Friedrich Rotthauwe (1843-1910) Landwirt und Täuscher

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Friedrich Rotthauwe (* 15. Februar 1843 in Braubauerschaft (Gelsenkirchen-Bismarck); † 9. Juni 1910 in Gelsenkirchen) war Landwirt und Heimat/Familienforscher mit Fälscherpotential.

Friedrich Rotthauwe
Rotthauwe Friedrich 1842-1910 Todesanzeige.jpeg
Rotthauwe Friedrich 1842-1910 Todesanzeige.jpeg
Geboren am: 15. Februar 1843
Geboren in: Gelsenkirchen-Braubauerschaft
Gestorben am: 9. Juni 1910
Gestorben in: Gelsenkirchen
Beruf: Landwirt
Letzte Änderung: 16.02.2026
Geändert von: Andreas Janik


Dr. Schulte nennt dieses gefälschte Wappen „das fabelhafte Wappensiegel derer von Bickern, das mit seinem heraldischen Hochhause von sieben Stockwerken auf dem Helme ein Unikum in der Wissenschaft gewesen und Wanne-Eickel in der heraldischen Welt berühmt gemacht haben würde, wenn es existiert hätte.” [1] [2]

Dietrich Friedrich Wilhelm Rotthauwe (auch Fritz Rotthauwe genannt) wurde als Sohn des Landwirts Georg Heinrich Rotthauwe und dessen Ehefrau Anna Elisabeth Willbahn in der Braubauerschaft, dem späteren Gelsenkirchen-Bismarck, geboren und am 28. Februar 1843 in der ev. Kirche zu Wattenscheid getauft. Später übernahm er den Hof Rotthauwe (Rothove) in der Braubauerschaft, einen Hof in der Nähe der Bickerner Höfe. Verheiratet war er mit Anna Maria Stallberg (1857-1938). Er war Nachfahre der bäuerlichen Bickern in Wanne, die häufig den Herkunfstnamen zu Bickern führten.

Um sich und seine Familie in den Adelsstand zu erheben, erdichtete er Geschichten und fälschte Urkunden und Kirchenbücher. Seine wirren Ideen fanden direkt oder indirekt Aufnahme in die Literatur von

Weiterhin sind einige Zeitungsartikel erschienen:

  • Herner Anzeiger Nr. 77, 1922
  • Wanne-Eickeler Zeitung Nr. 195, 1926
  • Lokal-Anzeiger Eickel Nr. 281, 1926
  • Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung, Beilage Alte und neue Heimat, Nr. 8, 18. September 1926 [3]

Art und Umfang der Fälschungen

Die Fälschungen betreffen örtlich vor allem das Gebiet Wanne-Eickel und dessen Nachbarstädte Bochum (auch Wattenscheid) und Gelsenkirchen. Sie berühren außerhalb Westfalens Essen, Werden, Köln, Brabant, Riga und Moskau. Sie betreffen sachlich in erster Linie die zu Adeligen gestempelten Bauern auf den Bickerer Höfen in ehemals Wanne (heute Gelsenkirchen, siehe unten.), dann die Geschlechter Rotthauwe, Grolman Wikipedia und Schalke, ferner Aschebrock, Bockum, Capelle, Carnap-Hövel, Dahlhausen, Darl, Dinsing, Dorneburg, Düngelen, Eickel, Galen, Groll, Heyden, Hugenpoth, Hüllen, Laack, Leithe, Loe, Lüttinghove, Münchhausen, Münster, Oven, Overdyck, Recke, Schafhausen, Schedelich, Sobbe, Steinhaus, Strünkede und Westerholt, überwiegend also den westfälischen Adel. Alle von Rotthauwe, Hegler und Hoose verbreiteten Nachrichten sind mit größter Vorsicht zu behandeln. [3]

Dr. Schulte hat zweifelsfrei nachgewiesen, dass es einen Adelstand von Bickern niemals gegeben hat, und dass, um solchen nach außen hin als glaubwürdig zu konstruieren, Fälschungen an alten Schriftstücken vorgenommen wurden und die als solche auch festgestellt worden sind. Weiterhin wurden keine Überreste einer Burg von Bickern oder einer Kapelle mit Gräbern gefunden, als das ehemalige Gelände der Bickerer Höfe neu bebaut wurde.

Rotthauwe hat zu diesem Zweck sogar Änderungen im Kirchenbuch vorgenommen und aus einen zu Bickern ein von Bickern gemacht. Auch die Wattenscheider Urkunde von 1484 ist von Rotthauwe gefälscht worden. Sie tauchte erst im September 1904 in Wattenscheid auf.

Ebenfalls gefälscht ist die Urkundliche Erwähnung eines Hans von Bickern auf Bickern bei Bochum, der angeblich um 1450 lebte. Die Abschrift dieser Urkunde stammt angeblich aus dem Privatarchiv der Rotthauwes, das angeblich komplett einem Brand zum Opfer gefallen ist. [1]

Das Privatarchiv soll Originalurkunden und Originalmanuskripte aus den Jahren 1122 bis 1836 enthalten haben, die Rotthauwe als Abschriften zur Untermauerung seiner Aussage lieferte. Auch versuchte er durch Briefwechsel mit adeligen Zeitgenossen, deren Adresse er aus Adressbüchern entnahm, ein Adelsgeschlecht zu konstruieren. Abschriften dieser Briefwechsel liegen im Stadtarchiv Herne. [4]

Ein weiteres Betätigunsfeld von Rotthauwe war die Umdichtung von Sagen und Erzählungen aus der Gegend seines elterlichen Hofes um den Ruhm und die Ehre seiner Familie zu bezeugen. Als Beispiel kann man sich die Sage Der schwatte Pitter auf der Seite 'Sagenhaftes Ruhrgebiet' anschauen. [5] [6] Hierbei kopiert er eine landläufig bekannte Sage, schreibt sie etwas in der Schriftsprache der Vergangenheit um und erweitert sie etwas. Danach präsentiert er sie als Abschrift einer alten Sage oder Erzählung seiner Vorfahren, die dem Brand zum Opfer gefallen ist. Auch hier konnte Dr. Schulte anhand von sprachlichen Fehlern, die nicht in die angebliche Entstehungszeit passten, vieler historischer Fehler und falscher zeitlicher Zusammenhänge, eindeutig die Fälschung nachweisen.

Öfter wird die Mordgeschichte Heinrich von Bickerns erzählt. „Heinrich von Bickern wurde am Pfingsmontag 1763 beim Spaziergang in Begleitung von Verwandten und Bekannten im Bickernwalde nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr aus dem Hinterhalte von Wilddieben erschossen. Diese Mordtat blieb ungesühnt. An der Mordstelle ließ die Witwe des Ermordeten ein großes kunstvolles Eisenkreuz errichten, das aber ovn den Wilddieben entfernt bzw. gestohlen wurde. Der Sohn Hans Heinrich ließ an der Stelle, wo sein Vater ermordet wurde, ein kustvolles Steindenkmal errichten, das aber gleichfalls von Wilddieben vollständig zerstört wurde. Der Ermordete erfreute sich jedoch noch zweimal nach diesem „Tode” der Vaterschaft, wurde 3 Jahre nach jener Moriat noch konfirmiert.” [3]

Die von Rotthauwe erwähnt Strünkeder Urkunde vom 30. Juli 1263 ist im Original im Düsseldorfer Staatsarchiv und von Lacomblet Nr. 533 und im Westfälischen Urkundenbuch Band VII Nr. 1123 wörtlich abgedruckt. Laut Rotthauwes Geschichte stehen nun die Ritter Engelbert von und zu Bickern und Heinrich von und zu Bickern in der Reihe der Lehnszeugen. Weder Original noch die Abdrücke enthalten diese Namen. Die Fälschung ist auch ersichtlich, weil es damals noch keine „von und zu” gab. [7]

Lesen Sie auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Wanne-Eickeler Zeitung Nr. 296, 18.12.1926
  2. Zeichnung des Wappens von Prof. Hildebrand im Westfälischen Wappenbuch
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Kleine Mitteilungen. Archivalische Zeitschrift. 1928. 37(jg): 262-278. Abgerufen 14 Apr. 2017, https://www.degruyter.com/view/j/az.1928.37.issue-jg/az-1928-jg18/az-1928-jg18.xml
  4. Adelsfälschung von Bickern 1731, Ordner Bickern, Stadtarchiv Herne
  5. http://www.sagenhaftes-ruhrgebiet.de/Der_schwatte_Pitter
  6. Dirk Sondermann, Emschersagen. Von der Mündung bis zur Quelle. Bottrop 2006, Henselowsky Boschmann Verlag, ISBN: 3-922750-66-4.
  7. Artikel "Bickern oder von Bickern" von Archivar Dr. Ed. Schulte