Joseph Pierre Monin (1837-1910) Bergwerkpionier

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Joseph Pierre Monin (geboren 9. November 1837 in Voiron, gestorben 13. Juni 1910 in Paris) war Gründer und Direktor der Zeche Mont-Cenis. Joseph Pierre Monin ist als technischer und wirtschaftlicher Mitgründer der Zeche Mont-Cenis eine Schlüsselfigur der frühen Industrialisierung Sodingens. Auch wenn seine direkte Tätigkeit zeitlich begrenzt war, hatte seine Rolle bei der Konsolidierung der Grubenfelder und der Gründung der Gewerkschaft langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung Hernes als Bergbaustandort

Joseph Pierre Monin
Joseph Pierre Monin 1875.jpg
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Monin im Jahre 1875

Geboren am: 9. November 1837
Geboren in: Voiron
Gestorben am: 13. Juni 1910
Gestorben in: Paris (8ème)
Beruf: Ingenieur. Grubengründer
Letzte Änderung: 27.04.2026
Geändert von: Andreas Janik



Einleitung

Joseph Pierre Monin (1837–1910) war ein französischer Bergbauingenieur und Unternehmer, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblich an der Entwicklung des frühen Steinkohlenbergbaus im nördlichen Ruhrgebiet beteiligt war. Seine Tätigkeit in der Region Herne-Sodingen ist eng mit der Entstehung der Zeche Mont-Cenis verbunden, einem der bedeutenden frühen Industrialisierungsprojekte des Herner Raumes. Monin zählt damit zu den internationalen „Zechenpionieren“, die französisches Kapital, Ingenieurwissen und unternehmerische Netzwerke in den aufstrebenden deutschen Ruhrbergbau einbrachten.

Herkunft und Ausbildung

Monin wurde in Voiron, Isère, Auvergne-Rhône-Alpes als Sohn des Joseph Monin (1805-1891) und dessen Ehefrau Marie Lucie Colomb (1817-1905) geboren und war nach zeitgenössischen Angaben Bergbauingenieur, vermutlich mit Ausbildung an einer technisch-naturwissenschaftlichen Hochschule des französischen Systems, das im 19. Jahrhundert stark von der École Polytechnique geprägt war. Seine berufliche Herkunft steht exemplarisch für eine Generation technisch hochqualifizierter Ingenieure, die im Zuge der europäischen Industrialisierung grenzüberschreitend tätig wurden.

Einstieg in den Ruhrbergbau

Erwerb der Grubenfelder in Sodingen

Joseph Pierre Monin erwarb im Jahre 1871 mit seinem Partner François Auguste Viviers insgesamt fünf Zechenfelder in Sodingen vom Bochumer Kaufmann Wilhelm Endemann. Im Jahr 1872 gingen die Felder – darunter „Theresia I“, „Eugenia“, „Mathilde I“, „Louis“ und „Jérôme“ – in den Besitz der neuen Betreiber über und wurden zum Grubenfeld Mont-Cenis zusammengeführt.

Die Benennung „Mont-Cenis“ bezog sich auf den gleichnamigen Alpenpass und Tunnelbau, der als Symbol technischer Ingenieursleistung des 19. Jahrhunderts galt und zugleich die französische Beteiligung an dem Projekt hervorhob.

Gründung der Zeche Mont-Cenis (1872)

Am 27. Juli 1872 wurde die „Gewerkschaft der Steinkohlenzeche Mont-Cenis Sodingen in Westfalen“ gegründet. Monin war dabei einer der zentralen technischen und wirtschaftlichen Initiatoren.

Er wurde der erste technische und kaufmännische Leiter des Unternehmens und der erste Vorsitzende des Grubenvorstandes. Die Belegschaft wuchs von 80 Mann im Jahr 1872 auf knapp 1.000 Bergleute im Jahr 1895. Monin war gleichzeitig der erste Direktor und Repräsentant der Zeche bis 1896.

Bereits zuvor war mit dem Abteufen des ersten Schachtes begonnen worden. Die eigentliche Förderung begann jedoch erst 1875 nach einer mehrjährigen Aufbauphase, die durch technische Schwierigkeiten und hohe Investitionskosten geprägt war.

Die frühen Jahre der Zeche waren geprägt von:

  • schwierigen geologischen Bedingungen
  • unerwarteten Kohlequalitäten
  • hohen Investitionskosten
  • dem Aufbau moderner Fördertechnik

Die tatsächliche Förderung begann erst nach einer längeren Erschließungsphase, was für viele frühe Ruhrzechen typisch war.

Internationale Kapitalverflechtung

Die Beteiligung Monins zeigt exemplarisch die starke internationale Vernetzung des frühen Ruhrbergbaus. Französisches Kapital und technische Expertise spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer Bergwerksprojekte im damals noch infrastrukturell schwach erschlossenen nördlichen Ruhrgebiet.

Er starb am 13. Juni 1910 in Paris und wurde am 17. Juni 1910 auf dem Cimetière de Montmartre beigesetzt.

Wirkung in Herne

Bedeutung für Sodingen

Die Zeche Mont-Cenis entwickelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Arbeitgeber in Sodingen und prägte die soziale und städtebauliche Entwicklung des Stadtteils nachhaltig. Die initialen Entscheidungen Monins und seiner Partner legten die Grundlage für diese Entwicklung.

Die Anlage entwickelte sich später zu einem Großbetrieb mit mehreren tausend Beschäftigten und einer erheblichen regionalwirtschaftlichen Bedeutung.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Zeche Mont Cenis sorgte Monin für den Aufschwung der Gemeinden Sodingen, Holthausen und Börnig. So wird auf seine Initiative ein Leitungsnetz angelegt, beliefert mit dem Strom der Zeche, es folgen der Wohnungsbau, der Straßenbau und die Gas- und Wasserversorgung. Zeugen dafür sind noch heute die Mont-Cenis-Straße als wichtige Verbindung zwischen Sodingen und Herne und der „Volksturm" im Sodinger Park, der ehemalige Wasserturm der Schachtanlage II/IV.

Er machte aus der Landgemeinde Sodingen, die 1872 knapp 400 Einwohner zählte und weder eine Kanalisation noch elektrisches Licht besaß, ein modernes Amt mit 9.000 Einwohnern, das am 15. November 1902 die Amtsrechte erhielt. [1]

Langfristige stadtgeschichtliche Relevanz

Obwohl Monin selbst nur in der Frühphase der Zeche aktiv war, ist seine Rolle für die Stadtgeschichte Herne insofern bedeutsam, als dass die industrielle Entwicklung Sodingens ohne die frühe Konsolidierung der Grubenfelder und die Investitionen der Gründer kaum möglich gewesen wäre.

Die spätere industrielle und soziale Verdichtung des Stadtteils – inklusive Wohnungsbau, Infrastruktur und Arbeiterkultur – geht indirekt auf diese Gründungsphase zurück. == Bewertung in der Forschung == In der regionalhistorischen Forschung wird Joseph Pierre Monin meist als Vertreter der frühen internationalen Gründergeneration des Ruhrbergbaus eingeordnet. Charakteristisch für diese Gruppe sind:

  • transnationale Kapitalverflechtungen
  • ingenieurtechnische Mobilität
  • risikoreiche Bergwerksgründungen im 19. Jahrhundert
  • enge Verbindung zwischen Technik und Unternehmertum

Seine Biografie ist zudem ein Beispiel für die starke französisch-deutsche Wirtschaftskonnektivität in der Phase nach 1870/71.

Nachwirkung und Erinnerungskultur

In Herne ist der Name Monin heute vor allem indirekt präsent. Der „Joseph-Pierre-Monin-Weg“ in Sodingen erinnert seit 2010 an seine Rolle als Zechenpionier.

Die Benennung ist Teil einer stadtgeschichtlichen Erinnerungskultur, die die industrielle Vergangenheit des Stadtteils sichtbar hält.

Fazit

Seine Biografie steht exemplarisch für die internationale Dimension des Ruhrbergbaus im 19. Jahrhundert und die enge Verbindung von Ingenieurwesen, Kapital und industrieller Expansion.

Ehrungen

Der öffentliche Fußweg Joseph-Pierre-Monin-Weg rund um die Akademie Mont-Cenis ist nach dem Ingenieur Joseph Pierre Monin benannt.

Literatur

  • Wolfgang Viehweger: Französische Zechengründer in Herne mit einer Unternehmerbiographie von Joseph Pierre Monin. Herausgeber: Bund Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. Druck: Frank Dewenter, Herne 2010. ISBN: 978-3-00-030835-2

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Quellen