Schulgebäude Forellstraße

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Das Schulgebäude an der Forellstraße 26a in Herne war von 1893 bis 2024 zunächst katholische Volksschule und später städtische Grundschule.


ehem. Grundschule Forellstraße
Erbaut: 1893
Auch bekannt als: Kath. Volksschule Forellstraße
Stadtbezirk: Herne
Ortsteil: Mitte
Die Karte wird geladen …
Letze Änderung: 06.05.2026
Geändert von: Andreas Janik

Anfänge und Gründung (1890er Jahre)

Der Schulvorstand der damaligen Gemeinde Baukau bemühte sich Anfang der 1890er Jahre um ein geeignetes Baugrundstück im östlichen Gemeindegebiet. Aufgrund des geplanten Hafenneubaus am Kanal kam es jedoch zu erheblichen Schwierigkeiten, da Grundstückseigentümer auf steigende Preise spekulierten.

Nach längeren Verhandlungen konnten schließlich Grundstücke des Wirts Dellmann und des Landwirts Friedrich Cremer an der damaligen Weidestraße (heute Forellstraße) erworben werden. Dort entstand eine katholische Volksschule mit zunächst zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen. Die Schule wurde im Mai 1893 eröffnet.

Das Kollegium bestand zunächst aus Lehrer Doering sowie weiteren Lehrkräften wie L. Vogel und später Ammermann. Mit wachsender Schülerzahl wurde das Gebäude rasch erweitert: Bereits 1894 entstand eine dritte Klasse, 1896 eine vierte. Dafür wurden die ursprünglich vorgesehenen Lehrerwohnungen in Klassenräume umgebaut. Die Schule war damit um 1896 vierklassig organisiert.

Ausbau und Entwicklung (1900–1945)

Das Schulgebäude wurde nach späteren Angaben Ende des 19. Jahrhunderts errichtet (um 1898) und im Jahr 1938 erweitert.

Im Zuge der Industrialisierung Baukaus entwickelte sich die Schule zu einem wichtigen Bildungsstandort für die wachsende Bevölkerung. Wie viele Volksschulen war sie konfessionell geprägt und eng mit der katholischen Gemeinde verbunden.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch diese Schule in das zentral gesteuerte Bildungssystem eingebunden. Über konkrete lokale Entwicklungen liegen bislang nur begrenzte Quellen vor.

Nachkriegszeit und Nutzung im 20. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude weiterhin als Grundschule genutzt. Bauliche Anpassungen erfolgten jedoch nur punktuell:

  • 1930er Jahre: Erweiterungsbau (1938)
  • 1984: umfassende Sanierung der Sanitäranlagen
  • 2017: brandschutztechnische Ertüchtigung (u. a. Brandmeldeanlage)

Trotz dieser Maßnahmen blieb die bauliche Substanz zunehmend problematisch. Raumgrößen entsprachen nicht mehr modernen Anforderungen, und es fehlten Funktionsräume für Ganztagsbetrieb und Differenzierung.

Diskussion um Abriss und Neubau (2010er Jahre)

Spätestens in den 2010er Jahren wurde der bauliche Zustand des historischen Schulgebäudes intensiv diskutiert. Eine umfassende Sanierung hätte hohe Kosten verursacht und wäre aufgrund struktureller Defizite nur eingeschränkt sinnvoll gewesen.

Im Jahr 2019 standen konkrete Planungen zur Debatte:

  • entweder umfassende Sanierung mit Ergänzungsbau
  • oder vollständiger Abriss und Neubau am Standort

Die Kosten beider Varianten lagen auf vergleichbarem Niveau (ca. 8 Mio. Euro).

Die Stadtverwaltung favorisierte schließlich einen Neubau, da dieser langfristig bessere Nutzungsmöglichkeiten bieten sollte.


Schulentwicklungsplanung und Strukturwandel

Im Schulentwicklungsplan der Stadt Herne (2022–2027) wurde der Standort Forellstraße ausdrücklich berücksichtigt und perspektivisch neu geordnet.

Diese Planungen stehen im Kontext eines umfassenden Wandels der Schullandschaft in Herne:

  • sinkende bzw. sich verändernde Schülerzahlen
  • steigende Anforderungen an Ganztag und Inklusion
  • Modernisierung veralteter Schulgebäude
  • Neuere Entwicklungen und heutige Nutzung (2020er Jahre)

Ein bedeutender Einschnitt erfolgte in den 2020er Jahren durch die Neuorganisation der schulischen Nutzung im Bereich Forellstraße.

Gemeinschaftsgrundschule

Die Schule am Schloss im markanten, roten Gebäude am Lackmanns Hof wurde schließlich - als Nachfolger von der Grundschule an der Forellstraße am 29. August 2024 feierlich eröffnet. Entstanden ist für rund 15 Millionen Euro eine zweizügige Schule mit vielen Extras und Räumen, die es vorher nicht gab. Die neue Einrichtung ersetzt einen zuvor als „zu eng, zu alt, zu marode“ beschriebenen Standort und bietet deutlich verbesserte Lernbedingungen.

Bedeutung

Die Schule an der Forellstraße steht exemplarisch für die Bildungs- und Stadtentwicklung im Ruhrgebiet:

  • Gründung im Kontext der Industrialisierung des späten 19. Jahrhunderts
  • Ausbau durch Bevölkerungswachstum
  • baulicher Wandel im 20. Jahrhundert
  • strukturelle Transformation im 21. Jahrhundert

Der Standort zeigt in besonderer Weise den Übergang von einer konfessionellen Volksschule zu modernen, differenzierten Bildungsangeboten einschließlich Förderschulen und inklusiver Konzepte.

Personal der Katholischen Volksschule Forellstraße
Zeitraum Name Anmerkungen
1893 – 1899 Christian Döring Schulleiter
1893 – 1898 Luise Vogel
1894 – nach 1908 Heinrich Ammermann
1898 – 1903 Elisabeth Grüne
1897 – 1901 Karoline Herrgott
1898 – 1900 Emilie Krämer
1899 – 1923 Theodor Holtstraeter 1899 Hauptlehrer / 1907 Rektor; Schulleiter
1901 – 1906 Otto Jürgens
1901 – nach 1908 Elisabeth Heidemann
1902 – 1912 Joseph Ficke
1902 – nach 1908 Elisabeth Hiltenkamp
1902 – 1906 Paula Sander
1903 – 1907 Agnes Imberg
1904 – nach 1908 Clara Schürholz
1904 – nach 1908 Wilhelm Cramer
1906 – 1911 Elisabeth Hünecke
1906 – 1907 Maria Meyer
1907 – 1916 August Stahl
1907 – nach 1908 Karoline Windolph
1907 – 1907 Maria Beilenhoff
1907 – 1907 Lehrerin Poggenpohl

Verwandte Artikel

Quellen