Wanner Hafen - Geschichte und Zukunft
Der Wanner Hafen, seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überwiegend als Hafen Wanne-West bezeichnet, ist ein Binnenhafen am Rhein-Herne-Kanal im heutigen Herner Stadtteil Wanne. Seine Entstehung ist untrennbar mit dem Ausbau der westdeutschen Wasserstraßen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dem Ankauf des Rittergutes Crange im Jahr 1907 sowie der Gründung der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH verbunden.
Der Hafen entwickelte sich zu einem der wichtigsten Umschlagplätze des nördlichen Ruhrgebietes. Durch die Verbindung von Wasserstraße, Eisenbahn und Industrie entstand ein leistungsfähiger Verkehrsknotenpunkt, der insbesondere den Bergwerken, Kokereien, Hüttenwerken und Maschinenbauunternehmen der Städte Wanne, Herne, Bochum, Eickel und Gelsenkirchen diente. Bis heute zählt der Hafen zu den bedeutenden Binnenhäfen im westlichen Ruhrgebiet.
Lage
Der Hafen liegt am Rhein-Herne-Kanal westlich der ehemaligen Gemeinde Crange und nördlich der historischen Ortslagen von Wanne und Bickern. Er befindet sich unmittelbar südlich des Emscherverlaufs und grenzt an ausgedehnte Industrie- und Gewerbeflächen.
Durch seine Lage zwischen den Kohlerevieren des mittleren Ruhrgebietes und den Wasserstraßen des westdeutschen Kanalsystems entwickelte sich der Standort zu einem idealen Umschlagplatz für Massengüter. Bereits bei seiner Planung war vorgesehen, den Hafen über leistungsfähige Eisenbahnverbindungen mit den Zechen und Hüttenwerken der Umgebung zu verbinden.
Heute ist der Hafen Bestandteil des Logistikstandortes der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE).
Bedeutung für die Industrialisierung
Noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Transport von Kohle und Industriegütern überwiegend über die Eisenbahn. Mit dem rasanten Wachstum der Schwerindustrie stießen die vorhandenen Verkehrswege jedoch zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen.
Insbesondere der Transport von Kohle, Koks, Eisenerz und Baustoffen erforderte kostengünstigere Beförderungsmöglichkeiten. Bereits in den 1880er Jahren entstanden deshalb Planungen, das Ruhrgebiet durch einen Großschifffahrtskanal mit dem Rhein zu verbinden.
Der spätere Rhein-Herne-Kanal sollte mehrere Aufgaben erfüllen:
- Verbesserung des Kohleexports
- Versorgung der Hüttenwerke mit Eisenerz
- Entlastung der Eisenbahn
- Erschließung neuer Industrieflächen
- Schaffung leistungsfähiger Binnenhäfen
Für die Gemeinden des damaligen Landkreises Gelsenkirchen bot sich damit erstmals die Möglichkeit, eigene Hafenanlagen zu errichten und unmittelbar an das europäische Wasserstraßennetz angeschlossen zu werden.
Vorgeschichte
Mit der Entscheidung Preußens zum Bau des Rhein-Weser-Kanals – des späteren Rhein-Herne-Kanals – begann ein intensiver Wettbewerb der Gemeinden entlang der geplanten Trasse um geeignete Hafenstandorte.
Während Herne, Gelsenkirchen und Dortmund frühzeitig ihre Interessen anmeldeten, erkannte auch die Gemeinde Wanne die außergewöhnlichen Entwicklungsmöglichkeiten.
Besonders günstig erwies sich dabei das Rittergut Crange. Die weitgehend unbebaute Fläche lag unmittelbar an der geplanten Kanaltrasse und bot ausreichend Raum für Hafenbecken, Gleisanlagen und Industrieansiedlungen.
Der Landkreis Gelsenkirchen ließ bereits vor dem endgültigen Baubeschluss umfangreiche Untersuchungen durchführen. Dabei wurde deutlich, dass sich Crange aufgrund seiner Lage zu einem bedeutenden Güterumschlagplatz entwickeln konnte.
Das Rittergut Crange
Das Rittergut Crange gehörte zu den ältesten adeligen Besitzungen im nördlichen Emscherraum. Es umfasste landwirtschaftliche Nutzflächen, Wiesen, Weiden und Waldflächen entlang der Emscher.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaß das Gut eine Gesamtfläche von rund 421 Morgen beziehungsweise etwa 107 Hektar.
Eigentümer war Reichsfreiherr Ignatz von Landsberg-Velen.
Zeitgenössische Zeitungen bezeichneten das Rittergut als
- „eins der schönsten weit und breit“
und verwiesen ausdrücklich auf seinen hohen landschaftlichen Wert innerhalb des zunehmend industrialisierten Ruhrgebietes.[1] Gerade diese günstige Lage machte das Gut jedoch gleichzeitig zum idealen Standort eines zukünftigen Binnenhafens.
Der Erwerb des Rittergutes (1907)
Im Frühjahr 1907 fassten der Kreistag des Landkreises Gelsenkirchen und die Gemeinde Wanne den Entschluss, das Rittergut gemeinsam zu erwerben.
Der Kaufvertrag wurde mit Reichsfreiherr Ignatz von Landsberg-Velen geschlossen.
Der Kaufpreis betrug
- 1.053.458,50 Mark.
Dies entsprach einem durchschnittlichen Preis von etwa 2.500 Mark je Morgen.[2]
Die Finanzierung erfolgte gemeinschaftlich:
- Landkreis Gelsenkirchen: 7/10
- Gemeinde Wanne: 3/10
Von der Kaufsumme wurden zunächst 165.458,50 Mark gezahlt; die verbleibenden 888.000 Mark wurden mit 3¾ Prozent verzinst.[3]
Zur Verwaltung des gemeinsamen Eigentums bildeten Landkreis und Gemeinde einen Verwaltungsausschuss.
Den Vorsitz übernahm Landrat Dr. zur Nieden.
Stellvertretender Vorsitzender wurde Amtmann Winter aus Wanne.
Weitere Mitglieder waren:
- Bergwerksdirektor Althoff (Wattenscheid)
- Amtmann Berkermann (Eickel)
- Bauunternehmer Hagen (Wanne)
- Bauunternehmer Walter (Röhlinghausen)
- Gemeindevorsteher und Landwirt Schalke (Wanne)
Bereits während der ersten Sitzungen wurde beschlossen, weitere östlich angrenzende Grundstücke anzukaufen, um ausreichend Flächen für den zukünftigen Hafen bereitzuhalten.[4]
Der eigentliche Zweck des Grunderwerbs
Obwohl der Erwerb in der Öffentlichkeit teilweise mit dem Erhalt des landschaftlich reizvollen Rittergutes begründet wurde, macht die zeitgenössische Berichterstattung deutlich, dass wirtschaftliche Erwägungen im Vordergrund standen.
Noch im Jahr 1907 wurde vereinbart, gemeinsam eine Gesellschaft unter der Bezeichnung
- „Kanalhafen Wanne-Gelsenkirchen Land“
zu gründen.
Das gesamte Gelände sollte nach Fertigstellung des Kanals als Hafen- und Industriegelände erschlossen werden.
Hierzu waren vorgesehen:
- Hafenbecken
- Kaianlagen
- Anschlussgleise
- Lagerplätze
- Industrieansiedlungen
- Umschlageinrichtungen
Da bis zur geplanten Fertigstellung des Kanals im Jahre 1912 keine Einnahmen erzielt werden konnten, beschloss der Kreisausschuss die Bildung eines besonderen Kanalfonds.
Aus diesem Fonds sollten sämtliche Bauzinsen, Erschließungskosten und Finanzierungskosten bis zur Betriebsaufnahme gedeckt werden.[5]
Der Kreisausschuss begründete diese Vorgehensweise damit, dass die späteren Generationen zwar von den Einnahmen des Hafens profitieren würden, die damaligen Gemeinden jedoch nicht übermäßig mit den hohen Anfangskosten belastet werden sollten.
Damit entstand bereits 1907 eines der größten kommunalen Infrastrukturprojekte im nördlichen Ruhrgebiet.
Planung, Bau und erste Betriebsjahre (1907–1919)
Planung des Kanalhafens Wanne
Mit dem Ankauf des Rittergutes Crange im Jahr 1907 begann die konkrete Planung eines kommunalen Hafenstandortes am zukünftigen Rhein-Herne-Kanal. Der Landkreis Gelsenkirchen und die Gemeinde Wanne verfolgten damit das Ziel, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der neuen Wasserstraße frühzeitig zu sichern und ein eigenes Industrie- und Umschlaggebiet aufzubauen.
Die Planungen gingen weit über die Errichtung eines einfachen Ladeplatzes hinaus. Vorgesehen war ein vollständig erschlossener Industriehafen mit:
- Hafenbecken,
- Lager- und Umschlagflächen,
- Eisenbahnanschlüssen,
- Industrieansiedlungen,
- Verbindungen zu den Zechen und Hüttenwerken der Umgebung.
Die hierfür gegründete gemeinsame Verwaltung sollte das Gelände entwickeln und langfristig wirtschaftlich nutzen.
Bereits im Sommer 1907 wurde die Bildung einer Gesellschaft unter dem Namen
- „Kanalhafen Wanne-Gelsenkirchen Land“
erörtert. Ziel war es, die Interessen des Landkreises Gelsenkirchen, der Gemeinde Wanne sowie der ansässigen Industrie zusammenzuführen.[6]
Die Bedeutung des Projektes zeigte sich auch daran, dass zahlreiche große Industrieunternehmen Interesse an einer leistungsfähigen Verkehrsverbindung zum geplanten Hafen bekundeten.
Verkehrserschließung durch Schleppbahn und Stichkanal
Parallel zur Hafenplanung wurde untersucht, wie der neue Hafen an die südlich gelegenen Industriegebiete angeschlossen werden konnte.
Für die Unternehmen im Raum Bochum und Wattenscheid war ein direkter Zugang zur Wasserstraße von erheblicher Bedeutung. Der Landkreis Gelsenkirchen ließ deshalb durch Regierungs- und Baurat a. D. Karsch ein erstes Projekt für eine Schleppbahn ausarbeiten.
Diese Bahn sollte aus dem Raum Wattenscheid und Bochum über Hordel, Eickel und Holsterhausen zum Kanalhafen Crange führen.
An dem Projekt zeigten mehrere bedeutende Unternehmen Interesse:
- Bergwerksgesellschaft Hibernia,
- Krupp (Zechen Hannibal und Hannover),
- Bochumer Verein,
- Gewerkschaft Konstantin der Große,
- Rheinische Stahlwerke (Zeche Zentrum),
- Phoenix-Ruhrort (Zeche Holland),
- Gewerkschaft Fröhliche Morgensonne,
- Magdeburgische Bergwerks-Aktiengesellschaft.
Zeitgleich wurde durch die Stadt Bochum ein weiteres Projekt untersucht: ein Stichkanal vom Rhein-Weser-Kanal beziehungsweise Rhein-Herne-Kanal bei Crange bis nach Bochum.
Der Landkreis Gelsenkirchen unterstützte die Weiterentwicklung dieses Vorschlages bis nach Wattenscheid, da dadurch nicht nur Bochum, sondern auch die Gemeinden des Landkreises wirtschaftlich profitieren konnten.[7]
Letztlich setzte sich jedoch die Entwicklung des Hafens mit Eisenbahnanschluss durch. Die Verbindung von Wasserstraße und Schienenverkehr sollte später das entscheidende Merkmal des Standortes werden.
Der Bau des Rhein-Herne-Kanals
Die Grundlage für die Entstehung des Wanner Hafens bildete der Bau des Rhein-Herne-Kanals.
Der Kanal war Bestandteil der preußischen Wasserstraßenpolitik, mit der die Industriegebiete an Rhein und Ruhr besser miteinander verbunden werden sollten.
Der Bau begann im Jahr 1906. Die Trasse führte vom Rhein bei Duisburg-Hamborn über Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen und Wanne bis zum Dortmund-Ems-Kanal.
Die schwierigen geologischen und technischen Bedingungen im Emschergebiet erforderten umfangreiche Erdarbeiten. Große Mengen Boden mussten bewegt, Dämme errichtet und Brücken sowie Schleusenanlagen gebaut werden.
Die Fertigstellung erfolgte nach mehrjähriger Bauzeit. Am 14. Juli 1914 wurde der Rhein-Herne-Kanal offiziell eröffnet.
Damit erhielt das Ruhrgebiet eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung für die Binnenschifffahrt.
Für Wanne bedeutete die Eröffnung des Kanals den Beginn einer neuen wirtschaftlichen Entwicklung.
Bau des Wanner Hafens
Mit dem Fortschreiten des Kanalbaus begann auch die praktische Umsetzung der Hafenplanung.
Das Gelände des ehemaligen Rittergutes Crange wurde schrittweise für die neue Nutzung vorbereitet. Landwirtschaftliche Flächen wurden umgestaltet, Erdarbeiten durchgeführt und die Voraussetzungen für Hafenbecken und Gleisanlagen geschaffen.
Die Hafenanlage entstand als kommunaler Industriehafen und wurde von Beginn an auf den Massengüterverkehr ausgerichtet.
Die wichtigsten Aufgaben waren:
- Umschlag von Kohle aus den umliegenden Zechen,
- Versand von Koks zu Hüttenwerken,
- Anlieferung von Erz und Rohstoffen,
- Transport von Baustoffen,
- Versorgung der Industrie mit Massengütern.
Die Nähe zu den großen Bergwerken im Raum Wanne, Eickel, Herne und Gelsenkirchen war ein entscheidender Standortvorteil.
Gründung der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH
Für den Betrieb des Hafens und seiner Verkehrsanlagen wurde eine eigene Gesellschaft gegründet.
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE) entstand im Jahr 1913.
Ihre Aufgabe war die Verbindung von Hafen und Eisenbahn sowie der Betrieb der umfangreichen Gleisanlagen.
Die Gründung erfolgte vor dem Hintergrund, dass der Hafen nur dann wirtschaftlich erfolgreich sein konnte, wenn ein leistungsfähiger Schienenanschluss vorhanden war.
Die WHE übernahm:
- den Bau und Betrieb der Hafenbahn,
- die Bedienung der Anschlussgleise,
- Rangierleistungen,
- Gütertransporte,
- später auch weitere kommunale Verkehrsaufgaben.
Gesellschafter waren zunächst kommunale Träger aus Wanne und dem Landkreis Gelsenkirchen.
Die Gesellschaft entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem wichtigen regionalen Eisenbahnunternehmen.
Die ersten Hafenanlagen und der Betriebsbeginn
Nach der Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals nahm auch der Wanner Hafen seinen Betrieb auf.
Der Erste Weltkrieg beeinflusste allerdings die wirtschaftliche Entwicklung erheblich. Der Kanal wurde zwar 1914 eröffnet, doch die Kriegswirtschaft veränderte die Verkehrsströme und begrenzte zunächst die Möglichkeiten des zivilen Güterverkehrs.
Trotz dieser schwierigen Bedingungen erwies sich der Standort als zukunftsfähig.
Bereits in den ersten Betriebsjahren zeigte sich die besondere Stärke des Hafens:
Die Verbindung von
- Wasserstraße,
- Eisenbahn,
- Zechenstandorten,
- Industrieanlagen
ermöglichte schnelle und kostengünstige Transporte. Damit war der Grundstein für die weitere Entwicklung des Wanner Hafens gelegt.
Bedeutung der ersten Ausbauphase
Die Jahre zwischen 1907 und 1919 waren entscheidend für die spätere Entwicklung.
Aus einem ehemaligen Rittergut entstand innerhalb weniger Jahre ein moderner Industriestandort.
Der Ankauf des Cranger Geländes erwies sich als langfristig strategische Entscheidung des Landkreises Gelsenkirchen und der Gemeinde Wanne.
Der Hafen wurde zu einem zentralen Element der kommunalen Wirtschaftspolitik und prägte die Entwicklung Wannes nachhaltig.
Ausbau, Industrialisierung und Kriegsjahre (1920–1945)
Der Hafen in der Weimarer Republik
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges begann für den Wanner Hafen eine neue Entwicklungsphase. Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen der Nachkriegszeit stellten die junge Hafenanlage zunächst vor erhebliche Herausforderungen. Reparationsforderungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und die schwierige Lage der deutschen Industrie beeinflussten den Güterverkehr auf dem Rhein-Herne-Kanal.
Trotz dieser Belastungen erwies sich die grundlegende Entscheidung für den Standort Crange als richtig. Die Kombination aus Wasserstraße und eigener Hafenbahn verschaffte dem Standort einen entscheidenden Vorteil gegenüber reinen Eisenbahnstandorten.
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE) entwickelte sich in dieser Zeit zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den Zechen, Industrieanlagen und dem Wasserstraßennetz.
Der Hafen diente vor allem dem Umschlag von:
- Steinkohle,
- Koks,
- Erz,
- Sand und Kies,
- Baustoffen,
- Maschinen und Industrieerzeugnissen.
Die Hauptkunden des Hafens waren die zahlreichen Bergwerks- und Industrieunternehmen des mittleren Ruhrgebietes.
Ausbau der Hafenanlagen
Mit der zunehmenden Bedeutung der Binnenschifffahrt wurden die Anlagen des Wanner Hafens kontinuierlich erweitert.
Die ursprüngliche Planung sah bereits vor, dass sich der Hafen nicht nur als Umschlagplatz, sondern als Industriehafen entwickeln sollte. Deshalb wurden zusätzliche Flächen erschlossen und Gleisanlagen ausgebaut.
Die Hafenbahn übernahm dabei eine zentrale Rolle.
Die Aufgaben der WHE umfassten:
- Zustellung von Güterwagen zu den Umschlagstellen,
- Rangierarbeiten innerhalb des Hafengeländes,
- Verbindung mit den Strecken der Deutschen Reichsbahn,
- Bedienung industrieller Anschlussgleise.
Die eigene Hafenbahn ermöglichte es, Schiffsgüter direkt mit den Produktionsstandorten der Region zu verbinden.
Die Bedeutung für den Kohlenbergbau
Die wichtigste Grundlage des Hafenumschlages blieb über Jahrzehnte der Bergbau.
Das Ruhrgebiet war in den 1920er und 1930er Jahren eines der bedeutendsten Industriegebiete Europas. Die Zechen förderten Millionen Tonnen Steinkohle, die zu Kraftwerken, Kokereien und Stahlwerken transportiert werden mussten.
Der Wanner Hafen lag besonders günstig zwischen den Bergwerken im Raum:
- Wanne,
- Eickel,
- Herne,
- Gelsenkirchen,
- Bochum.
Über den Kanal konnten Kohle und Koks kostengünstig zu den Rheinhäfen und weiter zu den Verbrauchern transportiert werden.
Umgekehrt gelangten über den Hafen wichtige Rohstoffe für die Schwerindustrie ins Ruhrgebiet.
Dazu gehörten insbesondere:
- Eisenerze,
- Kalkstein,
- Kohle für Kraftwerke,
- industrielle Hilfsstoffe.
Damit wurde der Hafen zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Produktionskette.
Die WHE als kommunales Verkehrsunternehmen
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH entwickelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einem leistungsfähigen kommunalen Unternehmen.
Während viele kleinere Werksbahnen ausschließlich innerbetriebliche Aufgaben erfüllten, besaß die WHE eine überregionale Bedeutung.
Sie verband:
- den Hafen,
- die Industrieanschlüsse,
- das Eisenbahnnetz,
- die kommunalen Verkehrsinteressen.
Die Gesellschaft verfügte über eigene Lokomotiven und umfangreiche Gleisanlagen.
Die Hafenbahn wurde ständig angepasst, da sich die Anforderungen der Industrie veränderten. Schwerere Güterwagen, größere Umschlagmengen und leistungsfähigere Rangierverfahren machten technische Verbesserungen notwendig.
Wirtschaftskrise und Strukturprobleme
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 traf auch den Wanner Hafen.
Der Einbruch der Industrieproduktion führte zu einem deutlichen Rückgang des Güterverkehrs. Besonders betroffen waren die Bereiche Kohle und Stahl.
Viele Zechen reduzierten ihre Förderung, Betriebe arbeiteten nur eingeschränkt oder mussten zeitweise schließen.
Auch die WHE musste sich auf diese veränderten Bedingungen einstellen.
Die kommunale Trägerschaft erwies sich jedoch als Vorteil, da der Hafen langfristig als Infrastrukturprojekt betrachtet wurde und nicht ausschließlich nach kurzfristigen Gewinnen bewertet werden musste.
Der Hafen während der NS-Zeit (1933–1945)
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend.
Die Aufrüstungspolitik führte zu einer starken Steigerung der Nachfrage nach Kohle, Stahl und industriellen Rohstoffen.
Davon profitierte auch der Wanner Hafen.
Die Verkehrsleistungen stiegen insbesondere durch:
- Kohletransporte,
- Versorgung der Rüstungsindustrie,
- Transporte für Stahlwerke und Maschinenbau.
Die strategische Bedeutung des Ruhrgebietes führte dazu, dass Verkehrswege und Industrieanlagen zunehmend in die Kriegswirtschaft eingebunden wurden. Auch der Wanner Hafen und die WHE mussten ihre Leistungen den Anforderungen der Kriegswirtschaft anpassen.
Zwangsarbeit und Kriegseinsatz
Wie viele Industrie- und Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet war auch der Bereich des Wanner Hafens während des Zweiten Weltkrieges von der Beschäftigung ausländischer Zwangsarbeiter betroffen.
Durch den zunehmenden Arbeitskräftemangel wurden Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten zur Arbeit in Industrie, Verkehr und Logistik eingesetzt.
Die genaue Aufarbeitung dieser Geschichte ist Bestandteil der allgemeinen Forschung zur Industrie- und Unternehmensgeschichte des Ruhrgebietes.
Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg
Der Wanner Hafen wurde aufgrund seiner industriellen Bedeutung mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe.
Der Rhein-Herne-Kanal, die Hafenanlagen und die Eisenbahninfrastruktur waren wichtige Verkehrswege für die Versorgung der Ruhrindustrie.
Die Angriffe führten zu Schäden an:
- Gleisanlagen,
- Betriebsgebäuden,
- Umschlaganlagen,
- Industrieanschlüssen.
Trotz der Zerstörungen blieb die Infrastruktur grundsätzlich erhalten. Nach Kriegsende 1945 begann der Wiederaufbau unmittelbar.
Bedeutung bis 1945
Die Entwicklung zwischen 1920 und 1945 prägte den Charakter des Wanner Hafens nachhaltig.
Aus dem ursprünglich kommunal geplanten Kanalhafen war ein bedeutender Industriestandort geworden.
Seine wichtigsten Erfolgsfaktoren waren:
- die Lage am Rhein-Herne-Kanal,
- die eigene Hafenbahn,
- die Nähe zu den Zechen und Hüttenwerken,
- die Einbindung in das Verkehrsnetz des Ruhrgebietes.
Damit war der Hafen nach dem Zweiten Weltkrieg bestens vorbereitet, eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau der westdeutschen Industrie zu übernehmen.
Wiederaufbau, Wirtschaftswunder und Höhepunkt des Industriehafens (1945–1975)
Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 bedeutete für den Wanner Hafen und die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE) einen tiefen Einschnitt. Die Verkehrs- und Industrieanlagen des Ruhrgebietes waren durch Kriegseinwirkungen beschädigt worden. Gleichzeitig besaßen sie für den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft eine außerordentliche Bedeutung.
Der Wiederaufbau des Landes Nordrhein-Westfalen begann mit der Wiederherstellung der industriellen Infrastruktur. Der Rhein-Herne-Kanal, die Häfen und die angeschlossenen Eisenbahnnetze wurden deshalb von den Besatzungsbehörden und den deutschen Verwaltungen als besonders wichtige Verkehrswege eingestuft.
Auch im Wanner Hafen wurden unmittelbar nach Kriegsende die notwendigen Reparaturarbeiten aufgenommen:
- Wiederherstellung beschädigter Gleisanlagen,
- Reparatur von Betriebsgebäuden,
- Instandsetzung der Umschlageinrichtungen,
- Beseitigung von Kriegsschäden an den Hafenanlagen.
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH nahm ihren Betrieb schrittweise wieder auf und wurde zu einem wichtigen Bestandteil des wirtschaftlichen Wiederaufbaus.
Der Hafen als Motor des Wiederaufbaus
Die wirtschaftliche Erholung der Nachkriegszeit beruhte vor allem auf der Wiederbelebung der Montanindustrie.
Kohle und Stahl waren die Grundlage des sogenannten Wirtschaftswunders. Das Ruhrgebiet entwickelte sich erneut zu einem der bedeutendsten Industriestandorte Europas.
Für den Wanner Hafen bedeutete diese Entwicklung eine starke Zunahme der Umschlagmengen.
Die wichtigsten Gütergruppen blieben:
- Kohle,
- Koks,
- Erz,
- Sand und Kies,
- Baustoffe,
- Schrott,
- Industrieanlagen.
Durch seine Lage am Rhein-Herne-Kanal und die direkte Verbindung mit der Eisenbahn konnte der Hafen die steigenden Transportanforderungen der Industrie erfüllen.
Ausbau der WHE und Modernisierung der Hafenbahn
In den 1950er Jahren begann eine umfassende Modernisierung der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH.
Die steigenden Gütermengen erforderten leistungsfähigere Fahrzeuge und Betriebsanlagen.
Die WHE erneuerte schrittweise:
- Lokomotivbestand,
- Gleisanlagen,
- Stellwerks- und Sicherungstechnik,
- Rangierbereiche,
- Hafenanschlüsse.
Während in den ersten Jahrzehnten Dampflokomotiven den Betrieb geprägt hatten, begann nach dem Krieg die Umstellung auf moderne Triebfahrzeuge.
Die Einführung leistungsfähiger Diesellokomotiven vereinfachte den Rangierbetrieb und senkte den Wartungsaufwand.
Die Hafenbahn entwickelte sich damit zu einem modernen Dienstleister für Industrie und Schifffahrt.
Die Bedeutung der Zechen für den Hafenbetrieb
Der wirtschaftliche Erfolg des Wanner Hafens war eng mit dem Bergbau verbunden.
Im Umfeld des Hafens befanden sich zahlreiche bedeutende Zechen:
- Zeche Shamrock,
- Zeche Unser Fritz,
- Zeche Pluto,
- Zeche Hannover,
- Zeche Hannibal,
- Zeche Constantin der Große,
- weitere Bergwerke des mittleren Ruhrgebietes.
Die Kohleförderung dieser Anlagen erzeugte einen enormen Bedarf an Transportleistungen.
Ein Teil der Kohle wurde über die Eisenbahn angeliefert und auf Schiffe verladen. Gleichzeitig wurden über den Wasserweg Rohstoffe für die Industrie herangeführt.
Der Hafen bildete damit eine Schnittstelle zwischen:
- Bergbau,
- Eisenbahn,
- Binnenschifffahrt,
- Stahlindustrie.
Industrieansiedlungen und Hafenwirtschaft
Neben dem klassischen Kohleumschlag entwickelte sich der Wanner Hafen zunehmend zu einem vielseitigen Industriehafen.
Die verfügbaren Flächen entlang des Kanals ermöglichten die Ansiedlung verschiedener Betriebe.
Die Vorteile des Standortes waren:
- unmittelbarer Wasseranschluss,
- eigene Hafenbahn,
- Nähe zu den industriellen Zentren,
- gute Verbindung zum Eisenbahnnetz der Bundesbahn.
Dadurch entstanden im Umfeld des Hafens zahlreiche Gewerbe- und Industrieflächen.
Die Kombination aus Schiff und Bahn machte den Standort besonders attraktiv für Unternehmen, die große Mengen an Rohstoffen oder Fertigprodukten transportieren mussten.
Das Wirtschaftswunder und Rekordumschläge
Die 1950er und frühen 1960er Jahre waren die erfolgreichste Phase der klassischen Montanindustrie.
Der Bedarf an Kohle und Stahl stieg stark an. Der Wiederaufbau Europas führte zu einer hohen Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten.
Auch der Wanner Hafen profitierte von dieser Entwicklung.
Die Umschlagleistungen erreichten neue Höchststände.
Besonders bedeutend waren:
- Kohletransporte zu Kraftwerken,
- Erzlieferungen für Stahlwerke,
- Baustofftransporte für den Wiederaufbau,
- Versorgung der Industrie mit Massengütern.
Die WHE entwickelte sich in dieser Zeit zu einem wichtigen kommunalen Unternehmen und Arbeitgeber.
Kommunale Bedeutung für Wanne-Eickel
Der Hafen war nicht nur ein Wirtschaftsstandort, sondern auch ein bedeutender Bestandteil der kommunalen Identität.
Für die Stadt Wanne-Eickel, die 1926 aus den Gemeinden Wanne und Eickel entstanden war, stellte der Hafen einen wichtigen Faktor der wirtschaftlichen Selbstständigkeit dar.
Gemeinsam mit:
- den Zechen,
- dem Bahnhof Wanne-Eickel,
- der Eisenbahnindustrie,
- den Gewerbebetrieben,
bildete der Hafen eine der Grundlagen der städtischen Entwicklung.
Viele Arbeitsplätze in der Region waren unmittelbar oder mittelbar vom Hafenbetrieb abhängig.
Beginn des Strukturwandels
Bereits in den 1960er Jahren zeigten sich jedoch erste Veränderungen.
Die deutsche Steinkohle geriet zunehmend unter Druck durch:
- Erdöl,
- Erdgas,
- internationale Kohleimporte,
- veränderte Energieversorgung.
Die ersten Zechenschließungen im Ruhrgebiet kündigten einen tiefgreifenden Strukturwandel an.
Für den Wanner Hafen bedeutete dies langfristig eine notwendige Veränderung der Transportstruktur.
Während der Kohleumschlag langsam an Bedeutung verlor, wurden andere Gütergruppen wichtiger:
- Baustoffe,
- Mineralölprodukte,
- Recyclingstoffe,
- Container und Stückgüter.
Die WHE begann deshalb frühzeitig, neue Geschäftsfelder zu entwickeln.
Eingliederung in die neue Stadt Herne
Mit der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 wurden die Städte Herne und Wanne-Eickel zur neuen Stadt Herne vereinigt.
Damit änderte sich auch die kommunale Einordnung des Hafens.
Der Wanner Hafen wurde nun Bestandteil der neuen Gesamtstadt Herne.
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH blieb jedoch als eigenständiges Unternehmen erhalten und führte ihre Aufgaben im Bereich Hafenbetrieb, Eisenbahnverkehr und Logistik weiter.
Bedeutung der Jahre 1945–1975
Die drei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren die wirtschaftlich erfolgreichste Epoche des klassischen Industriehafens.
Der Wanner Hafen war:
- Umschlagplatz der Montanindustrie,
- Verbindung zwischen Wasserstraße und Eisenbahn,
- wichtiger Arbeitgeber,
- Bestandteil der wirtschaftlichen Grundlage Wanne-Eickels.
Gleichzeitig wurden in dieser Zeit die Grundlagen geschaffen, um den Hafen später erfolgreich an die veränderten Bedingungen des Strukturwandels anzupassen.
Strukturwandel, Modernisierung und neue Aufgaben (1975–1995)
Ausgangslage nach der kommunalen Neuordnung 1975
Mit der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 entstand aus den Städten Herne und Wanne-Eickel die neue Stadt Herne. Der Wanner Hafen wurde damit zu einem zentralen Bestandteil der städtischen Wirtschaftsstruktur.
Gleichzeitig begann eine tiefgreifende Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Epoche der klassischen Montanindustrie, die über Jahrzehnte den Hafenbetrieb geprägt hatte, ging ihrem Ende entgegen.
Der Wanner Hafen war seit seiner Gründung eng mit dem Bergbau verbunden gewesen. Die Zechen des mittleren Ruhrgebietes hatten für einen erheblichen Teil der Umschlagleistungen gesorgt. Doch bereits seit den 1960er Jahren zeigte sich, dass die traditionelle Grundlage des Hafens zunehmend gefährdet war.
Die Ursachen lagen in:
- der rückläufigen deutschen Steinkohleförderung,
- dem zunehmenden Einsatz von Erdöl und Erdgas,
- dem Import günstiger Auslandskohle,
- dem internationalen Wettbewerbsdruck der Stahlindustrie.
Damit stand auch die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE) vor der Aufgabe, ihre bisherigen Strukturen grundlegend anzupassen.
Das Ende der Kohleära
Die Schließung zahlreicher Zechen im Ruhrgebiet veränderte die Transportströme nachhaltig.
Während in den Jahrzehnten zuvor Kohle und Koks die wichtigsten Güter des Hafens gewesen waren, verloren diese Transporte zunehmend an Bedeutung.
Mit dem Rückgang der Förderung entfielen nach und nach wichtige Kunden der Hafenbahn.
Für die WHE bedeutete dies eine schwierige Phase. Die Gesellschaft musste neue Aufgabenfelder erschließen, um die vorhandene Infrastruktur weiterhin wirtschaftlich nutzen zu können.
Vom Kohlehafen zum Logistikstandort
Die Antwort auf den Strukturwandel bestand in einer zunehmenden Diversifizierung.
Der Wanner Hafen entwickelte sich schrittweise von einem klassischen Montanhafen zu einem modernen Mehrzweckhafen.
Neue Gütergruppen gewannen an Bedeutung:
- Baustoffe,
- Mineralölprodukte,
- Schrott,
- Recyclingmaterialien,
- Agrargüter,
- Container und Stückgut.
Die vorhandenen Standortvorteile blieben erhalten:
- direkter Anschluss an den Rhein-Herne-Kanal,
- leistungsfähige Hafenbahn,
- zentrale Lage im Ruhrgebiet,
- Nähe zu Autobahnen und Industriegebieten.
Diese Faktoren ermöglichten es, neue Unternehmen und Logistikdienstleister an den Standort zu binden.
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH im Wandel
Auch die WHE musste sich neu ausrichten.
War das Unternehmen ursprünglich vor allem eine Werk- und Hafenbahn für den Kohleumschlag, entwickelte es sich zunehmend zu einem modernen Eisenbahn- und Logistikunternehmen.
Die Aufgabenbereiche erweiterten sich:
- Betrieb der Hafenbahn,
- Rangierleistungen für Industrieunternehmen,
- Transport von Güterwagen,
- Umschlagorganisation,
- Vermietung und Verwaltung von Industrieflächen.
Die WHE blieb dabei eng mit der Stadt Herne verbunden und erfüllte weiterhin eine wichtige kommunale Infrastrukturaufgabe.
Technische Modernisierung
Um den veränderten Anforderungen gerecht zu werden, wurden die technischen Anlagen kontinuierlich angepasst.
Die Modernisierung betraf insbesondere:
- Lokomotiven,
- Gleisanlagen,
- Umschlagtechnik,
- Signal- und Sicherungseinrichtungen,
- Betriebsabläufe.
Die frühere Dominanz des Dampfbetriebes war bereits in den Nachkriegsjahrzehnten beendet worden. Moderne Diesellokomotiven ermöglichten einen wirtschaftlicheren Betrieb.
Gleichzeitig wurden die Hafenanlagen für neue Güterarten angepasst.
Der Umschlag von Massengütern blieb zwar wichtig, jedoch mussten zunehmend flexiblere Logistiklösungen angeboten werden.
Neue Verkehrswege und Konkurrenzdruck
Der Strukturwandel brachte auch neue Herausforderungen durch den zunehmenden Straßengüterverkehr.
Der Lkw gewann gegenüber Bahn und Schiff an Bedeutung.
Viele Unternehmen verlagerten Transporte auf die Straße, da diese größere Flexibilität bei kleineren Mengen bot.
Für Binnenhäfen bedeutete dies einen verstärkten Wettbewerb.
Der Wanner Hafen setzte deshalb auf seine besonderen Vorteile:
- trimodale Verbindung von Schiff, Bahn und Straße,
- zentrale Lage im Ruhrgebiet,
- vorhandene Industrieflächen,
- Erfahrung im Umgang mit Massengütern.
Diese Kombination bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung.
Bedeutung des Rhein-Herne-Kanals
Trotz des Strukturwandels blieb der Rhein-Herne-Kanal eine wichtige Verkehrsader.
Der Kanal verband den Wanner Hafen weiterhin mit:
- dem Rhein,
- den Duisburger Häfen,
- dem westdeutschen Kanalnetz,
- den Industriegebieten entlang der Ruhr.
Die Wasserstraße ermöglichte insbesondere bei schweren und voluminösen Gütern wirtschaftliche Transporte.
Damit blieb der Hafen auch nach dem Ende des Kohlebooms ein wichtiger Bestandteil der regionalen Verkehrsinfrastruktur.
Neue wirtschaftliche Perspektiven
In den 1980er Jahren verstärkte die WHE ihre Ausrichtung als Logistikdienstleister.
Neben dem klassischen Hafenumschlag rückten Dienstleistungen rund um Transport und Lagerung stärker in den Mittelpunkt.
Der Hafenstandort wurde zunehmend als Gewerbe- und Logistikfläche betrachtet.
Die Verbindung verschiedener Verkehrsträger wurde zu einem entscheidenden Standortvorteil:
Schiff + Bahn + Straße
Diese sogenannte trimodale Infrastruktur sollte später eine zentrale Rolle bei der Entwicklung moderner Logistikkonzepte spielen.
Historische Bedeutung der Jahre 1975–1995
Die Zeit zwischen 1975 und 1995 war für den Wanner Hafen eine Phase des tiefgreifenden Wandels.
Aus einem klassischen Kohle- und Industriehafen entstand schrittweise ein moderner Logistikstandort.
Die wichtigsten Entwicklungen waren:
- Übergang vom Kohleumschlag zu vielfältigen Gütergruppen,
- Anpassung der Hafenbahn,
- Modernisierung der Technik,
- stärkere Ausrichtung auf Logistikdienstleistungen,
- Sicherung des Standortes für die Zukunft.
Damit gelang es der WHE und der Stadt Herne, den Hafen trotz des Niedergangs der traditionellen Montanindustrie zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Vom Industriehafen zum modernen Logistikstandort (1995 bis heute)
Neue Perspektiven nach dem Strukturwandel
Mitte der 1990er Jahre stand der Wanner Hafen vor einer entscheidenden Zukunftsfrage. Die klassische Funktion als Kohle- und Montanhafen hatte durch den Rückgang des Steinkohlenbergbaus deutlich an Bedeutung verloren. Gleichzeitig verfügte der Standort weiterhin über entscheidende Vorteile:
- eine direkte Lage am Rhein-Herne-Kanal,
- eine eigene leistungsfähige Hafenbahn,
- umfangreiche Industrieflächen,
- die zentrale Lage im Ruhrgebiet.
Die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE) setzte deshalb verstärkt auf eine Entwicklung vom traditionellen Massenguthafen zu einem modernen Logistikstandort mit miteinander verbundenen Verkehrswegen. Aus dem ehemaligen Kohleumschlagplatz sollte ein Standort für die Logistikketten der Zukunft entstehen.
Entwicklung zum Güterverkehrszentrum
Ein wichtiger Schritt war die Planung eines Güterverkehrszentrums (GVZ) im Bereich des Westhafens.
Bereits 1994 begannen die Planungen für ein Güterverkehrszentrum im Wanner Westhafen. Ziel war es, die vorhandene Infrastruktur aus Hafen, Eisenbahn und Straße stärker miteinander zu verknüpfen und neue Logistikunternehmen anzusiedeln.
Zur Vorbereitung wurde 1994 die
- Planungs- und Entwicklungsgesellschaft Güterverkehrszentrum Emscher mbH (PEG)
gegründet.
Eine besondere Herausforderung stellte die Umgestaltung des ehemaligen Stichhafenbeckens dar. Das nicht mehr benötigte Hafenbecken wurde ab 1996 verfüllt. Dabei wurden große Mengen Waschberge-Material eingebaut, um neue Flächen für die zukünftige Nutzung zu schaffen.
Auf dieser Fläche entstand später das Container Terminal Herne.
Das Container Terminal Herne (CTH)
Die Entwicklung des Containerverkehrs eröffnete dem Wanner Hafen neue Möglichkeiten.
Mit dem Ausbau des kombinierten Verkehrs wurde die Verbindung zwischen Bahn und Straße immer wichtiger. Container ermöglichten es, Waren ohne Umladung des Inhalts zwischen verschiedenen Verkehrsträgern zu transportieren.
Im Jahr 2002 nahm die Tochtergesellschaft
- Container Terminal Herne GmbH (CTH)
den Betrieb auf.
Das Terminal wurde auf den Umschlag zwischen Eisenbahn und Straße spezialisiert und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Logistikinfrastruktur.
Die Aufgaben umfassen unter anderem:
- Umschlag von Containern und Wechselbehältern,
- Verladung von Lkw-Trailern,
- Bereitstellung von Ladeeinheiten,
- Organisation von Vor- und Nachläufen,
- Dienstleistungen rund um den kombinierten Verkehr.
Damit erhielt der historische Hafenstandort eine völlig neue wirtschaftliche Grundlage.
Ausbau zum trimodalen Logistikstandort
Die besondere Stärke des Wanner Hafens liegt in der Verbindung von drei Verkehrsträgern:
Schiff – Bahn – Straße
Diese sogenannte trimodale Infrastruktur wurde zum zentralen Entwicklungsfaktor des Standortes.
Die WHE entwickelte sich vom Spezialisten für Kohle- und Kokstransporte zu einem modernen Logistikdienstleister. Heute bietet das Unternehmen Leistungen in den Bereichen:
- Hafenumschlag,
- Eisenbahngüterverkehr,
- kombinierter Verkehr,
- Lagerung,
- Instandhaltung,
- industrielle Logistik.
Die Verbindung von Wasserstraße und Schiene blieb dabei ein wesentliches Merkmal des Standortes.
Ausbau des Containerterminals
Das Container Terminal Herne wurde in mehreren Schritten erweitert.
Die Endausbaustufe des Terminals wurde 2013 eingeweiht. Damit erhielt der Standort zusätzliche Kapazitäten für den kombinierten Verkehr und stärkte seine Rolle innerhalb der Logistikregion Ruhrgebiet.
Heute verfügt das Terminal über moderne Umschlageinrichtungen für den Wechsel zwischen Bahn und Straße.
Neben dem eigentlichen Containerumschlag gehören auch ergänzende Dienstleistungen zum Angebot:
- Abstellung von Ladeeinheiten,
- Reparaturleistungen,
- Rangierarbeiten,
- technische Dienstleistungen.
Die WHE als modernes Eisenbahnunternehmen
Parallel zum Ausbau des Hafens entwickelte sich die WHE zu einem bedeutenden privaten Eisenbahnunternehmen.
Das Unternehmen betreibt eigene Gleisanlagen und führt Güterverkehr sowohl auf dem eigenen Netz als auch auf Strecken des öffentlichen Eisenbahnnetzes durch.
Die Aufgaben umfassen:
- Rangierverkehr,
- Bedienung von Industrieanschlüssen,
- Transportleistungen,
- Zugbildung,
- Hafenlogistik.
Aus der ursprünglichen Hafenbahn entstand damit ein leistungsfähiger regionaler Güterverkehrsdienstleister.
Neue Eigentümerstruktur
Im Jahr 2011 wurde die Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH stärker in die kommunale Struktur der Stadt Herne eingebunden.
Die Stadtwerke Herne übernahmen 94,9 Prozent der Gesellschaftsanteile, während 5,1 Prozent bei der Stadt Herne verblieben.
Damit wurde die Bedeutung der WHE als kommunales Infrastrukturunternehmen weiter gestärkt.
Der Hafen heute
Der heutige Wanner Hafen besteht aus den beiden Bereichen:
- Hafen Wanne-West
- Hafen Wanne-Ost
Beide Hafenanlagen liegen am Rhein-Herne-Kanal und verfügen zusammen über moderne Umschlagmöglichkeiten.
Der Hafen übernimmt weiterhin klassische Massengutaufgaben, gleichzeitig haben Logistik, Containerverkehr und industrielle Dienstleistungen eine immer größere Bedeutung gewonnen.
Die WHE beschreibt ihre Entwicklung selbst als Wandel:
vom Spezialisten für
- Kohle und Koks
hin zu einem
- modernen Logistikdienstleister für Massen- und Konsumgüterströme.
Bedeutung für Herne und die Region
Der Wanner Hafen ist heute ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaftsstruktur der Stadt Herne und der Metropole Ruhr.
Seine Bedeutung ergibt sich aus mehreren Faktoren:
- Sicherung industrieller Arbeitsplätze,
- Verbindung regionaler Unternehmen mit europäischen Verkehrswegen,
- Entlastung des Straßenverkehrs durch Schienen- und Wassertransport,
- Nutzung bestehender Industrieflächen,
- Förderung nachhaltiger Logistikkonzepte.
Damit erfüllt der Hafen weiterhin die Aufgabe, für die er vor mehr als hundert Jahren geplant wurde:
die Verbindung von Industrie, Verkehr und Wirtschaftsentwicklung.
Historische Gesamtbetrachtung
Die Geschichte des Wanner Hafens zeigt exemplarisch den Wandel des Ruhrgebietes.
Aus einem kommunalen Kohlehafen, der 1907 auf dem Gelände des Rittergutes Crange geplant wurde, entstand innerhalb von mehr als hundert Jahren ein moderner Logistikstandort.
Die entscheidenden Entwicklungsschritte waren:
- 1907 – Erwerb des Rittergutes Crange,
- 1913 – Gründung der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH,
- 1914 – Eröffnung des Hafens,
- 1950er/1960er Jahre – Höhepunkt des Kohleumschlags,
- 1970er–1990er Jahre – Strukturwandel,
- ab 1996 – Entwicklung zum Güterverkehrszentrum,
- 2002 – Eröffnung des Container Terminals,
- seit 2010 – Ausbau zum modernen trimodalen Logistikstandort.
Der Wanner Hafen ist damit ein bedeutendes Beispiel für die Fähigkeit des Ruhrgebietes, historische Industrieinfrastruktur erfolgreich in neue wirtschaftliche Aufgaben zu überführen.
Literatur
- Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH: 100 Jahre WHE – 1913–2013. Herne 2013.
- Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH: Geschichte der WHE.
- Wolfgang Klee: Der Rhein-Herne-Kanal.
- Zeitpunkt.NRW: Zeitungsberichte aus dem Jahr 1907.
- Zeitpunkt.NRW: Die Erwerbung des Rittergutes Crange und die Bildung eines Kanalfonds durch den Landkreis Gelsenkirchen, Zeitung vom 12. Juni 1907.
- Wikipedia: Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen (zur Orientierung; Primärquellen wurden bevorzugt ausgewertet).
- Container Terminal Herne GmbH: Unternehmensinformationen.
Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ Die Erwerbung des Rittergutes Crange und die Bildung eines Kanalfonds durch den Landkreis Gelsenkirchen, Zeitung vom 12. Juni 1907, digitalisiert bei Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Zeitpunkt.NRW, Zeitung vom 12. Juni 1907.
- ↑ Ebenda.
- ↑ Ebenda.
- ↑ Zeitpunkt.NRW, 12. Juni 1907.
- ↑ Die Erwerbung des Rittergutes Crange und die Bildung eines Kanalfonds durch den Landkreis Gelsenkirchen, Zeitung vom 12. Juni 1907, digitalisiert bei Zeitpunkt.NRW.
- ↑ Schleppbahn oder Stichkanal Bochum–Wattenscheid–Crange?, Essener Zeitung vom 15. Juni 1907.

