Stadion am Schloss Strünkede

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Denkmalplakette NRW
Stadion am Schloss Strünkede
Bild: [1]
Herne-MitteBaukau
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Erbautvor 1890
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StadtbezirkOrtsteil

Das Stadion am Schloss Strünkede ist eine traditionsreiche Sportstätte im Herner Stadtteil Baukau. Es liegt am Westring in unmittelbarer Nähe von Schloss Strünkede und ist vor allem als langjährige Heimspielstätte des Fußballvereins SC Westfalia Herne bekannt. Während der sportlichen Blütezeit des Vereins in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren gehörte das Stadion zu den bedeutenden Fußballspielstätten des Ruhrgebiets. Hier fanden Spiele der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft statt. Darüber hinaus nutzte der VfL Bochum die Anlage in der Saison 1975/1976 vorübergehend für Bundesliga-Heimspiele.

Im Laufe seiner Geschichte wurde das Stadion mehrfach erweitert, umgebaut und unter wechselnden Sponsorenbezeichnungen geführt. Neben seiner sportlichen Bedeutung ist es ein wichtiger Bestandteil der Herner Stadt- und Sportgeschichte.

Lage und Anlage

Das Stadion befindet sich am Westring 260 im Stadtteil Baukau, nördlich der Herner Innenstadt. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Schloss Strünkede und dessen Parkanlage gab der Sportstätte ihren Namen.

Die Anlage wurde ursprünglich als Sportplatz für Fußball und Leichtathletik genutzt. Zu den prägenden Bestandteilen gehörten das Spielfeld, eine Laufbahn, ausgedehnte Stehplatzränge, ein Marathontor und die überdachte Haupttribüne. Die großzügige Anlage ermöglichte die Austragung von Spielen mit sehr hohen Zuschauerzahlen.

In historischen Darstellungen wird die Kapazität häufig mit rund 32.000 Zuschauern angegeben. Bei einzelnen Großveranstaltungen wurden noch höhere Besucherzahlen erreicht. Die tatsächliche Kapazität hing vom jeweiligen Ausbauzustand und den geltenden Sicherheitsbestimmungen ab.[2]

Geschichte

Anfänge und Entstehung

Die Geschichte der Sportstätte reicht bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Im Jahr 1910 wurde in der Parkanlage von Schloss Strünkede ein Sportplatz angelegt. Er diente dem Fußball und der Leichtathletik und entstand in einer Zeit, in der sich der organisierte Sport im Ruhrgebiet zunehmend verbreitete.

Die Entwicklung des Platzes ist eng mit dem SC Westfalia Herne verbunden. Der Verein war 1904 gegründet worden und benötigte für seinen wachsenden Spielbetrieb eine geeignete Heimstätte. Mit dem Sportplatz am Schloss erhielt der Verein eine Anlage, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte schrittweise erweitert wurde.

Herner Anzeiger vom 8. September 1934[3]

Planung und Bau des Stadions

Anfang 1931 sicherte sich der SC Westfalia Herne, damals als „Westfalia 04“ bezeichnet, von der Harpener Bergbau-AG ein ungefähr sechs Morgen großes Gelände zwischen der Forellstraße und der Germanenstraße. Dort sollte neben der inzwischen zu klein gewordenen alten Platzanlage am Schloss Strünkede ein modernes Stadion entstehen.

Die Verwirklichung des Vorhabens fiel in die Zeit der Weltwirtschaftskrise. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse hielt der Verein an seinem Bauprojekt fest. Die Finanzierung und Durchführung des Stadionbaus beruhten wesentlich auf der Eigenleistung und Opferbereitschaft der Vereinsmitglieder. Nach einem zeitgenössischen Bericht wurden die Arbeiten fast ausschließlich von Mitgliedern der Westfalia und Angehörigen des Freiwilligen Arbeitsdienstes unter der Leitung des Bauführers Kloß ausgeführt.[4]

Der Bau umfasste neben dem eigentlichen Sportgelände ein Klubhaus mit Aufenthalts- und Versammlungsräumen, Umkleidekabinen, Duschen und weiteren Nebenräumen. Ein großer Versammlungsraum war insbesondere für die Vereinsjugend vorgesehen. Im Klubhaus befanden sich außerdem die Wohnung des Platzwarts und getrennte Toiletten für Männer und Frauen. Für die Dachkonstruktion wurde Holz aus dem abgebrochenen Deklatheater verwendet. Ziegelsteine stammten teilweise von benachbarten Zechen; weiteres Baumaterial mussten die Vereinsmitglieder selbst heranschaffen.

Das gesamte künftige Stadiongelände wurde von einer 2,20 Meter hohen Mauer umgeben. Für deren Errichtung wurden nach dem zeitgenössischen Bericht mehr als 120.000 Ziegelsteine benötigt. Der Haupteingang mit zwei großen Portalen lag an der Forellstraße; ein weiterer Zugang befand sich an der Germanenstraße. Bei größeren Meisterschaftsspielen konnte das Publikum zusätzlich von der alten Sportplatzanlage auf das neue Gelände gelangen.

Sportanlagen bei der Fertigstellung 1934

Die Spielfläche hatte mit 70 mal 105 Metern bereits internationale Abmessungen. Der Rasen war nach dem Bericht zum Zeitpunkt der Fertigstellung schon etwa drei Jahre alt. Als Untergrund war Sand verwendet worden, der für eine gute Beschaffenheit der Rasenfläche sorgen sollte.

Um das Spielfeld verlief eine 400 Meter lange Laufbahn mit einer befestigten Packlage. Vorgesehen waren sechs Laufbahnen sowie Anlagen für Sprung- und Wurfdisziplinen. Das Stadion war somit als kombinierte Fußball- und Leichtathletikanlage konzipiert.

Zwischen der alten und der neuen Sportanlage entstand außerdem ein Erfrischungsraum für Spieler und Zuschauer. Für den Bau des Stadions mussten große Mengen an Bodenmaterial bewegt werden. Der zeitgenössische Bericht nennt mehr als 10.000 Kubikmeter angefahrenen Müll, der zur Aufschüttung des Geländes verwendet wurde.

Der Bericht aus dem Jahr 1934 beschreibt das Stadion als weitgehend fertiggestellt, wobei kleinere Restarbeiten noch ausstanden. Er dokumentiert damit nicht nur die bauliche Anlage, sondern auch die außergewöhnliche Eigenleistung des Vereins während der Wirtschaftskrise.[5]

Eröffnet wurde das Stadion am 9. September 1934 durch den Herner Bürgermeister Hermann Meyerhoff und den Vorsitzenden Studienrat Hermann Kracht.[6]

Westfalia Herne in der Gauliga und Oberliga

Der SC Westfalia Herne spielte von 1933 bis 1944 in der Gauliga Westfalen, der damals höchsten Spielklasse im deutschen Fußball. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Verein erneut der Aufstieg in den höherklassigen Fußball.

Von 1954 bis 1963 gehörte Westfalia der Oberliga West an. Diese war bis zur Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 eine der höchsten Spielklassen des deutschen Fußballs. Im Stadion am Schloss Strünkede fanden in dieser Zeit Begegnungen gegen zahlreiche namhafte Vereine aus dem Ruhrgebiet und dem übrigen Westdeutschland statt.

Die sportlichen Erfolge führten zu einem erheblichen Zuschauerinteresse. Das Stadion wurde zu einem wichtigen Treffpunkt für Fußballanhänger aus Herne und den umliegenden Städten. Die Heimspiele des Vereins prägten das öffentliche Leben und stärkten die überregionale Bekanntheit Hernes als Fußballstadt.[7]

Ausbau und Endrunden um die deutsche Meisterschaft

Eine besondere Bedeutung erhielt das Stadion durch die Teilnahme Westfalia Hernes an den Endrunden um die deutsche Fußballmeisterschaft 1959 und 1960.

-> Westdeutscher Fußballmeister 1959
-> Westdeutscher Fußballmeister 1960

Für die Endrunde 1959 musste der Verein seine Heimspiele im Dortmunder Stadion Rote Erde austragen, da das Stadion in Herne den Anforderungen für diese Begegnungen noch nicht ausreichend entsprach. Daraufhin wurde der Ausbau der Anlage vorangetrieben. Insbesondere der Bau einer überdachten Haupttribüne sollte die Voraussetzungen für die Austragung bedeutender Spiele verbessern.

Die Arbeiten an der Tribüne begannen 1959. An der Entwicklung der Sportstätte waren neben den Verantwortlichen des Vereins auch zahlreiche Helfer beteiligt. Die neue Tribüne wurde zu einem prägenden Bestandteil des Stadions und erinnerte über Jahrzehnte an die sportliche Hochphase des Vereins.

Für die folgende Endrunde konnte Westfalia Herne seine Heimspiele wieder im eigenen Stadion austragen.[8]

Zuschauerrekord 1960

Am 28. Mai 1960 empfing Westfalia Herne den Hamburger SV im Rahmen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Die Begegnung endete mit einer 3:4-Niederlage der Herner.

Das Spiel gilt als die zuschauerstärkste Begegnung in der Geschichte des Stadions. Rund 35.000 Zuschauer sollen die Partie verfolgt haben. Damit lag die Besucherzahl über der häufig angegebenen regulären Kapazität von etwa 32.000 Plätzen.

Der Zuschauerandrang verdeutlichte die damalige Bedeutung Westfalia Hernes im westdeutschen Fußball. Die Mannschaft zog nicht nur Zuschauer aus Herne an, sondern auch Fußballinteressierte aus den benachbarten Städten des Ruhrgebiets. Die Begegnung gegen den Hamburger SV zählt zu den herausragenden Ereignissen der Vereins- und Stadiongeschichte.[9]

Nutzung durch den VfL Bochum 1975/1976

In der Saison 1975/1976 wurde das Stadion am Schloss Strünkede vorübergehend auch für Bundesliga-Fußball genutzt. Der VfL Bochum wich während der Umbauarbeiten an seiner Heimspielstätte an der Castroper Straße nach Herne aus.

Der Bochumer Verein trug sechs Bundesliga-Heimspiele im Stadion am Schloss Strünkede aus. Damit fanden auch nach dem Ende der großen Oberliga-Zeit wieder Begegnungen der höchsten deutschen Spielklasse auf der Herner Anlage statt.

Die Nutzung durch den VfL Bochum stellte eine besondere Verbindung zwischen den Fußballstandorten Herne und Bochum her. Sie zeigte zugleich, dass das Stadion trotz seines Alters weiterhin für überregional bedeutende Spiele genutzt werden konnte.[10]

Entwicklung nach 1963

Mit der Einführung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 veränderte sich die Struktur des höherklassigen Fußballs in Deutschland. Westfalia Herne konnte nicht dauerhaft an die Erfolge der 1950er- und frühen 1960er-Jahre anknüpfen. Damit ging auch der regelmäßige Zuschauerandrang im Stadion zurück.

Die Anlage blieb jedoch die Heimspielstätte des Vereins und ein wichtiger Ort des lokalen Fußballs. Sie wurde weiterhin für Meisterschaftsspiele, Training und die Vereinsarbeit genutzt. Trotz der veränderten sportlichen Bedeutung bewahrte das Stadion seinen historischen Stellenwert für Herne.

Sanierung und Modernisierung 2017–2018

Eine grundlegende Modernisierung erfolgte in den Jahren 2017 und 2018. Die Stadt Herne und das Land Nordrhein-Westfalen investierten nach damaligen Angaben rund 1,9 Millionen Euro in die Erneuerung der Sportanlage.

Zu den wesentlichen Maßnahmen gehörten der Austausch des Naturrasens gegen einen Kunstrasenplatz, die Einrichtung einer zusätzlichen Aufwärmfläche und der Bau eines Kleinspielfeldes. Die verbesserten Bedingungen sollten insbesondere dem Trainingsbetrieb und der Nachwuchsarbeit zugutekommen. Auch andere Sportgruppen sollten die erneuerte Anlage nutzen können.

Die offizielle Übergabe der modernisierten Sportstätte fand am 22. Juni 2018 statt. Anschließend wurde der Spielbetrieb auf dem erneuerten Platz aufgenommen.[11]

Mit dem Umbau wurde die Nutzung als Fußball- und Trainingsanlage stärker in den Mittelpunkt gerückt. Die historische Bedeutung der Anlage blieb davon unberührt.

Die Haupttribüne

Die überdachte Haupttribüne war über Jahrzehnte das markanteste Bauwerk des Stadions. Sie entstand im Zusammenhang mit dem Ausbau für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft und erinnerte an die sportlichen Erfolge Westfalia Hernes in den 1950er- und 1960er-Jahren.

Im Dezember 2023 wurden bei einer Überprüfung durch den TÜV bauliche Mängel festgestellt. Die Tribüne wurde daraufhin zeitweise für Zuschauer gesperrt. Im Februar 2024 erfolgte eine vorübergehende Wiederöffnung. Am 22. Juni 2024 wurde sie im Rahmen eines D-Junioren-Turniers letztmals für Zuschauer genutzt.

Anfang 2025 wurde über einen geplanten Abriss der Tribüne in der Sommerpause berichtet. Für die historische Dokumentation ist zwischen dieser damaligen Planung und der tatsächlichen Umsetzung zu unterscheiden. Der endgültige bauliche Zustand muss anhand der entsprechenden Mitteilungen der Stadt Herne und der örtlichen Berichterstattung überprüft werden.[12]

Die Diskussion um die Tribüne verdeutlicht den Konflikt zwischen den Anforderungen an die Sicherheit einer Sportstätte und dem Erhalt historisch bedeutsamer Bauwerke.

Namensgeschichte

Die Sportstätte ist traditionell als Stadion am Schloss Strünkede beziehungsweise als Westfaliastadion bekannt. Seit 2010 wurde der Name aufgrund verschiedener Sponsoringvereinbarungen mehrfach geändert.

Zeitraum Bezeichnung
Traditionelle Bezeichnung Stadion am Schloss Strünkede / Westfaliastadion
2010–2011 TREL RuhrpottArena
2012–2017 ABISOL-Arena
2017–2018 GermanFLAVOURS Park
2018–2020 real-Arena
2020–2021 EDI-Arena
2021–2024 PolygonVatro-Arena
ab 2024 EDEKA Koch-Sportpark

Die wechselnden Bezeichnungen waren auf Sponsoringvereinbarungen zurückzuführen. Die historische Verbindung zum SC Westfalia Herne und zum Schloss Strünkede blieb unabhängig davon bestehen.[13]

Bedeutung für Herne

Das Stadion am Schloss Strünkede ist ein bedeutender Ort der Herner Sportgeschichte. Seine Entwicklung spiegelt den Aufstieg des organisierten Sports zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Erfolge des Nachkriegsfußballs und den Wandel der Sportstätten im Ruhrgebiet wider.

Die Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft machten Herne 1959 und 1960 zu einem Schauplatz des nationalen Fußballs. Der Zuschauerrekord von 1960 steht für eine Zeit, in der Westfalia Herne weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war. Die vorübergehende Nutzung durch den VfL Bochum unterstreicht die überregionale Bedeutung der Anlage.

Auch die bauliche Entwicklung besitzt einen eigenen historischen Wert. Die Haupttribüne erinnerte an die sportliche Blütezeit, während die Modernisierung von 2017 und 2018 den Übergang zu einer zeitgemäßen Trainings- und Spielstätte dokumentierte.

Das Stadion ist damit nicht nur eine Sportanlage, sondern ein Zeugnis der Vereins-, Freizeit- und Alltagsgeschichte Hernes. Es verbindet die Geschichte des SC Westfalia Herne mit der Entwicklung des Stadtteils Baukau und der Fußballkultur des Ruhrgebiets.

Literatur und Quellen

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Einzelnachweise

  1. ↑ https://commons.wikimedia.org
  2. ↑ Stadion am Schloss Strünkede, historische Übersicht und Angaben zur Zuschauerkapazität, https://de.wikipedia.org/wiki/Stadion_am_Schloss_Str%C3%BCnkede
  3. ↑ [1]
  4. ↑ Herner Anzeiger vom 8. September 1934 - www.Zeitpunkt.nrw
  5. ↑ Zeitgenössischer Bericht über den Stadionbau bei Westfalia Herne, 1934. Titel, Erscheinungsdatum und Zeitung sind anhand des Originals zu ergänzen.
  6. ↑ [2]
  7. ↑ SC Westfalia Herne, Vereinsgeschichte und sportliche Entwicklung, https://www.westfalia-herne.de/
  8. ↑ SC Westfalia Herne, Vereinschronik und historische Aufzeichnungen zur Meisterschaftsendrunde, https://www.westfalia-herne.de/
  9. ↑ Stadion am Schloss Strünkede, historische Übersicht und Zuschauerrekord, https://de.wikipedia.org/wiki/Stadion_am_Schloss_Str%C3%BCnkede
  10. ↑ VfL Bochum, Vereinsgeschichte und Rückblicke auf die Spielstätte während des Umbaus, https://www.vfl-bochum.de/
  11. ↑ Stadt Herne, Informationen zur Modernisierung des Stadions am Schloss Strünkede und zur Übergabe im Juni 2018.
  12. ↑ Örtliche Berichterstattung zur Sperrung, Wiederöffnung und geplanten Beseitigung der Haupttribüne, 2023–2025.
  13. ↑ Stadion am Schloss Strünkede, Übersicht der früheren Stadionnamen, https://de.wikipedia.org/wiki/Stadion_am_Schloss_Str%C3%BCnkede