St. Anna-Hospital (Wanne)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Um das Jahr 1900 gründeten katholische Bürger einen Sammelverein, um ein Krankenhaus in Wanne zu errichten.

St. Anna-Hospital der St. Elisabeth Gruppe GmbH - Katholische Kliniken Rhein-Ruhr
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Rechtsform GmbH
Handelsregister HRB 9735
Amtsgericht Amtsgericht Bochum
Stammkapital 20.000.000,00 EUR
Geschäftsführer Dr. Edlinger, Sabine / Lauer, Simone
Gründung 1901/7. April 2000
Adresse Hospitalstraße 19, 44649 Herne
Telefon 02325 986-0
Homepage http://www.annahospital.de/home.html
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Herne St Anna Hospital.jpg
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Bild: Arnoldius 2020[1]

Letzte Änderung: 16.02.2026
Geändert von: Andreas Janik

Das St. Anna Hospital: Von der Armenpflege zum Hochleistungszentrum

1. Die Anfänge: Notwendigkeit im Schatten der Zechen (1901–1912)

Um die vorletzte Jahrhundertwende wuchs Wanne durch den Bergbau (Zeche Unser Fritz, Zeche Pluto) rasant. Die medizinische Versorgung hielt mit dem Bevölkerungswachstum kaum Schritt.

1. Die Wurzeln: Vom St. Anna-Stift zum Hospital (1898–1900)

Die Geschichte beginnt nicht direkt mit einem Krankenhaus, sondern mit dem „St. Anna-Stift“. Pfarrer Hermann Hertkens ließ dieses Schwesternhaus am 27. September 1898 errichten, um der Not der Berarbeiterfamilien zu begegnen. Unter der Leitung von Vinzentinerinnen beherbergte es:

  • Eine Kinderbewahrschule (Kindergarten),
  • eine Nähschule,
  • und die ambulante Pflege für Kranke, Sieche und Alte.

Da die rein pflegerische Versorgung bald nicht mehr ausreichte, entschloss sich Pfarrer Hermann Hertkens zum Bau eines Krankenhauses. Der Grundstein für das „St. Anna-Hospital“ wurde am 12. September 1900 gelegt. Benannt wurde es nach der Namenspatronin der Stifterin Anna Schäfer – ein Name, der später auch auf die angrenzende Hospitalstraße und Annastraße überging. Ihr Gemahl, der Wirt Ludwig Schäfer gehörte ebenfalls zu den Gründerväter des Hospitals.

2. Die Feuertaufe: Typhus und offizielle Eröffnung (1901–1914)

Noch vor der Fertigstellung wurde das Haus am 12. August 1901 zwangsweise bezogen: Eine schwere Typhusepidemie suchte Wanne heim. Die Kranken mussten improvisiert in den halbfertigen Räumen der Obergeschosse untergebracht werden.

Die offizielle Eröffnung fand erst am 7. März 1902 statt. Damals versorgten gerade einmal 17 Ordensschwestern und ein einziger Arzt insgesamt 100 Betten. Aufgrund ständiger Infektionswellen wurde bereits 1907 ein separates Isolierhaus errichtet.

3. Jahre der Prüfung: Weltkriege und Pandemien (1914–1945)

Während des Ersten Weltkrieges diente das Haus als Reservelazarett. Die Zeit danach war geprägt von schweren medizinischen Krisen:

  • 1918: Grippe- und Typhusepidemien.
  • 1919/20: Eine Pockenepidemie forderte allein im Anna-Hospital 65 Todesopfer.
  • 1920/21: Eine Ruhrepidemie mit 320 stationären Fällen.

Trotz dieser Lasten expandierte das Haus: Von 1924 bis 1926 entstand ein Erweiterungsbau. Mit neuen Abteilungen für Chirurgie, Röntgen und Geburtshilfe wuchs die Kapazität auf 220 Betten.

Im Zweiten Weltkrieg wiederholte sich das Schicksal als Lazarett. Nach schweren Bombenschäden im Sommer 1943 musste das Haus zeitweise geräumt werden. Ein 1944 errichteter Bunker wurde lebensrettend: Als das benachbarte Evangelische Krankenhaus fast völlig zerstört wurde, fanden dessen Schwerstkranke im Anna-Bunker Zuflucht. In den letzten Kriegswochen (März bis April 1945) fand das gesamte Krankenhausleben fast ausschließlich unter der Erde statt.

4. Wiederaufbau und der Weg zum modernen Zentrum (1945–1987)

In der Nachkriegszeit stieg der Bedarf stetig:

  • 1951: Aufstockung auf 275 Betten.
  • 1955: Einweihung eines hochmodernen Isolierhauses.
  • 1958/59: Erweiterung des Altbaus, neue Kinderstation und Geburtshilfe (360 Betten).

Da die alte Bausubstanz den modernen Anforderungen schließlich nicht mehr genügte, traf die Kirchengemeinde eine radikale Entscheidung: den Abriss der veralteten Teile und einen kompletten Neubau. Dieser wurde am 1. Juni 1966 feierlich eingeweiht. Ein weiterer großer Erweiterungsbau folgte am 12. Dezember 1987.

5. Die Ära der Spezialisierung: Das Zentrum für Orthopädie (ab 1990)

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte des Hauses war die Profilierung als Kompetenzzentrum für den Bewegungsapparat.

  • Internationale Reputation: Besonders unter der Leitung von Prof. Dr. Georgios Godolias erlangte die Orthopädie Weltruf. Patienten aus dem In- und Ausland reisten nun nach Wanne, um sich behandeln zu lassen.
  • Minimalinvasive Chirurgie: Das Anna Hospital wurde zum Vorreiter für innovative Operationsmethoden, insbesondere an Knie, Hüfte und Wirbelsäule.

6. Das Anna Hospital heute: Teil der St. Elisabeth Gruppe

Um konkurrenzfähig zu bleiben wurde im Jahr 2000 die St. Vincenz-Hospital gGmbH gegründet. Die Vereinigung mit dem St. Marien Hospital Eickel und dem Gästehaus St. Elisabeth sollte notwendige Investitionen ermöglichen. Ein Jahr später richtete das Krankenhaus die Möglichkeit von sogenannten anonymen Geburten ein.

Am 25. Juli 2014 schließlich gründete sich die neue St. Elisabeth-Gruppe. Mit dem St. Anna Hospital, dem Marien Hospital Herne/Universitätsklinik, dem Marien Hospital Witten, dem Rheumazentrum Ruhrgebiet und dem St. Marien Hospital Eickel formierte sich ein Schwergewicht in der Gesundheitsbranche.

Heute gehört das St. Anna Hospital zur St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr.

  • Leistungsspektrum: Neben der weltbekannten Orthopädie verfügt das Haus über eine leistungsstarke Gastroenterologie, Kardiologie sowie eine moderne Frauenklinik.
  • Wirtschaftsfaktor: Es ist einer der wichtigsten Arbeitgeber im Stadtbezirk Wanne und ein Ankerpunkt für die lokale Infrastruktur.
  • Zukunft: Durch ständige Investitionen in OP-Roboter (wie den DaVinci) und moderne Patientenzimmer zeigt das Haus, dass Tradition und High-Tech im Ruhrgebiet Hand in Hand gehen.

Weblinks

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Quellen