Swarte van der Westerworth

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Urkunde
1508Jahr
Urkunde
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 Rundes Wachssiegel, teilweise erhalten



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   Aussteller
   Schwarte, Hans de
   



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Die Swarte van der Westerworth waren eine im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert im Raum Baukau und Essen nachweisbare Familie beziehungsweise Familie von Namensträgern. Ihr Ausgangspunkt ist der Hof Westerworth, der 1393 als Westerwoyrt bezeichnet und ausdrücklich „gelegen an dem hagene toe Strunkede“ genannt wird. Damit lag der Besitz im unmittelbaren Umfeld der Herrschaft Strünkede im heutigen Herner Stadtgebiet.

Der bedeutendste frühe Namensträger ist Johann dye Swarte van der Westerworth, der zwischen 1388 und 1417 nachweisbar ist und als Richter zu Essen amtierte. Neben seiner Tätigkeit im Essener Gerichtswesen erscheint er im Umfeld der Grafschaft Mark und als Inhaber des Gutes Westerworth.

Besondere Bedeutung besitzen die Siegel der Familie. Bereits das Siegel Johanns von 1407 zeigt drei Rosen in der Stellung 2:1. Ein Siegel Johanns von 1410 wird dagegen mit einem Vogel im oberen Schildteil und möglicherweise drei Lilien im unteren Teil beschrieben. Ein 1508 in Livland überliefertes Siegel eines Hans de Swarte zeigt wiederum einen Vogel über drei Rosen. Die drei Rosen verbinden damit frühe westfälische und spätere livländische Siegel der Swarte.

Die Ähnlichkeit des Rosenmotivs mit dem Wappen der Herren von Strünkede ist auffällig. Eine genealogische Abstammung der Swarte von Strünkede ist jedoch bislang nicht urkundlich nachgewiesen. Die Frage nach einer verwandtschaftlichen, lehnsrechtlichen oder heraldischen Verbindung bleibt deshalb Gegenstand weiterer Forschung.

Herkunft und Name

Der Name Swarte geht auf das mittelniederdeutsche Wort swarte beziehungsweise swart für „schwarz“ zurück und dürfte ursprünglich ein Beiname gewesen sein. Die Bezeichnung van der Westerworth verweist dagegen auf die Herkunft oder den Besitzbezug zum Hof Westerworth.

Die mittelalterlichen Quellen verwenden unterschiedliche Schreibweisen, darunter Westerworth, Westerwoyrt, Westerwurd und Westerwart. Diese unterschiedlichen Formen sind für das Mittelalter typisch und bezeichnen nach dem bisherigen Quellenstand denselben Besitzkomplex.

Der Hof Westerworth lag nach der Urkunde von 1393 „an dem hagene toe Strunkede“. Der Begriff Hagen bezeichnet dabei einen eingehegten beziehungsweise abgegrenzten Besitz- oder Siedlungsbereich. Die Ortsangabe stellt eine unmittelbare räumliche Verbindung zwischen Westerworth und dem Strünkeder Besitz her.[1]

Gerlach von Westerwort 1336

Der bislang früheste bekannte Namensträger ist Gerlach von Westerwort. Er erscheint am 9. Oktober 1336 in einer Urkunde als Zeuge.

Besonders bemerkenswert ist die Zusammensetzung der Zeugenreihe. Auf Rutger von Darenborg folgt Gerlach von Westerwort; anschließend werden Hugo Vifhusen, Bernhard Lychtenberg und Rutger Quast genannt. Die drei letztgenannten Namensträger beziehungsweise die von ihnen vertretenen Linien sind mit dem Haus Strünkede verbunden.[2]

Die Stellung Gerlachs innerhalb dieser Reihe ist deshalb für die Einordnung der Westerwort von Bedeutung. Sie belegt seine Zugehörigkeit zu einem Kreis von Personen, der eng mit dem Strünkeder Herrschafts- und Dienstmannenumfeld verbunden war.

Aus der Zeugenstellung allein lässt sich allerdings keine Abstammung Gerlachs von den Herren von Strünkede ableiten. Ebenso wenig kann allein daraus eine unmittelbare Verwandtschaft zwischen den Familien Westerwort und Strünkede erschlossen werden. Der Beleg ist zunächst als Nachweis des sozialen und herrschaftlichen Umfeldes zu bewerten.

Gleichwohl gewinnt die spätere Bezeichnung des Gutes Westerworth als „gelegen an dem hagene toe Strunkede“ durch diesen frühen Beleg zusätzliches Gewicht. Zwischen dem ersten Auftreten eines Gerlach von Westerwort im Jahr 1336 und der ausdrücklichen Lokalisierung des Gutes Westerworth im Strünkeder Umfeld 1393 liegt ein Zeitraum von fast sechs Jahrzehnten.

Westerwort und Swarte

Die Überlieferung unterscheidet zwischen der älteren Bezeichnung von Westerwort und der später auftretenden Verbindung Swarte van der Westerworth. Der Name Westerwort ist bereits 1336 mit Gerlach von Westerwort belegt. Erst im späten 14. Jahrhundert erscheint mit Johann dye Swarte van der Westerworth die Verbindung des Beinamens Swarte mit dem Orts- beziehungsweise Besitznamen Westerworth.

Damit ist zunächst von einer älteren Namensträgergruppe von Westerwort und einer späteren Person beziehungsweise Familie Swarte van der Westerworth auszugehen. Ob zwischen Gerlach von Westerwort und Johann dye Swarte eine direkte genealogische Verbindung bestand, ist bislang nicht nachgewiesen.

Die zeitliche und örtliche Kontinuität macht eine solche Verbindung allerdings zu einer naheliegenden Forschungsfrage. Für den Nachweis wären weitere Urkunden aus der Zeit zwischen 1336 und 1388 erforderlich.

Johann dye Swarte van der Westerworth

Der bislang älteste sicher zuzuordnende Namensträger als Swarte ist Johann dye Swarte van der Westerworth. Er ist zwischen 1388 und 1417 nachweisbar.

1388: Johann in der Dortmunder Fehde

1388 erscheint Johan dey Swartte van der Westerword im Zusammenhang mit der Dortmunder Fehde auf Seiten des Grafen von der Mark. Der Beleg zeigt Johann im politischen und militärischen Umfeld der märkischen Landesherrschaft.

Die Verwendung der Bezeichnung van der Westerword weist bereits hier auf die Verbindung mit dem Gut Westerworth hin.

1393: Westerworth als Dienstmannengut

1393 wird Johann de Swarte als Empfänger des Gutes toe der Westerwoyrt genannt. Zu dem Gut gehörten zwei Zehnten; es wird als Dienstmannengut bezeichnet und ausdrücklich „gelegen an dem hagene toe Strunkede“ lokalisiert.

Damit ist Johann nicht nur als Namensträger, sondern als Inhaber eines konkret lokalisierbaren Gutes im Umfeld der Strünkeder Besitzlandschaft belegt.

Die Urkunde ist für die Familiengeschichte von besonderer Bedeutung, weil sie die drei Elemente Johann Swarte, Westerworth und Strünkede bereits am Ende des 14. Jahrhunderts miteinander verbindet.

Johann als Richter zu Essen

Johann gehörte außerdem zum Essener Gerichts- und Verwaltungswesen. Mehrere Urkunden nennen ihn als Richter to Essinde beziehungsweise Richter to Essinde.

Am 19. Juni 1407 wird er als „Johan dye Swarte, Richter to Essinde“ bezeichnet. Vor seinem Gericht hatte Geryt Schimmel einen Eid abgelegt, wonach Bernd van Strünkede ihn innerhalb Essens weder hatte lohnen noch schätzen lassen und ihm auch kein Geld aus einer Schatzung gezahlt habe. Unter den Zeugen erscheinen Everd oppen Berghe, Godert Vrye, Rutger Peghe und Johan Pasie.[3]

Die Urkunde ist zugleich der bislang älteste unmittelbar erhaltene Siegelbeleg eines Angehörigen der Familie. Das Siegel zeigt nach der archivischen Beschreibung drei Rosen in der Stellung 2:1. Damit ist dieses Rosenmotiv bereits für Johann selbst im Jahr 1407 belegt.

1410: Johann van der Westerwurd

Am 29. Oktober 1410 wird Johann ausdrücklich als „Johan die Swarte van der Westerwurd, Richter to Essinde“ bezeichnet.

Vor seinem gehegten Gericht zu Essen beurkundete er einen Rechtsvorgang zwischen Mette, der Ehefrau des Hennes van Linden, deren Kindern Johan, Henrich und Cunne, und Helekin van dem Stenhuse. Gegenstand war eine jährliche Erbrente von sechs Schilling aus dem Haus und der Wurt der Familie innerhalb Essens bei der Mauer. Drei Schilling waren zum Nutzen des Siechenhauses außerhalb Essens beim Kalkofen bestimmt, drei weitere als Memorien für die Eltern und Verwandten Helekins.[4]

Auch das Siegel Johanns ist erhalten. Die archivische Beschreibung weicht allerdings von derjenigen des Siegels von 1407 ab: Der Schild wird als geteilt beschrieben, oben mit einem Vogel, unten mit 2 + 1 Lilien (?). Die Fragezeichen der archivalischen Beschreibung sind von Bedeutung, da die untere Darstellung offenbar nicht eindeutig erkannt werden konnte.[5]

Damit sind für Johann innerhalb von nur drei Jahren zwei unterschiedliche Siegelbeschreibungen überliefert. Ob tatsächlich zwei verschiedene Wappen beziehungsweise Siegelstempel verwendet wurden oder ob die Abweichung auf den Erhaltungszustand und die schwierige Deutung des Abdrucks zurückzuführen ist, lässt sich anhand der Beschreibungen allein nicht entscheiden.

Die Siegel der Swarte

Die bisher bekannten Siegel bilden den wichtigsten Ansatzpunkt für die Erforschung der Familie.

Jahr Namensträger Siegelbefund
1407 Johann dye Swarte Oben Prame, darunter drei Rosen 2:1
1410 Johann die Swarte van der Westerwurd Oben Vogel, darunter möglicherweise drei Lilien 2:1
1508 Hans de Swarte Vogel, darunter drei Rosen 2:1

Die drei Rosen sind somit bereits 1407 unmittelbar für Johann belegt. Der Vogel erscheint sicher beziehungsweise nach archivischer Beschreibung 1410 und erneut 1508.

Das Siegel von 1508 ist besonders gut dokumentiert. Das estnische Nationalarchiv beschreibt den Schild als „lind, mille all kolm roosi (2+1)“, also als Vogel mit drei darunter angeordneten Rosen in der Stellung 2:1. Die Umschrift lautet S' hans de swarte.[6]

Damit sind Vogel und drei Rosen innerhalb der Überlieferung der Familie beide nachgewiesen. Ob sie bereits im frühen 15. Jahrhundert gemeinsam Bestandteil des Wappens waren, kann derzeit nicht sicher gesagt werden.

Das Wappen und die Herren von Strünkede

Das Wappen der Swarte weist eine auffällige Gemeinsamkeit mit dem Wappen der Herren von Strünkede auf. Beide führen drei Rosen in der Stellung 2:1.

Eine vollständige Wappengleichheit liegt nach dem derzeit bekannten Quellenstand jedoch nicht vor. Das überlieferte Strünkeder Wappen zeigt über den drei Rosen einen Löwen, während bei den Swarte-Siegeln ein Vogel beziehungsweise bei dem Siegel von 1407 eine als Prame bezeichnete Figur erscheint.

Die Übereinstimmung der drei Rosen ist dennoch von erheblichem Interesse. Sie ist bei Johann Swarte bereits 1407, also unmittelbar in der Generation belegt, die mit dem Gut Westerworth in Baukau verbunden war.

Hinzu kommt die Ortsangabe von 1393, nach der Westerworth „gelegen an dem hagene toe Strunkede“ lag.[7]

Damit bestehen zwischen Swarte und Strünkede sowohl eine auffällige räumliche als auch eine heraldische Nähe.

Eine genealogische Abstammung der Swarte von den Herren von Strünkede lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Ebenso wenig ist bislang nachgewiesen, dass die drei Rosen von den Strünkede übernommen wurden.

Für die weitere Forschung kommen daher mehrere Möglichkeiten in Betracht:

  • Die Swarte könnten mit dem Haus Strünkede verschwägert gewesen sein.
  • Die Familie könnte einer Seitenlinie oder einem abhängigen Dienstmannengeschlecht des Strünkeder Umfeldes angehört haben.
  • Beide Familien könnten auf einen älteren gemeinsamen Wappenbestand zurückgegriffen haben.
  • Die drei Rosen könnten ein im märkisch-westfälischen Raum von mehreren Familien verwendetes heraldisches Motiv gewesen sein.

Erst ein genealogischer oder lehnsrechtlicher Beleg kann zwischen diesen Möglichkeiten unterscheiden.

Hermann Swarte

Johanns mutmaßlicher Sohn Hermann Swarte van der Westerwurd führt die Familie in das kirchliche Umfeld Hernes.

1419 ist ein Hermannus Swarte de Westerwart in der Matrikel der Universität Erfurt nachweisbar. Die Verbindung mit dem aus dem Herner Raum bekannten Hermann Swarte ist aufgrund der Namens- und Herkunftsangabe naheliegend, sollte aber anhand der Universitätsmatrikel und weiterer zeitgenössischer Quellen abschließend überprüft werden.

Hermann erscheint später als Priester und als Verwahrer der Kirche zu Herne. Damit ist ein Angehöriger der Familie im kirchlichen Leben des Ortes nachweisbar.

Rosier Swarte und das Gut Boeckau

Ein weiterer Namensträger ist Rosier Swarte. 1435 übertrug er sein Recht und seinen Anteil an einem Gut zu Boeckau seinem Bruder, dem Priester Hermann Swarte.

Der Vorgang ist insofern bedeutsam, als Hermann damit als Angehöriger der Familie und als Inhaber beziehungsweise Rechtsnachfolger an einem Gut im Raum Herne/Baukau erscheint.

1436 wird Hermann Swarte im Zusammenhang mit dem Gut Bocauwe erneut genannt. Das Gut gelangte anschließend an Hannemann Sobbe zum Grimberge.[8]

Die Übertragung von Rosiers Anteil an seinen Bruder ist zugleich der letzte bislang sicher im westfälischen Zusammenhang erkennbare Beleg für Rosier.

Hans Swarte in Danzig 1450

Eine bislang besonders interessante Spur führt 1450 nach Danzig.

Am 14. Oktober 1450 schrieb Diderich van Lufincktorpe an die Bürgermeister und Ratsherren von Essen. Gegenstand des Schreibens waren die Güter des Arnd Bokeler. Diderich berichtet, dass er den Rechtsstreit nach Danziger Recht gewonnen habe und sich im Besitz der Güter befinde. Dagegen habe Hans Swarte, Bürger von Dansike – also Danzig – nach Stadtrecht geklagt.[9]

Der Beleg ist für die Familiengeschichte von erheblichem Interesse. Er zeigt einen Namensträger Hans Swarte in Danzig nur wenige Jahre vor dem Auftreten eines Hans de Swarte, Rosyeres sone im livländischen Raum.

Eine Identität oder Verwandtschaft dieser Personen ist allerdings nicht bewiesen.

Der Weg nach Livland

Die westfälische Familie lässt sich möglicherweise bereits in der Mitte des 15. Jahrhunderts mit dem baltischen Raum verbinden.

1458 wird auf Ösel ein Hans de Swarte, Rosyeres sone genannt. Die Bezeichnung Rosyeres sone macht ihn genealogisch besonders interessant, da bereits 1435 ein Rosier Swarte im Zusammenhang mit dem Gut Boeckau belegt ist.

Die Verbindung

Rosier Swarte – Hans de Swarte, Rosyeres sone

ist daher eine wichtige Forschungshypothese. Sie sollte jedoch anhand der livländischen Originalüberlieferung weiter überprüft werden.

Der Danziger Hans Swarte von 1450 könnte dabei eine Zwischenstation darstellen. Ein sicherer Zusammenhang zwischen dem Danziger Bürger, Rosier Swarte und dem 1458 auf Ösel genannten Hans ist bislang nicht nachgewiesen.

Hans de Swarte und das Siegel von 1508

Besonders aussagekräftig ist das Siegel eines Hans de Swarte aus dem Jahr 1508.

Das Estnische Nationalarchiv verwahrt den Siegelbeleg unter EAA.2069.3.428. Die Umschrift wird als S' hans de swarte wiedergegeben. Im Schild befindet sich nach der Beschreibung des Archivs oben ein Vogel; darunter stehen drei Rosen in der Stellung 2:1.[10]

Damit liegt für die Familie ein zeitlich weit nach dem Essener Richter Johann liegender Siegelbeleg vor, der erneut die drei Rosen aufweist.

Besonders bemerkenswert ist die Kombination aus Vogel und drei Rosen. Sie verbindet den livländischen Siegelbefund mit der Beschreibung des Essener Siegels von 1410, während die drei Rosen bereits 1407 bei Johann Swarte belegt sind.

Die drei bekannten Siegel ergeben damit folgendes Bild:

1407 1410 1508
Johann Swarte Johann Swarte van der Westerwurd Hans de Swarte
Prame (?) + drei Rosen Vogel + drei Lilien (?) Vogel + drei Rosen

Die Frage, ob hierin eine kontinuierliche Wappenentwicklung oder lediglich unterschiedliche Siegelstempel zu erkennen sind, kann derzeit nicht abschließend beantwortet werden.

Die Familie im märkisch-westfälischen Umfeld

Die Swarte bewegten sich in einem sozialen Umfeld, das durch die Grafschaft Mark, das Stift Essen, die Herren von Strünkede und weitere ritterbürtige beziehungsweise dienstmannschaftliche Familien geprägt war.

In diesem Zusammenhang ist auch die Familie Dorneburg von Bedeutung. Rutger von Dorneburg, der 1345 auch den Beinamen Aschebrock führte, erscheint als Amtmann im Amt Bochum und stand in verschiedenen Funktionen mit der märkischen und Essener Herrschaftsorganisation in Verbindung.

Rutger von Dorneburg war außerdem Hofesschultheiß des Oberhofes Viehof des Stifts Essen und wird als iudex Assindensis bezeichnet. Bereits eine Generation später erscheint Johann Swarte als Richter zu Essen.

Diese zeitliche und räumliche Nähe zeigt ein dichtes Netz von Gerichts-, Lehns- und Verwaltungsbeziehungen im märkisch-westfälischen Raum. Eine verwandtschaftliche Verbindung zwischen Dorneburg und Swarte ist daraus jedoch nicht abzuleiten.

Auch die drei Rosen können nicht ohne Weiteres als Beweis einer gemeinsamen Abstammung verwendet werden. Das Motiv ist im westfälischen Adel mehrfach anzutreffen.

Genealogische Rekonstruktion

Der gegenwärtige Quellenstand erlaubt folgende vorsichtige Rekonstruktion:

Generation Namensträger Nachweis Bewertung
I Johann dye Swarte van der Westerworth 1388–1417; 1393 Westerworth; 1407 und 1410 Richter zu Essen sicher
II Hermann Swarte van der Westerwurd 1419 Hermannus Swarte de Westerwart; später Priester und Verwahrer der Kirche zu Herne wahrscheinlich Sohn Johanns
II Rosier Swarte 1435 Übertragung seines Anteils am Gut Boeckau an Hermann wahrscheinlich Sohn Johanns
III? Hans Swarte 1450 Bürger von Danzig Verwandtschaft ungeklärt
III? Hans de Swarte, Rosyeres sone 1458 auf Ösel Zuordnung zu Rosier wahrscheinlich, aber weiter zu prüfen
IV? Hans de Swarte 1508 mit Siegel: Vogel über drei Rosen Verbindung zu den vorherigen Hans noch zu sichern

Die Tabelle stellt damit ausdrücklich keine vollständig gesicherte Stammtafel dar. Insbesondere die Verbindung der westfälischen Generationen mit den livländischen Namensträgern muss durch weitere Originalquellen abgesichert werden.

Bedeutung für die Geschichte Baukaus

Die Geschichte der Swarte van der Westerworth ist für die mittelalterliche Ortsgeschichte Baukaus von besonderer Bedeutung, weil sie einen Einblick in die soziale und rechtliche Struktur des Gebietes um Strünkede ermöglicht.

Westerworth erscheint als Dienstmannengut im Umfeld der Grafschaft Mark und unmittelbar am Strünkeder Hagen. Sein Inhaber Johann Swarte gehörte zugleich zu den Personen, die im Essener Gerichtswesen eine herausgehobene Stellung einnahmen.

Mit Hermann Swarte lässt sich ein Angehöriger der Familie im kirchlichen Umfeld Hernes nachweisen. Rosier Swarte steht mit dem Gut Boeckau in Verbindung. Wenige Jahre später erscheint ein Hans Swarte in Danzig, bevor ein Hans de Swarte auf Ösel und später ein gleichnamiger Namensträger mit einem charakteristischen Siegel im livländischen Raum belegt sind.

Damit eröffnet die Familie ein bemerkenswertes Beispiel für die Mobilität spätmittelalterlicher Personen zwischen dem westfälischen Binnenland, den Städten des Hanseraums und dem deutsch geprägten Baltikum.

Forschungsfragen

Für die weitere Erforschung der Familie sind insbesondere folgende Fragen offen:

  • Wo genau lag der Hof Westerworth innerhalb der mittelalterlichen Baukauer Flur?
  • Welche vollständige Archivsignatur besitzt die Urkunde von 1393?
  • In welchem lehnsrechtlichen Verhältnis stand Westerworth zur Grafschaft Mark und zur Herrschaft Strünkede?
  • Was genau stellt die als Prame bezeichnete Figur im Siegel Johanns von 1407 dar?
  • Handelt es sich beim Siegel von 1410 tatsächlich um einen Vogel über drei Lilien oder um eine Fehlinterpretation des stark beschädigten Abdrucks?
  • Führte Johann mehrere Siegelstempel?
  • Wann erscheint die Kombination Vogel über drei Rosen erstmals eindeutig?
  • Sind Hermann und Rosier tatsächlich Söhne Johanns?
  • Ist Hans Swarte, Bürger von Danzig von 1450 mit Hans de Swarte, Rosyeres sone von 1458 identisch oder verwandt?
  • Ist der Hans von 1458 mit dem Hans de Swarte des Siegels von 1508 identisch?
  • Gibt es weitere Siegel der Familie im westfälischen oder livländischen Raum?
  • Besteht eine genealogische Verbindung zwischen den Swarte und den Herren von Strünkede?
  • Lassen sich die drei Rosen auf einen gemeinsamen Wappenstamm zurückführen?
  • Welche Rolle spielten die Familien Swarte, Strünkede, Dorneburg und andere Dienstmannen im mittelalterlichen Herrschaftsraum um Baukau?

Vorläufige Bewertung der Strünkede-Verbindung

Die Annahme einer Verbindung zwischen den Swarte van der Westerworth und den Herren von Strünkede kann nach dem gegenwärtigen Quellenstand weder als erwiesen noch als bloße Namens- oder Wappenspekulation behandelt werden.

Für die Hypothese sprechen insbesondere drei voneinander unabhängige Beobachtungen:

  1. Das Gut Westerworth lag 1393 ausdrücklich „an dem hagene toe Strunkede“.
  2. Johann Swarte führte bereits 1407 drei Rosen in seinem Siegel.
  3. Die drei Rosen bilden auch einen wesentlichen Bestandteil des Strünkeder Wappens.

Hinzu kommt die spätere Wiederkehr der drei Rosen im Siegel des Hans de Swarte von 1508.

Gegen eine unmittelbare Gleichsetzung spricht dagegen die unterschiedliche Figur im oberen Schildbereich. Das Strünkeder Wappen und das Swarte-Wappen sind daher nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht als identisch zu bezeichnen.

Die sachlich angemessene Formulierung lautet deshalb: Die Swarte van der Westerworth standen nachweislich im unmittelbaren räumlichen Umfeld der Herren von Strünkede und führten spätestens 1407 drei Rosen in ihrem Siegel. Die Übereinstimmung mit einem wesentlichen Bestandteil des Strünkeder Wappens ist auffällig. Ein genealogischer Zusammenhang zwischen beiden Familien ist bislang jedoch nicht urkundlich nachgewiesen.


Literatur & Quellen

  • Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 1 / Urkunden Essen, Nr. 134, Johan dye Swarte, Richter to Essinde, 24. Juni 1407.
  • Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 1 / Urkunden Essen, Nr. 140, Johan die Swarte van der Westerwurd, Richter to Essinde, 29. Oktober 1410.
  • Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 11 / Briefarchiv, Nr. 447, Diderich van Lufincktorpe an Bürgermeister und Ratsherren von Essen, 14. Oktober 1450.
  • Rahvusarhiiv (Estnisches Nationalarchiv), EAA.2069.3.428, Hans de Swarte, Siegel, 1508.
  • Urkunde von 1393 über das Gut Westerwoyrt, gelegen „an dem hagene toe Strunkede“.
  • Urkunden zur Übertragung des Gutes Boeckau/Bocauwe durch Rosier Swarte an Hermann Swarte, 1435/1436.
  • Matrikel der Universität Erfurt, Eintrag Hermannus Swarte de Westerwart, 1419.
  • Historischer Verein für Stadt und Stift Essen: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 3, Beitrag über den Oberhof Ehrenzell; Wiedergabe der Urkunde von 1403 mit Johann dye Swarte van der Westerwurd als Richter zu Essen. [11]
  • Rahvusarhiiv (Estnisches Nationalarchiv), Bestand EAA.2069, Kukruse mõisa ürikute ja pitserite kogu, EAA.2069.3.427 und EAA.2069.3.428, Siegel des Hans de Swarte, 1508. [12]
  • https://www.geni.com/people/Johann-die-Swarte-van-der-Westerworth-Richter-zu-Essen
  • Stadt Herne: Auf der Dorneburg – Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Angaben zu Dorneburg, Rutger von Dorneburg und dessen Beinamen Aschebrock. [13]
  • Andreas Janik: Freiherren v. Strünkede Teil II. Das Familienwappen – Ein heraldischer Überblick, 2003. Die Untersuchung behandelt die mittelalterlichen Strünkeder Siegel und die Entwicklung des Wappens mit Löwe und Rosen. [14]
  • Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, Band 2, Tafel 310, Wappen der Herren von Strünkede; digital nachgewiesen über Wikimedia Commons. [15]
  • Ergänzende genealogische Zusammenstellungen zur Überlieferung des Gutes Bocauwe und Hannemann Sobbes.

Verwandte Artikel

Quellen

  1. ↑ Urkunde von 1393: Johann de Swarte empfängt das Gut toe der Westerwoyrt mit den dazugehörigen Zehnten als Dienstmannengut, „gelegen an dem hagene toe Strunkede“. Die vollständige Archivsignatur ist für die endgültige Quellenaufnahme noch zu ergänzen.
  2. ↑ Urkunde 1336 Oktober 9.
  3. ↑ Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 1 / Urkunden Essen, Nr. 134, Johan dye Swarte, Richter to Essinde, 24. Juni 1407. Ausfertigung auf Pergament. Aufgedrücktes Siegel des Richters; archivische Beschreibung: „Schild im Dreipaß; oben Prame, unten 2 + 1 Rosen; Unterschrift iohanni (s) Swartte“.
  4. ↑ Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 1 / Urkunden Essen, Nr. 140, Johan die Swarte van der Westerwurd, Richter to Essinde, 29. Oktober 1410. Ausfertigung auf Pergament; besiegelt durch den Richter und Engelbert van Blankenstene.
  5. ↑ Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 1 / Urkunden Essen, Nr. 140, 29. Oktober 1410. Beschreibung des Siegels des Richters: „Schild geteilt, oben Vogel, unten 2 + 1 Lilien (?)“; Umschrift unscharf.
  6. ↑ Rahvusarhiiv (Estnisches Nationalarchiv), EAA.2069.3.428, Hans de Swarte, 1508. Beschreibung des Siegels: „Pitseri väljal vapikilbil ülal lind, mille all kolm roosi (2+1)“.
  7. ↑ Urkunde von 1393, siehe oben.
  8. ↑ Zur Überlieferung des Gutes Bocauwe und der Übertragung an Hannemann Sobbe siehe die einschlägige Urkundenüberlieferung; die vollständigen Originalsignaturen sind für eine abschließende Quellenaufnahme noch zu ergänzen.
  9. ↑ Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv Essen, Rep. 11 / Briefarchiv, Nr. 447, Diderich van Lufincktorpe an Bürgermeister und Ratsherren von Essen, 14. Oktober 1450.
  10. ↑ Rahvusarhiiv (Estnisches Nationalarchiv), EAA.2069.3.428, Hans de Swarte, 1508.
  11. ↑ https://www.hv-essen.de/app/uploads/2023/10/EB_003_Inhalt.pdf?utm_source=chatgpt.com "BeiträgeGeschichte von Stadt und Stift Essen.Herausgegebenten.Historischen Verein für Stadt und Stift Essen.Drittes Heft.Inhalt: Der Offendische Oberhof Ehrenzell (Philipsenburg).
  12. ↑ https://www.ra.ee/apps/pitserid/index.php/seal/view?_xr=eNoti0EOgCAMBP%252FSDyjKhfoY0xhAEgOmoB4Mf7eol83sZJdQ4R2wnwj1BxmVQsiWtk6ClxVEaYSdvG04IIymgRHHIZYz2Kt1eal%252FmxOXV8nYBX%252BwnR2nKK7WB5oFIu0%253D&id=14726 "Pitserid - Pitseri detailvaade"
  13. ↑ Stadt Herne: "Auf der Dorneburg"
  14. ↑ https://friseur-janik.de/files/Das-Familienwappen-von-Struenkede.PDF?utm_source=chatgpt.com "Andreas Janik"
  15. ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AWappen-Struenkede-Spie%C3%9Fen.jpg?utm_source=chatgpt.com "File:Wappen-Struenkede-Spießen.jpg - Wikimedia Commons"


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