Heinrich Stratmann gen. Westerworth (1869-1931)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Heinrich Stratmann gen. Westerworth
Heinrich Stratmann gen. Westerworth
Landwirt und Arzt
⭐
Geboren16. Februar 1869
in Baukau
✝️
Gestorben12. November 1931
in Düsseldorf

Heinrich Stratmann gen. Westerworth (* 16. Februar 1869 in Baukau; † 12. November 1931 in Düsseldorf) war ein deutscher Arzt und promovierter Wissenschaftler. Er stammte aus der alten Baukauer Bauernfamilie Westerworth und war der letzte Besitzer beziehungsweise Erbe des namensgebenden Hofes, der um 1900 an die Zeche Von der Heydt verkauft wurde. Neben seiner späteren ärztlichen Tätigkeit beschäftigte er sich zunächst mit Naturwissenschaft und legte schließlich das medizinische Staatsexamen ab. 1914 veröffentlichte er eine naturwissenschaftliche Dissertation an der Universität Gießen, wo er zum dr. Phil. promovierte.

Herkunft

Heinrich Stratmann wurde am 16. Februar 1869 auf dem Hof Westerworth in Baukau geboren und am 17. März 1869 in der evangelischen Dionysius Kirche in Herne getauft. Er war Sohn des Landwirts Dietrich Henrich „Wilhelm“ Stratmann gen. Westerworth (1822-1889) und dessen Ehefrau Maria Catharina Gertrud Schulte Alte-Dorneburg (1829-1904).

Die Familie gehörte zu den älteren bäuerlichen Familien Baukaus. Der Familienname erscheint in den Quellen in unterschiedlichen Formen, darunter Stratmann, Stratmann gen. Westerworth, Westerworth und Westerwordt. Der Name Westerworth war zugleich mit dem gleichnamigen Hof in Baukau verbunden.

Hof Westerworth

Der Hof Westerworth gehörte zu den älteren Bauernhöfen Baukaus. Das erhaltene Bauernhaus wurde nach dem Bericht des Herner Stadtanzeigers von 1954 im Jahr 1840 errichtet und im Stil des Münsterländer Fachwerks ausgeführt. Das Hofgelände erstreckte sich ursprünglich über große landwirtschaftlich genutzte Flächen. Diese reichten nach dem Zeitungsbericht bis zur Bahnhofstraße und tief in das damalige Baukau hinein.[1]

Um 1900 wurde von ihm an die Zeche Von der Heydt verkauft. Die ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden anschließend schrittweise an die Industrie und an Privatleute veräußert und mit neuen Straßen und Gebäuden überbaut.

Das erhaltene Hofgebäude lag später innerhalb des Zechengeländes und wurde von der Zeche instandgesetzt. 1954 berichtete der Herner Stadtanzeiger, dass dort drei Bergmannsfamilien sowie die beiden Zechenpferde Max und Hella untergebracht waren.[2]

Studium und Berufsweg

Der berufliche Weg Heinrich Stratmanns verlief ungewöhnlich. Nach der Landwirtschaftsschule in Lüdinghausen arbeite er zunächst als Landwirt seines Hofes. Nach dem Verkauf des Hofes studierte er zunächst Naturwissenschaften. Der Bericht des Herner Stadtanzeigers von 1954 schildert, dass er später zur Rechtswissenschaft wechselte und sich zeitweise mit dem Gedanken beschäftigte, Rechtsanwalt zu werden.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Geländes an der heutigen Goebenstraße, Steinmetzstraße und Moltkestraße soll Stratmann der Stadt Herne angeboten haben, ihr das gesamte Gelände für den Bau eines Amtsgerichts zu überlassen. Nach dem Zeitungsbericht war mit dem Angebot die Vorstellung verbunden, anschließend auf dem Gelände Wohnhäuser für Justizbeamte errichten zu lassen und selbst als Rechtsanwalt tätig zu werden.[3]

Die Darstellung des Zeitungsartikels ist dabei mit einer gewissen Vorsicht zu lesen. Der Text erschien mehr als zwei Jahrzehnte nach Stratmanns Tod und verbindet biografische Angaben mit mündlich überlieferten Anekdoten. Besonders die zahlreichen humorvollen Episoden über sein Studium gehören zur lokalen Erinnerungskultur und sind nicht ohne weiteres als wörtlich belegte Ereignisse zu behandeln.

Stratmann wechselte schließlich erneut das Studienfach und wandte sich der Medizin zu. Nach dem Bericht legte er das medizinische Staatsexamen erst im Alter von etwa vierzig Jahren ab. Anschließend ließ er sich als praktizierender Arzt in Düsseldorf nieder.[4]

Wissenschaftliche Promotion

Seit dem Sommersemester 1907 studierte er in Giessen Naturwissenschaften. "Stratmann Heinrich Naturw u Baukau Landw Hessen Preussen S 1909 Stephanstr 37 S 1907 Gr Steinweg 16". Neben seiner medizinischen Ausbildung ist eine wissenschaftliche Promotion in Gießen eindeutig belegt. 1914 erschien seine Dissertation Über Absorption aus Lösungen von Ammonium- und Phosphatsalzen an der Großherzoglich Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen. Die 62 Seiten umfassende Arbeit enthält Diagramme und Tabellen. Als Referent wird Gisevius genannt. Auf dem Titelblatt wird Stratmann ausdrücklich als in „Baukau (Westfalen)“ geboren bezeichnet.[5]

Die Arbeit behandelt Absorptionsvorgänge von Ammonium- und Phosphatsalzen aus Lösungen und steht damit im Bereich der damaligen naturwissenschaftlichen und agrarwissenschaftlichen Forschung.

Die Dissertation ist zugleich ein wichtiger unabhängiger Beleg für die Identität des Wissenschaftlers. Die Angabe des Geburtsortes Baukau stimmt mit den genealogischen und kirchenbuchlichen Daten überein.

Der Wandel des Hofes

Mit dem Verkauf des Hofes Westerworth endete die landwirtschaftliche Nutzung des Familienbesitzes. Die ehemals zusammenhängenden Ackerflächen wurden nach und nach parzelliert und für industrielle und private Zwecke genutzt. Damit verschwand ein Teil der alten bäuerlichen Kulturlandschaft Baukaus.

Der Herner Stadtanzeiger deutete diesen Vorgang 1954 ausdrücklich als Teil des Verlustes der alten Baukauer Landschaft. Der Artikel verbindet dabei die wirtschaftliche Entwicklung mit einer rückblickenden Kritik an der zunehmenden Bebauung und Industrialisierung. Diese Wertung gehört zur Perspektive des Jahres 1954 und sollte nicht ohne Einordnung als historische Tatsache übernommen werden.[6]

Gleichzeitig hatte der Verkauf des Hofes für Stratmanns Familie erhebliche wirtschaftliche Folgen. Nach dem Zeitungsbericht gehörten der Erbengemeinschaft noch Jahrzehnte später mehrere Häuser und weitere Grundstücke. Auch ein Teil des Harpener Weges befand sich demnach im Eigentum der Erben.[7]

Tod

Heinrich Stratmann starb am 12. November 1931 in Düsseldorf. Dort hatte er zuletzt als praktizierender Arzt gelebt und gearbeitet.[8] Beigesetzt wurde er auf dem Ev. Friedhof Bergelmanns Hof, dem heutigen Bergelmanns Park. Von der Familiengruft ist nur noch sein Grabstein, wenn auch fehlerhaft bezeichnet (Geburtsjahr!), erhalten.

Erinnerung in Baukau

Der 1954 erschienene Bericht über den Hof Westerworth zeigt, dass Heinrich Stratmann auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod in der lokalen Erinnerung präsent war. Die Baukauer Überlieferung verband ihn vor allem mit dem Verkauf des Hofes, seinem ungewöhnlich langen Bildungsweg und seiner späteren Tätigkeit als Arzt.

Der Artikel zeichnet dabei das Bild eines humorvollen und geselligen Mannes, der in den Erinnerungen der älteren Baukauer eine auffällige Rolle spielte. Zahlreiche überlieferte Anekdoten sind offensichtlich Teil der mündlichen Lokalgeschichte. Ihr historischer Kern lässt sich nicht in jedem Fall überprüfen.

Von besonderer Bedeutung ist dagegen die Verbindung seiner Biografie mit dem Hof Westerworth. Mit dessen Übergang an die Zeche Von der Heydt verschwand die landwirtschaftliche Grundlage eines der alten Baukauer Höfe. Das erhaltene Hofgebäude blieb jedoch bestehen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Zeche instandgesetzt. Der Herner Stadtanzeiger bezeichnete dies 1954 als einen Beitrag zur Bewahrung eines Stücks „Alt-Baukau“.[9]

Literatur und Quellen

  • Heinrich Stratmann: Über Absorption aus Lösungen von Ammonium- und Phosphatsalzen. Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Großherzoglich Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen. Gießen: Meyer, 1914.
  • Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954: „Ein Stück Alt-Baukau wird wieder hergestellt – ‚Westerworths Hof‘ heute von Bergleuten bewohnt – Heimatgeschichtliche Erinnerungen“.
  • Evangelische Kirchenbücher St. Dionysius Herne.
  • Personenstands- und Friedhofsunterlagen der Stadt Herne.
  • Hof Westerworth (Baukau)

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Quellen

  1. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954: „Ein Stück Alt-Baukau wird wieder hergestellt – ‚Westerworths Hof‘ heute von Bergleuten bewohnt – Heimatgeschichtliche Erinnerungen“. Der Artikel beschreibt den Hof als einen der ältesten Herner Bauernhöfe und berichtet über dessen Verkauf an die Zeche Von der Heydt.
  2. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954.
  3. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954. Der Artikel gibt diese Episode als Erinnerung aus den Baukauer Wirtsstuben wieder. Die Einzelheiten des angeblichen Angebots sind daher anhand städtischer Akten noch zu überprüfen.
  4. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954.
  5. ↑ Heinrich Stratmann: Über Absorption aus Lösungen von Ammonium- und Phosphatsalzen. Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Großherzoglich Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen. Gießen: Meyer, 1914.
  6. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954.
  7. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954.
  8. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954.
  9. ↑ Herner Stadtanzeiger, 24. März 1954.


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