Bergelmanns Park - Vom bäuerlichen Refugium zum Herzstück der Herner Stadtentwicklung 2026
Der Bergelmanns Park in Herne stellt heute eine der wichtigsten innerstädtischen Grünflächen dar. Mit ihrer Lage unmittelbar am Rathaus und im historischen Zentrum der Stadt verbindet sie Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise. Der Park ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern zugleich ein bedeutendes Zeugnis der lokalen Geschichte, dessen Wurzeln bis in das Spätmittelalter zurückreichen.
Geschichte, Lage und städtebauliche Entwicklung einer 2025 neu gedachten zentralen Grünanlage
1. Einleitung
Die Parkanlage „Bergelmanns Hof“ in der Herne stellt ein vielschichtiges historisches Areal dar, dessen Entwicklung exemplarisch für den Wandel vom agrarisch geprägten Raum zur urban-industriellen Stadtlandschaft des Ruhrgebiets steht. In unmittelbarer Nähe zum Rathaus gelegen, vereint die Fläche unterschiedliche Nutzungsschichten vom spätmittelalterlichen Bauernhof über einen konfessionellen Friedhof bis hin zur modernen innerstädtischen Grünanlage.
Ziel dieses Beitrags ist es, die historische Entwicklung des Areals nachzuzeichnen, seine Bedeutung im städtischen Kontext zu analysieren und die gegenwärtige Umgestaltung als Ausdruck zeitgenössischer Stadtentwicklung zu interpretieren.
2. Lage und stadträumlicher Kontext
Die Parkanlage befindet sich im Zentrum von Herne (Stadtteil Herne-Mitte) und wird durch zentrale Verkehrsachsen sowie öffentliche Einrichtungen begrenzt. Mit einer Fläche von rund 2,7 Hektar handelt es sich um die größte zusammenhängende Grünfläche der Innenstadt.[1]
Ihre Lage zwischen Rathaus, Verwaltungsgebäuden und innerstädtischen Geschäftsbereichen verleiht ihr eine besondere Bedeutung als sozialer, ökologischer und historischer Ausgleichsraum.
3. Der Hof Bergelmann: Ursprünge und frühneuzeitliche Entwicklung
Die Geschichte des Areals beginnt mit dem Hof Bergelmann, dessen Ursprünge bis in das Spätmittelalter zurückreichen. Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1486 im Schatzbuch der Grafschaft Mark.
Im Verlauf der Frühen Neuzeit erscheint der Hof wiederholt in Steuerregistern, etwa 1542 (Türkensteuerliste) und 1598. Dies weist auf eine kontinuierliche Bewirtschaftung und wirtschaftliche Stabilität hin.
Für das Jahr 1664 ist der Hof als Anlage mit zwei Feuerstellen überliefert, was auf eine gewachsene Hofstruktur schließen lässt. Die Zugehörigkeit zur Grundherrschaft Strünkede verdeutlicht zudem die Einbindung in die feudalen Besitzverhältnisse der Region.
Damit ist der Hof Bergelmann als Bestandteil der agrarischen Grundstruktur des vormodernen Hernes zu verstehen.
4. Transformation im 19. Jahrhundert: Vom Wirtschaftsraum zum Erinnerungsort
Ein grundlegender Funktionswandel setzte im 19. Jahrhundert ein.
Mit der Anlage eines evangelischen Friedhofs im Jahr 1882 wurde das Gelände teilweise seiner landwirtschaftlichen Nutzung entzogen und in einen sakral geprägten Raum überführt. Nach 1905 wurde der Friedhof für neubelegungen geschlossen, allerdings blieben Belegungsmöglichkeiten auf alte Erbgrüfte weiterhin möglich. Somit blieb der Friedhof weiterhin ein bedeutender Ort des kollektiven Gedächtnisses. Teile der historischen Grabstruktur sind bis heute erhalten und prägen den südlichen Bereich der Anlage.
5. Industrialisierung und Urbanisierung: Strukturwandel im 20. Jahrhundert
Mit der fortschreitenden Industrialisierung verlor der Hof Bergelmann endgültig seine ursprüngliche Funktion.
Das Fachwerkgebäude, das auf das Jahr 1821 datiert war, wurde 1959 aufgrund baulicher Mängel abgebrochen.
Parallel dazu entwickelte sich das Gelände zu einer funktional fragmentierten Fläche aus Verwaltungsgebäuden, Grünanlagen, Verkehrsflächen und Überresten des ehemaligen Friedhofs. Die Benennung der Straße „Bergelmanns Hof“ im Jahr 1936 dokumentiert jedoch die fortbestehende historische Erinnerung im Stadtraum.
Diese Phase ist durch eine Überlagerung und teilweise Entwertung historischer Strukturen gekennzeichnet.
6. Der Bergelmanns Hof im 21. Jahrhundert: Stadtumbau und Neugestaltung
Historie
Im Jahr 2023 führte die Stadt einen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb durch. Fünf Planungsbüros reichten ihre Entwürfe ein. So wurde zwischen dem 13. September 2022 (Bekanntmachung) und dem Ende der öffentlichen Ausstellung am 25. April 2023 Landschaftplaner aufgefordert ihre Vorstellung einer neuen Parkanlage einzureichen. Die Jury bewerte den Entwurf der bbz Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin Verfasser: Timo Herrmann. Mitarbeit: Marc Leppin, Malte Stellmann, Luisa Richter mit dem 1. Platz. Links zur Wettbewerbsseite auf bbz.la Im Juni 2023 fand zudem eine Kinderbeteiligung statt, bei der Kinder aktiv Spielflächen mitgestalteten. Die Öffentlichkeit wurde im Rathaus über die Planung informiert, kommentierte und gab Anregungen.
- Dokumentation Parkanlage Bergelmanns Hof in Herne (2025) Direktlink PDF-Dokument, 28 Seiten. Dateigröße: 229,08 MB.
Umbau ab Herbst 2025
Der Umbau begann im Herbst 2025. Wichtige Elemente sind:
- Erhalt des gesunden Baumbestands plus Neupflanzung und artenreiche Sträucher zum grünen Rahmen
- Ein barrierefrei gestalteter zentraler Rundweg mit Liegewiese und neuen Bänken
- Eine offene Mitte mit Spiel- und Aktionszonen für verschiedene Altersgruppen
- Östlich: ein Hochzeitsgarten mit Staudenpflanzungen
- Im Süden (ehemaliger Friedhof): ein ruhiger Bereich mit denkmalgeschützten Grabsteinen
- Die angrenzende Straße am Bergelmanns Hof wird schmaler, bleibt jedoch als Rad- und Fußweg erhalten – damit werden die Parkbereiche besser verbunden
Am 24. Juni 2025, fand ein Parkfest statt, bei dem die Stadt Herne ihre aktuellen Umbaupläne für das Areal präsentierte. Die Grünfläche grenzt direkt an das Herner Rathaus und sollte ab Herbst 2025 umgestaltet und deutlich aufgewertet werden. Ziel ist eine verbesserte Aufenthaltsqualität mit neuen Spielbereichen, einer Liegewiese und weiteren Bänken
Viele Besucher nutzten den Spiele- und Informationsnachmittag. Mitarbeitende der Fachbereiche Stadtgrün, Umwelt und Stadtplanung sowie des Stadtumbaumanagements Herne‑Mitte standen am Informationsstand für Gespräche zur Verfügung. Das Sozialraumteam Herne‑Mitte und das Stadtumbaubüro boten ein buntes Spieleangebot für Kinder
Der Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda sagte:
„Ich freue mich sehr über diese städtebauliche Maßnahme, denn grüner Erholungsraum ist wichtig für unser aller Wohlbefinden. […] Hier wird eine wichtige grüne Oase mitten in der Innenstadt deutlich aufgewertet und sogar noch erweitert.“
Finanzierung / Fördermittel
Im Herbst 2023 beantragte die Stadt eine Förderung über das Programm „Lebendige Zentren“ mit einem Förderanteil von 80 %. Der städtische Eigenanteil beträgt 20 %. Ein Zuwendungsbescheid über förderfähige Kosten in Höhe von 2,8 Millionen € ging im Oktober 2024 ein
7. Namensdebatte und Identitätsbildung (2025–2026)
Im Zuge der Neugestaltung wurde eine öffentliche Beteiligung zur Namensfindung durchgeführt. Bürgerinnen und Bürger konnten Vorschläge einreichen, aus denen eine Jury drei Optionen auswählte. Die endgültige Entscheidung liegt bei der zuständigen Bezirksvertretung.[2]
Diese Debatte zeigt, dass es sich bei der Anlage nicht nur um ein städtebauliches Projekt handelt, sondern um einen symbolisch aufgeladenen Erinnerungsort, dessen zukünftige Identität aktiv ausgehandelt wird.
8. Interpretation: Ein palimpsestischer Stadtraum
Der Bergelmanns Hof kann als ein palimpsestischer Raum verstanden werden, in dem sich mehrere historische Schichten überlagern:
- agrarische Nutzung (Mittelalter–18. Jahrhundert)
- sepulkrale Funktion (19. Jahrhundert)
- urban-industrielle Transformation (20. Jahrhundert)
- nachhaltige Stadtentwicklung (21. Jahrhundert)
Diese Überlagerung macht das Areal zu einem exemplarischen Untersuchungsgegenstand für die Stadtgeschichte des Ruhrgebiets.
9. Fazit
Die Entwicklung des Bergelmanns Hofs verdeutlicht in besonderer Weise die langfristigen Transformationsprozesse des Ruhrgebiets.
Die aktuelle Neugestaltung sowie die damit verbundene Namensdebatte zeigen, dass historische Orte nicht statisch sind, sondern kontinuierlich neu interpretiert werden.
Der Bergelmanns Hof ist somit nicht nur ein bedeutender Bestandteil des Herner Stadtraums, sondern auch ein lebendiger Ausdruck lokaler Erinnerungskultur.
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Quellen
- ↑ Stadt Herne: „Parkanlage Bergelmanns Hof“, abrufbar über das offizielle Stadtportal der Stadt Herne.
- ↑ Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ): „Neuer Park am Herner Rathaus: Jury präsentiert drei Namensvorschläge“, 2026, abrufbar unter: https://www.waz.de/lokales/herne-wanne-eickel/article411805366/neuer-park-am-herner-rathaus-jury-praesentiert-drei-namensvorschlaege.html

