Noch eine Herner Schreckenschronik (Herner Anzeiger) 1937: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Inhalt gelöscht Inhalt hinzugefügt
Andreas Janik (Diskussion | Beiträge)
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
 
Zeile 1: Zeile 1:
<!-- ===================== INFOBOX ===================== -->
<big>Am [[16. Januar]] [[1937]] wurde im Herner Anzeiger ein Artikel von [[Leo Reiners]] über eine weitere Schreckenschronik veröffentlicht.<ref>[ https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21234724 Vgl. Online Quelle auf Zeitpunkt.NRW]</ref></big>
{| style="float:right; clear:right; width:23em; margin:0 0 1.2em 1.4em; border:1px solid #c9b58a; background:#fbf8f1; font-size:90%; border-collapse:collapse; box-shadow:0 1px 3px rgba(0,0,0,.12);"
[[Datei:Kirchenbuch-Herne-Ev-Band-3.jpg|250px|thumb|Die betreffende Seite im Kirchenbuch Bd. 3 S. 129]]
|-
<div style="{{Spaltenbreite|20em}};background-color:#FAF9E3;border-style: outset; margin-bottom:1em; padding:1.2em 2em 1.2em 2em;font-size:16px;text-align:justify">
! colspan="2" style="background:#6b4f2a; color:#fff; font-size:1.08em; padding:0.55em; text-align:center; line-height:1.3;" | Noch eine Herner<br />Schreckenschronik
<big>'''Noch eine Herner Schreckenschronik'''</big><br>
|-
'''Von Sturmkatastrophen, Viehseuchen und Epidemien 1703-1750.'''<br>
| colspan="2" style="padding:0.5em; text-align:center; background:#f4ecdc;" | [[Datei:Kirchenbuch-Herne-Ev-Band-3.jpg|250px|Die betreffende Seite im Kirchenbuch Bd. 3 S. 129]]<br /><span style="font-size:90%; font-style:italic; color:#4a3418;">Die betreffende Seite im Kirchenbuch Bd.&nbsp;3 S.&nbsp;129</span>
'''Herner Pastöre berichten.'''<br>
|-
Vor längerer Zeit haben wir bereits eine [[Eine Herner Schreckenschronik von 1795|Herner Schreckenschronik]] gebracht. Es handelte sich um eine Niederschrift, die ein Vorfahr der Familie Masthoff über die Französische Revolution und den Krieg gegen Frankreich sowie über eine verheerende Ruhr Epidemie in Herne im Jahre 1794 „''Erben und Nach kommen kund und zu wissen''“ angefertigt hatte. Heute können wir eine zweite Herner Schreckenschronik mitteilen, die wir auf der letzten Seite des ältesten Herner Kirchenbuches fanden und die die Pastöre Hüttemann und Davidis zu Verfassern hat. Sie berichten<br>
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Autor'''
:[[1703]] d. 8. IXb <small>(= Novembris, es kann auch nur eine X sein. also Decembris heißen)</small> ist ein erschrecklicher sturmwind gewesen, dadurch allenthalben ohnbeschreiblicher schade geschehen und solch schrecken entstanden daß niemand in Hauser sich fast getrauet, weil da durch sehr Viel umbgeworfen und sonst nicht anderes alß jammer und noth gesehen worden.
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | [[Leo Reiners]]
:[[1711]] d 28 octhr ist abermahlß ein großer windsturm entstanden. Dadurch viele Bauhme und gezimmer zerrissen und umbgeworfen worden.
|-
:[[1712]] d 17 7b <small>(= Septembris)</small> ist wiederumb ein erschrecklicher Sturm nachmittags gar plötzlich entstanden. Dadurch das...nhen (unleserlich. vielleicht Thürmchen) vom Schwartzen Kloster in Dortmundt abgeschlagen item der obst und Eicheln fast alle von den Bauhmen abgewehet und Viele Dacher und Bauhme umdgeworfen worden.
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Veröffentlicht'''
:1712 d 17 8ct <small>(= octobris)</small> ist die Statt Iserloh nachmittags in 3 stunden Zeit biß auf 40 hauser und Kirche, so stehen blieben, ganz abgebrandt.
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | [[16. Januar]] [[1937]]
:[[1717]] in Xbr <small>(= Dezember)</small> und 1718 im febr. ist durch Sturm und ungewohnlichen regen und aufflauff des wassers in ostfrießland und biß nach Hamburg zu ein unbeschreiblicher schade geschehen, viel tausend menschen und Vieh ertruncken gange Dorffer und lander weggespuhlet und sonst viel Hauser umbgeworfen worden.
|-
:[[1723]] ist eine Volle mast dieser gegend weit herumb gewesen sodaß(?) die Schweine den ganzen winter durch gehen Konnen, da es auch nicht gefroren ... hat man Christtag schweine für 5 rt kauffen können <small>(die Stelle „hat man Christtag“ ist nicht ganz sicher, da die Schrift hier unleserlich ist).</small>
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Erschienen in'''
:[[1724]] d 4 Xbr umb 5 nachmittag biß 12 uhr mitternacht ist ein grausamer wind gewesen dadurch Viel hauser und bauhme umbgeworffen und grosser schade geschehen.<br>
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | Herner Anzeiger
(Bis hierhin reichen die Eintragungen des Pastors Hütteman, dem 1729 der Pastor Hoffmann folgte.<br>
|-
Dieser hat die Chronik nicht fortgeführt. Erst der [[1745]] berufene Pastor Davidis schreibt wieder.)<br>
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Quelle'''
:[[1744]] 45 und [[1746|46]] ist eine erschreckliche Seuche unter dem Horn Vieh im Clevischen Hollandischen ja fast durch ganz Europa gewesen dadurch Viele 10.000 stück plötzlich umgefallen. Diese gegenden hat Gott in gnaden bewahret ob gleich das Uebel bis in unsere Nachbahrschafft zu Buer eingedrungen (eine andere Hand hat hier mit anderer Tinte etwas angefugt, das schlecht lesbar ist, aber scheinbar besagen soll, daß Gruemer, Serres u. a. doch von der Seuche hart mitgenommen worden seien).
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | Letzte Seite des ältesten Herner Kirchenbuchs (Bd. 3, S. 129)
:Anno [[1747]] d 12 auf den 13 Decemd erhob sich um 5 Uhr ein schrecklicher Sturm Wind aus Süd Westen an einigen orten hat man eine Art von Erdbeben dabey Bemerket und im Hollandischen ist ein ... Donnerwetter Vorhergegangen hier und allenthalben ist großer Schade an Hausern und Baumen geschehen insonderheit sind Ruhen Sengenhofs und Foertmans Hauser abgeschlagen (der Ruhenkotten lag am Alten Markt, Sengenhoffs Hof an der Shamrockstraße, Vortman an der Schillerstraße).
|-
:Ao [[1750]] Der Sommer dieses Jahres ist über die Masse heiß gewesen. In der Ernte Zeit sind hin und wieder Viele Menschen Von der Hitze plötzlich umgefallen und ersticket.
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Verfasser der&nbsp;Quelle'''
::Im August dieses Jahres suchte Gott unser Gericht mit der fast durchgehends herrschenden Seuche der rothen Ruhr heim — Nur wenig Hauser sind übrig blieben, die nicht inficiret gewesen. 87 Personen sind an dieser Krankheit gestorben.
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | Pastoren Hüttemann und Davidis
::Kaum hatte sich dieses Uebel in etwas gemindert, so folgte darauf die erschreckliche Viehseuche durch welche Viel hundert Stück Horn Vieh umgefallen.<br>
|-
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Berichtszeitraum'''
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | 1703–1750
|-
| style="padding:0.35em 0.6em; vertical-align:top; white-space:nowrap; border-top:1px solid #e4d6ba;" | '''Reihe'''
| style="padding:0.35em 0.6em; border-top:1px solid #e4d6ba;" | [[:Kategorie:Reiners|Artikelreihe Leo Reiners]]
|}
<!-- =================== ENDE INFOBOX =================== -->

Am [[16. Januar]] [[1937]] wurde im Herner Anzeiger ein Artikel von [[Leo Reiners]] über eine weitere Schreckenschronik veröffentlicht.<ref>https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21234724 Vgl. Online Quelle auf Zeitpunkt.NRW</ref>

<div style="text-align:center; font-style:italic; color:#6b4f2a; margin:0.3em 0 1.2em;">Von Sturmkatastrophen, Viehseuchen und Epidemien 1703–1750<br />Herner Pastöre berichten</div>

Vor längerer Zeit haben wir bereits eine [[Eine Herner Schreckenschronik von 1795|Herner Schreckenschronik]] gebracht. Es handelte sich um eine Niederschrift, die ein Vorfahr der Familie Masthoff über die Französische Revolution und den Krieg gegen Frankreich sowie über eine verheerende Ruhr Epidemie in Herne im Jahre 1794 „''Erben und Nach kommen kund und zu wissen''“ angefertigt hatte. Heute können wir eine zweite Herner Schreckenschronik mitteilen, die wir auf der letzten Seite des ältesten Herner Kirchenbuches fanden und die die Pastöre Hüttemann und Davidis zu Verfassern hat. Sie berichten:

== Die Eintragungen des Pastors Hüttemann (1703–1724) ==

<blockquote style="border-left:4px solid #8a6d3b; background:#faf6ee; padding:0.9em 1.3em; margin:1em 0; border-radius:0 4px 4px 0;">
'''[[1703]]''' d. 8. IXb (= Novembris, es kann auch nur eine X sein. also Decembris heißen) ist ein erschrecklicher sturmwind gewesen, dadurch allenthalben ohnbeschreiblicher schade geschehen und solch schrecken entstanden daß niemand in Hauser sich fast getrauet, weil da durch sehr Viel umbgeworfen und sonst nicht anderes alß jammer und noth gesehen worden.

'''[[1711]]''' d 28 octhr ist abermahlß ein großer windsturm entstanden. Dadurch viele Bauhme und gezimmer zerrissen und umbgeworfen worden.

'''[[1712]]''' d 17 7b (= Septembris) ist wiederumb ein erschrecklicher Sturm nachmittags gar plötzlich entstanden. Dadurch das...nhen (unleserlich. vielleicht Thürmchen) vom Schwartzen Kloster in Dortmundt abgeschlagen item der obst und Eicheln fast alle von den Bauhmen abgewehet und Viele Dacher und Bauhme umdgeworfen worden.

'''1712''' d 17 8ct (= octobris) ist die Statt Iserloh nachmittags in 3 stunden Zeit biß auf 40 hauser und Kirche, so stehen blieben, ganz abgebrandt.

'''[[1717]]''' in Xbr (= Dezember) und 1718 im febr. ist durch Sturm und ungewohnlichen regen und aufflauff des wassers in ostfrießland und biß nach Hamburg zu ein unbeschreiblicher schade geschehen, viel tausend menschen und Vieh ertruncken gange Dorffer und lander weggespuhlet und sonst viel Hauser umbgeworfen worden.

'''[[1723]]''' ist eine Volle mast dieser gegend weit herumb gewesen sodaß(?) die Schweine den ganzen winter durch gehen Konnen, da es auch nicht gefroren ... hat man Christtag schweine für 5 rt kauffen können (die Stelle „hat man Christtag“ ist nicht ganz sicher, da die Schrift hier unleserlich ist).

'''[[1724]]''' d 4 Xbr umb 5 nachmittag biß 12 uhr mitternacht ist ein grausamer wind gewesen dadurch Viel hauser und bauhme umbgeworffen und grosser schade geschehen.
</blockquote>

''Bis hierhin reichen die Eintragungen des Pastors Hütteman, dem 1729 der Pastor Hoffmann folgte. Dieser hat die Chronik nicht fortgeführt. Erst der [[1745]] berufene Pastor Davidis schreibt wieder.''

== Die Eintragungen des Pastors Davidis (1744–1750) ==

<blockquote style="border-left:4px solid #8a6d3b; background:#faf6ee; padding:0.9em 1.3em; margin:1em 0; border-radius:0 4px 4px 0;">
'''[[1744]] 45 und [[1746|46]]''' ist eine erschreckliche Seuche unter dem Horn Vieh im Clevischen Hollandischen ja fast durch ganz Europa gewesen dadurch Viele 10.000 stück plötzlich umgefallen. Diese gegenden hat Gott in gnaden bewahret ob gleich das Uebel bis in unsere Nachbahrschafft zu Buer eingedrungen (eine andere Hand hat hier mit anderer Tinte etwas angefugt, das schlecht lesbar ist, aber scheinbar besagen soll, daß Gruemer, Serres u. a. doch von der Seuche hart mitgenommen worden seien).

Anno '''[[1747]]''' d 12 auf den 13 Decemd erhob sich um 5 Uhr ein schrecklicher Sturm Wind aus Süd Westen an einigen orten hat man eine Art von Erdbeben dabey Bemerket und im Hollandischen ist ein ... Donnerwetter Vorhergegangen hier und allenthalben ist großer Schade an Hausern und Baumen geschehen insonderheit sind Ruhen Sengenhofs und Foertmans Hauser abgeschlagen (der Ruhenkotten lag am Alten Markt, Sengenhoffs Hof an der Shamrockstraße, Vortman an der Schillerstraße).

Ao '''[[1750]]''' Der Sommer dieses Jahres ist über die Masse heiß gewesen. In der Ernte Zeit sind hin und wieder Viele Menschen Von der Hitze plötzlich umgefallen und ersticket.

Im August dieses Jahres suchte Gott unser Gericht mit der fast durchgehends herrschenden Seuche der rothen Ruhr heim — Nur wenig Hauser sind übrig blieben, die nicht inficiret gewesen. 87 Personen sind an dieser Krankheit gestorben.

Kaum hatte sich dieses Uebel in etwas gemindert, so folgte darauf die erschreckliche Viehseuche durch welche Viel hundert Stück Horn Vieh umgefallen.
</blockquote>

== Die Ruhrepidemie von 1750 ==

Es erübrigt sich, näher auf die Angaben dieser Chronik einzugehen. Sie sprechen für sich. Nur über das Epidemienjahr 1750 sei noch etwas gesagt. Man erhält einen Einblick in das furchtbare Wüten der roten Ruhr, wenn man sich das Sterberegister des Jahres 1750 ansieht. Alle Alterskreise wurden von der Seuche betroffen, vorwiegend Kinder und alte Leute. Zuerst setzte die Krankheit in Hiltrop ein, dann erreichte sie über Bergen, [[Altenhöfener Straße|Altenhöfen]] und die [[Wiescherstraße]] das Dorf Herne. Von dort griff sie zur [[Wieschermühle]] nach Spithaut und Schulte=Sodingen über, wie sie auch noch in einige Familien Holsterhausens (über Rensinghoff und Sengenhoff) und Baukaus getragen wurde. Die Haupternte hielt sie im Dorf Herne selbst. Von Mitte September ab starb jeden Tag mindesten einer oft waren es zwei oder drei, am 30. September sogar sechs, am 14. und 23. Oktober vier. Ende Oktober war die Macht der Seuche gebrochen. Einzelne Familien hatten besonders schmerzliche Verluste erlitten, so hatten die Familien Hiltrop, Schulte zu Bergen und Hesse je drei Tote zu beklagen, die Familien Jacob, Breilmann, Voß am Sengenhofe, Mumme, Ruhe, Kampmann am Hegeler (in Holsterhausen), Wietelmann, Schlenkhoff je zwei Tote, Bei Mumme waren Zwei Kinder, bei Schlenkhoff die alten Eheleute am gleichen Tage der Seuche erlegen.
Es erübrigt sich, näher auf die Angaben dieser Chronik einzugehen. Sie sprechen für sich. Nur über das Epidemienjahr 1750 sei noch etwas gesagt. Man erhält einen Einblick in das furchtbare Wüten der roten Ruhr, wenn man sich das Sterberegister des Jahres 1750 ansieht. Alle Alterskreise wurden von der Seuche betroffen, vorwiegend Kinder und alte Leute. Zuerst setzte die Krankheit in Hiltrop ein, dann erreichte sie über Bergen, [[Altenhöfener Straße|Altenhöfen]] und die [[Wiescherstraße]] das Dorf Herne. Von dort griff sie zur [[Wieschermühle]] nach Spithaut und Schulte=Sodingen über, wie sie auch noch in einige Familien Holsterhausens (über Rensinghoff und Sengenhoff) und Baukaus getragen wurde. Die Haupternte hielt sie im Dorf Herne selbst. Von Mitte September ab starb jeden Tag mindesten einer oft waren es zwei oder drei, am 30. September sogar sechs, am 14. und 23. Oktober vier. Ende Oktober war die Macht der Seuche gebrochen. Einzelne Familien hatten besonders schmerzliche Verluste erlitten, so hatten die Familien Hiltrop, Schulte zu Bergen und Hesse je drei Tote zu beklagen, die Familien Jacob, Breilmann, Voß am Sengenhofe, Mumme, Ruhe, Kampmann am Hegeler (in Holsterhausen), Wietelmann, Schlenkhoff je zwei Tote, Bei Mumme waren Zwei Kinder, bei Schlenkhoff die alten Eheleute am gleichen Tage der Seuche erlegen.


Dr. Leo Reiners.
Dr. Leo Reiners.
</div>


== Verwandte Artikel ==


* [[Leo Reiners (1898-1958) Journalist - Beamter - Heimatforscher]]
==Verwandte Artikel==
* [[Eine Herner Schreckenschronik von 1795]]
{{Spezial:Linkliste/{{PAGENAME}}|Limit:500|namespace=0}}

==Quellen==


== Quellen ==


<references />
<references />

[[Kategorie:Artikel]]
[[Kategorie:Artikel]]
[[Kategorie:Reiners]]
[[Kategorie:Reiners]]

Aktuelle Version vom 10. Juli 2026, 13:54 Uhr

Noch eine Herner
Schreckenschronik
Die betreffende Seite im Kirchenbuch Bd. 3 S. 129
Die betreffende Seite im Kirchenbuch Bd. 3 S. 129
Autor Leo Reiners
Veröffentlicht 16. Januar 1937
Erschienen in Herner Anzeiger
Quelle Letzte Seite des ältesten Herner Kirchenbuchs (Bd. 3, S. 129)
Verfasser der Quelle Pastoren Hüttemann und Davidis
Berichtszeitraum 1703–1750
Reihe Artikelreihe Leo Reiners

Am 16. Januar 1937 wurde im Herner Anzeiger ein Artikel von Leo Reiners über eine weitere Schreckenschronik veröffentlicht.[1]

Von Sturmkatastrophen, Viehseuchen und Epidemien 1703–1750
Herner Pastöre berichten

Vor längerer Zeit haben wir bereits eine Herner Schreckenschronik gebracht. Es handelte sich um eine Niederschrift, die ein Vorfahr der Familie Masthoff über die Französische Revolution und den Krieg gegen Frankreich sowie über eine verheerende Ruhr Epidemie in Herne im Jahre 1794 „Erben und Nach kommen kund und zu wissen“ angefertigt hatte. Heute können wir eine zweite Herner Schreckenschronik mitteilen, die wir auf der letzten Seite des ältesten Herner Kirchenbuches fanden und die die Pastöre Hüttemann und Davidis zu Verfassern hat. Sie berichten:

Die Eintragungen des Pastors Hüttemann (1703–1724)

1703 d. 8. IXb (= Novembris, es kann auch nur eine X sein. also Decembris heißen) ist ein erschrecklicher sturmwind gewesen, dadurch allenthalben ohnbeschreiblicher schade geschehen und solch schrecken entstanden daß niemand in Hauser sich fast getrauet, weil da durch sehr Viel umbgeworfen und sonst nicht anderes alß jammer und noth gesehen worden.

1711 d 28 octhr ist abermahlß ein großer windsturm entstanden. Dadurch viele Bauhme und gezimmer zerrissen und umbgeworfen worden.

1712 d 17 7b (= Septembris) ist wiederumb ein erschrecklicher Sturm nachmittags gar plötzlich entstanden. Dadurch das...nhen (unleserlich. vielleicht Thürmchen) vom Schwartzen Kloster in Dortmundt abgeschlagen item der obst und Eicheln fast alle von den Bauhmen abgewehet und Viele Dacher und Bauhme umdgeworfen worden.

1712 d 17 8ct (= octobris) ist die Statt Iserloh nachmittags in 3 stunden Zeit biß auf 40 hauser und Kirche, so stehen blieben, ganz abgebrandt.

1717 in Xbr (= Dezember) und 1718 im febr. ist durch Sturm und ungewohnlichen regen und aufflauff des wassers in ostfrießland und biß nach Hamburg zu ein unbeschreiblicher schade geschehen, viel tausend menschen und Vieh ertruncken gange Dorffer und lander weggespuhlet und sonst viel Hauser umbgeworfen worden.

1723 ist eine Volle mast dieser gegend weit herumb gewesen sodaß(?) die Schweine den ganzen winter durch gehen Konnen, da es auch nicht gefroren ... hat man Christtag schweine für 5 rt kauffen können (die Stelle „hat man Christtag“ ist nicht ganz sicher, da die Schrift hier unleserlich ist).

1724 d 4 Xbr umb 5 nachmittag biß 12 uhr mitternacht ist ein grausamer wind gewesen dadurch Viel hauser und bauhme umbgeworffen und grosser schade geschehen.

Bis hierhin reichen die Eintragungen des Pastors Hütteman, dem 1729 der Pastor Hoffmann folgte. Dieser hat die Chronik nicht fortgeführt. Erst der 1745 berufene Pastor Davidis schreibt wieder.

Die Eintragungen des Pastors Davidis (1744–1750)

1744 45 und 46 ist eine erschreckliche Seuche unter dem Horn Vieh im Clevischen Hollandischen ja fast durch ganz Europa gewesen dadurch Viele 10.000 stück plötzlich umgefallen. Diese gegenden hat Gott in gnaden bewahret ob gleich das Uebel bis in unsere Nachbahrschafft zu Buer eingedrungen (eine andere Hand hat hier mit anderer Tinte etwas angefugt, das schlecht lesbar ist, aber scheinbar besagen soll, daß Gruemer, Serres u. a. doch von der Seuche hart mitgenommen worden seien).

Anno 1747 d 12 auf den 13 Decemd erhob sich um 5 Uhr ein schrecklicher Sturm Wind aus Süd Westen an einigen orten hat man eine Art von Erdbeben dabey Bemerket und im Hollandischen ist ein ... Donnerwetter Vorhergegangen hier und allenthalben ist großer Schade an Hausern und Baumen geschehen insonderheit sind Ruhen Sengenhofs und Foertmans Hauser abgeschlagen (der Ruhenkotten lag am Alten Markt, Sengenhoffs Hof an der Shamrockstraße, Vortman an der Schillerstraße).

Ao 1750 Der Sommer dieses Jahres ist über die Masse heiß gewesen. In der Ernte Zeit sind hin und wieder Viele Menschen Von der Hitze plötzlich umgefallen und ersticket.

Im August dieses Jahres suchte Gott unser Gericht mit der fast durchgehends herrschenden Seuche der rothen Ruhr heim — Nur wenig Hauser sind übrig blieben, die nicht inficiret gewesen. 87 Personen sind an dieser Krankheit gestorben.

Kaum hatte sich dieses Uebel in etwas gemindert, so folgte darauf die erschreckliche Viehseuche durch welche Viel hundert Stück Horn Vieh umgefallen.

Die Ruhrepidemie von 1750

Es erübrigt sich, näher auf die Angaben dieser Chronik einzugehen. Sie sprechen für sich. Nur über das Epidemienjahr 1750 sei noch etwas gesagt. Man erhält einen Einblick in das furchtbare Wüten der roten Ruhr, wenn man sich das Sterberegister des Jahres 1750 ansieht. Alle Alterskreise wurden von der Seuche betroffen, vorwiegend Kinder und alte Leute. Zuerst setzte die Krankheit in Hiltrop ein, dann erreichte sie über Bergen, Altenhöfen und die Wiescherstraße das Dorf Herne. Von dort griff sie zur Wieschermühle nach Spithaut und Schulte=Sodingen über, wie sie auch noch in einige Familien Holsterhausens (über Rensinghoff und Sengenhoff) und Baukaus getragen wurde. Die Haupternte hielt sie im Dorf Herne selbst. Von Mitte September ab starb jeden Tag mindesten einer oft waren es zwei oder drei, am 30. September sogar sechs, am 14. und 23. Oktober vier. Ende Oktober war die Macht der Seuche gebrochen. Einzelne Familien hatten besonders schmerzliche Verluste erlitten, so hatten die Familien Hiltrop, Schulte zu Bergen und Hesse je drei Tote zu beklagen, die Familien Jacob, Breilmann, Voß am Sengenhofe, Mumme, Ruhe, Kampmann am Hegeler (in Holsterhausen), Wietelmann, Schlenkhoff je zwei Tote, Bei Mumme waren Zwei Kinder, bei Schlenkhoff die alten Eheleute am gleichen Tage der Seuche erlegen.

Dr. Leo Reiners.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/21234724 Vgl. Online Quelle auf Zeitpunkt.NRW