Hof Kuenkamp

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ehemaliger Hof Kuenkamp
Stadtbezirk: Herne-Mitte
Ortsteil: Herne
Kartengitter: H6

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Letzte Änderung: 02.02.2019
Geändert von: Harry

Heimatliche Romantik vergeht

Aus der Geschichte eines alten Herner Bauernhofes - Kuenkamps Hof wird durch neue Siedlung erschlossen Herne, 4, August 1935

Im Stadtgebiet Hernes gibt es nur noch wenige Bauernhöfe und unter diesen wenigen sind es nur einige, die sich auch in einer entsprechenden Umgebung befinden. Zu diesen letzteren gehört der alte Hof, der längst ausgestorbenen Familie Kuenkamp, deren Hof noch heute östlich der Flottmannstraße steht. Die Pflegetochter des Bauern Kuenkamp hat gegen ende des vergangenen Jahrhunderts den Bauern Masthoff, genannt Fleige, geheiratet und seit jener Zeit heußt der Hof Masthoff, genannt Kuenkamp. Nun weiß jeder Einwohner weit und breit, der Masthoff wohnt auf dem alten Hof Kuenkamp, der infolge seiners Alters besser bekannt war.

Nur noch kurze Zeit liegt dieser Hof in seiner Abgeschiedenheit nahe der Flottmannstraße und der neuen Straße im Winkel, denn bald wird diese straße weiter zur Altenhöfener Straße[Anm. 1] durchgebaut und führt das scharf an Kuenkamps Hof vorbei. Leider nicht nur an einer Seite, sondern an zwei, weil die neue Straße gerade an diesem Hof einen Knick macht, da sonst die Altenhöfener Straße nicht erreicht werden kann. Wenn die neue Straße fertig ist, dann ist es mit der idylischen und abgeschlossenen Lage des Kuehnkampschen Hofes vorbei und er ist sozusagen "dem Weltgetümmel angeschlossen". Aber gegen den Fortschritt der Zeit ist und darf kein Kraut gewachsen sein, obwohl er garnicht mal so notwendig erscheint, die Straße Im Winkel an dieser Stelle der Altenhöfener Straße anzugliedern.

Allmählich kam die Inschrift zum Vorschein

Das jetzige Wohnhaus des genannten Hofes ist im Jahre 1780 erbaut worden, worüber und die Inschrift des Deelenbalkens unterrichtet. Bis vor einigen Jahren war es nicht möglich, die Inschrift darauf zu lesen, aber das passte dem wackeren Pächter Schmidt, der den Hof von der Stadt gepachtet hat, nicht und so nahm er eines Tages eine Lötlampe und brannte die vielen Schichten Farbe ab und siehe da, allmählich kam die Inschrift zum Vorschein. Der Pächter Schmidt schrieb mit Farbe die einzelnen undeutlich geweordenen Buchstaben nach und so ist es heute ein leichtes, die Inschrift zu lesen. Diese lautet:

Johan Henrich Kuenkamp Anna Maria Elisabeth Ackes zu Wattenscheiht Eheleute haben dieses Haus gebaut.
Der Herr segne ihren Aus= und Eingang.
Anno 1780 M.R.W.P. den 9. Mai.

Aber viel älter ist der Hof

Das sind die ersten Kuenkamps, die uns bekannt sind, aber viel älter ist der Hof, wie wir genau wissen. An stelle des jetzigen Wohnhauses von 1780 befand sich ein anderes, wie durch indirekten Schluss zu ermitteln ist. Auf der Deele liegt nämlich vor dem Eingang zum Kuhstall eine alte Grabplatte, auf der nur undeutlich, aber mit Sicherheit zu lesen ist, dass er den Tod eines Menshen vom Hofe Kuenkamp anzeigt, der im Jahre 1702 gestorben ist.[Anm. 2] Daraus ist zu ersehen, daß bis zum Neubau des jetzigen Hauses ein anderes vorhanden war, was wir auch so annehmen können, denn gegen ende des 18.Jahrhunderts sind sehr viuele Herner Höfe mit einem neuen Hausbau versehen worden. Erfreulicherweise will der Pächter Schmidt diesen Grabstein herausnehmen und ihn in der Deele aufstellen, damit er als ältester Zeuge für immer erhalten bleibt.

Ein eigenartiges Schwalbennest

Gemälde nach einem Originallichtbild (Privatbesitz). Aufgenommen aus dem Haus Flottmannstraße 72. Über dem Bauernhof sieht man die Bergstraße.

Das Kuenkampsche Wohnhaus mit den Ställen für das Vieh ist ein rechtes niedersächsisches Bauernhaus. Es ist verhältnismäßig niedrig und langgestreckt, während es ziemlich breit ist und so den Giebel etwas Wuhtiges und Schweres verleiht. Die Deele ist mit Platten aus Ruhrsandstein bedeckt. An den schweren eichenen Deckenbalken haben Schwalben ihre Nester angeklebt und darin schon manche Generationen großgezogen.

Aber auch in den modernen Anbau aus Ziegelsteinen, worin sich die schweineställe befinden, nisten Schwalben. Unter diesen befindet sich eins, das nicht von diesen Tieren erbaut worden ist und das hat wie folgt seinen Hergang: Hier war eins der Schwalbennester abgefallen und auf dem Boden zerbrochen. Dies tat dem Pächter leid und so nahm er etwas Zement und baute selbst ein Schwalbennest, welches ausgezeichnet gelang und niemals mehr herabfallen wird. Zuerst haben die Schwalben ganz verdutzt das neue nest umflattert und dabei gelärmt, als schimpften sie. Aber nachher nahmen sie davon Besitz und haben, weil es ihnen doch nicht so recht passte, noch ein Stückchen angebaut. So dient denn dieses künstliches Nest seit Jahren als Kinderstube und die Jungen fühlen sich recht wohl darin.

Früher bestand der Hof aus mehreren Nebengebäuden, wovon heute nur noch ein Scheune steht, die aber demnächst dem Straßenneubau weichen muss. Auf dem Eingangsbalken der Scheune steht geschrieben:

Der Herr segne und behüte uns,
Wilhelm Masthoff, genannt Kuenkamp und Lisette Schulte.

Zwei bedeutungsvolle Inschriftenbalken

Dreschen am Hof Kuenkamp um 1935. Im Hintergrund Häuser der Jahnstraße. Originallichtbild Sammlung Dr. H. Günther

Am Ostgiebel stand bis vor etwa 10 Jahren [ca. 1925] ein besonderer kleinerer Bau, der manches zu erzählen wusste. Schon der Balken mit seiner Inschrift über dem Eingang verriet, was sich darin befand. Auf diesem etwa ein Meter langen Balken stand folgendes eingeritz:

Sei weise und vorsichtig
Klug und behebe
Und bedenke das Ende.
21. Sept. 1844

Links von dieser Inschrift befand sich ein Blumentopf mit Blumen und rechts davon war eine kleine viereckige Uhr eingeritzt. In dem Raum befand sich nämlich die Uhrmacherwerkstatt jenes Sohnes, der im Jahre 1881 als letzter Sproß der Familie gestorben ist. [Anm. 3] Darin mag er auch die wundervolle Standuhr mit Orgelmusik erbaut haben, woran er etwa 10 Jahre gearbeitet hat und die im Jahre 1931 im Fenster von O. W. Schlenkhoff, Bahnhofstraße, ausgestellt war. Damals berichtete die Herner Zeitung ausführlich darüber (H.Z. vom 26. Januar 1931). Weit und breit besass man in den Bauernhäusern Kuenkampsche Uhren. Es ist eigentlich bedauerlich, dass wir so wenig von diesem Herner Uhrmacher kennen, der zudem noch nicht einmal dieses Handwerk gelernt hatte!

Ein weiterer Hausbalken mit Inschrift belehrt uns über den Namen der Frau des jüngeren Kuenkamps. Darauf ist eingerítzt:

Heinrich Kuenkamp junior
Anna Maria Ahmann senior
den 21. Sep. 1844.

Diese beiden Inschriften hat unser Städtisches Museum rechtszeitig sichergestellt, sie sind im Museum zu sehen.


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Es ist auffallend, wie sich die Zahl der Spitze verringert, dabei war das die Hundeart, die früher sehr zahlreich unsere Bauerngehöfte bewachte. Die Spitze sind außerordentlich kluge Tiere und von größter Anhänglichkeit. Sie sind wohl deswegen aus der "Mode" gekommen, weil man sich als Haushunde meistens die kleineren Rassen wählt und gewiss auch deswegen, weil sich die Schäferhunde und Dobermänner den Platz erobert haben. Es ist nicht einzusehen, dass es etwa an der nachgelassenen Fortpflanzungsfähigkeit der Spitze liegen soll, dass sie immer seltener werden. Unser Bild zeigt einen schneeweißen Spitz vor seiner "Villa" auf einem ruhrländischen Bauernhof. [Anm.: Hof Kuenkamp in Altenhöfen. Vgl. Bild oben!] Originell ist die Warnung "Pas ob, dä Rüe bit!!!". [1]

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Anmerkung der Redaktion: Dieser Teil der alten Altenhöfener Straße heißt heute Jahnstraße. Zu einem Durchbruch ist es nie gekommen.
  2. Laut evgl. Kirchenbuch verstarb am 26. August 1702 Henrich Kuenkamp welcher am 27. August 1702 beigesetzt wurde.
  3. Johann Heinrich Kuenkamp (geboren 5. November 1813, gestorben 23. Februar 1881) verheiratet seit dem 29. Mai 1856 mit Cathrina Gertrud Schmidt blieb er Kinderlos.

Quellen

  1. Karl Brandt Westfälische Landeszeitung Rote Erde 20. Juni 1935