Kaiserbrunnen Wanne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Der Kaiserbrunnen, auch Dreikaiserbrunnen oder Dreikaiserdenkmal genannt, befindet sich im Stadtgarten Wanne in Wanne und gehört zu den markanten historischen Anlagen des ehemaligen Stadtgebiets Wanne-Eickel. Das Denkmal entstand zwischen 1898 und 1901 und wurde am 1. September 1901 feierlich enthüllt. Es erinnert an die drei deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern: Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II.[1]

Kaiserbrunnen
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Das etwa 15 Meter hohe Bauwerk wurde nach einem Entwurf des Düsseldorfer Bildhauers [Frische] errichtet. Ursprünglich war der Brunnen Bestandteil einer repräsentativen Parkanlage, die zunächst die Bezeichnung Kaisergarten trug und später in Stadtgarten umbenannt wurde.[2]

Entstehung des Stadtgartens

Die Geschichte des Kaiserbrunnens ist eng mit der Entstehung des heutigen Stadtgartens verbunden. Die Gemeinde Wanne bemühte sich Ende des 19. Jahrhunderts um die Schaffung einer größeren öffentlichen Grünanlage. Dazu wurden mehrere Grundstücke erworben. Die Gesamtfläche der vorgesehenen Parkanlage betrug rund 4,84 Hektar.[3]

Die erste Anregung zur Errichtung des Kaiserbrunnens soll nach den Unterlagen des Stadtarchivs vom damaligen Wanner Amtmann Friedrich Winter im Jahr 1896 ausgegangen sein.[4]

Für die Gestaltung des Parks wurde Anfang 1899 der Düsseldorfer Gartenarchitekt Friedrich Gude[5] mit der Planbearbeitung und Bauleitung beauftragt. Der zunächst als Kaisergarten bezeichnete Park wurde am 8. August 1900 der Öffentlichkeit übergeben.[6]

Der Kaiserbrunnen wurde auf einer erhöhten Platzanlage oberhalb des Teiches errichtet und bildete zusammen mit dem Wasserbecken und der Parkgestaltung einen zentralen Blickpunkt der Anlage.

Finanzierung und Grundsteinlegung

Die Errichtung des Kaiserbrunnens wurde nicht allein aus öffentlichen Mitteln finanziert. Nach den überlieferten Angaben kamen die Mittel durch freiwillige Beiträge zusammen. Beteiligt waren unter anderem Vereine, Privatpersonen und die örtlichen Bergwerksunternehmen.[7]

Die Grundsteinlegung erfolgte nach der überlieferten Darstellung am 20. August 1898. Eine städtische Veröffentlichung aus dem Jahr 1988 berichtet, dass ursprünglich der 6. August als Termin vorgesehen gewesen sei.[8]

Der Bau zog sich über mehrere Jahre hin. Nach den Angaben der lokalhistorischen Überlieferung konnte der Düsseldorfer Bildhauer Arnold Frische im Jahr 1900 mit den Arbeiten beginnen. Die feierliche Enthüllung erfolgte schließlich am 1. September 1901.[9][10][11]

Künstler

Der Entwurf des Kaiserbrunnens stammt von dem Düsseldorfer Bildhauer Arnold Heinrich Adolf Frische (1869–1944). Frische wurde 1869 in Düsseldorf geboren und war als Bildhauer vor allem auf Porträts, Grabmäler und Denkmäler spezialisiert.

Der Kaiserbrunnen in Wanne gehört zu seinen größeren öffentlichen Arbeiten. Das Denkmal entstand während der letzten Regierungsjahre Kaiser Wilhelms II. und steht damit in unmittelbarem Zusammenhang mit der Denkmalkultur des Deutschen Kaiserreichs.

Gestaltung

Das Denkmal ist als monumentale historistische Brunnen- und Gedenkanlage ausgeführt und erreicht eine Höhe von etwa 15 Metern.

Zu den ursprünglichen Gestaltungselementen gehörten unter anderem ein hoch aufragender Aufbau, ein Reichswappen, Eichenlaubornamentik sowie Löwenköpfe. Aus den Löwenköpfen konnte ursprünglich Wasser austreten. Dieses lief in eine Brunnenschale und anschließend in das vorgelagerte Wasserbecken beziehungsweise den Teich.[12]

Die Verbindung von monumentaler Architektur, monarchischer Symbolik und Wasseranlage war Teil der ursprünglichen Gesamtkonzeption.

Die drei Kaiser

Namensgebend waren die drei deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern:

  • Kaiser Wilhelm I. (1871–1888)
  • Kaiser Friedrich III. (1888)
  • Kaiser Wilhelm II. (1888–1918)

Ursprünglich befanden sich an der Anlage drei bronzene Reliefdarstellungen der Kaiser. Damit entsprach der Kaiserbrunnen dem Typus des im Deutschen Kaiserreich verbreiteten Dreikaiserdenkmals.[13]

Die Darstellung der drei aufeinanderfolgenden Kaiser hatte zugleich eine dynastische Bedeutung. Sie stellte die Herrschaft der Hohenzollern als historische Kontinuität dar.

Inschriften und Gedenktafeln

Zum ursprünglichen Bestand des Kaiserbrunnens gehörte eine Widmung an das Hohenzollernhaus. Die zeitgenössische beziehungsweise spätere Beschreibung des Denkmals bezeichnet den Brunnen ausdrücklich als eine „Apotheose an das Hohenzollernhaus“.[14]

Darüber hinaus befand sich eine Gedenktafel für einen im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 gefallenen Einwohner aus Bickern mit dem Namen Hülsmann.

;W. Hülsmann aus Wanne
fand bei Beaune la Rolande
am 28. November 1870
den Heldentod.

Siehe: Schlacht bei Beaune-la-Rolande.

Diebstahl der Kaiserreliefs

Die ursprünglich angebrachten Bronzereliefs der drei Kaiser sind heute nicht mehr vorhanden.

Nach den vorliegenden lokalhistorischen Angaben wurden die drei Reliefs in den letzten Tagen des Jahres 1923 von unbekannten Tätern entwendet.[15]

Die Entwendung erfolgte wenige Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abschaffung der Monarchie. Ein politischer Hintergrund des Diebstahls erscheint angesichts der damaligen politischen Verhältnisse denkbar, ist für die konkrete Tat jedoch nicht belegt. Im Vereinswiki sollte deshalb nicht behauptet werden, die Reliefs seien aus politischen Gründen entfernt worden.

Die Bildfelder wurden später nicht durch Kopien der ursprünglichen Reliefs ersetzt.

Vom Kaisergarten zum Stadtgarten

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor die Bezeichnung „Kaisergarten“ ihre politische und gesellschaftliche Bedeutung. Die Parkanlage wurde in Stadtgarten umbenannt.[16]

Der Kaiserbrunnen blieb jedoch an seinem ursprünglichen Standort erhalten. Damit überdauerte das Denkmal den politischen Systemwechsel von der Monarchie zur Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit.

Denkmalschutz

Der Kaiserbrunnen wurde am 31. März 1988 in die Denkmalliste der Stadt Herne aufgenommen und als Denkmal Nr. 43 geführt.[17]

Die Unterschutzstellung erfolgte in einer Zeit, in der die historische Bedeutung der wilhelminischen Denkmäler zunehmend auch unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten betrachtet wurde.

Restaurierung

Vor der Restaurierung befand sich die Anlage in einem schlechten Zustand. Nach einem Bericht der WAZ wurde der Brunnen 1983 durch zwei Schüler und die Freiwillige Feuerwehr zunächst notdürftig instand gesetzt.[18]

Eine umfassendere Restaurierung erfolgte anschließend Ende der 1980er Jahre. Die WAZ nennt für die Restaurierung des Jahres 1988 Kosten von rund 100.000 DM. Andere Darstellungen geben den Zeitraum mit 1988/89 an.[19]

Da die Angaben zum genauen Abschluss der Restaurierung voneinander abweichen, sollte für eine endgültige Datierung die Restaurierungsakte des Stadtarchivs Herne herangezogen werden.

Die verlorenen Bronzereliefs der drei Kaiser wurden bei der Restaurierung nicht rekonstruiert.

Kritische Informationstafel

Bild: Frank Vincentz 2011[20]

Im Zusammenhang mit der späteren denkmalpflegerischen Behandlung wurde eine zusätzliche Informationstafel angebracht, die sich kritisch mit der politischen Aussage des ursprünglichen Denkmals auseinandersetzt.

Diese Tafel Mitte der 1990er Jahre angebracht.

DER KAISERBRUNNEN  
Nach Entwürfen des Düsseldorfer Bildhauers Arnold Frisch gebaut, wurde am 1. September 1901 enthüllt. Das von der Wanner Bürgerschaft errichtete Denkmal verherrlichte die drei Hohenzollernkaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II., als Friedensfürsten.  
Der Kaiserbrunnen ist eine historische Darstellung und ein Zeugnis seiner Zeit. Im geschichtlichen Rückblick ist die Bedeutung dieses Denkmals kritisch zu sehen.  
Die innenpolitischen Erwartungen des Volkes auf demokratische Ordnung und sozialen Frieden wurden vom Kaiserhaus nicht erfüllt. Außenpolitisch verfolgte Wilhelm II. eine unverantwortliche Politik der Stärke, die letztlich zum 1. Weltkrieg führte.
Die Tafel macht deutlich, dass der Kaiserbrunnen heute nicht mehr als monarchisches Ehrenmal verstanden wird. Vielmehr soll er als historisches Zeugnis seiner Entstehungszeit und seiner späteren Geschichte betrachtet werden.

Bedeutung des Denkmals

Der Kaiserbrunnen ist ein Zeugnis der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Deutschen Kaiserreich. Seine Errichtung verbindet die Entwicklung der Gemeinde Wanne, die Industrialisierung und das damit verbundene bürgerliche Selbstverständnis mit der monarchischen Erinnerungskultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Besonders charakteristisch ist die Verbindung von öffentlicher Parkanlage und politischem Denkmal. Der Brunnen war nicht isoliert errichtet worden, sondern bildete einen zentralen Bestandteil des damaligen Kaisergartens.

Die Geschichte des Bauwerks nach 1918 ist zugleich ein Beispiel für den Bedeutungswandel historischer Denkmäler. Die Umbenennung des Kaisergartens in Stadtgarten, der Verlust der Kaiserreliefs, die Restaurierung und die spätere kritische Informationstafel dokumentieren verschiedene Phasen des Umgangs mit dem Denkmal.

Heutiger Zustand

Der Kaiserbrunnen steht weiterhin an seinem historischen Standort im Stadtgarten Wanne. Die ursprüngliche Verbindung mit dem Teich und der Parkanlage ist bis heute erkennbar.

Die Stadt Herne zählt den historischen Stadtgarten zu den bedeutenden Grünanlagen des Stadtteils. Im Jahr 2026 wurde der Teich im Stadtgarten im Rahmen einer ökologischen Aufwertung überarbeitet. Dabei blieb die historische Bedeutung der Anlage zu berücksichtigen.[21]

Der Kaiserbrunnen ist damit heute sowohl ein Baudenkmal der wilhelminischen Epoche als auch ein Dokument des Wandels politischer Erinnerungskultur.

Quellenlage

Einige Angaben zur Geschichte des Kaiserbrunnens sind durch städtische Veröffentlichungen und lokalhistorische Forschungen gut belegt. Andere Details, insbesondere der genaue Wortlaut der ursprünglichen Inschriften, die näheren Umstände des Diebstahls der Bronzereliefs und die genaue Datierung einzelner späterer Veränderungen, bedürfen noch einer Überprüfung anhand der Originalakten.

Literatur

  • Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel. In: Der Emscherbrücher, Band 14 (2008/09), S. 57–77. Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e. V., Herne 2008.
  • Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 496–497.
  • Herne – unsere Stadt. Bürgerillustrierte der Stadt Herne, 1988.
  • Architekturführer Herne. Herne 1987.
  • Amt Wanne: Amt Wanne 1925, S. 72 ff.

Weblinks

Weitere Artikel

Einzelnachweise

  1. Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel. In: Der Emscherbrücher, Band 14 (2008/09), S. 57–77.
  2. Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 496–497.
  3. Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 496–497, Stichwort „Parkstraße“.
  4. Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Sammlung Denkmäler; vgl. Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel. In: Der Emscherbrücher, Band 14 (2008/09), S. 57–77.
  5. Gude wurde am 2. April 1867 in Kreuzthal geboren. Nach Lehrer und Studien der Gartenbaukunst seit 1893 in Düsseldorf tätig. er schuf über 150 Gärten und 15 Parkanlagen (u.a. die Erweiterung des Kurparks von Bad Oynhausen) Er starb am 14. März 1900 in Düsseldorf, also noch vor vollendung des Kaisergartens.
  6. Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 496–497.
  7. Stadtarchiv Herne, Dokumentationsbibliothek, Sammlung Denkmäler.
  8. Herne – unsere Stadt, Bürgerillustrierte der Stadt Herne, 1988, Beitrag über den Kaiserbrunnen im Stadtgarten Wanne.
  9. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/9074261
  10. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/9074367
  11. Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel. In: Der Emscherbrücher, Band 14 (2008/09), S. 57–77.
  12. WAZ, „Vom Winde umweht“, 29. April 2016.
  13. Manfred Hildebrandt: „…bey den spätesten Nachkommen in beständig gutem Andenken zu erhalten…“ – Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel. In: Der Emscherbrücher, Band 14 (2008/09), S. 57–77.
  14. Herne – unsere Stadt, Bürgerillustrierte der Stadt Herne, 1988, Beitrag über den Kaiserbrunnen im Stadtgarten Wanne.
  15. Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 496–497.
  16. Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt: Herne – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Band 1, Herne 1997, S. 496–497.
  17. Stadt Herne: Denkmalliste; Eintrag Kaiserbrunnen, Denkmal Nr. 43.
  18. WAZ, „Vom Winde umweht“, 29. April 2016.
  19. WAZ, „Vom Winde umweht“, 29. April 2016.
  20. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herne_-_Am_B%C3%B6ckenbusch_-_Stadtgarten_Wanne-Eickel_-_Kaiserbrunnen_05_ies.jpg
  21. Stadt Herne: „Teich im Stadtgarten Wanne wird aufgewertet“, 17. Juni 2026.