Resser Wald

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Resser Wald
Bild: Thorsten Schmidt 2021
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Auch bekannt alsResser Wäldchen
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Der Resser Wald ist ein Waldgebiet im Norden des Herner Stadtbezirks Wanne an der Grenze zu Gelsenkirchen. Der Wald liegt im Bereich zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal und gehört zu den wenigen größeren zusammenhängenden, naturnahen Waldflächen im Herner Stadtgebiet. Ein wesentlicher Teil des Waldgebietes steht als Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“ unter besonderem Schutz. Auf Herner Stadtgebiet umfasst das Naturschutzgebiet offiziell rund 28,5 ha.[1]

Das Resser Wäldchen setzt sich unmittelbar auf Gelsenkirchener Gebiet fort. Dort besteht ebenfalls ein Naturschutzgebiet gleichen Namens. Zusammen bilden die beiden Flächen einen etwa 31,5 ha großen Waldkomplex.[2]

Lage und Landschaft

Der Resser Wald liegt im äußersten Nordwesten Hernes in der Emscherniederung. Im Norden wird das Gebiet von der Emscher begrenzt, im Süden vom Rhein-Herne-Kanal beziehungsweise der Dorstener Straße. Westlich schließt sich das Gelsenkirchener Stadtgebiet an. In östlicher Richtung grenzen unter anderem das Umfeld von Gut Steinhausen und die Wiedehopfstraße an.

Landschaftsgeschichtlich gehört der Wald zur alten Riemker Mark. Diese historische Mark umfasste ursprünglich ein wesentlich größeres Wald- und Heidegebiet. Sie war gemeinsamer Besitz der Bauern und Kötter der Bauerschaften Surresse, Eckeresse, Ebelich und Langenbochum sowie der Besitzer der umliegenden Rittersitze. Die Mark diente unter anderem der Holznutzung, der Schweinemast und als Hude für Rinder und Pferde. Die Aufteilung der gemeinschaftlichen Mark wurde im 19. Jahrhundert durchgeführt und war 1835 weitgehend abgeschlossen.[3]

Der heutige Wald ist somit als Teil einer historischen Kulturlandschaft zu verstehen, deren ursprüngliche Ausdehnung weit über die heute erhaltenen Waldflächen hinausging.

Bild: Frank Vincentz 2012[4]
Bild: Frank Vincentz 2012[4]

Historische Entwicklung

Die Lage des heutigen Resser Waldes wurde über Jahrhunderte durch die Niederungslandschaft der Emscher geprägt. Neben dem Flusslauf bestanden kleinere Gewässer und Entwässerungszüge. Im Bereich des heutigen Naturschutzgebietes haben sich außerdem trockene Reste früherer Emscherläufe sowie Spuren eines ehemaligen Nebenbaches bzw. Altarms, der Fleithe, erhalten.[5]

Mit der zunehmenden Industrialisierung des Ruhrgebietes veränderte sich die Umgebung grundlegend. Bergbau, Siedlungsentwicklung, Verkehrswege, die Emscherregulierung und der Bau des Rhein-Herne-Kanals teilten die ehemals weitläufige Landschaft in einzelne Freiräume. Der Resser Wald blieb dabei als größere zusammenhängende Waldfläche erhalten.

Die historische Entwicklung lässt sich auch an den Verkehrswegen ablesen. Der Resser Weg führte von der Dorstener Straße in Richtung der nördlich gelegenen Resser Mark. Um die Jahrhundertwende wurde diese Verbindung von der Gemeinde Wanne als „Resser Weg“ bezeichnet. Eine Brücke über die Emscher stellte früher eine Verbindung über den Fluss her. Mit deren Rückbau in den 1960er Jahren verlor der Weg seine frühere Verkehrsbedeutung. Heute dient er im Wesentlichen der Erschließung des Waldgebietes.[6]

Das Naturschutzgebiet Resser Wäldchen

Der wertvollste Teil des Resser Waldes ist als Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“ ausgewiesen. Das Herner Naturschutzgebiet trägt die Kennung HER-004 und besteht seit dem Jahr 2000.[7]

Der Landschaftsplan der Stadt Herne weist für das Gebiet eine Fläche von etwa 28,5 ha aus. Als Schutzzwecke werden insbesondere der Erhalt eines wertvollen Laubwaldkomplexes mit hoher biologisch-ökologischer Bedeutung, das Vorkommen seltener Pflanzen- und Tierarten, die ornithologische Bedeutung des Gebietes sowie die Erhaltung und Entwicklung der vorhandenen Gewässer genannt.[8]

Von besonderer Bedeutung sind die älteren Stieleichenbestände. Daneben kommen Hainbuchen, Buchen und Birken vor. In anderen Bereichen finden sich Forste mit Rot-Eichen und weiteren Laubbaumarten. Die unterschiedlichen Alters- und Baumstrukturen verleihen dem Wald einen für das dicht besiedelte Ruhrgebiet bemerkenswerten ökologischen Wert.[9]

Gewässer und besondere Lebensräume

Eine Besonderheit des Resser Waldes sind mehrere kleinere Gewässer. Im zentralen Bereich befindet sich ein Kleingewässerkomplex mit Teichen und angrenzenden Gräben. Diese feuchten Lebensräume ergänzen den Wald als Lebensraum und erhöhen seine ökologische Vielfalt.

Das LANUV hebt insbesondere die Kombination aus älteren Laubwaldbeständen, Kleingewässern und weiteren Feuchtstrukturen hervor. Hinzu kommen im westlichen Bereich kleinere Flächen mit Sandtrockenrasen. Trockene Relikte früherer Emscherläufe und des ehemaligen Nebenbachsystems der Fleithe ergänzen das Mosaik unterschiedlicher Lebensräume.[10]

Gerade diese Verbindung verschiedener Lebensraumtypen ist für den Naturschutz von Bedeutung. Das Gebiet stellt nicht lediglich eine Waldfläche dar, sondern ein kleinräumig gegliedertes Landschaftsmosaik aus Wald, Gewässern, Gräben und offenen Bereichen.

Tier- und Pflanzenwelt

Der Resser Wald bietet Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Von besonderer Bedeutung sind ältere Bäume und Totholzstrukturen, die Höhlenbrütern und holzbewohnenden Organismen Lebensmöglichkeiten bieten. Das LANUV nennt das Gebiet unter anderem als Trittsteinlebensraum für Höhlenbrüter wie die Hohltaube sowie für Amphibien und die Lebensgemeinschaften der Kleingewässer.[11]

Auch die Ringelnatter wurde im Gebiet nachgewiesen. Ihre Bedeutung liegt insbesondere in der Verbindung von Wald, Feuchtbereichen und Gewässern.[12]

Die Vegetation wird unter anderem von Stieleichen, Hainbuchen, Rotbuchen und Sandbirken geprägt. In der Krautschicht treten unter anderem Adlerfarn und verschiedene Wald- und Feuchtpflanzen auf. Das LANUV führt für das Gebiet eine umfangreiche Artenliste, darunter unter anderem Stechpalme, Wald-Segge, Sumpf-Segge, Sumpf-Kratzdistel und Wasserfeder.[13]

Bedeutung für den Biotopverbund

Die Bedeutung des Resser Waldes geht über die Grenzen Hernes hinaus. Das Resser Wäldchen wurde im Fachbeitrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz als Bereich mit „herausragender Bedeutung“ für den Biotopverbund eingestuft. Begründet wird dies insbesondere mit den alten naturnahen Stieleichenbeständen, den weiteren Laubwaldbeständen, dem Kleingewässerkomplex und den kleinflächigen Sandtrockenrasen.[14]

Damit besitzt das Waldgebiet eine besondere Funktion als Rückzugs- und Verbindungsraum innerhalb der stark durch Siedlung, Verkehr und Industrie geprägten Landschaft des mittleren Ruhrgebietes.

Stürme und Veränderungen des Waldbestandes

Der Waldbestand ist nicht statisch. Stürme haben wiederholt zu Schäden und Lücken im Baumbestand geführt. Nach Angaben des LANUV entstanden insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten größere Bestandslücken. Auf Gelsenkirchener Seite wurden deshalb teilweise Flächen wieder aufgeforstet.[15]

Die naturschutzfachliche Zielsetzung besteht daher nicht in einer vollständigen Bewahrung eines unveränderten Waldbildes, sondern in der langfristigen Entwicklung eines strukturreichen, altersheterogenen Laubwaldes mit heimischen Baumarten. Alte Bäume und Totholz sollen dabei einen wesentlichen Bestandteil des Lebensraumes bilden.[16]

Erholung und Erschließung

Trotz seines naturschutzfachlichen Wertes ist der Resser Wald für die Bevölkerung zugänglich. Fuß- und Radwege führen durch das Gebiet. Dabei steht die stille Erholung im Vordergrund. Der Wald bildet zugleich einen wichtigen Freiraum für die angrenzenden Stadtteile und die dicht besiedelten Bereiche des Ruhrgebietes.

Der Resser Weg hat seine frühere Funktion als durchgehende Verkehrsverbindung verloren. Nachdem die Emscherbrücke bereits in den 1960er Jahren zurückgebaut worden war, wurde die Bedeutung des Weges weiter auf die Erschließung des Waldgebietes reduziert. Die noch vorhandene Wegefläche ist durch eine Schranke für den allgemeinen Fahrzeugverkehr gesperrt und 2026 der öffentliche Charakter als Straße beendet..

Schutz und zukünftige Entwicklung

Der Schutz des Resser Waldes ist Bestandteil der Landschaftsplanung der Stadt Herne. Der geltende Landschaftsplan trat am 2. November 1989 in Kraft und enthält die verbindlichen Festsetzungen für die Entwicklung und den Schutz von Natur und Landschaft im Außenbereich.[17]

Seit 2025 arbeitet die Stadt Herne an einer grundlegenden Neuaufstellung des Landschaftsplans. Der bestehende Landschaftsplan ist nach Angaben der Stadt inzwischen mehr als 35 Jahre alt und soll unter anderem hinsichtlich Klimaanpassung, Artenschutz und biologischer Vielfalt aktualisiert werden. Das Inkrafttreten des neuen Landschaftsplans ist nach dem derzeit vorgesehenen Zeitplan für das zweite Halbjahr 2027 vorgesehen.[18]

Für den Resser Wald bedeutet dies, dass seine naturschutzfachliche Bedeutung auch im Rahmen der zukünftigen Landschaftsplanung berücksichtigt werden muss. Die bestehenden Schutzvorgaben zielen insbesondere auf den Erhalt der alten Laubwaldbestände, der Gewässer und der ökologisch wertvollen Strukturen.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

Der Resser Wald ist nicht nur ein Naturraum, sondern zugleich ein erhaltenes Stück der älteren Kulturlandschaft nördlich der Emscher. Seine heutige Gestalt lässt sich nur vor dem Hintergrund der historischen Resser Mark, der Emscherlandschaft und der späteren Industrialisierung verstehen.

Während große Teile der ehemaligen Mark im Zuge der Markenteilung und der späteren Siedlungs- und Industrieentwicklung ihre ursprüngliche Funktion verloren, blieb im Bereich des heutigen Resser Wäldchens ein zusammenhängender Waldrest erhalten. Zwischen Emscher, Rhein-Herne-Kanal, Verkehrswegen und Siedlungsflächen bildet er heute eine der markantesten naturnahen Landschaftsflächen im Norden Hernes.

Der Name „Resser Wald“ erinnert damit zugleich an eine wesentlich größere historische Waldlandschaft, deren Spuren sich heute nicht nur im Wald selbst, sondern auch in Orts-, Flur- und Straßennamen wie Resser Mark, Resser Straße und Resser Weg erhalten haben.

Literatur und Quellen

  • Stadt Herne: Landschaftsplan der Stadt Herne, insbesondere Abschnitt 7.1.2.3 „Naturschutzgebiet Resser Wäldchen“.
  • Hildebrandt, Manfred; Frensel, Ralf; Bodeux, Jeannette; Heiserholt, Franz: HERNE – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997.
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV): Naturschutzgebiet Resser Wäldchen, Kennung HER-004.
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV): Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Bereich Regionalverband Ruhr – Biotopverbund – herausragende Bedeutung, April 2016.
  • Bochumer Botanischer Verein e. V.: Exkursion: Herne-Wanne, Brombeeren im NSG Resser Wäldchen, 6. September 2009.
  • Stadt Herne: Herner*innen können neuen Landschaftsplan mitgestalten, 20. Mai 2026.

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Quelle

  1. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“, Kennung HER-004, https://nsg.naturschutzinformationen.nrw.de/nsg/de/fachinfo/gebiete/gesamt/HER_004
  2. LANUV, Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“, Kennung HER-004; Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Bereich Regionalverband Ruhr, Biotopverbund – herausragende Bedeutung, April 2016.
  3. Stadt Herne, „Resser Straße“, Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen; Quellen dort: Stadtarchiv Herne, Protokollbuch der Gemeindevertretung Wanne 1902–1906, Bl. 417, TOP 27; Urkarten und Gemeinde-Atlas Bickern.
  4. https://
  5. LANUV, Fachbeitrag Biotopverbund, Objekt „Resser Wäldchen“, Kennung VB-A-4408-001.
  6. Manfred Hildebrandt u. a., HERNE – von Ackerstraße bis Zur-Nieden-Straße. Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Herne, Herne 1997.
  7. LANUV, Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“, Kennung HER-004.
  8. Stadt Herne, Landschaftsplan der Stadt Herne, Textliche Festsetzungen, Abschnitt 7.1.2.3 „Naturschutzgebiet Resser Wäldchen“.
  9. LANUV, Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“, Kennung HER-004.
  10. LANUV, Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Bereich Regionalverband Ruhr – Biotopverbund – herausragende Bedeutung, April 2016, Objekt „Resser Wäldchen“, VB-A-4408-001.
  11. LANUV, Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Bereich Regionalverband Ruhr – Biotopverbund – herausragende Bedeutung, April 2016.
  12. Bochumer Botanischer Verein e. V., Exkursion „Herne-Wanne, Brombeeren im NSG Resser Wäldchen“, 6. September 2009.
  13. LANUV, Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“, Kennung HER-004.
  14. LANUV, Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Bereich Regionalverband Ruhr – Biotopverbund – herausragende Bedeutung, April 2016, VB-A-4408-001.
  15. LANUV, Naturschutzgebiet „Resser Wäldchen“, Kennung HER-004.
  16. LANUV, Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege für den Bereich Regionalverband Ruhr – Biotopverbund – herausragende Bedeutung, April 2016.
  17. Stadt Herne, Geoportal, Informationen zum Landschaftsplan, https://www.herne.de/geoportal/index.html
  18. Stadt Herne, „Herner*innen können neuen Landschaftsplan mitgestalten“, 20. Mai 2026, https://www.herne.de/Meldungen/News-Detailansicht_291904.html