Das Postwesen In Wanne und Eickel

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Einleitung

Das Postwesen spielte für die Entwicklung Wannes und Eickel – heute gemeinsam Teil der Stadt Herne – eine zentrale Rolle. Als Träger von Kommunikation, Verwaltung und wirtschaftlichem Austausch war die Post eng mit dem tiefgreifenden Wandel der Region vom ländlich geprägten Raum hin zu einem industriellen Ballungsgebiet verbunden. Der folgende Beitrag skizziert die Entwicklung des Postwesens in Wanne und Eickel vom frühen 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts auf der Grundlage gedruckter Quellen, amtlicher Veröffentlichungen und lokalhistorischer Forschung.

Frühzeitliche Postverbindungen

Bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein war das Gebiet der späteren Gemeinden Bickern und Eickel überwiegend agrarisch geprägt. Schriftliche Kommunikation erfolgte nur in begrenztem Umfang und war vielfach an private Boten oder an überregionale Postrouten gebunden, die größere Orte wie Bochum, Dortmund oder Recklinghausen miteinander verbanden. Eigene Posteinrichtungen bestanden zunächst nicht; Postsendungen mussten in benachbarten Städten aufgegeben oder abgeholt werden.[1]

Mit der Eingliederung des Ruhrgebiets in das Königreich Preußen und den Verwaltungsreformen des frühen 19. Jahrhunderts wurde das Postwesen stärker staatlich organisiert. Erste regelmäßige Postverbindungen führten nun auch durch das Gebiet von Bickern und Eickel, ohne dass dort bereits selbstständige Postanstalten eingerichtet waren.[2] Die Gemeinde Bickern wurde von Eickel bzw. Herne aus bedient.

Industrialisierung und Gründung von Postanstalten

Einen grundlegenden Einschnitt brachte die Industrialisierung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Ausbau des Steinkohlenbergbaus, die Entstehung zahlreicher Zechen sowie die Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn im Jahr 1847 führten zu einem raschen Bevölkerungswachstum. Insbesondere der Bahnhof Wanne entwickelte sich zu einem bedeutenden Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt.[3]

In Eickel wurde 1861 erstmals eine Postexpedition eingerichtet. Diese befand sich zunächst in privater Unterkunft und war organisatorisch dem Oberpostamt Bochum unterstellt. [4] Mit dem weiteren Bevölkerungswachstum wurde die Poststelle 1877 zur Postagentur erhoben.

In Wanne entstand im Zusammenhang mit dem Bahnhofsbau eine Postexpedition, die 1873 ihren Betrieb aufnahm. Im Hause des Gastwirtes Wolter in der Bahnhofstraße war die Post untergebracht, verblieb aber nicht lange dort. Bereits Ende 1873 wurde sie verlegt, da der alte Raum zu klein geworden war. Bereits wenige Jahre später erfolgte aufgrund des stark steigenden Postaufkommens die Umwandlung in ein selbstständiges Postamt.[5] Die Nähe zum Bahnhof begünstigte insbesondere die Abwicklung von Bahnpostsendungen.

Kaiserreich und Weimarer Republik

Bild: Hans Kadereit https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Postkutsche-k.jpg

Nun zog die Post in andere Diensträume, nachdem sie im April 1885 in ein Amt zweiter Klasse umgewandelt worden war. Mit dieser Erhebung waren eine Reihe Verbesserungen verbunden, von denen nicht zuletzt die Versetzung des Eickeler Landbriefträgers nach Wanne, die Einrichtung einer fahrenden Landpost nach „Unser Fritz“ und die Sonntagszustellung zu erwähnen wäre.
Am 1. Juli 1886 wurde die Personenpost von und nach Bochum eingestellt und durch ein Privatfuhrwerk ersetzt. Zu der bestehenden Landbriefträgerpost trat drei Jahre später eine neue nach der Agentur „Königsgrube“ hinzu, die später auf Hordel und Eickel ausgedehnt wurde. In Holsterhausen wurde kurz darauf ebenfalls eine Landpostagentur eingerichtet, die das Eickeler Postamt mit versorgte.
Schon 1890 wurde die Landpost aufgehoben. Neun Jahre später, am 1. Mai 1899, bezog die Postverwaltung in der Schloßstraße 3 ein neu errichtetes Mietgebäude, welches dem Wirt Gude gehörte.
Zu jener Zeit bediente man den Bezirk Wanne 2 noch durch eine fahrende Land= und eine viermal täglich verkehrende Botenpost. Die Bestellung nach Herten, die bis 1901 ein Omnibus eines Privatunternehmers bedient hatte, übernahm im Mai jenes Jahres ein Hertener Beamter, der die neu eröffnete Straßenbahn Wanne=Crange Herten benutzte. Am 13. August 1897 erhielt die Gemeinde Bickern durch Kabinettsordre die Genehmigung zur Führung des Namens Wanne, sodaß die beiden Postämter Wanne und Bickern umbenannt wurden in Wanne 1 und Wanne 2.
1894 begann man mit dem Bau eines neuen Dienstgebäudes in Wanne=Süd. Ein Jahr später wurde dieses bezogen. Nun folgten mehrere Jahre einer sprunghaften Entwicklung. Am 1. April 1903 wurde das Postamt zu einem solchen 1. Klasse erhoben. Sein zum Direktor berufener Leiter van Bömmel war der erste Postdirektor. Seit jener Zeit erfolgten sämtliche Bestellungen nur vom Hauptpostamte aus. Durch Ausbau einer Paketpackkammer wurde 1910 das Mietpostgebäude in der Kaiser-Wilhelmstraße erweitert. Damals zählte das Postamt 15 Beamte und über 50 sog. Unterbeamte. [6]

In Eickel entstand 1898 ein eigenes Postamtsgebäude an der Hauptstraße, das neben dem Brief- und Paketdienst auch Telegraphen- und Fernsprechdienste beherbergte.[7]

In Wanne wurde 1914 das repräsentatives Postgebäude in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs errichtet. Dieses Gebäude fungierte als zentrales Postamt für den rapide wachsenden Stadtteil und war zugleich Knotenpunkt des Telegraphen- und Fernsprechverkehrs.[8]

Der Telegraphenbetrieb ist für beide Orte seit den 1880er Jahren belegt, während der öffentliche Fernsprechdienst ab etwa 1900 schrittweise eingeführt wurde. Zunächst waren es vor allem Zechenverwaltungen, Industriebetriebe und kommunale Stellen, die über Fernsprechanschlüsse verfügten.[9]

Während der Weimarer Republik blieb das Postwesen trotz Inflation und wirtschaftlicher Krisen ein stabiler Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur. Neben dem klassischen Brief- und Paketverkehr übernahmen die Postämter in Wanne und Eickel wichtige Aufgaben im Zahlungsverkehr, etwa durch Postscheckkonten, Postsparbücher und Rentenzahlungen.[10]

Mit dem Zusammenschluss zur Stadt Wanne-Eickel änderte sich auch die Postbezeichnung:

Die neuen Postverhältnisse in Wanne-Eickel ab 1. April 1926. Das Postamt Eickel (Kreis Gelsenkirchen) wird zum 1. April in eine Zweigstelle des Postamtes Wanne umgewandelt. Das Wanner Post¬amt und die ihm unterstellten Zweigstellen führen ab April folgende Bezelchnungen: Postamt Wanne-Eickel 1 statt Postamt Wanne. Zweigstelle Wanne¬-Eickel 2 statt Postamt Eickel. Zweigstelle Wanne-Eickel 3 statt Zweigstelle Röhlinghausen. Postagentur Wanne=Eickel 4 statt Postagentur Eickel 2.[11]

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch das Postwesen gleichgeschaltet und in die staatliche Kontrolle eingebunden. Post- und Fernmeldewesen unterstanden einer strengen Überwachung und wurden für propagandistische Zwecke genutzt.[12]

Der Zweite Weltkrieg brachte erhebliche Einschränkungen mit sich. Luftangriffe führten auch in Wanne und Eickel zu Schäden an Postgebäuden, der Personalmangel nahm zu, und zahlreiche Dienstleistungen konnten nur eingeschränkt aufrechterhalten werden. Von besonderer Bedeutung war in dieser Zeit die Feldpost, die den Kontakt zwischen Front und Heimat ermöglichte.[13]

Wiederaufbau und Entwicklung nach 1945

Nach Kriegsende begann unter schwierigen Bedingungen der Wiederaufbau des Postwesens. In den ersten Nachkriegsjahren waren Material und Personal knapp, dennoch gelang es, den Postbetrieb schrittweise wieder zu normalisieren. Mit der Gründung der Deutschen Bundespost im Jahr 1949 wurde das Postwesen in der Bundesrepublik Deutschland neu organisiert.[14]

In den folgenden Jahrzehnten erlebten Wanne-Eickel einen weiteren Ausbau der postalischen Infrastruktur. Moderne und modernisierte Postgebäude, der flächendeckende Ausbau des Telefonnetzes und neue Dienstleistungen prägten diese Phase. Die Post entwickelte sich zunehmend zu einem zentralen Anbieter von Telekommunikation.

Strukturwandel und Gegenwart

Mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet und den Postreformen der 1990er Jahre veränderte sich das Postwesen grundlegend. Die Privatisierung der Deutschen Bundespost und die Gründung der Deutschen Post AG führten auch in Wanne und Eickel zur Schließung oder Zusammenlegung traditioneller Postämter. Viele ehemals postalisch genutzte Gebäude erhielten neue Funktionen.[15]

Gleichzeitig wandelte sich die Bedeutung der Post im Alltag: Elektronische Kommunikationsformen ersetzten zunehmend den klassischen Briefverkehr, während Paketdienste durch den wachsenden Onlinehandel an Bedeutung gewannen.

2025 wurde mit der Hauptpost in Wanne das letzte große historische Postamt dauerhaft geschlossen. Postagenturen, DHL Packstationen und andere Service bringen den klassischen Postdienst in Wanne und Eickel näher zu den Menschen.


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Quellen

  1. Vgl. Wolfgang Köllmann: Das Postwesen in Westfalen im 18. und 19. Jahrhundert, Münster 1972, S. 85–92.
  2. Vgl. Preußisches Staatsministerium: Verordnungen über das Postwesen, Berlin 1815–1830.
  3. Vgl. Hans-Werner Scharf: Die Eisenbahn im Ruhrgebiet, Freiburg i. Br. 1983, S. 214–220.
  4. Stadtarchiv Herne, Bestand Eickel, A II/3 (alte zählung), Einrichtung der Postexpedition Eickel, 1861.
  5. Landesarchiv NRW Abt. Westfalen, Oberpostdirektion Münster, Nr. 2476, Postanstalt Wanne, 1873–1885.
  6. Vgl. Deutsches Postmuseum (Hg.): Die Geschichte der Reichspost, Frankfurt am Main 1985, S. 133–140.
  7. Stadtarchiv Herne, Bauakten Eickel, Nr. 1124, Neubau Postamt Hauptstraße, 1897–1899.
  8. Vgl. Adressbuch der Stadt Wanne 1907, S. 45
  9. Vgl. Rolf Schubert: Anfänge des Fernsprechwesens in Deutschland, Berlin 1996, S. 201–208.
  10. Reichspostministerium (Hg.): Die Reichspost in Zahlen, Berlin 1928.
  11. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/17433796
  12. Vgl. Klaus Beyrer: Die Deutsche Reichspost 1933–1945, Berlin 1999, S. 58–73.
  13. Vgl. Heinz Müller: Feldpost im Zweiten Weltkrieg, München 1987, S. 142–149.
  14. Vgl. Deutsche Bundespost (Hg.): Die Entwicklung der Bundespost 1949–1960, Bonn 1961.
  15. Vgl. Deutsche Post AG (Hg.): Postreform und Privatisierung, Bonn 1995.