Anton Pesch (1884-1955) Pädagoge und Chorfunktionär
Anton Pesch (* 13. Juni 1884 in Köln; † 21. November 1954 in Dortmund) war ein deutscher Pädagoge und Oberstudiendirektor. Er war in den 1930er Jahren als Schulleiter des späteren Pestalozzi Gymnasiums in Herne tätig und wurde später Direktor des Stadtgymnasiums Dortmund. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er zu den maßgeblichen Persönlichkeiten beim Wiederaufbau des deutschen Chorwesens und war Präsident des Deutschen Sängerbundes.
Leben und Wirken
Anton Pesch wurde am 13. Juni 1884 in Köln geboren. Über seine Ausbildung und die ersten Stationen seiner beruflichen Laufbahn liegen bislang nur wenige gesicherte Angaben vor. Vor seinem Dienstantritt in Herne wird Rheinbach als letzter Dienstort genannt.
Pesch wurde Anfang Januar 1918 zum Direktor der Oberrealschule/Gymnasiums Herne gewählt.[1] In dieser Funktion gehörte er zum höheren Schulwesen der Stadt. Seine Tätigkeit fällt damit in das letzte Jahr der Monarchie und der gesamten Weimarer Republik bis in die politische Umbruchzeit des Jahres 1933.
Eine Verbindung Peschs zum Herner Musikleben ergibt sich insbesondere aus der Berufung des Musikers Georg Nellius nach Herne. Die Stadt Herne beschloss am 2. Dezember 1932 die Berufung Nellius' zum Studienrat. Nellius trat seine Stelle am 1. April 1933 an. Nach den vorliegenden Untersuchungen ging die Initiative für die Berufung unter anderem von Anton Pesch und dem damaligen Herner Oberbürgermeister Curt Täger aus.[2]
Pesch und die nationalsozialistische Machtübernahme
Die politische Neuordnung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 hatte auch für Anton Pesch unmittelbare Folgen. In einer Untersuchung über Georg Nellius wird unter Berufung auf die zeitgenössische Überlieferung angegeben, dass Pesch 1933 in Herne als Schulleiter von den Nationalsozialisten suspendiert wurde.[3]
Aus derselben Überlieferung ist eine Episode im Zusammenhang mit Georg Nellius überliefert. Nachdem Pesch 1933 aus seinem Amt entfernt worden war, verabschiedete sich Nellius von ihm auf der Schaeferstraße. Nellius soll dabei erklärt haben, dass er sich vorzeitig verabschieden wolle, weil ein längerer Kontakt mit Pesch möglicherweise falsch ausgelegt werden könne.[4]
Die Episode ist insofern bemerkenswert, als sie die politischen Auswirkungen der nationalsozialistischen Machtübernahme auch auf das persönliche Umfeld des Herner Schulwesens erkennen lässt. Über die genauen dienstrechtlichen Gründe und die Dauer der Suspendierung Peschs müssen weitere Personalakten herangezogen werden.
Offiziell wurde mitgeteilt:
"Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung u. a. folgende Personalveränderungen vorgenommen: Auf Grund des Paragraphen 5, Absatz 1, des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 sind versetzt: der Studiendirektor des städtischen Realgymnasiums in Herne Anton Pesch; [...] in das Amt eines Studienrats."[5]
Tätigkeit in Dortmund
Nach seiner Tätigkeit in Herne wechselte Pesch nach Dortmund. In der Überlieferung des Stadtgymnasiums Dortmund wird er ab 1934 als Angehöriger der Schulleitung beziehungsweise des Lehrkörpers geführt. Die dortige Direktorenliste nennt ihn mit der Amtszeit 1934 bis 1950 und vermerkt, dass er seit 1946 Direktor war.[6]
Das Stadtgymnasium Dortmund war im Zweiten Weltkrieg schwer betroffen. Das Schulgebäude wurde im Oktober 1944 zerstört. Nach Kriegsende wurde die Schule am 13. Mai 1946 als erste Dortmunder Schule wieder eröffnet. Der Unterricht fand zunächst in Räumen des Brüderkrankenhauses statt. Die Wiedereröffnung erfolgte auf Betreiben des damaligen Schulleiters Anton Pesch.[7]
Pesch blieb bis 1950 Direktor des Stadtgymnasiums. Sein Nachfolger wurde Hermann Hoßfeld.[8]
Präsident des Deutschen Sängerbundes
Neben seiner Tätigkeit im Schulwesen war Pesch im deutschen Chorwesen tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er zu den Persönlichkeiten, die am Wiederaufbau des Deutschen Sängerbundes beteiligt waren.
Der Deutsche Sängerbund wurde 1949 neu gegründet. Anton Pesch wurde dessen erster Nachkriegspräsident. Bei einer Veranstaltung in Göppingen am 10. Juli 1949 formulierte Pesch als Präsident des Deutschen Sängerbundes die Leitworte „Friede, Freiheit, Freude“. Zugleich erklärte er die politische und konfessionelle Neutralität des wiedergegründeten Verbandes zur Grundlage seiner Arbeit.[9]
Die Wiedergründung des Deutschen Sängerbundes stand im Zusammenhang mit der Neuordnung der deutschen Vereins- und Verbandslandschaft nach 1945. Die alliierten Besatzungsmächte hatten die bestehenden Sängerorganisationen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst aufgelöst. Für eine Wiederaufnahme der Tätigkeit waren neue Satzungen und Genehmigungen erforderlich.[10]
Pesch vertrat dabei ausdrücklich die politische und konfessionelle Neutralität des neuen Deutschen Sängerbundes. Damit sollte der Verband nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft organisatorisch neu ausgerichtet werden.[11]
Noch 1952 wird Pesch als Oberstudiendirektor in Dortmund und Präsident des Deutschen Sängerbundes genannt.[12]
Tod
Anton Pesch starb am 21. November 1954 in Dortmund.
Die in einzelnen Darstellungen anzutreffende Angabe eines Todesjahres 1955 lässt sich nach der derzeit überprüfbaren Quellenlage nicht bestätigen. Die Direktorenliste des Stadtgymnasiums Dortmund nennt ausdrücklich den 21. November 1954 als Todestag.[13]
Bedeutung für die Geschichte Hernes
Für die Herner Stadtgeschichte ist Anton Pesch insbesondere wegen seiner Tätigkeit als Schulleiter in der Zeit unmittelbar vor und während der nationalsozialistischen Machtübernahme von Bedeutung.
Seine Beteiligung an der Berufung Georg Nellius' Ende 1932, seine Entfernung aus dem Amt im Jahr 1933 und sein anschließender weiterer beruflicher Weg nach Dortmund ermöglichen einen Einblick in die personellen Veränderungen des höheren Schulwesens während des politischen Umbruchs von 1933.
Seine spätere Tätigkeit als Direktor des Stadtgymnasiums Dortmund und als Präsident des Deutschen Sängerbundes zeigt darüber hinaus, dass seine berufliche Laufbahn über das Herner Schulwesen hinausreichte.
Literatur und Quellen
Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/23157150
- ↑ Georg Hoffmann: Untersuchungen zu Georg Nellius und dessen Tätigkeit in Herne. Vgl. außerdem: Georg Nellius an den Oberbürgermeister der Stadt Herne, 23. Februar 1934, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, Personalakten Nr. AN 81, Schulkollegium Münster.
- ↑ Georg Hoffmann: Georg Nellius und die Zeit des Nationalsozialismus, daunlots – Internetbeiträge des Christine-Koch-Mundartarchivs, Nr. 69. Dort mit Hinweis auf Piorr 2013: „Anton Pesch (1884–1954), 1933 in Herne ‚als Schulleiter von den Nazis suspendiert‘.“
- ↑ Georg Hoffmann: Georg Nellius und die Zeit des Nationalsozialismus, daunlots – Internetbeiträge des Christine-Koch-Mundartarchivs, Nr. 69, Dokumentarteil B.V.1.
- ↑ Bochumer Anzeiger, 21. Oktober 1933. https://zeitpunkt.nrw
- ↑ Direktoren und Lehrer des Stadtgymnasiums zu Dortmund 1893–1959, überliefert im genealogischen Forschungsforum Ahnenforschung.net. Dort: „Anton Pesch, * 13.06.1884 in Köln, O 1934 – O 1950, seit 46 als Direktor, + 21.11.1954 in Dortmund.“
- ↑ Stadtgymnasium Dortmund: Geschichte der Schule. Angaben zur Zerstörung des Schulgebäudes 1944 und zur Wiedereröffnung am 13. Mai 1946.
- ↑ Direktoren und Lehrer des Stadtgymnasiums zu Dortmund 1893–1959; Stadtgymnasium Dortmund, Übersicht der Direktoren.
- ↑ Chorverband Baden-Württemberg: Chronik des Chorverbandes. „III. Ein Verband für das singende Schwaben“, S. 78. Dort wird Anton Pesch als Präsident des Deutschen Sängerbundes und seine Ansprache vom 10. Juli 1949 in Göppingen dokumentiert.
- ↑ Chorverband Baden-Württemberg: Chronik des Chorverbandes, Abschnitt „Die Wiedergründung“, S. 78.
- ↑ Chorverband Baden-Württemberg: Chronik des Chorverbandes, S. 78–79; dort unter Bezug auf „Der deutsche Sänger“, 1. Jahrgang, August 1949, Heft 5, S. 78–80.
- ↑ Festschrift zum Sängerfest in Spangenberg, 5. Juli 1952. Dort: „Schirmherr: Oberstudiendirektor Anton Pesch, Dortmund, Präsident des Deutschen Sängerbundes.“
- ↑ Direktoren und Lehrer des Stadtgymnasiums zu Dortmund 1893–1959, Angaben zu Anton Pesch.
- ↑ Georg Hoffmann: Untersuchungen zu Georg Nellius und dessen Tätigkeit in Herne. In: daunlots – Internetbeiträge des Christine-Koch-Mundartarchivs, Nr. 69.
- ↑ Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen: Personalakten Nr. AN 81, Schulkollegium Münster. Schreiben Georg Nellius an den Oberbürgermeister der Stadt Herne, 23. Februar 1934.
- ↑ Direktoren und Lehrer des Stadtgymnasiums zu Dortmund 1893–1959. Überlieferte Direktorenliste mit den Angaben zu Anton Pesch.
- ↑ Stadtgymnasium Dortmund: Geschichte der Schule und Übersicht der Direktoren.
- ↑ Chorverband Baden-Württemberg: Chronik des Chorverbandes, Abschnitt „Die Wiedergründung“, S. 78–79.
- ↑ Der deutsche Sänger. Amtliches Organ des Deutschen Sängerbundes, 1. Jahrgang, August 1949, Heft 5, S. 78–80.
- ↑ Festschrift zum Sängerfest in Spangenberg, 5. Juli 1952. Hinweis auf Oberstudiendirektor Anton Pesch, Dortmund, als Präsidenten des Deutschen Sängerbundes.
| Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem deutschen Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes – auch als Zitat – außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen. |



ⓘ Hinweis:
Dieser Inhalt wurde unter Nutzung von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Die KI-Grundlage wurde von menschlichen Bearbeiterinnen inhaltlich und sprachlich überarbeitet. KI-generierte Bilder stellen eine Interpretation dar und basieren auf überprüfbaren Vorlagen sowie den Angaben der Erstellerinnen.

