Aus Hernes kirchlicher Vergangenheit - Was die Kirchenbücher erzählen II
Am 21. August 1937 veröffentlichte Leo Reiners im Herner Anzeiger einen weiteren Artikel seiner Forschungen, hier der zweite Teil: Aus Hernes kirchlicher Vergangenheit . [1] -> Aus Hernes kirchlicher Vergangenheit - Was die reformierten und die lutherischen Kirchenbücher erzählen
Aus Hernes kirchlicher Vergangenheit II
Was die Kirchenbücher erzählen.
Am 22. April 1724 wird eines Soldaten Johan Michael Junckblot unter H. Gen. Maj. Raders Compagnie Söhnlein, welches dessen frau Elisabeth Sisslings an Klüseners hauß zur welt gebracht", getauft. Paten sind dabei u. a. Joh. Peter Conrad Westhusen und Goswin Henrich Mundus, auch Soldaten unter gedachter Compagnie“. Aus einem bei geheftetem Zettel geht hervor, dass die Compagnie des Gen. Maj. Rader in Lippstadt ihren Standort hat. In Abschrift beigefügt ist ferner die Traubescheinigung der Kindeseltern, aus der hervorgeht, dass sie katholisch sind. Des Interesses wegen sei die Traubescheinigung hier wörtlich wiedergegeben. Sie lautet:
- Kund und zu wissen sey hiemit jedermanniglich demnach Johannes Michael Junckbold und Elisabeta Sisslings auf vorhergegangene reifliche Berathschlagung sich einmühtig Verglichen zu erhalt und fortpflanzung des menschlichen geschlechts den heiligen Ehestand miteinander einzugehen, daß Sie darauf d. 2. january 1723 beyseins unterbenenten ihren pastore und mehr anderen Zeugen offentlich in der Stadt Bochum RomißCath: Pfarrkirchen S. S. Apost: petri et pauli daselbst auf Vorhergegangene gewohnliche Kirchenruff allsolche Ehe vor Gott und von Gotteswegen im angesicht der heiligen christlichen Kirchen zusahmen contrahiret und sothaner Ehestandt nach catholischem Brauch von mir pastoren confirmiret und Bestätiget worden, deswegen dem allerhöchsten sey lob und Ehre, der auch seinen segen und gnao zur ewig und zeitlichen wollfahrt ferner reichlich verleihen wolle, dessen in urkundt habe Ich gedachten Eheleuten gegenwertige attestation unter meiner hand und aufgedruckten petschaft mit getheilet.
- Bochum 1723. 3tio january
- Joannes Bockelkamp pastor Bochumensis.
Man vergleiche einmal diese Trauurkunde in ihrer feierlich-persönlichen Art mit einer heutigen amtlichen Trauurkunde! Das Ehepaar Junckblot war also 1723 in Bochum katholisch getraut worden. Ob die Lippstädter Soldaten damals in unserer Gegend lagen, geht daraus nicht hervor, wohl aber darf man annehmen, dass die drei bei der Taufe genannten Sodaten (der Vater und zwei Taufpaten) sich hier aufhielten und daher auch die Frau des einen in Altenhöfen bei Klüsener (als Domänengut des preußischen Königs wohl besonders für Einquartierungen ausersehen) das Kind zur Welt brachte. Zu dieser Zeit kommen übrigens eine ganze Reihe Soldaten (meist aus heimischen Familien) im Kirchenbuch vor.
Am 11. 2. 1730 wird des Einwohners auf Hülsmans Hoffe zu Baukau Röm. Cathol. Religion Söhnlein ohngef. 5 jahr" begraben. Dieser Einwohner war Johann auf der Becke aus Horneburg, der 1714 eine Anna Elis. Spiekermann geheiratet hatte und auf Hülsmanns Hof wohnte. Im Jahre 1720 sterben in der Familie Johan Fehlings, der Einlieger bei Kuenkamp ist, seine Ehefrau Rom. Cathol.“ und drei Kinder, die alle von dem lutherischen Pastor auf dem Herner Friedhof beerdigt werden. Im folgenden Jahre (18. 2. 1730) wird Sigismund Frie seine Ehefrau aetat. ohngefehr 62 jahr Römisch Catholischer Religion" begraben. Es handelt sich, wie noch heute auf der Balkeninschrift am Hause des Sigismund Frie an der Rosenstraße Ecke Alter Markt zu lesen ist, um eine Margareta Alstede. Im März 1730 werden die Brautleute Henrich Esman und Maria Eickman von Holsterhausen proclamiert. Weilen der bräutigam Cathol. so wurde zu Eickel proclamirt und copulirt auff meine gegebene permission", bemerkt der Pastor. Einige Jahre später, 1735, trägt er unterm 2. März den Tod des alten Eßman von Holsterhausen ein mit der Bemerkung: Weilen aber der Mann Röm Cathol so habe erlaubet, solchen zu Eckel oder zu bochum zu begraben praevia solutione ordinar. jurium“ (= nach Bezahlung der gewöhnlichen Gebühren). Der alte Eßmann wie auch sein Sohn waren also katholisch. Daher steht auch die Taufe des Sohnes nicht im Herner Kirchenbuch, wohl die seiner Geschwister. Bemerkenswert ist auch hier, dass keine feste Beziehung zur katholischen Gemeinde Eickel besteht. Den Angehörigen des Verstorbenen steht frei, ob sie ihn in Eickel oder in Bochum beerdigen lassen wollen. Als im gleichen Jahre Joh. Hrch. Vos am Giesenberg (die Familie gehörte zur lutherischen Gemeinde in Herne) eine Elisabeth Klein=Alstedde gt. von Berge, die röm.-cath. Religion ist, heiratet, da geschieht die Trauung vor dem katholischen Pastor in Castrop. Am 12. 2. 1730 wird ein Töchterlein des Johann Besse, der auch als römisch=catholisch bezeichnet wird, vom lutherischen Pastor getauft. Er hatte eine Tochter von Jan Mumme geheiratet. Katholisch war auch die Meyersche von Bergen“, die im Alter von 33 Jahren im Kindbett starb und am 3. 9. 1730 begraben wurde. Sie war eine Elisabeth Dördelmann aus Grumme und hatte 1723 den Joh. Hrch. Schulte zu Bergen geheiratet (die Frau eines Schulte hieß früher meist Meyersche oder Mersche). Am 5. 3. 1732 ist ein Römisch=Catholischer Mann von pöppinghausen, welchen Flasche hieselbst beerdigen lassen", verzeichnet.
Sehr bemerkenswert ist folgende Eintragung über die am 27. 8. 1732 erfolgte Beerdigung des röm.= kath. Gärtners von Strünkede: Es verlangte zwar S. Exzell. der Freyh. von Strünckede Ich mögte gegen erlegung der jurium Stolae, so mir mit 40 stb bezahlet wurden, dem Reform. prediger von Strünkede diesen Man beerdigen lassen; allein weil es hie beständigen brauch und herkommens, konte Ich nicht darin ge... habe also alles contradicirens ohngeachtet denselben begraben“. Hier wird ganz deutlich, dass dem lutherischen Pastor vor dem reformierten und erst recht vor einem katholischen auswärtigen Pastor das Beerdigungsrecht zusteht. Daran kann sogar der Gerichtsherr von Strünkede nichts ändern, selbst wenn man dem lutherischen Pastor die Stolgebühren bezahlt.
Am 26. 6. 1732 traut der luth. Pastor den Henrich Winkop gt. Knop zu Baukau, röm.-kath., und Elisabeth Schlenkhoff. Am 30. 3. 1733 wird der Alte Voskühler vom Giesenberg aetat. 93 jahr Römisch. Cathol.“ begraben, nachdem schon am 26. 7. 1692 vermerkt war, der pont. past. Castrop.“ habe den Voßkühler— es handelt sich um den Sohn Henrich des vorgenannten Voßkühler— copuliert, am 20. 11. 1733 wird erwähnt ein Römisch Cathol. armer Bettler nahmens Nicol. Witte bürtig auß Luinkhausen (= Lüdinghausen) im Munsterischen, wurde bey Wismans hoff todt gefunden Vom gerichte besehen und auß armen Mitteln beerdiget auff befehl des Richtern". Katholisch ist auch ein Brautpaar, das in Altenhöfen ansässig wird und von dem es im Kirchenbuch heißt: Jo. Joseph Schüerman. Jos. Henr. Schüerman Von Gladbeck fil. legit. et Anna Cathrina Bruß — hieselbst auß den alten Höffen: Ich habe Sie Copulirt, obschon beyde Catholisch, nachdem der bräutigam dimissorial. a Dn. past. Gladbeck. praesentirte, den 5. May“. Am 18. 11. 1734 wird der alte Jürgen Arends von Baukau Röm Cath aet 84 jahr" begraben. Ein neuer Katholik kommt nach Herne 1735 in Johann Henrich Fils von Oberen Castrop, der vor dem Herner lutherischen Pastor die Gertrud Köhlhoff aus Altenhöfen heiratet und Dimissoriale (Bescheinigung über richtig erfolgtes Aufgebot und Fehlen von Ehehindernissen) vom katholischen Pastor in Castrop vorzeigt.
Hiermit wollen wir vorläufig die Aufzählung von Katholiken im nachreformatorischen Herne abschließen. Sie hat gezeigt, dass doch längst vor der in der Festschrift der Bonifatiusgemeinde genannten Zeit Katholiken in Herne zu finden waren, wenn sie auch zumeist in der evangelischen Umgebung ihr Bekenntnis aufgaben. Nur auf den ältesten nachweisbaren dieser Herner Katholiken wollen wir noch eingehen. Es handelt sich um Cathrina Lindges (papisticae religionis) Henrichen Herrentreies Kirchmeisters zu Herne uxor, fere 70 annorum“, die am 19. 12. 1683 beerdigt wurde. Da sie ein Alter von fast 70 Jahren erreichte, war sie um 1613 geboren. Sie galt bis zu ihrem Tode als katholisch, trotzdem ihr Mann, der 1697 im Alter von 90 Jahren gestorbene Henrich Herntrey, Kirchmeister der lutherischen Gemeinde war. Auch ein anderer Herntrey war katholisch. Wie wir schon in den reformierten Kirchenbüchern sahen, ist 1700 der alte Herentrey", bisher katholisch, zum reformierten Bekenntnis übergetreten. Im Jahre 1703 ist er gestorben. Er war wahrscheinlich der älteste Sohn des Kirchmeisters Herntrey.
So hat es, wie wir gezeigt haben, manche Katholiken im nachreformatorischen Herne gegeben. Teilweise haben sie bis zu ihrem Tode das katholische Bekenntnis behalten, teilweise sind sie zum reformierten Bekenntnis übergetreten, meist aber haben sie in der evangelischen Umgebung ihre Kinder evangelisch taufen lassen und so die Angleichung ihrer Nachkommen an das Glaubensbekenntnis ihrer Umgebung herbeigeführt.
Dr. L. Reiners.
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Quellen
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21238001 Vgl. Online Quelle auf Zeitpunkt.NRW f.
