Schulgebäude Forellstraße
Das Schulgebäude an der Forellstraße 26a in Herne war von 1893 bis 2024 zunächst katholische Volksschule und später städtische Grundschule.
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Anfänge und Gründung (1890er Jahre)
Der Schulvorstand der damaligen Gemeinde Baukau bemühte sich Anfang der 1890er Jahre um ein geeignetes Baugrundstück im östlichen Gemeindegebiet. Aufgrund des geplanten Hafenneubaus am Kanal kam es jedoch zu erheblichen Schwierigkeiten, da Grundstückseigentümer auf steigende Preise spekulierten.
Nach längeren Verhandlungen konnten schließlich Grundstücke des Wirts Dellmann und des Landwirts Friedrich Cremer an der damaligen Weidestraße (heute Forellstraße) erworben werden. Dort entstand eine katholische Volksschule mit zunächst zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen. Die Schule wurde im Mai 1893 eröffnet.
Das Kollegium bestand zunächst aus Lehrer Doering sowie weiteren Lehrkräften wie L. Vogel und später Ammermann. Mit wachsender Schülerzahl wurde das Gebäude rasch erweitert: Bereits 1894 entstand eine dritte Klasse, 1896 eine vierte. Dafür wurden die ursprünglich vorgesehenen Lehrerwohnungen in Klassenräume umgebaut. Die Schule war damit um 1896 vierklassig organisiert.
Ausbau und Entwicklung (1900–1945)
Das Schulgebäude wurde nach späteren Angaben Ende des 19. Jahrhunderts errichtet (um 1898) und im Jahr 1938 erweitert.
Im Zuge der Industrialisierung Baukaus entwickelte sich die Schule zu einem wichtigen Bildungsstandort für die wachsende Bevölkerung. Wie viele Volksschulen war sie konfessionell geprägt und eng mit der katholischen Gemeinde verbunden.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch diese Schule in das zentral gesteuerte Bildungssystem eingebunden. Über konkrete lokale Entwicklungen liegen bislang nur begrenzte Quellen vor.
Nachkriegszeit und Nutzung im 20. Jahrhundert
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude weiterhin als Grundschule genutzt. Bauliche Anpassungen erfolgten jedoch nur punktuell:
- 1930er Jahre: Erweiterungsbau (1938)
- 1984: umfassende Sanierung der Sanitäranlagen
- 2017: brandschutztechnische Ertüchtigung (u. a. Brandmeldeanlage)
Trotz dieser Maßnahmen blieb die bauliche Substanz zunehmend problematisch. Raumgrößen entsprachen nicht mehr modernen Anforderungen, und es fehlten Funktionsräume für Ganztagsbetrieb und Differenzierung.
Diskussion um Abriss und Neubau (2010er Jahre)
Spätestens in den 2010er Jahren wurde der bauliche Zustand des historischen Schulgebäudes intensiv diskutiert. Eine umfassende Sanierung hätte hohe Kosten verursacht und wäre aufgrund struktureller Defizite nur eingeschränkt sinnvoll gewesen.
Im Jahr 2019 standen konkrete Planungen zur Debatte:
- entweder umfassende Sanierung mit Ergänzungsbau
- oder vollständiger Abriss und Neubau am Standort
Die Kosten beider Varianten lagen auf vergleichbarem Niveau (ca. 8 Mio. Euro).
Die Stadtverwaltung favorisierte schließlich einen Neubau, da dieser langfristig bessere Nutzungsmöglichkeiten bieten sollte.
Schulentwicklungsplanung und Strukturwandel
Im Schulentwicklungsplan der Stadt Herne (2022–2027) wurde der Standort Forellstraße ausdrücklich berücksichtigt und perspektivisch neu geordnet.
Diese Planungen stehen im Kontext eines umfassenden Wandels der Schullandschaft in Herne:
- sinkende bzw. sich verändernde Schülerzahlen
- steigende Anforderungen an Ganztag und Inklusion
- Modernisierung veralteter Schulgebäude
- Neuere Entwicklungen und heutige Nutzung (2020er Jahre)
Ein bedeutender Einschnitt erfolgte in den 2020er Jahren durch die Neuorganisation der schulischen Nutzung im Bereich Forellstraße.
Gemeinschaftsgrundschule
Die Schule am Schloss im markanten, roten Gebäude am Lackmanns Hof wurde schließlich - als Nachfolger von der Grundschule an der Forellstraße am 29. August 2024 feierlich eröffnet. Entstanden ist für rund 15 Millionen Euro eine zweizügige Schule mit vielen Extras und Räumen, die es vorher nicht gab. Die neue Einrichtung ersetzt einen zuvor als „zu eng, zu alt, zu marode“ beschriebenen Standort und bietet deutlich verbesserte Lernbedingungen.
Bedeutung
Die Schule an der Forellstraße steht exemplarisch für die Bildungs- und Stadtentwicklung im Ruhrgebiet:
- Gründung im Kontext der Industrialisierung des späten 19. Jahrhunderts
- Ausbau durch Bevölkerungswachstum
- baulicher Wandel im 20. Jahrhundert
- strukturelle Transformation im 21. Jahrhundert
Der Standort zeigt in besonderer Weise den Übergang von einer konfessionellen Volksschule zu modernen, differenzierten Bildungsangeboten einschließlich Förderschulen und inklusiver Konzepte.
| Zeitraum | Name | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1893 – 1899 | Christian Döring | Schulleiter |
| 1893 – 1898 | Luise Vogel | |
| 1894 – nach 1908 | Heinrich Ammermann | |
| 1898 – 1903 | Elisabeth Grüne | |
| 1897 – 1901 | Karoline Herrgott | |
| 1898 – 1900 | Emilie Krämer | |
| 1899 – 1923 | Theodor Holtstraeter | 1899 Hauptlehrer / 1907 Rektor; Schulleiter |
| 1901 – 1906 | Otto Jürgens | |
| 1901 – nach 1908 | Elisabeth Heidemann | |
| 1902 – 1912 | Joseph Ficke | |
| 1902 – nach 1908 | Elisabeth Hiltenkamp | |
| 1902 – 1906 | Paula Sander | |
| 1903 – 1907 | Agnes Imberg | |
| 1904 – nach 1908 | Clara Schürholz | |
| 1904 – nach 1908 | Wilhelm Cramer | |
| 1906 – 1911 | Elisabeth Hünecke | |
| 1906 – 1907 | Maria Meyer | |
| 1907 – 1916 | August Stahl | |
| 1907 – nach 1908 | Karoline Windolph | |
| 1907 – 1907 | Maria Beilenhoff | |
| 1907 – 1907 | Lehrerin Poggenpohl |

