaft ins Handelsregister (HRA 3634) Gewerkschaft Wisoka, Bochum (Glockengarten 51) eingetragen. Zweck der Gewerkschaft war der Ausbau von Gruben und damit zusammenhängenden Arbeiten und Geschäfte. Repräsentant: Fabrikant Rudolf Hausherr jun. in Spröckhövel. Der Sitz der Gewerkschaft ist von Unna nach Bochum verlegt. Dessen Vater Fabrikant Rudolf Hausherr (1861-1925) war Gründer der "Märkische Bohrmaschinen-Fabrik Gebr. Hausherr" - später Hauhinco - und damit Konkurent der Flottmann-Werke. Anfänglich ein Einzelunternehmen wurde am 27. Juli 1951 eine Satzung errichtet mit 100 Kuxe. Die zuletzt "Gewerkschaft Wioka GmbH & Co. KG" genannte Gesellschaft wurde 1985 von der Bauunternehmung Heitkamp übernommen und am 17. September 1996 gelöscht.

Betrieb der Kleinzeche (1952–1964)

Der Betrieb begann 1952. Etwa 25 Bergleute arbeiteten im Drei-Schicht-System. Die tägliche Förderung lag bei rund 50 Tonnen Steinkohle (etwa 1.000 Zentner). Pro Tag wurden 80–90 kleine Förderwagen über ein vergleichsweise dünnes Förderseil zutage gebracht.

Über Tage war die Anlage kaum sichtbar. Auf wenigen Quadratmetern befanden sich kleine Betriebsräume; eine Kohlenwäsche oder ein Leseband existierten nicht. Die Kohle wurde direkt auf Lastwagen verladen, wobei Chauffeure und Beifahrer die anfallenden Bergeanteile von Hand auslasen.

Abbauverhältnisse

Abgebaut wurden unter anderem:

  • das Flöz „Präsident“,
  • das Magerkohlenflöz „Girondelle“.

Es handelte sich um Restpfeiler und kleinere Flözstücke im Bereich der ehemaligen Schachtsicherheitspfeiler. Diese Kohlen waren bei früheren Abbauperioden stehen geblieben, da sie zur Stabilisierung des Schachtes dienten. Der Abbau erfolgte in etwa 200 m Teufe.

Zeitzeugen berichteten, dass bei der geringen Überdeckung gelegentlich Erschütterungen durch vorbeifahrende Züge der nahegelegenen Bahnlinie spürbar gewesen seien.

Historische Funde unter Tage

Bei der Wiederauffahrung alter Strecken stießen die Bergleute auf einen mehrere Jahrzehnte alten Bremsberg, dessen Ausbau dem Gebirgsdruck standgehalten hatte. Hinter Ausbauhölzern fanden sich Reste von Zeitungen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – Zeugnisse der früheren Belegschaft.

Soziale und wirtschaftliche Aspekte

Zu Beginn erhielten die Bergleute einen Schichtlohn von 17 DM (8,70 €); später wurde im Gedinge gearbeitet, wobei einzelne Hauer über 20 DM (10,20 €) pro Schicht erzielten. Viele der Beschäftigten hatten zuvor in weiter entfernten Ruhrzechen gearbeitet und schätzten die wohnortnahe Beschäftigung in Herne.

Man ging davon aus, noch etwa zwei Jahre wirtschaftlich abbauen zu können; tatsächlich lief der Betrieb bis 1964.

Tagesbruch 1969

1969 ereignete sich am Schacht 2 ein Tagesbruch. Die Verfüllsäule war nachgesackt, sodass ein Hohlraum einbrach. Der Schacht wurde bis in 42 m Teufe aufgewältigt und mit einem Betonpfropfen gesichert.

Als Ursache gilt vermutlich der Abbau von Flözen im Bereich der ehemaligen Schachtsicherheitspfeiler während der Kleinzechenzeit.

Bedeutung

Die Kleinstzeche Von der Heydt / Wisoka stellt eine bergbauhistorische Kuriosität dar. In einer Zeit hochmechanisierter Großzechen wurde hier mit vergleichsweise einfachen Mitteln und kleiner Belegschaft ein Restabbau betrieben.

Für die Bergbaugeschichte Hernes dokumentiert die Anlage:

  • die Nachkriegsknappheit an Steinkohle,
  • die wirtschaftliche Bedeutung von Kleinzechen,
  • sowie die Risiken des Abbaus in Schachtsicherheitspfeilern.

Heute erinnert nur wenig an den Betrieb. Die Geschichte der Kleinzeche ist jedoch ein eindrucksvolles Beispiel für Improvisation, Unternehmergeist und den letzten Nachhall der klassischen Bergmannstradition im Ruhrgebiet.

Quellen