Christian Doering (1859-1922) Lehrer und Heimatforscher

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Christian Doering (auch Döring; 2. Juni 1859 in Hagen-Altenhagen; † 19. Mai 1922 in Schwelm) war einer der ersten katholischen Lehrer im damaligen Baukau bei Herne sowie ein bedeutender Heimatforscher der Region. Sein Wirken verbindet die frühe Entwicklung des katholischen Schulwesens im nördlichen Ruhrgebiet mit den Anfängen lokalhistorischer Forschung über das Amt Herne und die Herrschaft Strünkede.

Christian Doering
Geboren am: 2. Juni 1859
Geboren in: Altenhagen
Gestorben am: 19. Mai 1922
Gestorben in: Schwelm
Beruf: Pädagoge & Heimatforscher
Letzte Änderung: 04.05.2026
Geändert von: Andreas Janik


Herkunft und Familie

Christian Doering wurde als Sohn des Schneiders Christian Döring und dessen Ehefrau Amalia, geborene Söhnchen, in Altenhagen geboren und am 7. Juni 1859 in der katholischen St.-Marien-Kirche in Hagen getauft. Über seine Jugend ist nur wenig überliefert; gesichert ist, dass er im Jahr 1885 noch im elterlichen Haushalt in Hagen-Fley lebte.

Am 27. November 1885 heiratete er in Böhle Friederike Witte (*9. Januar 1860 in Hagen-Bathey; † 16. Januar 1935 in Ahlen). Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, von denen ein Teil das Erwachsenenalter erreichte:

  1. Anna Elisabeth * 4.06.1886 Baukau, ~ 5. Juni 1886 St. Bonifatius Herne. oo 19.11.1907 in Schwelm Karl Adolf Engelmann
  2. Leo Wilhelm Otto. * 18. Juli 1887 Baukau ~ 21. Juli 1887 St. Bonifatius Herne; 15. April 1904 Hagen. (Fabrikschlosser)
  3. Adolf Heinrich Gotthold. * 30. Mai 1889 Baukau, ~ 5. Juni 1889 St. Bonifatius Herne, + 30. Juni 1892 Baukau (Diphtherie), ± .03. Juli 1892 kath. Friedhof
  4. Ferdinand Theodor Lebrecht. * 30. November 1891 Baukau, ~ 6. Dezember 1891 St. Bonifatius Herne. [1][2]
  5. Rosine Hermine. * 24. April 1895 Baukau, ~ 5. Mai 1895 St. Bonifatius Herne.
  6. Hubert Emil. * 9. Februar 1897 Baukau, ~ 14. Februar 1897 St. Bonifatius Herne.

Wirken als Lehrer in Baukau

Mit der rasanten Industrialisierung des nördlichen Ruhrgebiets entstand in den 1880er Jahren ein dringender Bedarf an konfessionell gebundenem Schulunterricht. In diesem Zusammenhang erhielt Doering am 24. November 1885 eine provisorische Anstellung als Lehrer an der katholischen Volksschule in Baukau.

Am 10. Dezember 1885 wurde die erste katholische Schule Baukaus an der Cranger Straße eröffnet – mit Doering als einzigem Lehrer für zunächst 67 Kinder. Bereits 1888 wurde eine zweite Klasse eingerichtet, was die schnelle Bevölkerungszunahme im Zuge des Bergbaus widerspiegelt. Im selben Jahr erhielt Doering seine endgültige Anstellung.

Die schulischen Bedingungen waren anfänglich schwierig. Besonders die Belastung durch chemische Emissionen der nahegelegenen Zeche Julia führte zu erheblichen gesundheitlichen Problemen. 1893 wurde daher ein neues Schulgebäude an der Forellstraße bezogen, wohin Doering als Schulleiter wechselte.

Pädagogische Innovationen

Doering zeichnete sich durch bemerkenswerte pädagogische Kreativität aus. Auf Lehrerkonferenzen stellte er mehrfach selbst entwickelte Unterrichtsmittel vor, darunter einen kombinierten Rechen-, Lese- und Zeichenapparat. Besonders sein Zeichenapparat fand große Beachtung: Mit einfachen Modellen konnten über 20.000 geometrische Figuren erzeugt werden, die sich hervorragend als Vorlagen für den Zeichenunterricht eigneten.

Zeitgenössische Berichte heben hervor, dass seine Schüler mit Hilfe dieser Methoden außergewöhnliche Leistungen erzielten. Seine Ansätze stehen exemplarisch für die Reformbestrebungen im Volksschulwesen des späten 19. Jahrhunderts.

Engagement im sozialen und öffentlichen Leben

Neben seiner schulischen Tätigkeit engagierte sich Doering aktiv im gesellschaftlichen Leben Baukaus. So hielt er 1896 im katholischen Arbeiterverein einen Vortrag über die Lage der sogenannten „unständigen Bergarbeiter“. In einer anschließenden Resolution setzte er sich für eine gerechtere Ausgestaltung der Pensionsregelungen und bessere Information der Arbeiter ein.

Ein aufsehenerregendes Ereignis war ein tätlicher Angriff auf Doering Anfang der 1890er Jahre, bei dem er von einem Bergmann schwer misshandelt und mit einem Messer bedroht wurde. Nur durch das Eingreifen eines zufällig vorbeikommenden Arbeiters konnte Schlimmeres verhindert werden. Der Vorfall wurde vor Gericht verhandelt und fand in der regionalen Presse große Beachtung.

Heimatforscher und Autor

Besondere Bedeutung erlangte Doering als Heimatforscher. Mit großem Fleiß wertete er archivalische Quellen, Urkunden und statistische Materialien aus und machte sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.

Sein Hauptwerk, die 1896 erschienene „Chronik von Strünkede und den umgebenden Gemeinden“, stellt eine der frühesten zusammenhängenden Darstellungen der Geschichte des Amtes Herne dar. Das Werk behandelt unter anderem:

  • die Geschichte des Schlosses Strünkede seit dem Mittelalter
  • die Reformationszeit und den Dreißigjährigen Krieg
  • soziale und wirtschaftliche Verhältnisse der Bevölkerung
  • die Entwicklung von Industrie und Bergbau
  • die Geschichte des Schulwesens in der Region

Besonderes Augenmerk legte Doering auf eine konfessionsübergreifende Darstellung, die sowohl katholische als auch evangelische Perspektiven berücksichtigte. Zeitgenössische Rezensionen lobten die klare Sprache, den volksbildenden Charakter sowie den sozialpolitischen Wert der Schrift.

Darüber hinaus fertigte Doering Unterrichtskarten für den Schulgebrauch an, darunter eine eigens konzipierte Kreiskarte des Amtsbezirks Herne. Dabei orientierte er sich an den didaktischen Grundsätzen Alexander von Humboldts, insbesondere der Forderung nach übersichtlichen und nicht überladenen Karten.

Früher Ruhestand und spätere Jahre

Bereits 1899 trat Doering im Alter von nur 40 Jahren in den Ruhestand. Die Gründe hierfür sind nicht abschließend geklärt, dürften jedoch im Zusammenhang mit gesundheitlichen Belastungen stehen.

Er zog mit seiner Familie über seine Heimat Hagen nach Schwelm, wo er als Bankagent tätig war. Auch im Ruhestand blieb er gesellschaftlich interessiert und äußerte sich zu aktuellen Fragen. Während der Novembertage 1918 wandte er sich etwa mit einer öffentlichen Anfrage an die Firma Friedrich Krupp, um Gerüchte über eine angebliche Beteiligung Kaiser Wilhelms II. am Unternehmen zu klären – ein Beispiel für sein fortdauerndes Engagement im öffentlichen Diskurs.

Tod und Bedeutung

Christian Doering starb am 19. Mai 1922 in Schwelm.

Aus Sicht des Historischen Vereins Herne-Wanne-Eickel ist Doering als eine prägende Persönlichkeit der lokalen Bildungs- und Geschichtskultur zu würdigen. Er gehörte zu jener Generation von Lehrern, die nicht nur Wissen vermittelten, sondern zugleich aktiv an der Erforschung und Bewahrung der regionalen Geschichte arbeiteten. Seine „Chronik von Strünkede“ bleibt bis heute eine wichtige Quelle für die Frühgeschichte Hernes und seiner Ortsteile.

Sein Wirken zeigt exemplarisch, wie eng im ausgehenden 19. Jahrhundert pädagogische Praxis, soziale Verantwortung und heimatkundliche Forschung miteinander verbunden sein konnten.

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.

Lesen Sie auch

Einzelnachweise