50 Jahre Gasthof Funke (1923): Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 25. Januar 2026, 23:55 Uhr
Am 29. September 1923 erschien in der Herner Zeitung ein Artikel über das 50jährige Jubiläum des Gasthofes Funke am Kirchplatz.[1]

Herne, den 29. September 1923.
50 Jahre Gasthof Funke.
Das Gasthaus Funke kann in diesem Jahre auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken Das Funkesche Haus (gegründet 1873) ist eines der ältesten Gasthäuser unesrer Stadt. Sein Gründer, Herr H. Funke, war ein schlichter Bergmann und hat es verstanden, sich durch Fleiß und Sparsamkeit eine eigene Existenz geschaffen. Wer von den älteren Hernern hat nicht schon mal im Funkeschen Saale eine Festlichkeit mitgemacht und dort das Tanzbeim geschwungen. Allerdings anders wie heute. Foxtrott und sonstige modernen Errungenschaften kannte man nicht, man tanzte deutsche Weisen. Aber auch mancher, der einen über den Durst getrunken hatte und von Rauflust beseelt war, hat in dem Springbrunnen vor dem Saale die ihm gebührende Abkühlung erhalten. Es herrschte eben noch Ordnung. Aber auch in der Politik hat der Funkesche Saal eine gewisse Rolle gespielt. Wir erannern uns noch so mancher dort stattgefundenen Wahlversammlung, bei Reichs- und Kommunalwahlen, und auch so manchen Wahlganges aus der Vergangenheit, bei dem der Herner Bürger dorthin seine Schritte lenken mußte, um sein Wahlrecht auszuüben. Son mancher Herner Gesangverein hat dort in dem schlichten Holzsaal glanzvolle Konzerte geseiert, so manches schöne Herner Turnfest ist dort gefeiert worden. Und immer war es „der alte Funke“, der mit dem Stocheisen in der Hand im Winter, in der Hauptsaison für derartige Veranstaltungen, treu und unentwegt sich durch die Scharen seiner Festgäste drängte und kunstgerecht die Öfen stocherte, damit man sich bei ihm auch behaglich fühlte. Der alte Funke ist nicht mehr, der alte Saal, der in der Tat ein Stück Herner Chronik verkörperte, mußte der neuen Zeit weichen. An seiner Stelle erhebt sich heute (auch ein Zeichen der Zeit) der stattliche Decla=Saal.
Im alten Stammhause aber, das die neue Zeit und damit das heutige goldene Jubelfest miterlebt, herrscht nach wie vor der alte, kernige, westfälische Geist und die alte Herner Gastfreundschaft, wie sie von jeher den Gasthof Funke auszeichneten. Und so soll es auch in Zukunft bleiben. [Vgl.: Das Funkesche Haus am Kirchplatz (1938)] Und mag der edle Gerstensaft noch so teuer sein... (Herr Funke ist nicht schuld daran.) Wir trinken heute mit all den vielen alten Gästen und Freunden des Jubel=Hauses einen kräftigen Schluck auf den Gasthof Funke und seinen jetzigen Insassen, der in nachstehenden eigenen Versen so recht zeigt, wie ief Heimatliebe und Heimatsinn in seinem Herzen ourzeln:
- Mein Elternhaus.
- Zum 50jährigen Bestehen.
Dereinst, es war vor 50 Jahren,
In unserer Heimat Blütezeit,
Als noch die Menschen andere waren,
Hat man ein schlichtes Haus geweiht;
Ein halb Jahrhundert hielt's nun aus,
Mein liebes, teures Elternhaus.
Gar schnell entfloh die Zeit dahin,
Wir Kinder wuchsen, wurden Leute,
Ich denke stets mit frohem Sinn
An meine Jugendzeit noch heute;
Auch, als ich in der Welt weit drauß',
Dacht gern ich an mein Elternhaus.
Euch, die Ihr ruht im kühlen Grab,
Ihr guten Eltern, brav und bieder,
An Eures Hauses Ehrentag
Send' meinen Glückwunsch ich hinüber.
Ruht sanft in Eurem tiefen Tal,
Seid mir gegrüßt viel tausendmal
Auch Euch, Geschwister, die nicht mehr
Verweilen heut' in unserer Mitte,
Ich drück', als wenn ich bei Euch wär',
Nach guter, alter Väter Sitte,
An Eurem stillen Grabesrand
Im Geiste heut' die liebe Hand.
Entrissen früh auch unserem Kreise,
Braucht Ihr darum nicht traurig sein,
Es rauscht nicht mehr die alte Weise,
Es ist nicht mehr, wie einst daheim;
Anstelle alter Ehrlichkeit
Betrug und Schiebung weit und breit.
Doch eins wie früher ist geblieben
Und wird es bleiben immerdar,
So lang' ich lebe, meine Lieben,
Was es zu Euren Zeiten war:
Es bleibt das Haus, wo unsere Wiege stand,
Ein schlichtes, ehrlich Haus im Heimatland!
H. Funke.
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