Hof Klute - Vellwig

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Hof Klute
Hof Klute
SodingenBörnig
🗺️
KartengitterK3
Die Karte wird geladen …
StadtbezirkOrtsteil


Grundriss und Schnitt nach Hartmann 1921

Der Klutenhof ist eine historische Hofstelle in der ehemaligen Unterbauerschaft Vellwig der Bauerschaft Börnig. Die Hofstelle ist bis heute an der Castroper Straße 231 erhalten. Das dort stehende Fachwerkgebäude wurde 1776 errichtet und gehört zu den wenigen erhaltenen historischen Bauernhäusern im heutigen Stadtgebiet Herne.[1]

Geschichte des Hofes

Die älteste bislang bekannte namentliche Erwähnung des Hofes Klute stammt aus der Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum von 1542. Der Hof wurde dort mit einer Abgabe von ¼ Reichstaler veranlagt.[2]

Die Höhe der Abgabe weist auf eine vergleichsweise kleine Hofstelle hin. Zum Vergleich wurde der ebenfalls in Börnig gelegene Hof Tönnis mit 1¾ Reichstalern veranlagt.

Der Hof Klute stand in der frühen Neuzeit im Zusammenhang mit den grundherrschaftlichen Verhältnissen der Vellwiger Höfe. Als Grundherrschaft wird in den späteren Unterlagen das Haus Schadeburg genannt.

Das Gebäude wurde im Mai 1776 errichtet. Das geht aus den Inschriften hervor:

Selig ist der Man der ein gut Weib hat. Die Zahl seiner Tage wird ihm gedoppelt. Ein redlich Weib erfreuet ihren Man und Ano 1776

Über der Haustür (unvollständig):

Anno— den— May

[3]

Für das Jahr 1822 ist der Hof im Zusammenhang mit dem Neubau der Börniger Dorfschule überliefert. Die Bewohner der Bauerschaft wurden entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu den Baukosten herangezogen. Klute gehörte zur fünften Beitragsklasse und hatte 10 Taler zu zahlen.[4]

1823 wird der Hof Kluten zu Vellwig im Zusammenhang mit der Ablösung grundherrschaftlicher Verpflichtungen genannt. Damit endete die bisherige grundherrschaftliche Abhängigkeit des Hofes.[5]

Der Hof und seine Bewohner im 19. Jahrhundert

Die Einwohner- und Gebäudeliste von 1827 nennt den Hof unter Vellwig. Als Bewohner beziehungsweise Besitzer erscheint Wilhelm Klute. Zum Hof gehörten zu dieser Zeit:

  • ein Wohnhaus mit einem Wert von 60 Reichstalern,
  • ein Schuppen mit einem Wert von 20 Reichstalern,
  • 33 Morgen Grundbesitz.

Als grundherrschaftliche Zugehörigkeit wird das Haus Schadeburg angegeben.[6]

Eine ausführlichere Zusammensetzung des Hofhaushalts ergibt sich aus dem Einwohnerverzeichnis von 1846. Danach lebten auf dem Hof:

Name Alter Stellung Anmerkungen
Theodor Klute 55 Jahre Kötter (1794-1881)
A. M. Puppendahl 43 Jahre Ehefrau (1806-1850)
Johann Klute 50 Jahre Knecht Bruder (*1803)
Anton Klute 13 Jahre Kind Sohn (1836-1900)
Johann Klute 5 Jahre Kind Sohn (1844-1858)
Lisette Rohe 14 Jahre Magd

Theodor Klute wird ausdrücklich als Kötter bezeichnet. Der Hof war somit eine kleinere landwirtschaftliche Wirtschaftsstelle. Der Haushalt bestand neben dem Ehepaar aus zwei Kindern sowie einem Knecht und einer Magd.[7]

Die Familie Klute und der Hof Werth

Eine Verbindung zwischen der Familie Klute und dem größeren Hof Werth in Börnig ist für das ausgehende 19. Jahrhundert überliefert.

1893 heiratete Friederike Wilhelmine Klute, geboren am 19. August 1866 und gestorben am 30. Dezember 1899, den Heinrich Wilhelm Werth, den Besitzer des Hofes Werth in Börnig.[8]

Die Verbindung der Familien führte schließlich auch zu einem Besitzerwechsel, da alle älteren Geschwister der Braut vorher verstarben. Nach den ortsgeschichtlichen Aufzeichnungen wurde der Hof Klute nach dem Tode ihres Vaters (20. August) 1911 von Werth übernommen. Der überlieferte Hofname Klute blieb trotz des Besitzerwechsels bestehen.

Damit ist der Hofname von der jeweiligen Besitzerfamilie zu unterscheiden. Während die Hofstelle weiterhin als Klutenhof bezeichnet wurde, war die Familie Werth seit 1911 Eigentümerin.

Das heutige Hofgebäude

Das heutige Gebäude des Klutenhofes wurde nach der Denkmalliste der Stadt Herne im Jahr 1776 errichtet. Es handelt sich um ein historisches Fachwerkgebäude der ehemaligen bäuerlichen Kulturlandschaft von Börnig und Vellwig.

Die Stadt Herne stellte den Klutenhof am 19. Juni 1985 unter der Denkmalnummer 5 unter Schutz. In der Denkmalliste ist die Adresse Castroper Straße 231 angegeben.[9]

[10]

Eine Aufnahme vom 18. Dezember 2011 dokumentiert das Gebäude noch vor der späteren Restaurierung.[11]

Im März 2017 befand sich der Klutenhof bereits in einem teilrestaurierten Zustand. Als Eigentümer wurde zu diesem Zeitpunkt Sven Bollwahn genannt.[12]

Die Restaurierung des historischen Gebäudes ist insbesondere deshalb von Bedeutung, weil zahlreiche andere Fachwerkhöfe der alten Börniger und Vellwiger Kulturlandschaft im Zuge der Industrialisierung und späteren Stadtentwicklung verschwunden sind. Der Klutenhof gehört damit zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen dieser bäuerlichen Vergangenheit.

Heutige Nutzung

Der Klutenhof ist weiterhin als Baudenkmal erhalten. Für das Jahr 2017 ist Sven Bollwahn als Eigentümer dokumentiert; zugleich war das Gebäude zu diesem Zeitpunkt bereits teilweise restauriert.[13]

Eine belastbare aktuelle Quelle zur heutigen Nutzung oder zu einem späteren Eigentümerwechsel konnte bislang nicht ermittelt werden. Von einer konkreten Nutzung als Wohnhaus, landwirtschaftlicher Betrieb oder Gewerbebetrieb sollte daher ohne weitere archivalische oder aktuelle Belege nicht ausgegangen werden.

Der Hofname

Der Name Klute ist ein niederdeutscher Familien- und Hofname. Die Formen Klüt und Kluth sind ebenfalls überliefert. Sprachgeschichtlich wird das Wort unter anderem mit einer Erdscholle oder einem Erdklumpen in Verbindung gebracht.

Ob diese Bedeutung tatsächlich der Ursprung des Hofnamens war, lässt sich nicht nachweisen. Sicher ist dagegen, dass Klute spätestens seit der Türkensteuerliste von 1542 als Bezeichnung der Hofstelle überliefert ist.

Wie bei zahlreichen westfälischen Bauernhöfen blieb der Hofname auch nach dem Wechsel der Besitzerfamilie bestehen. Deshalb wird das Gebäude bis heute als Klutenhof bezeichnet.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1542 Klute wird erstmals namentlich erwähnt; Abgabe ¼ Reichstaler.
1776 Errichtung des heute erhaltenen Hofgebäudes.
1822 Beteiligung des Hofes am Bau der Börniger Dorfschule mit 10 Talern.
1823 Ablösung der grundherrschaftlichen Verpflichtungen.
1827 Wilhelm Klute; Wohnhaus, Schuppen und 33 Morgen Grundbesitz.
1846 Theodor Klute als Kötter; Haushalt mit Ehefrau, zwei Kindern, Knecht und Magd.
1893 Friederike Wilhelmine Klute heiratet Heinrich Wilhelm Werth.
1911 Übernahme des Hofes durch Werth; der Hofname Klute bleibt erhalten.
1985 Eintragung als Baudenkmal der Stadt Herne, Denkmal Nr. 5.
2017 Der Klutenhof befindet sich in teilrestauriertem Zustand; als Eigentümer wird Sven Bollwahn genannt.
                                                                                              |

Literatur

  • Schug, Gerd E.: Hof Klute - Schug
  • Borgmann, Richard: Die Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum vom Jahre 1542. In: Westfalen, 21. Jg., 1936, S. 13–32.
  • Becker, F.: Commune Börnig, 1827 (Häuser/Eigentümer/Gebäudewerte)
  • Becker, F.: Die Bauernschaftschule in Börnig
  • Becker, F.: Einwohnerlisten von Börnig, 1827,1849,1962
  • Aring, Fritz: Einwohnerverzeichnis von Börnig, 1849
  • Tinnemann: Erinnerungen eines alten Börnigers
  • Aring, Fritz: Urliste der Häuser und Civileinwohner Börnig, 1849
  • Becker, f.: Die Aufzeichnungen des Bauern Theodor Koop
  • Herner Anzeiger 4. Mai 1935: Vellwichs erste Erwähnung
  • Die geschichtliche Entwicklung von Börnig, 2013 (Festschrift 100 Jahre Schule an der Vellwigstraße)
  • Der Bote. Zeitschrift des Historischen Vereins Herne/Wanne-Eickel e. V., Nr. 26, 2024.
  • Stadt Herne, Untere Denkmalbehörde: Denkmalliste, Listenteil A.

Siehe auch

Quellen

  1. ↑ Stadt Herne, Untere Denkmalbehörde: Denkmalliste, Listenteil A, Stand 11. Juli 2023, Denkmal Nr. 5, Castroper Straße 231: „Klutenhof“, Baujahr 1776.
  2. ↑ Richard Borgmann: Die Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum vom Jahre 1542, in: Westfalen, 21. Jg., 1936, S. 13–32.
  3. ↑ Alte Hausinschriften in Herne-Börnig - Herner Zeitung 1944
  4. ↑ Friedrich Becker: Die Bauernschaftsschule in Börnig, Unterlagen zum Schulbau von 1822.
  5. ↑ Der Bote. Zeitschrift des Historischen Vereins Herne/Wanne-Eickel e. V., Nr. 26, 2024.
  6. ↑ Friedrich Becker: Commune Börnig, 1827; Stadtarchiv Herne, Einwohner- und Gebäudeverzeichnis.
  7. ↑ Einwohnerverzeichnis der Bürgermeisterei Castrop von 1846, Nr. 238–243.
  8. ↑ Friedrich Becker: Einwohnerlisten von Börnig; ortsgeschichtliche Aufzeichnungen zu den Börniger Hofstellen.
  9. ↑ Stadt Herne, Untere Denkmalbehörde: Denkmalliste, Listenteil A, Stand 11. Juli 2023, Denkmal Nr. 5.
  10. ↑ Wikimedia Commons: Herne Klutenhof.jpg, Aufnahme vom 18. Dezember 2011, Fotograf Arnoldius.
  11. ↑ Wikimedia Commons: Herne Klutenhof.jpg, Aufnahme vom 18. Dezember 2011, Fotograf Arnoldius.
  12. ↑ Bilddokumentation vom 16. März 2017, zeitgenössische Bildbeschreibung zum Klutenhof.
  13. ↑ Bilddokumentation zum Klutenhof vom 16. März 2017.