Hof Stöckmann (Bickerndörnen / Unser Fritz): Unterschied zwischen den Versionen
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In unmittelbarer Nähe befanden sich der [[Hof Darve (Laarmann)|Hof Darve]], der [[Hof Klostermann]] sowie der [[Hof Hülsmann (Buina) Bickerndörnen / Unser Fritz|Kotten Buina]]. Südlich des Hofes lag Leppers Busch.</big> |
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<big>Der alte Hof Stöckmann lag in der alten Gewann „Stöckebusch“, Gemarkung Bickern, Flur II, genannt Wanne ungefähr im Bereich der [[Unser-Fritz-Straße]] Sackgasse Nr. 52-58.</big> |
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== Lage und historische Kartierung == |
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Der Hof ist bereits auf der Urkatasterkarte der Gemeinde Bickern von 1823 verzeichnet, aufgenommen vom Geometer Krause. Dort erscheint der Name „Stockman“ in der Flur I, Riemker Mark. |
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Auch auf einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus dem Jahr 1902 ist der Hofname „Stöckmann genannt Möller“ eingetragen. |
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== Frühe Erwähnungen == |
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Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 wird in der „Byckernburschop“ ein „Stockmann“ genannt. |
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1528 ist "Stockmann" der Eickeler Kirche Steuerpflichtig.<ref>[[Aus der Geschichte alter Wanne-Eickeler Bauernhöfe - 1933]]</ref> |
1528 ist "Stockmann" der Eickeler Kirche Steuerpflichtig.<ref>[[Aus der Geschichte alter Wanne-Eickeler Bauernhöfe - 1933]]</ref> |
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Im [[Die Feuerstättenliste des Amtes Bochum 1664 (Herner Ausschnitt)|Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum]] von [[1664]] wird in der „Baurschaft Bickeren“ unter dem Grundherrn „[[Von Hugenpoth (Adelsgeschlecht)|Hugenpoth]] zur [[Haus Horst|Horst]]“ ein „Söckmann, Kotter, eine Feuerplatz“ erwähnt. |
Im [[Die Feuerstättenliste des Amtes Bochum 1664 (Herner Ausschnitt)|Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum]] von [[1664]] wird in der „Baurschaft Bickeren“ unter dem Grundherrn „[[Von Hugenpoth (Adelsgeschlecht)|Hugenpoth]] zur [[Haus Horst|Horst]]“ ein „Söckmann, Kotter, eine Feuerplatz“ erwähnt. |
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Im [[Hypothekenbücher|Hypothekenbuch]] des Gerichts Eickel ist unter 125 fol. 397 in Bickernen "Stöckmann | Johann Georg Stöckmann | einen in der [[Riemker Mark]] an der Caussee gelegenen Heisterkamp worin nach dem adeligen Häusern Grimberg und Dorneburg gehörig gewesen | Besitzer: Hermann Stöckmann |" 1793 von den Häusern Grimberg und Dorneburg und 1809 von Elverfeld zu Steinhausen erkauft. |
Im [[Hypothekenbücher|Hypothekenbuch]] des Gerichts Eickel ist unter 125 fol. 397 in Bickernen "Stöckmann | Johann Georg Stöckmann | einen in der [[Riemker Mark (Historisch)|Riemker Mark]] an der Caussee gelegenen Heisterkamp worin nach dem adeligen Häusern Grimberg und Dorneburg gehörig gewesen | Besitzer: Hermann Stöckmann |" 1793 von den Häusern Grimberg und Dorneburg und 1809 von Elverfeld zu Steinhausen erkauft. |
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1684 wird ein Stöckmann mit einem Besitz von: |
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*62 Ruten<br> |
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Aufgrund dieser Flächengröße ist davon auszugehen, dass es sich um einen Halbbauernhof handelte – eine Mittelstellung zwischen einem Vollbauernhof und einem Kotten. |
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| ⚫ | Wann der ursprüngliche Hof erbaut wurde ist nicht überliefert. Er lag in der alten Gewann „Stöckebusch“, Gemarkung Bickern, Flur II, genannt Wanne ungefähr im Bereich der [[Unser-Fritz-Straße]] Sackgasse Nr. 52-58. Am 9. September 1879 brannte das Hofgebäude mit der gesamten Ernte, damals von der Witwe Stöckmann bewohnt, vollständig ab.<ref>https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/9081775</ref> |
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== Besitzverhältnisse und Namensentwicklung == |
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Nach Aufzeichnungen von [[Gustav Hegler]] gehörte der Hof ursprünglich einem Stöckmann. Hegler beschreibt: |
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„Stöckmann hat ein Kempken und ein Garten (Ecke Stöck- und Unser Fritz Straße), gibt jährlich 30 Albus. Schäfer Gerds Endann itzo Möller (dieser [[Hof Möller Bickerndörnen / Unser Fritz|Kotten Möller]] ist in späterer Zeit mit Stöckmanns Hof vereint) hat ein Kempken, davon gibt er jährlich 1/2 Thaler, und von dem neuen 1 Thaler. Courant facit zusammen 1 1/2 Thaler.“ |
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Später ging der Hof durch Einheirat an Gerds Endann (Endemann?) Möller über. Entsprechend westfälischer Tradition blieb der Hofname bestehen, auch wenn die männliche Linie erlosch. |
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Die Familie verzweigte sich sehr oft. So gab es Stöckmann gen. Bohmert, Stöckmann gen. Haslei und Stöckmann gen. Möller. Der letztere stammte allerdings aus Wülfrath. |
Die Familie verzweigte sich sehr oft. So gab es Stöckmann gen. Bohmert, Stöckmann gen. Haslei und Stöckmann gen. Möller. Der letztere stammte allerdings aus Wülfrath. |
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Der neue Eigentümer des zusammengelegten Hofes führte den Namen: Stöckmann genannt Möller |
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Der Begriff „Stöckmann“ bezeichnet ursprünglich eine handwerkliche Tätigkeit: Stöckmann war derjenige, der die Bäume heranzog und das Pflanzengut, genannt Heister, für die Aufforstung lieferte (siehe auch „[[Stöckstraße]]“ und „[[Heisterkamp]]“).<ref>"HERNE - von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße", Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, bearbeitet von Manfred Hildebrandt, Ralf Frensel, Jeannette Bodeux, Franz Heiserholt, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997</ref> <ref>[[Schulte 1925]], S. 78</ref> <ref>[[Swientek 1968]], S. 446</ref> |
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== Herkunft des Namens == |
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Der Begriff „Stöckmann“ bezeichnet ursprünglich eine handwerkliche Tätigkeit. Ein Stöckmann war jemand, der Bäume heranzog und Pflanzgut („Heister“) für die Aufforstung lieferte. |
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== Neuzeitliche Entwicklung == |
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Im Adressbuch der Ämter Wanne und Eickel von 1906 wird ein Wilhelm Georg Stöckmann, Landwirt in der Stöckstraße 30, genannt. |
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Im Mai 1955 pachtete die Stadt Wanne-Eickel das Gelände der heutigen Realschule Crange von einer Frau Stöckmann für 20 Jahre und erwarb es offenbar bis 1975 vollständig. Gleichzeitig wurde ein Wettbewerb zur Errichtung einer Realschule auf dem Gelände ausgeschrieben. |
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Das neuere Wohngebäude des Hofes aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert blieb erhalten. Es steht – ergänzt durch zwei neuere Häuser – in der Straße Am Stöckmannshof. |
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== Historische Einordnung == |
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Der Hof Stöckmann zählt zu den älteren nachweisbaren Höfen der Bauerschaft Bickern. Seine Erwähnung im 15. Jahrhundert belegt die lange agrarische Tradition der Region, die bis ins 20. Jahrhundert hinein bestand, bevor die zunehmende Urbanisierung und Schulbebauung das Gelände veränderten. |
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Aktuelle Version vom 26. Februar 2026, 15:09 Uhr
Der Hof Stöckmann war ein historischer landwirtschaftlicher Betrieb in der Gemarkung Bickern, Flur I, genannt Riemker Mark. Er lag an der Ecke Unser Fritz Straße und Stöckstraße (seit 1958: Am Stöckmannshof) im heutigen Stadtgebiet von Herne.
In unmittelbarer Nähe befanden sich der Hof Darve, der Hof Klostermann sowie der Kotten Buina. Südlich des Hofes lag Leppers Busch.
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Lage und historische Kartierung
Der Hof ist bereits auf der Urkatasterkarte der Gemeinde Bickern von 1823 verzeichnet, aufgenommen vom Geometer Krause. Dort erscheint der Name „Stockman“ in der Flur I, Riemker Mark.
Auch auf einer Übersichtskarte des Kreises Gelsenkirchen aus dem Jahr 1902 ist der Hofname „Stöckmann genannt Möller“ eingetragen.
Demnach gehörte der Hof zu den Bickendörnen.
Frühe Erwähnungen
Im Schatzbuch der Grafschaft Mark von 1486 wird in der „Byckernburschop“ ein „Stockmann“ genannt.
1528 ist "Stockmann" der Eickeler Kirche Steuerpflichtig.[1]
Im Feuerstättenverzeichnis des Amtes Bochum von 1664 wird in der „Baurschaft Bickeren“ unter dem Grundherrn „Hugenpoth zur Horst“ ein „Söckmann, Kotter, eine Feuerplatz“ erwähnt.
Im Hypothekenbuch des Gerichts Eickel ist unter 125 fol. 397 in Bickernen "Stöckmann | Johann Georg Stöckmann | einen in der Riemker Mark an der Caussee gelegenen Heisterkamp worin nach dem adeligen Häusern Grimberg und Dorneburg gehörig gewesen | Besitzer: Hermann Stöckmann |" 1793 von den Häusern Grimberg und Dorneburg und 1809 von Elverfeld zu Steinhausen erkauft.
1684 wird ein Stöckmann mit einem Besitz von:
- 1 Maltersaat
- 1 Scheffelsaat
- 62 Ruten
aufgeführt.
Aufgrund dieser Flächengröße ist davon auszugehen, dass es sich um einen Halbbauernhof handelte – eine Mittelstellung zwischen einem Vollbauernhof und einem Kotten.
Wann der ursprüngliche Hof erbaut wurde ist nicht überliefert. Er lag in der alten Gewann „Stöckebusch“, Gemarkung Bickern, Flur II, genannt Wanne ungefähr im Bereich der Unser-Fritz-Straße Sackgasse Nr. 52-58. Am 9. September 1879 brannte das Hofgebäude mit der gesamten Ernte, damals von der Witwe Stöckmann bewohnt, vollständig ab.[2]
Besitzverhältnisse und Namensentwicklung
Nach Aufzeichnungen von Gustav Hegler gehörte der Hof ursprünglich einem Stöckmann. Hegler beschreibt:
„Stöckmann hat ein Kempken und ein Garten (Ecke Stöck- und Unser Fritz Straße), gibt jährlich 30 Albus. Schäfer Gerds Endann itzo Möller (dieser Kotten Möller ist in späterer Zeit mit Stöckmanns Hof vereint) hat ein Kempken, davon gibt er jährlich 1/2 Thaler, und von dem neuen 1 Thaler. Courant facit zusammen 1 1/2 Thaler.“
Später ging der Hof durch Einheirat an Gerds Endann (Endemann?) Möller über. Entsprechend westfälischer Tradition blieb der Hofname bestehen, auch wenn die männliche Linie erlosch.
Die Familie verzweigte sich sehr oft. So gab es Stöckmann gen. Bohmert, Stöckmann gen. Haslei und Stöckmann gen. Möller. Der letztere stammte allerdings aus Wülfrath.
Der neue Eigentümer des zusammengelegten Hofes führte den Namen: Stöckmann genannt Möller
Herkunft des Namens
Der Begriff „Stöckmann“ bezeichnet ursprünglich eine handwerkliche Tätigkeit. Ein Stöckmann war jemand, der Bäume heranzog und Pflanzgut („Heister“) für die Aufforstung lieferte.
Neuzeitliche Entwicklung
Im Adressbuch der Ämter Wanne und Eickel von 1906 wird ein Wilhelm Georg Stöckmann, Landwirt in der Stöckstraße 30, genannt. Im Mai 1955 pachtete die Stadt Wanne-Eickel das Gelände der heutigen Realschule Crange von einer Frau Stöckmann für 20 Jahre und erwarb es offenbar bis 1975 vollständig. Gleichzeitig wurde ein Wettbewerb zur Errichtung einer Realschule auf dem Gelände ausgeschrieben.
Das neuere Wohngebäude des Hofes aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert blieb erhalten. Es steht – ergänzt durch zwei neuere Häuser – in der Straße Am Stöckmannshof.
Historische Einordnung
Der Hof Stöckmann zählt zu den älteren nachweisbaren Höfen der Bauerschaft Bickern. Seine Erwähnung im 15. Jahrhundert belegt die lange agrarische Tradition der Region, die bis ins 20. Jahrhundert hinein bestand, bevor die zunehmende Urbanisierung und Schulbebauung das Gelände veränderten.
Siehe auch
- Bickendörnen (Unser Fritz) (← Links)
- Hof Stöckmann (Wanne) (Weiterleitungsseite) (← Links)
- Am Stöckmannshof (← Links)
- Riemker Mark (Historisch) (← Links)
- Hypothekenbücher (← Links)
- Aus der Geschichte alter Wanne-Eickeler Bauernhöfe - 1933 (← Links)
- Hof Bohmert (← Links)
- Archiv Crange (Eickel, Rump, Landsberg-Velen, Spee) (← Links)
- Hof Hülsmann (Buina) Bickerndörnen / Unser Fritz (← Links)
- Hof Möller Bickerndörnen / Unser Fritz (← Links)
Quellen
| Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen. |

