Vereinshaus St. Joseph Herne 1914-1972

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Das Vereinshaus St. Josef war ein katholisches Vereins- und Gemeindehaus in Herne-Mitte an der Düngelstraße. Es wurde 1914 eröffnet und entwickelte sich zu einem zentralen Treffpunkt des katholischen Gemeindelebens. Neben seiner Funktion als Vereinshaus diente es auch als Ledigenheim für junge Arbeiter.

Katholisches Vereinshaus St. Joseph
Erbaut: 1914
Auch bekannt als: Ledigenheim
Stadtbezirk: Herne
Ortsteil: Mitte
Kartengitter: H4
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Letzte Änderung: 10.04.2026
Geändert von: Andreas Janik

Gründung und Bau

Um ledigen katholischen Bergleuten und den katholischen Vereinen ein Heim in der jungen Herz-Jesu Gemeinde zu schaffen sowie um anderen verwandten Zwecken zu dienen, setzten sich auf Anregung des Pfarrers Franz Düwells eine Anzahl Personen das Ziel, ein katholisches Vereinshaus zu gründen. Es lag am damals neuen Teil der Düngelstraße und der nach 1952 eingerichteten Franz-Düwell-Straße.

Zur Schaffung dieses eigenen Heims wurde am 31. Januar 1913 der Verein „Vereinshaus St. Josef“ gegründet, der durch Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichts Rechtsfähigkeit erhielt.

Der Verein erwarb ein Grundstück von 25,30 Ar zum Preis von 7000 Mark. Entworfen vom bekannten Gelsenkirchener Architekten Josef Franke (1866-1944)[1] wurde das Gebäude am 1. Oktober 1912 begonnen, der erste Spatenstich erfolgte am 23. September 1913 und am 2. August 1914 seiner Bestimmung übergeben. Die Gesamtkosten einschließlich Inventar und Dampfheizung beliefen sich auf etwa 140.000 Mark. Ausführender Architekt war Johann Schulte.

Die Finanzierung des Bauprojekts erfolgte durch mehrere Quellen:

  • Darlehen der Landesversicherungsanstalt Münster in Höhe von 95.000 Mark (zu ermäßigtem Zinssatz)
  • Zuwendungen industrieller Werke
  • Eigenmittel des Vereins

Eine zentrale Bedingung des Darlehens war, dass ein Teil der Räume als Unterkunft für ledige junge Arbeiter zur Verfügung gestellt werden musste.

Räume

Ein architektorisch betontes Hauptportal zur Düngelstraße begrüßte den Gast, welcher durch einen Vorraum in eine Flurhalle trat. Zur Rechten war in einem 70m2 großen Raum eine "Kinderbewahrschule" - der Vorläufer des St. Anna-Kindergartens (gegr. 1966) - untergebracht. Zur Linken dann ein Restaurationszimmer mit angrenzenden 260 m2 großen Festsaal mit Empore und vollständiger Bühneneinrichtung. Unter der Bühne war ein Spielzimmer für die Jugend vorgesehen, unter der Wirtschaft gelang man zu einer modernen Kegelbahn. Die Küche lag, wie die Wohnräume des Gastwirtes, welcher zugleich Hausmeister war, im 1. Obergeschoss. Ein weiterer teilbare Saal von 100 m2 lag ebenfalls dort und diente u.a. den Bewohnern als Speisezimmer. Insgesamt 34 junge Leute wohnten in 8 Zimmern für 3 Personen und 10 Einzelzimmern. Weitere Räumlichkeiten rundeten das moderne und schon damals vollelektifizierte Gebäude ab.

Erster Weltkrieg

Die Einweihung wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs überschattet. Infolge des Krieges kam das Vereinsleben zunächst weitgehend zum Erliegen, da viele Männer zum Militärdienst eingezogen wurden.

Bereits am 27. Oktober 1914 wurde ein Teil des Gebäudes in ein Lazarett mit 40 Betten umgewandelt. Es war das erste Kriegslazarett in Herne und wurde von Rotkreuzschwestern betreut. Bis 1919 diente es der Versorgung verwundeter Soldaten.

Blütezeit der Zwischenkriegsjahre

Nach dem Ende des Krieges entwickelte sich das Vereinsleben erneut. Das Vereinshaus wurde zum Mittelpunkt der Pfarrgemeinde und bot Raum für zahlreiche kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.

Dazu gehörten unter anderem:

  • Theateraufführungen
  • Oratorien und Konzerte
  • Vereinsversammlungen
  • Weihnachts- und Stiftungsfeiern

Bekannte Aufführungen waren beispielsweise:

  • „Josef und seine Brüder“
  • „Das Paradies“ (Oratorium von Wieser)
  • „Rosa von Tannenburg“
  • „Syra, die christliche Sklavin“

Zweiter Weltkrieg und Zerstörung

Mit der Machtergreifung der Nazis mit immer stärker werdenen Repressalien gegenüber katholischen Vereinen und spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 wurde das Vereinsleben erneut stark beeinträchtigt.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 1940 schlug eine schwere Bombe vor dem Gebäude ein. Sie zerstörte Fenster, Türen, Teile des Dachs und beschädigte die Mauern erheblich. Es handelte sich um die erste Bombe, die in Herne einschlug, was großes öffentliches Aufsehen erregte. Tausende Menschen aus der Umgebung besichtigten die Schäden.

Die Schäden konnten zunächst durch das städtische Bauschädenamt behoben werden.

Ein schwererer Angriff erfolgte in der Nacht vom 18. auf den 19. November 1944: Eine Luftmine zerstörte den großen Saal mit Bühne vollständig (es lagerten dort Obst und Gemüse) und machte das Gebäude für den Betrieb unbrauchbar. Das Vereinshaus galt damit praktisch als verloren.

Nachkriegszeit

In den Jahren 1945 und 1946 wurde das Vorderhaus notdürftig instand gesetzt, sodass zumindest ein eingeschränkter Betrieb wieder möglich war. Der große Saal blieb jedoch lange Zeit eine Ruine. Am 22. Oktober 1950 konnte der Wideraufbau bereits Richtfest feiern und der Wiederaufbau gelang. Bis Anfang der 1970er Jahre wurden vielfältige Veranstaltungen und Aktionen in den Räumen durchgeführte. Seit 1967 wurden die Kindergartenräume für eine Altentagesstätte umfassend umgebaut und genutzt. die Räumlichkeiten für die Ledigen waren da bereits seit jahrzehnten zu Wohnungen umgewidmet worden, die Gaststätte verpachtet. 1971 beschloss der Kirchenvorstand der Gemeinde Herz-Jesu das Gebäude abzureißen und ein neues "Gemeindezentrum" gegenüber neben der Kirche zu errichten.

Einer der letzten Pächter der Gaststätte von 1959-1971 war der bekannte Gastwirt Rudi Girsch.[2]

Abriss

Im Jahr 1972 wurde das Gebäude mit Saal abgetragen. Heute steht auf dem Gelände ein Gebäudekomplex mit Wohnungen.

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Quellen

  1. Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Franke
  2. Später: Haus Altenhöfen (1971), Café Restaurant Peterburs (1983) und die Alt Wiescher Mühle (1990).