Grabanlage Schlenkhoff (Bergelmannshof) Herne
Die Familiengrabanlage der Familie Schlenkhoff auf dem alten ev. Friedhof am Bergelmanns Hof in Herne ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Bestattungskultur des wohlhabenden Bürgertums im frühen 20. Jahrhundert.
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1. Stilistische Einordnung
Die Grabanlage folgt dem Reformstil (auch früher Neoklassizismus oder Architektonischer Stil genannt), der etwa zwischen 1900 und 1920 populär war.
- Architektonischer Aufbau: Statt einer einfachen Stele sehen wir eine monumentale, breit gelagerte Wandgrabstätte. Sie ist streng symmetrisch gegliedert und ahmt architektonische Elemente wie Pilaster (flache Wandpfeiler) und ein zentrales Ädikula-Motiv (tempelartiger Aufbau) nach.
- Zentrale Stele: Das Mittelstück ist erhöht und wird von einem flachen Dreiecksgiebel (Tympanon) bekrönt. Es enthält ein bronzenes Relief, das eine klassische christliche oder trauernde Szene darstellt. Die Verwendung von Bronzeapplikationen ist typisch für die Zeit nach der Jahrhundertwende.
- Schrift und Ornamentik: Die Inschriften sind in einer klaren, oft serifenbetonten Kapitalschrift gehalten. Die vergoldeten Lettern auf dem dunklen Stein sind ein klassisches Statussymbol dieser Epoche.
2. Material und Beschaffenheit
- Schwarzer Granit (Syenit): Die Anlage besteht höchstwahrscheinlich aus poliertem schwarzen Granit oder einem ähnlichen Hartgestein. Dieses Material wurde ab dem späten 19. Jahrhundert bevorzugt, da es Witterungsbeständigkeit mit einer edlen, spiegelnden Optik verbindet und Reichtum signalisierte.
- Einfriedung: Das Grab verfügt über eine massive steinerne Umrandung (Einfassung), die den privaten Raum der Familie innerhalb des öffentlichen Friedhofs markiert.
3. Bestimmung des Alters
Anhand der Inschriften und des Stils lässt sich der Entstehungszeitraum gut eingrenzen:
- Früheste Bestattungen: Die Namen auf den äußeren Platten deuten darauf hin, dass die Anlage kurz nach 1897 errichtet wurde. Zu dieser Zeit befand sich der Bergelmannshof in seiner Blütezeit als prestigeträchtiger Bestattungsort für Herner Industrielle und Großbürger.
- Belegungszeitraum: Die Anlage wurde über Generationen hinweg genutzt, wie die späteren Inschriften (z. B. 1996) zeigen. Dies ist charakteristisch für "Ewigkeitsgräber" bedeutender Stadtfamilien.
3.1. Belegung
FAMILIE WILHELM SCHLENKHOFF
- WILHELM SCHLENKHOFF geb. 10. Juni 1874 gest. 19. Juli 1938 ― - ― Das Reich muss und doch bleiben.
- MILLY[1] SCHÄFER GEB SCHLENKHOFF geb. 3. Dezember 1887 gest. 8. Juni 1918 ― - ― Glaube Liebe Hoffnung, doch die Liebe ist die grösste unter ihnen.
- ELFRIEDE SCHLENKHOFF GEB. VON MARTITZ geb 2. Januar 1878 gest 30. November 1963 ― - ― Lobe den Herrn
- FRIEDRICH WILHELM SCHLENKHOFF geb. 4. November 1902 gest. 1. Oktober 1973
- URSULA SCHLENKHOFF GEB. AUSLÄNDER geb. 13. März 1915 gest. 6. November 1976
- ALBERT SCHLENKHOFF geb. 13. juni 1904 gest. 23. Ferbuar 1996
- MARGRET SCHLENKHOFF GEB. JAHRMANN geb. 8. Juli 1910 gest. 24. Februar 1996
- DIEDRICH WILHELM SCHLENKHOFF geb. 9. November 1844, gest. 1. Juli 1917 ― - ― Wenn es schön gewesen, ist es Mühe und Arbeit gewesen.
- LISETTE SCHLENKHOFF GEB. HÜLSHOFF geb. 2. Oktober 1848 gest 27. März 1911 ― - ― O, welche Glückseligkeit! O wie glücklich!
- MINCHEN[2] SCHLENKHOFF geb. 31. August 1889, gest. 30. August 1897 ― - ― Gott ist die Liebe!
4. Historischer Kontext in Herne
Die Familie Schlenkhoff gehört zu den alteingesessenen Familien der Region (oft verbunden mit Landwirtschaft oder späterem Bergbau/Industrie). Eine solch großflächige Anlage am Bergelmannshof spiegelt den rasanten Aufstieg Hernes während der Hochindustrialisierung wider. Während die Stadt oben wuchs, entstanden unten diese "Städte der Toten" als steinerne Zeugnisse des familiären Erfolgs.
Zusammenfassend: Es handelt sich um eine monumentale Wandgrabstätte im Reformstil, errichtet um 1902–1910, die durch ihre Materialität und Größe den hohen sozialen Status der Familie Schlenkhoff in Herne unterstreicht.

