Alte Hausinschriften in Herne-Börnig - Herner Zeitung 1944
Alte Hausinschriften in Herne-Börnig - Herner Zeitung 1944[1]
Besonders angenehm fallen bei einem Bummel durch das Dorf die alten Fachwerkhäuser mit den gepflegten Hausinschriften ins Auge. Es war eine schöne und gute Sitte, dass in alter Zeit der Erbauer eines Hauses an dem Torbalken über der Delentür einen Sinnspruch, seinen Namen und das Baujahr einschneiden ließ. Sie geben Zeugnis seines Schaffens und Erfolges. Seinen Nachkommen sollen sie Mahnung sein, das ererbte Gut zu achten und zu wahren. Manchmal sind die Inschriften die einzigen Nachrichten über die Zeit der Errichtung des Hauses und dem Erbauer selbst.
Viele Inschriften sind durch Umbau verloren gegangen und viele noch vorhandenen sind derartig mit Teer überstrichen, dass von der Inschrift nicht mehr viel zu sehen ist. Diesen Leuten ist der Sinn für das Alte und Schöne in dieser modernen Zeit verlorengegangen oder aber die jetzigen Besitzer haben mit den Erbauern verwandtschaftlich gar nichts zu tun. Aber trotzdem sollte die Inschrift gepflegt werden, denn es gibt keinen schöneren Schmuck für das Haus. Und mit wie wenig Mühe ließe sich der ursprüngliche Zustand wieder herstellen!
Nachstehend eine kleine Anzahl Hausinschriften aus Herne=Börnig:
1. Eine ganz besonders gut gepflegte Inschrift finden wir an dem Haus, Schadeburgstraße 99. An dem Torbalken lesen wir:
- Darum Wachet, denn ihr wiset weder Tag noch Stunde in welchen des Menschen Sohn kommt.
- Komt der Tod geht ich zu Gott. Kommt der Lette Morgen bin ich ohne Sorgen. Den 11. Otober 1827. MATRJSSPK.
Über der Haustür steht:
- Johan Henrich Ganföhder - Anna Elisabeth Bornemaet.
2. H.=Börnig, Vellwigstraße: [2]
- Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerettigkeit, so wird euch das übrige alle zugelecht werden. Johahenrich Sontag und Anna Catrina Fortmann von Börnig genannt. Eleut. Anna 1773 den 11. November A. D. D.
- A. M.
3. H.=Börnig, Dorfstraße 4a.[3] finden wir eine sehr gut gepflegte Inschrift:
- 1837 28. August Stürzte durch Feuerflammen das vorige zusammen. 1838 den 19ten April So steht statt seiner ein neues wieder da lobet Gott. Alleluja.
4. H.=Börnig. Castroper Straße 281[4], an einem schön verzierten Torbalken:
- Selig ist der Man, der ein gut Weib hat. Die Zahl seiner Tage wird ihm gedoppelt. Ein redlich Weib erfreuet ihren Man und Ano 1776
Über der Haustür kann man leider nicht alles entziffern. Lesen kann man noch:
- Anno— den— May
5. H.=Börnig. Castroper Straße 223, über der Delentür des Erbauers:
- Johannes Kop - Elisabet Pilman - Anno JHS 1744.
Auf demselben Hofe befindet sich eine weitere Inschrift an der Scheune:
- Janhenrich Kov - Und sie kommen und Bringen ihr Garben mit Freuden ein. - Elisabeth Kop genannt Pilman. Anno 1763 den 11. May
- J. D. D.
6. H.=Börnig, Dorfstraße 22:
- Jürgen Arnt und Anna Maria Borman - Gottes Segen komm herein so oft die Thür mus offen sein. - Anno 1754 den 26 November.
7. H.=Börnig. Dorfstraße 26. Leider kann man die Inschrift über der Delentür nicht entziffern. Nur die Jahreszahl ist lesbar.
- Anno 1744 den 28 Mai
An der Scheune stehen die Namen der Erbauer.
- Herman Wert Viktoria Catrina Köller. Eheleute.
Glücklicherweise stehen auch in anderen Teilen unserer Stadt Bauernhäuser mit beschrifteten Delenbalken, die als Zeugen eines tiefsinnigen Brauches aus alter Zeit in unsere überhastete, viel zu nüchterne Zeit hineinreichen.
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Quellen
- ↑ Herner Zeitung vom 1. April 1944. https://zeitpunkt.nrw
- ↑ Hof Vortmann
- ↑ Hof Herntrey (Börnig)
- ↑ Hof Klute - Vellwig
