Geschichte der Herner Wasserversorgung

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
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Einleitung: Die Geschichte der Herner Wasserversorgung

Die Versorgung der Stadt Herne mit reinlichem und einwandfreiem Trinkwasser ist ein zentrales Kapitel unserer lokalen Wirtschafts- und Infrastrukturgeschichte. Was heute als selbstverständliche Dienstleistung erscheint, war über Jahrzehnte ein Prozess, der von technischen Herausforderungen, langwierigen juristischen Auseinandersetzungen und dem Bestreben nach kommunaler Autonomie geprägt war.

Historischer Hintergrund

Die Anfänge der Wasserversorgung in Herne lagen in einer Zeit, in der das rasante Wachstum durch die Industrialisierung die Kapazitäten privater Brunnen bei weitem überstieg. Historische Dokumente – wie etwa Berichte aus dem „Herner Anzeiger“ von 1926 – belegen eindrucksvoll, wie die Gemeinden (darunter Herne, Baukau und Horsthausen) in den späten 1880er Jahren um tragfähige Lösungen rangen.
Die erste große Zäsur bildete der Wasserlieferungsvertrag mit der Stadt Bochum im Jahr 1880. Dieser markierte den Beginn einer oft schwierigen Zusammenarbeit, die von zahlreichen Konflikten über Rohrleitungen, Liefermengen und die Kontrolle über das Verteilnetz begleitet war. Besonders der Bergbau, der den Grundwasserspiegel absinken ließ, verschärfte die Notwendigkeit einer zentralen Versorgung. Über Jahre hinweg wurde hier zäher „westfälischer Kampfesgeist“ bewiesen, um die Wasserhoheit der Stadt zu sichern und eine zuverlässige Versorgung durch verschiedene Kooperationen – etwa mit den Wasserwerken in Witten oder Gelsenkirchen – zu etablieren.

Die Wasserversorgung heute

Die heutige Wasserversorgung in Herne ist das Ergebnis einer langen technologischen und organisatorischen Entwicklung. Die Zuständigkeit liegt heute in den Händen der Wasserversorgung Herne GmbH & Co. KG (WVH) sowie der Gelsenwasser AG.
Die Herkunft des Trinkwassers ist dabei geografisch und technisch gegliedert:

  • Bezugsquellen: Ein Großteil der Stadtteile wird durch das Wasserwerk Haltern versorgt, während andere Gebiete (wie Herne-Mitte, Süd, Sodingen und Börnig) auf das Wasserwerk Witten zurückgreifen. Warum das so ist, zeiegt der nachfolgende Artikel auf.
  • Qualität und Netz: Das Trinkwasser entspricht den hohen Anforderungen der Trinkwasserverordnung und wird fortlaufend auf seine Qualität geprüft. Das moderne Versorgungsnetz umfasst heute ein verzweigtes System von etwa 396 Kilometern Länge.
  • Instandhaltung: Um die hohe Wasserqualität dauerhaft zu gewährleisten, finden regelmäßig Wartungsarbeiten und turnusmäßige Spülungen des Rohrnetzes statt, um Ablagerungen zu vermeiden und den Anforderungen eines modernen Versorgungsunternehmens gerecht zu werden.

Diese Wiki-Seite dokumentiert den Weg von den ersten Pumpen in der Mont-Cenis-Straße bis zum heutigen, hochmodernen Infrastrukturnetz. Wir laden Sie ein, die Akten und Berichte zu durchstöbern, die den Kampf um „das kostbare Nass“ in Herne und Wanne-Eickel dokumentieren.

Herner Anzeiger // Anzeiger für das Amt Sodingen // Gerther Anzeiger Nr. 200. Donnerstag, den 22. Juli 1926. Drittes Blatt.

Herner Heimatkunde.

Unsere Wasserleitung.

Von der größten gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedeutung ist die Versorgung der Wohnungen mit reinlichem, einwandfreiem Wasser. Das Verständnis für den Wert einer guten Wasserversorgung ist jetzt allgemein verbreitet und selbst die kleinsten Gemeinwesen besitzen heute eine Wasserleitung. Die Wasserleitungen werden zum Teil aus Quell- und Grundwasser gespeist, oder aber man begnügt sich mit Wasser aus Flüssen, Seen und Talsperren, das aber dem ergenannten an Geschmack, Temperatur und Güte erheblich nachsteht. Es ist auch hinsichtlich der Infektionssicherheit geringwertiger, troßdem man es durch Sandfilter sorgfältig von Bakterien zu befreien sucht.

Früher deckte man in Herne den Wasserverbrauch aus Einzelbrunnen, aus denen es entweder in großen Holzeimern emporgehaspelt oder durch Pumpen gehoben wurde. Zudem war Herne sehr reich an artesischen Brunnen, die man noch heute in der Mont-Cenis-Straße und besonders zahlreich im Stadtteil Horsthausen antrifft.[1]

Als infolge des einsetzenden Bergbaues das Grundwasser immer mehr abgegraben wurde und für die stets zunehmende Bevölkerung das vorhandene Wasser nicht mehr ausreichte, sah sich die Gemeindevertretung von Herne vor die unausschiebbare Tatsache gestellt, die Mängel in der Wasserversorgung gütlich zu beheben. So schloß sie denn am 29. November 1880 einen Wasserlieferungsvertrag mit der Stadt Bochum auf 50 Jahre. Der Vertrag lief vom 1. Januar 1881. Er erhielt das Monopol zur alleinigen Wasserlieferung für die ersten 20 Jahre. Eigentlich erachte es, daß auch jetzt erst die Industrie Leitungswasser begehrte und so schlossen nacheinander die Köln-Mindener-Eisenbahn-Gesellschaft, die Gewerkschaft Friedrich der Große und die Belgische Gesellschaft (v. d. Heydt und Julia) im Jahre 1881 Wasserlieferungsverträge mit Bochum ab.

In Herne ahnte wohl niemand, daß der mit Bochum zustandegekommene Vertrag mit der Zeit eine unübersehbare Fülle von Unannehmlichkeiten, Gemeinderats- und Stadtverordnetensitzungen, Prozessen, Unkosten und Papierverbrauch im Gefolge haben würde. Sechs dicke Aktenstücke unseres Stadtarchivs geben Zeugnis von zäher westfälischer Kampfesart, zugleich aber auch von fürsorgender Verwaltungspolitik. So bekam unsere Wasserleitung ihre Geschichte.

Im Jahre 1887 entstand dem Bochumer Wasserwerk ein Konkurrenzunternehmen. Um von vornherein Unzuträglichkeiten auszuschalten, wurde zwischen beiden Werken eine Demarkationslinie (Wasserversorgungsgrenzlinie) festgelegt und ein geheimer Vertrag geschlossen.

In diesem Vertrage, der Herne unbekannt blieb, verkaufte Bochum sämtliche Wasserrohre unserer Gemeinde an das Schalker Wasserwerk und nahm während der Abwesenheit des Amtmanns Schaefer eines der beiden Hauprohre in der Bochumer-Straße in einer Länge von 1380 Meter wieder aus der Erde. Daher kam es, daß der Wasserzufluß von Bochum aus so ungenügend wurde, daß die Gewerkschaft Friedrich der Große schon 1887 eine Rohrleitung von Castrop aus vornehmen ließ und somit an das Schalker Werk anschloß. Jetzt tauchte in Herne der Gedanke auf, das Rohrnetz käuflich zu erwerben, die Wasserversorgung auf eigene Rechnung zu übernehmen. Baukau und Horsthausen aber lehnten eine Beteiligung an dem Unternehmen ab, wollten aber mit Herne wegen der Benutzung der Gemeindestraßen zur Rohrlegung entsprechende Verträge abschließen.

Um nun einen Überblick über die Rentabilität einer eigenen Wasserversorgung zu bekommen, erbittet der Amtmann sich von dem Bochumer Wasserwerk eine Abrechnung über den Wasserverbrauch und die Einnahmen und Ausgaben im Jahre 1886-87. Der Wasserverbrauch in Herne, Baukau und Horsthausen betrug von Privat und Industrie insgesamt 320 728 Kubikmeter zum Preise von 27 284,26 Mark. Die drei Gemeinden hätten zusammen einen Ueberschuß von 6043,31 Mark herausarbeiten können, Herne allein aber nur 3500 Mark. Dieser Summe stand aber eine Ausgabe für Verzinsung und Amortisierung in Höhe von 4600 Mark gegenüber, sodaß Herne jährlich 1100 Mark zulegen mußte. Der Plan war unausführbar.

Bochum, das das Vertragsverhältnis mit Herne lösen wollte, griff zu allen möglichen Mitteln, Herne zu verärgern, um so seinen Zweck zu erreichen. Es weigerte sich, unbedingt notwendige neue Rohre zu legen. Als sich die Zechen v. d. Heydt und Julia in Bochum überd ie mangelhafte Wasserlieferung beschwerten, nekamen diese zur Antwort, daß sie nicht mehr mit Bochum, sondern mit Schalke im Vertrage ständen. Damit kam Bochum aber bei der Herner Verwaltung nett an. Sie berief sich auf die vielfachen Anträge der Bewohner der Mont-Cenis-Straße, die immer wieder in Bochum die Genehmigung zum Anschluß an das Castroper Rohr nachsuchten, das durch die Mont Cenis-Straße führte. Stets aber wurden sie abschlägig beschieden. Nun sollte auf einmal die Schalker Gesellschaft zuständig sein. War auch die Kalamität in der Wasserversorgung bedeutend größer geworden, so wollte sich Herne doch nicht zwingen lassen, mit Schalke einen Vertrag abzuschließen. Mit vollem Rechte verlangte man die Wiedereinbauung des zweiten Rohres in der Bochumerstraße.

Um nun doch in Zukunft allen Weiterungen aus dem Wege zu gehen, ließ sich Herne bereit finden, es einer mündlichen Verhandlung in Bochum zu erscheinen. Herne erklärte sich mit folgenden Vorschlägen einverstanden:

Bochum darf sich das Wasser vom Schalker Werk beschaffen; der Abfluß des Bochumer Rohres soll an der Südgrenze von Herne sein; die Herner Rohrleitung wird in der Mont-Cenis-Straße an die Schalker Leitung angeschlossen; Herne bekommt noch nur Schalker Wasser, aber nicht durch Schaltk, sondern durch Bochum; Verkäufer des Wassers an Herne bleibt Bochum.

Kurze Zeit nachher versucht Bochum von neuem, sich von dem Vertrage gänzlich frei zu machen und beruft sich dabei auf die Vertragsformel, nach der eine vierteljährliche gegenseitige Kündigung besteht. Auch dieser Versuch scheiterte an der Zähigkeit der Herner Verwaltung, die an dem doch noch 10 Jahre laufenden Vertrage festhalten will.

Nach einer recht scharfen und nicht mißzuverstehenden Betonung des rechtlichen Standpunktes von Seiten der Herner Verwaltung, beugte sich endlich der starre Sinn der Bochumer, und sie bekennen de- und wehmütig ihre begangenen Fehler. Es soll jetzt nichts mehr geschehen, um vor Ablauf des Vertrages eine Aenderung der Demarkationslinie herbeizuführen.

Bochum will auch „weitere Maßregeln“ mehr ergreifen, sondern ein „lebhafteres Interesse zeigen“, um den Konsumenten in dem vertragsmäßigen Gebiete reichlicher Wasser zuführen zu können, und es will in jeder Weise dafür sorgen, daß die Belieferung keine Unterbrechung erleidet. Troß dieses salbungsvollen Versprechens strebte nun Herne doch dahin, mit dem Schalker-Werke einen Vertragsabschluß in die Wege zu leiten. Zu diesem Zwecke fand am 28. November 1891 eine Versammlung der Gemeindevertreter, Zechendirektoren und der Direktoren der beiden Wasserwerke Bochum und Schalke statt. Hier rechtfertigte der Amtmann Schaefer seinen bislang vertretenen Standpunkt. Der darin begründet sei, daß er die Interessen seiner Gemeinde wahrzunehmen habe. „Dafür bin ich da, dafür werde ich bezahlt. Jede Handlung, welche - ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt - geeignet ist, auf meine Gemeinde einen Druck auszuüben, um dieselbe beim Vertragsabschluß mit Schalke in eine ungünstige Position zu setzen, wird bei mir den schärfsten Widerstand finden.“

Die Vertragschließung mit Schalke ließ noch lange auf sich warten. Dabei wurde der Mangel an gutem Trinkwasser immer fühlbarer. Wie schlimm es um die Wasserversorgung verschiedener Stellen bestellt war, erfiehlt man aus einem Schreiben der Bewohner der Friedrichstraße. Ihnen war infolge des Bergbaues die Brunnen versiegt. Die Zeche Friedrich der Große hatte sich bereit erklärt, vorläufig das alernotwendigste Wasser in Fässern zu liefern. Sie konnte aber jeden Tag die Lieferung einstellen. Bochum war verpflichtet, Rohre einzubauen, wenn eine Abnahme von mindestens 2400 cbm Wasser garantiert wurde. Als nun in Bochum nichts zu erreichen war, kamen die Gemeindevertretung von Herne und Baukau dahin überein, das gesamte Rohrnetz käuflich zu erwerben und das Wasser durch einen Hauptmesser aus dem Bochumer Wasserwerk Schalke zu entnehmen, unter der Voraussetzung, daß die Gemeindeinteressen wahrender Vertrag zustande komme. Herne wollte sich mit 75%, Baukau mit 25% an dem Unternehmen beteiligen, während Horsthausen sich mit Herne und Baukau vertraglich einigte. Auch dieser Beschluß wurde nicht verwirklicht.

Im Jahre 1897 war Bochum überhaupt nicht mehr in der Lage, einen genügenden Wasserdruck zu schaffen. Deshalb schloß Baukau auf eigene Faust mit dem Gelsenkirchener Wasserwerk (die Verwaltungsstelle war nach Gelsenkirchen verlegt) einen Lieferungsvertrag, der aber von dem Gemeindevorsteher beanstandet wurde. Als dessenungeachtet Gelsenkirchen mit der Rohrlegung in der Bismarckstraße begann und von Baukau die Zahlung von 1278,10 Mark verlangte, weigerte man die Begleichung der Rechnung und kündigte kurzerhand den Vertrag.

Herne führte mittlerweile in Bochum Beschwerde über seit Wochen in erschreckender Weise sich bemerkbarer machenden Wassermangel und verlangte sofortige Abhilfe. Besonders war es die Zeche Shamrock, die in ungenügender Weise mit Wasser versorgt wurde, daher in ständiger Verlegenheit war, und das Werk beinahe zu erliegen kam. Nur erbot sich das Gelsenkirchener Wasserwerk die Versorgung der Zeche zu übernehmen und suchte um die Genehmigung nach, die Mont Cenis-Straße vom Hause Wienert[2] an bis zur Provinzialstraße in einer Länge von 30 Metern zur Rohrlegung benutzen zu dürfen. Dem Antrag wurde widerrufsrechtlich stattgegeben, mit der Aufforderung, das Rohr durch die Provinzialstraße bis zur Shamrockstraße zu legen. Jetzt wünschten sowohl Bochum als auch Gelsenkirchener den Anschluß der Häuser der Shamrockstraße an das Rohr, welches zur Zeche Shamrock führte, aber Herne lehnte ab.

Am 28. November 1899 wurde der Stadt Bochum der seitherige Wasserlieferungsvertrag dahin geändert, daß das Monopol der Stadt Bochum am 21. Dezember 1900 enden sollte, während Bochum dann aber noch 30 Jahre verpflichtet wurde, Wasser zu liefern. Die Stadt Herne stützte sich dabei auf das Gutachten zweier bedeutender Rechtsanwälte aus Essen. Doch diese Einschüchterung verfing in Bochum nicht; es erklärte ganz kategorisch: Am 31. Dezember 1900 werde die Wasserlieferung nach Herne gänzlich eingestellt. Nun war Holland in Not. Eine eilig zusammenberufene Magistratssitzung beschloß, sofort Klage gegen Bochum auf Weiterbelieferung des Wassers anzustrengen und beantragte den Erlaß einer einstweiligen Verfügung beim Landgericht in Bochum. Zugleich einigte man sich dahin, vom Gelsenkirchener Wasserwerke eine Offerte einzuziehen mit der Angabe, für welchen Einheitspreis das Wasser bei Entnahme aus einem Hauptmesser zu erhalten sei. Um nun aber die Zwangslage, in die Herne geraten war, geschützt zu verbergen und sich vielleicht aus der Not herauserborenen ausbeutenden Forderungen des Gelsenkirchener Werkes zu schützen, beriet man recht hochtrabend von der einstweiligen Verfügung, nach der die Stadt Bochum unter erheblicher Strafandrohung zur Weiterlieferung des Wassers angehalten wird. Auch erwähnt man den bereits angestrengten Prozeß, der zweifelsohne gewonnen wird. „Gern aber wollen wir von Bochum abgehen, wenn wir auf andere Weise die Wasserlieferung unter genehmen Bedingungen erzielen können und richten unser Augenmerk auf ihr Unternehmen.“

Weil Bochum immer weniger Wasser lieferte, gestattete Herne im Mai 1900 eine Verbindung des Bochumer- mit dem Gelsenkirchener Rohrnetz und zwar an der Mont-Cenis-Straße, Von-der-Heydt-Straße und der Bismarckstraße. Um diese Zeit mußte der Schule an der Forellstraße das Wasser noch täglich zweimal zugefahren werden, weil die Verwaltung des Hauses Strünkede die Durchlegung der Rohre weigerte.

Da trat für Herne ein entscheidender Wendepunkt ein. Am 12. Februar 1904 wurde die Klage gegen Bochum zu ungestunsten Herne entschieden. Der Verwaltung unser Stadt war anscheinend der Ausgang des Prozesses schon im voraus bekannt, denn einen Tag vorher - am 11. Februar - wurde in einer eilig zusammenberufenen Stadtverordnetensitzung der von Gelsenkirchen vorgelegte Vertrag angenommen. Durch Drahtnachricht setzte man das Gelsenkirchener Wasserwerk in Kenntnis. Es folgte eine der jezt sich zugespitzten Lage entsprechende Antwort nach Herne. „Nachdem heute Ihre Klage abgewiesen, soviel wir gehört haben, würde sich unser Aufsichtsrat jedenfalls nicht mehr bereit finden lassen, Ihnen soweit entgegenzukommen, wie gesehen ist.“ Der Magistrat von Bochum erklärte sich dann auch vorbehaltlich der Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung damit einverstanden, den bestehenden Wasserlieferungsvertrag zum 1. April 1901 aufzuheben. Der mit Gelsenkirchen getätigte Vertrag war äußerst günstig. Das Wasserwerk sprach ihrer Herner Verwaltung gegenüber den Wunsch aus, doch diese auch auf die Vorteile anspreche machen würden. Gelsenkirchen beabsichtigte von dem Hochbassin in Langendreer und zwar von hier aus ein 70 Centimeter Rohr nach Gerthe zu legen und von dort aus durch ein 40 Centimeter Rohr Herne mit Wasser zu versorgen. Die Zeche Konstantin betam im Lt. Vertrag zwischen Bochum und Gelsenkirchener das Wasser vor wie nach von Bochum.

Der Friedenszustand zwischen Herne und dem Gelsenkirchener Wasserwerk war nur von kurzer Dauer. Das Wasserwerk hatte seiner Zeit außerstehende Verbindung seines Rohrnetzes mit der Bochumer Leitung an der Grenze zwischen Bochum und Riemke wiederhergestellt und zwar, es angab, aus dem Grunde, weil dadurch für Herne und die nördlich gelegenen Teile des Versorgungsgebietes der Vorteil erwachse, daß zu den zwei Hauptrohrleitungen noch der Bochumer Anschluß hinzukomme, und so sei eine Unterbrechung in der Wasserversorgung für immer ausgeschlossen.

Mit dieser Erklärung gibt sich Herne nicht zufrieden. „Während wir annahmen, Castroper Wasser zu bekommen, erfahren wir jetzt, daß Bochum Wasser liefert.“ Man verlangte sofortige Aufklärung über folgende Punkte:

  1. woher kommt das Wasser?
  2. welcher Wasserquantität bezieht Herne von Bochum?
  3. unter welchem atmosphärischen Druck wird das Wasser geliefert?
  4. welche Stadtteile werden von Bochum beliefert?

Zum Schlusse wird dann die wörtliche Mitteilung des zwischen Bochum und Gelsenkirchen abgeschlossenen Vertrages verlangt.

Von Gelsenkirchen aus wird eine mündliche Besprechung in Vorschlag gebracht. Eine wörtliche Mitteilung des Vertrages wird abgelehnt, nur der Inhalt der Frage kommende Vertragsartikel wird bekannt gegeben. Danach hat Bochum auf die Wasserversorgung der Stadt Wattenscheid verzichtet und liefert seitdem Wasser an das Versorgungsgebiet des Gelsenkirchener Werkes. Herne soll nur vom 1. Oktober bis zum 27. Oktober 1902 mit 4136 Kubikmeter Wasser aus der Bochumer Leitung versorgt worden sein.

Dieser von Gelsenkirchener aus erfolgte Bescheid, wird von Bochum dahin geklärt, daß nur Shamrock beliefert ist. Bochum gibt weiter den Druck des Wassers bekannt. Derselbe beträgt 8,3 Atmosphären im Maximum und 6,2 Atmosphären im Minimum. In einer mündlichen Verhandlung soll Herne einen Stadteil bestimmen, der von Bochum aus versorgt werden soll. Aber Herne lehnt ab mit der Begründung, nur von einem Werke Wasser beziehen zu wollen.

Als Bochum von der Riemker Grenze aus eine neue Rohrleitung nach Zeche Konstantin einbaute, stand Herne argwohnend auf seinem Beobachtungsposten. Man suchte an Hand der Grundbücher das Eigentumsrecht der Altenhöfener Straße[3] nach, an dem Punkte, wo sie von der Rohrleitung durchschnitten wurde, um womöglich die Wasserlieferung von Bochum nach Konstantin von der Genehmigung der Stadtverwaltung Herne abhängig zu machen. Zu einem Einspruch scheint es nicht gekommen zu sein.

So hat Herne in einem jahrelangen, mit vielen Gefahrenissen und entmutigenden Geschehnissen verbundenen Kampfe, stolzen Hauptes und manchmal mit recht großem Geschick sein Recht zu verteidigen gewußt. Wenn es auch durch ein richterliches Urteil in zähen Ringen unterlag, so verdankte es gerade diesen Umstand die schnelle Erledigung des Vertrages mit Gelsenkirchen, in dem uns heute die Wohltat einer einwandfreien und ausnahmsweise billigen Wasserversorgung gesichert ist. D.

Links

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Quellen

  1. Etwas über die Wasserversorgung in alter Zeit (Brandt 1966)
  2. Mont-Cenis-Straße 1
  3. Heute ist der Teil die Flottmannstraße