Auszug aus der Geschichte der Familie von Bickern zu Haus Bickern an der Emscher. (Hoose 1922)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Stadtbaurat Heinrich Hoose[1] widmete in der Jubiläumsausgabe zum 25jährigen Stadtjubiläum am 1. April 1922 im Herner Anzeiger einen besonderen Artikel über eine vermeintliche Familie "von Bickern".[2] ACHTUNG: Seine Nachweise sind mehr als fraglich!

Auszug aus der Geschickte der Familie von Bickern zu Haus Bickern an der Emscher.
Von Stadtbaumeister H[einrich]. Hoose zu Herne i. W.
Vorbemerkung (vom Verfasser).
Veranlassung zur Aufstellung dieses Auszuges gaben mir die Lücken der geschichtlichen Nachrichten über den Landkreis Gelsenkirchen und seiner Gemeinden, sowie die geschichtlichen Einleitungen der Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen.
Mit der Ermittelung einzelner Unterlagen ist im Jahre 1908 begonnen und die Beendigung im Winter 1918=19 erfolgt. Da die Ueberlieferungen nebst Kirchenbüchern einige Lücken zeigten, mußte die Ermittelung anderweitig erfolgen.
Bei der Wiedergabe der Urkunden und wichtigen Mitteilungen ist die seinerzeit übliche alte Schreib= und Ausdrucksweise nach Möglichkeit beibehalten.
Gegen Ende des 10. Jahrhunderts war der Grund und Boden in der hiesigen Gegend durchweg im Besitz der Großgrundherrschaft, sodaß die von einem nicht einem grundherrlichen Verdande angegliederten freien bewirtschafteten Höfe nur einen verschwindenden Bruchteil der Bauerngüter bildeten. Die Freigüter, deren es namentlich auf der fruchtbaren Scholle des Flachlandes zwischen Ruhr und Lippe, in der Soester Börde und in Bochum=Herner Lande eine Reihe gab, waren von allen grundherrlicht Fesseln frei.
In dieser Zeit muß auch das Gut Bickern (Bickeren, Byckeren), von dem die frühere Gemeinde Bickern ihren Namen erhalten hat, bereits vorhanden gewesen sein. Gut Bickern war ein uraltes Gut „von neymand to lasse noch to envangen „, also ein altes Freigut von niemand geliehen noch zu empfangen.
Um 1100 erscheint schon ein miles Henricus de Bickeren, welcher im Jahre 1124 als Zeuge und Vermittler bei der Teilung der Güter der Gebrüder Ritter Wilhelm und Ritter Johann von Eickel, Herren zu Eickel, den Vertrag untersiegelte, sowie als Heinrich von Bickern, Herr zu Bickern, unterschrieb. Die Familie von Bickern gehörte dem freimärckischen Ritterbürtigen Geschlecht sowie den Meistbeerbten der Grasschaft „Mark „ an. Ferner gehörte sie dem Landtage an.
Aus der Geschichte der Familie von Strünkede zu Herne wird berichtet, daß am 30. Juli 1263 bei der Belehnung des Grafen Dietrich Theodor von Cleve mit einem Teil von dem Gut und Herrschaft an den Ritter Gerlach von Strünkede nachstehende Ritter als Lehnszeugen fungierten:
Engelbert von und zu Bickern,
Heinrich von und zu Bickern und andere.
Im Jahre 1364 waren Ritter Heinrich von und zu Bickern, Herr zu Bickern und Hugo von Bickern mit Hannemann von Düngellen und Röttger von Düngellen, Johann von Hugenpot (von Hugenpoth) und anderen als Vermittler bei einer Vermögensteilung derer von Sobbe auf Grimberg tätig.
Heinrich von und zu Bickern war in erster Ehe mit Hildegund von Strünkede, in zweiter Ehe mit Judith von Schedelich (Schalke) vermählt und hatte vier Söhne und drei Töchter. Von seinen vier Schwestern war Kunigund mit Heinrich von Strünkede, Ailheid mit Sander von Galen, Beatrise mit Bernhard von Düngellen und Blydecke mit Alexander von Lüttinghove verheiratet.
Ritter Johann (Johannis) von Bickern zu Haus Bickern war im Jahre 1443 Besitzer des Gutes und unterzeichnete sowie versiegelte 1451 mit drei Schilfstauden oder Palmzweigen ein Schriftstück, die Märkische Ritterschaft betreffend. (Siehe Abbildung.)

Das Wappen von Bickern.
Derselbe war in erster Ehe mit Elseke von Leithen (von Leythen), in zweiter Ehe mit Blia von Dahlhausen und in dritter Ehe mit Hartelich (Herzlieb) von der Dorneburg vermählt. Zeres (Zerius) von Bickern vermählte sich mit Oltidia von Overdyk und Steynhuß (Steinhaus) und erhielt hierdurch das Gut in Hamme. Dieses Gut hat derselbe erst bewirtschaftet und auch daselbst bewohnt, später gab er dasselbe aber einem Reinhold Schulte in Pacht und nahm mit seiner Gattin bei seinem Bruder Johann auf dem Gute zu Haus Bickern seinen Wohnsitz. Da Zeres von Bickern keine Kinder hatte, vermachte er das Gut in Hamme an seinen Neffen „Gotthardt „, Johanns Sohn; Zeres von Bickern und Gemahlin wurden ebenfalls, wie die anderen Familienmitglieder nach dem Tode in der alten Hauskapelle auf dem Gute Bickern beigesetzt.
Bertram von Bickern starb vier Jahre nach der Verheiratung kinderlos. Dessen Witwe, geb. Sophie von der Leithen (von Leythen) ging laut Mitteilung des Florenz v. Bickern zu Köln am Rhein vom 13. 12. 1729 unter ihrem früheren Mädchennamen in ein adeliges Kloster und vermachte demselben ihr ganzes Vermögen. Ebenfalls soll später die Nichte Mechtilde von Bickern in ein adeliges Kloster gegangen sein.
Jobst von Bickern erhielt durch Heirat mehrere Güter und ein großes Barvermögen. Derselbe starb aber bald ohne leibliche Erben zu hinterlassen.
Von den drei Schwestern war Aleke mit Bernhard von der Recke, Drude mit Tonnis von und zu Dahlhausen und Hedwig mit Konrad Alef von Münchhausen (Hannover) ver-mählt.
Noch im 14. Jahrhundert war ein großer Teil der Gemeinde und jetzigen Gemarkung Bickern einschl. der zugehörigen Waldungen im Besitz der Familie von Bickern. Eine Reihe Höfe und Kotten war auch noch in späterer Zeit dem Hause Bickern eigentümlich oder zins= und dienstpflichtig.
Während der Landadel mit seinen reisigen Knechten in der Dortmunder Fehde gegen das feste Dortmund auszog, wurde das offene Land und die Gehöfte Bickern usw. am 2. August 1389 dem Dortmunder Söldnerführer Ritter von Raesfeld und seinen 40 Reisigen zu seinen Raubzügen überwiesen. Am 30. September 1389 brandschatzten die Dortmunder Bürger ebenfalls in Bickern und Umgebung
Aus der Zeit der Geldbeklemmung des Clever Hofes wird mitgeteilt:

„Das Schatboick in Mark „, welches  „settingh ind uphoringh der schattingen off beden „ enthält, welche Johann, Herzog von Cleve und Graf von der Mark, 1486 von der   „gemeynen ritterschap der graiffschap von der Mark „ auf dem Landtage zu Wickede zur Wiedereinlösung seiner Aemter und versetzten Renten bewilligt wurde. Es verzeichnet  im Oberamte  „Bouckhem „ (Bochum).... Bickeren (Byckeren) usw .
(Jan, Thaebe und Henr.) Desgleichen Gaert to Bickeren in Hullen (Gelsenkirchen=Hüllen).

Ritter Johann (Johannis) von Bickern, Herr zu Bickern, hatte vier Söhne und sechs Töchter, und zwar: Johann Gotthardt, R... Engelbert, Caspar Heinrich, Tabe Rüttger; Anna, Maria, Catharina, Wessela, Jutte und Mechtilde.
Vermählt waren:
R.... Engelbert mit Sophie von Loe,
Caspar Heinrich mit Mechtilde Berta von der Capelle,
Tade Rüttger mit Wolta von Sobbe (Grimberg)
Anna mit Johann von Daerl,
Maria mit Heinrich von Bockum (Bochum),
Catharina mit Tonnie von Dinsing,
Wessela mit Ernst von Schafhausen,
und Jutte mit Hermann Hildebrand von Münster.
Im Jahre 1484 erhält Gotthardt (Godert) von Bickern, Herr zu Bickern, für

„twintich overlensche Rinsche gulden gud vom golde und recht vom gewichte, juweliken gulden to achten vor veyrundeiwynt ch Kolsche wyttepenny ge „. 
Vom (Gerret) Heinrich Steynhuß, Herr zu Overdyk und Steinhaus, zwei Malter Korn aus seinem Zerresgute in Hamme. (Die Original-Urkunde hierüber befindet sich im Kirchenarchiv zu Wattenscheid.

Giesbert Wilh., Sohn des Gotthardt, wurde Erbe des Gutes u. vermählte sich mit Wilhelmine v.d.Horst. Dessen Sohn Ludwig Hermann wurde Nachfolger und war verheiratet mit Friederike von Eickel. Als Erbe folgt der Sohn Viktor Theodor Johann Florenz, welcher Christine von Sobbe zur Gattin wählte. Das Gut ging dann an den Sohn Friedrich Heinrich Goswin über, der sich mit Clementine von Hamme vermählte. Im Jahre 1706 folgt als Besitzer des Gutes Wilhelm Hans Engelbert Dietrich Florenz von Bickern.
Außer den in der Regel von den Mitgliedern der Famllie verwalteten politischen Ehrenämtern als Gemeindevorsteher usw. fungierte Engelbert in den Jahren 1603—1609 auch als Kirchmeister und Provisor. Desgleichen war Dietrich im Jahre 1633, Engelbert 1672 Kirchmeister und Provisor, sowie letzterer im Jahre 1682 Kirchenrat und Provisor. Auch Wilhelm Hans Engelbert Dietrich Forenz hat diese Ehrenämter in den Jahren 1721 bis 1725 bekleidet.
Derselbe war vermählt in erster Ehe mit Otta Maria Catharina Wilhelmine Johanna von Westerholt, und in zweiter Ehe mit Erna Anna Friederika Gertrud von Carnap=Hövel. Die getrennte Bewirtschaftung des Wilhelms- und des Hermanns=Hofes muß Ende des 15. Jahrhunderts erfolgt sein; denn im Jahre 1528 sind dieselben bereits zur Kirchensteuer veranlagt. Im Jahre 1684 waren Evert und Hermann to Bickern Besitzer der beiden abgeteilten Höfe und sind zur Steuer veranlagt, während Engelbert den Rest des seiner Zeit etwa 700 Morgen großen Stammgutes besaß.
Durch die Tellung des Rittergutes verlor die Famille die Landtagsfähigkeit; denn vom 17. Jahrhundert wurden eine Reihe ritterliche Ahnen verlangt, um landstagsfähig zu sein. Auch verloren dieselben durch bürgerliche Verheiratung das Landtagsrecht.
Im Jahre 1636 schenkte Engelbert zu Bickern zu Gunsten der Kirche 22 Dlr., während das Ehepaar Hans Engelbert zu Bickern im Jahre 1714 Altardecke und zwei Leuchte stiftete. Desgleichen am 2. Dezember 1745 Hans Jürgen von Bickern dem Pfarrfonds 20 Rthr.
Aus dem Eheschließungsregister der kathol. Pfarrei zu Wattenscheld (Bd. I, die ältesten Jahrgänge):

„Anno 1662 den 1. may Matrimonium inierunt (haben die Ehe eingegangen) Honesti (den ehrenwerten) Herman schulte im Hordelhove mey (mit) (?) et Elisabeth von Bickern Ekelensis „ (Eickel). 

Konrad von Strünkede erhielt zu Folge Edikt von Cleve vom 6. März 1690 die Zivil- und Kriminal-Jurisdiction über das Gut der Familie von Bickern sowie vom Rittergut Dorneburg usw .
Das Gut der Familie von Bickern und die späteren Bickerer Höfe standen nur unter Kriminal=Jurisdiction von Haus Dorneburg, da sie bereits vom Großen Kurfürsten in Zivil-Jurisdiction an Grimberg abgetreten waren. Ausgenommen von dieser Jurisdiction blieb nur die Ober-Inspektion in Kirchen= und Landesangelegenheiten.
Die Befestigung des Gutes (Wälle, Wassergräben usw.) wurden noch teilweise bis zum Jahre 1840 erhalten und erst später dem Verfall anheim gegeben.
Durch die Kriege im 16. und 17. Jahrhundert, Krankheiten usw. trat eine allgemeine Verschuldung des Grundbesitzes in der Nähe der früheren Heerstraßen ein. Sie führte dazu, daß ein Teil der Güter verkauft oder unter die Geschwister in „Schulzenhöfe „ geteilt wurde. Im siebenjährigen Kriege erneuerten sich unter Stockung von Handel und Verkehr die alten Kriegsleiden. Namentlich von 1757 bis Ende 1762 wiederholten sich jährlich die feindlichen Einfälle der Franzosen. Während die Söhne der Mark Friedrich dem Großen im Osten Heeresfolge leisteten, war das Land im Westen den Kriegsauflagen, Bedrückungen und Erpressungen, besonders der preußenfeindlichen Heere ausgesetzt. Der hiesige Bezirk war besonders 1761 und 1762 beschwert und durch den Krieg „in unbeibringliche Schulden versetzt „. (6% Zinsen mußten für geliehene Beträge erstattet werden!) Im 16. Jahrhundert sind größere Flächen des Gutes veräußert; auch haben sich mehrere Hof= und Kottenbesitzer losgekauft.
Georg Florenz Hans Theodor Viktor von Bickern zu Köln a. Rh. war in erster Ehe vermählt mit Eleonore Engel von Asbeke und in zweiter Ehe mit Florentine Johanna von Hüllen. Beide Ehen waren kinderlos. Laut Urkunde vom 13. September 1729 ging das Vermögen an den Gutsbesitzer Hans Heinrich von Bickern zu Bickern (Bruderssohn) über. Am 13. Juli 1746 belehnt Heinrich von Bickern den Johann Heinrich Knop mit einem Kotten in der Bickerdörne (Unser Fritz) mit folgender Urkunde:
Ich zum Endes Unterschriebener urkunde und bekenne hiermit, daß ich den Ehrenvesten Johann Heinrich Knop meinen Kotten mit Zubehör, Wieschen, Weiden, Garten und Ackerland an der Bickerdörne in Gewinn getan habe, sich und seiner zukünftigen für die Summen ad 20 Thaler ihr beider Lebenslang. Sollte aber einer von dem anderen versterben und der Längstlebende sich wieder heiraten, so muß derselbe Aufkömmling wieder gewinnen. Sollte aber oben gemeldeter Johann Heinrich Knop Erben hinterlassen, so sollen dieselben die nächsten zu den Kotten sein und denselben wieder in Gewinn bekommen können. Er aber mehrgedachter Johann Heinrich Knop verspricht vom Kotten mit Zubehör, wie genau angegeben, alle Jahre 4 Thaler, eine Gans und 12 Dienste zu tun.
Damit aber diese sollte geheim gehalten sein, so habe ich diesen Gewinnbrief selbst geschrieben und Unterschrieben und mit meinem angeborenen Siegel unterdrücket. So geschehen Haus Bickern an der Emcher, (L. S.), den 13. Juli 1746.
Heinrich von Bickern.

Napoleon hob im Jahre 1809 die Lehnherrschaft auf und legte dem Lande hohe Steuern auf. In der Nacht vom 25. auf 26. September 1755 wurde Haus Bickern mit Stallungen und drei Scheunen mit Korn durch Blitzschlag eingeäschert. Die Pferde, das Vieh und die vierte Scheune konnten gerettet werden.
Am 18 März 1797 brannten die Gebäude des Gutes Bickern wieder ab. Es wurde nur das Oberhaus, freilich ohne Darch, gerettet. Leider verbrannten auch viele Mobilien usw. Dieselbe Besitzung ist nochmals 1858 abgebrannt.

Hier noch eine interessante Urkunde:

„Das mir von meinem Bruder Johann Wilhelm zu Bickern als Gutsbesitzer, die mir gebührende 100 schreibe: Einhundert Reichsthaler sogenannter Brautschatz richtig ausbezahlt sind, bescheinigt und quittiert dieses. 
An der Emscher, den 16. September 1807.
Solches eigenhändig unterschrieben:
Johann Hermann Wilm von Bickern.

Die Bezeichnung der späteren Gemarkung Bickern besteht noch heute und ist die auf dem früheren Gute der Familie von Bickern und Umgebung durch die Entwicklung der Industrie und des Bergbaues entstandene bezw. erbaute Gemeinde durch Kabinettsordre vom 13. August 1897 mit der früher aus einer Unterbauerschaft (einige Bauernhöfe) der Gemeinde Bickern mit Bahnhof in der Wanne (Wande, Mulde) mit der alleinigen Bezeichnung „Wanne „ benannt worden.
Der Besitzer des Gutes Johann Engelbert Heinrich von Bickern starb ohne männliche Nachkommen. Die Witwe Sybilla Engel Catharina geb. von Oven vermählte sich wieder im Jahre 1760-61 mit ihrem Vetter Johann Diedrich Jürgen Möller, welcher auch verschiedene kleinere Besitzungen mit in die Ehe brachte und mit dem Gute vereinigte.
Ein Nachkömmling der Familie Johann Georg von Bickern gent. Lechtape zu Baukau, gestorben 1845, liegt auf dem alten Friedhofe in Herne begraben.
Einige noch gut erhaltene Ueberlieferungen sowie Teile des Haus=Archivs, Inventar=Gegenstände mit Inschriften usw. der Familie sind durch Erbschaft in den Besitz der Familie Hoose hierselbst übergegangen.


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Quellen

  1. 1926 auf der Baukauer Straße 118 ansäßig.
  2. Online auf Zeitpunkt.nrw