Rage
Rage (englisch ‚Wut‘) ist eine deutsche Power-Metal-Band aus Herne. Sie wurde 1984 unter dem Namen Avenger gegründet und 1986 in Rage umbenannt.[1]
Bandgeschichte
Anfänge als Avenger (1984–1986)
Rage ging aus der Herner Band Avenger hervor, der sich Anfang 1984 Peter „Peavy“ Wagner als Sänger und Bassist sowie der Schlagzeuger Jörg Michael anschlossen.[2] Die Band selbst betrachtet 1984 als ihr Gründungsjahr.[1] Der Gitarrist Alf Meyerratken, der Avenger 1984 verlassen hatte, gehörte 1985 noch einmal kurzzeitig zur Band. Zur Frühzeit der Band siehe den Artikel Avenger.
Nach dem Debütalbum Prayers of Steel und der EP Depraved to Black (beide 1985) benannte sich die Band um, da es in England bereits eine gleichnamige Gruppe gab.[1] Vorgesehen war zunächst der Name Furious Rage, der schließlich auf Rage verkürzt wurde.[1] Das erste Album unter dem neuen Namen war Reign of Fear (1986).[1]
Durchbruch und Orchesterphase (1986–1999)
Nach dem nationalen Durchbruch mit dem Album Perfect Man (1988) gelang der Band 1992 mit Trapped! der internationale Durchbruch, verbunden mit einer ersten Tournee durch Japan.[1] Anfang der 1990er Jahre tourten Rage unter anderem mit Running Wild, U.D.O., Motörhead und Saxon.[1]
Nachdem die Band bereits in einzelnen Liedern mit klassischen Elementen experimentiert hatte, nahm sie 1996 mit dem Prager Symphonieorchester das Album Lingua Mortis auf. Die Band bezeichnet es als das erste Klassik-Album einer deutschen Metal-Band.[1] Mit Unterstützung des BMG-Labels GUN Records folgten in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die orchestrierten Alben XIII (1998) und Ghosts (1999), mehrere Auftritte und eine Tournee mit Orchester sowie ein knapp zweistündiger Auftritt im Rockpalast 1998.
Die Ära Smolski (1999–2015)
Während der Arbeiten an Ghosts verließen Sven Fischer sowie die Brüder Spiros und Christos Efthimiadis die Band; auch der Arrangeur und Keyboarder Christian Wolff, der als inoffizielles Bandmitglied galt, stieg aus. Die vier gründeten die Pop-Alternative-Band Sub7even. Wagner holte den in Deutschland damals kaum bekannten Gitarristen Victor Smolski und den Schlagzeuger Mike Terrana in die Band und kehrte damit zur Trio-Besetzung zurück.[1]
2001 wurde das von Smolski komponierte Lied Straight to Hell vom Album Welcome to the Other Side im Film Der Schuh des Manitu von Michael Herbig verwendet.[1] Es untermalt dort den ersten Auftritt des Schurken Santa Maria (Sky du Mont); 2004 war das Riff auch in Herbigs Film (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 zu hören.
Zum 20-jährigen Bestehen wurde im Januar 2004 in der Zeche Bochum ein mehr als zweistündiges Konzert aufgezeichnet, das im November 2004 unter dem Titel From the Cradle to the Stage bei SPV als Doppel-Live-CD/DVD erschien. Nach dem Wechsel zu Nuclear Blast griff die Band auf Speak of the Dead (2006) die Orchesterarbeit wieder auf; es war das letzte Album mit Mike Terrana.[1] Am 1. Januar 2007 wurde André Hilgers, zuvor bei Axxis, als neuer Schlagzeuger vorgestellt.[1] Der Auftritt beim Wacken Open Air im August 2007 mit einem Orchester aus Minsk unter dem Namen „Lingua Mortis Orchestra“ erschien als Bonus-DVD zum Album Carved in Stone (Februar 2008).[1]
Im Februar 2009 vertrat die Band Nordrhein-Westfalen beim Bundesvision Song Contest und belegte mit dem Lied Gib dich nie auf den dritten Platz.[1][3] Im Februar 2010 erschien Strings to a Web, Anfang 2012 das 21. Album mit dem Titel 21.[1]
2013 gründeten die Bandmitglieder das Orchesterprojekt Lingua Mortis Orchestra und veröffentlichten am 2. August 2013 das Album LMO. Das Konzeptalbum behandelt die Hexenverfolgung in Gelnhausen, insbesondere die Leidensgeschichte der Elisabeth Strupp.[4] 2014 erschien die Box The Soundchaser Archives mit Raritäten und Demos aus 30 Jahren Bandgeschichte.[1]
Neubeginn mit Rodriguez und Maniatopoulos (2015–2020)
Im Februar 2015 gab Peavy Wagner die Trennung von Victor Smolski und André Hilgers bekannt.[1] Smolski kündigte an, das Lingua Mortis Orchestra ohne Wagner und unter anderem Namen weiterzuführen.[5] Wagner hatte zuvor mit seinen früheren Bandkollegen Manni Schmidt und Christos Efthimiadis die Band Refuge gegründet, die Rage-Stücke aus der Zeit von 1987 bis 1993 live spielt.
Die neue Besetzung mit dem venezolanisch-spanischen Gitarristen Marcos Rodriguez und dem deutsch-griechischen Schlagzeuger Vassilios „Lucky“ Maniatopoulos stellte sich Ende 2015 auf einer Tournee vor. Im Dezember 2015 erschienen die 10-CD-Box The Refuge Years und eine Jubiläumsausgabe von Black in Mind.[1] Am 10. Juni 2016 folgte The Devil Strikes Again, am 28. Juli 2017 Seasons of the Black.[1] 2019 kehrte die Band zum Label SPV/Steamhammer zurück.[6] Im selben Jahr spielte sie zum 20-jährigen Jubiläum der Lingua-Mortis-Trilogie das Album XIII erstmals vollständig live, unter anderem als Abschlussband des Wacken Open Air.[1] Im Januar 2020 erschien Wings of Rage.[1]
Wieder ein Quartett und Rückkehr zum Trio (seit 2020)
Im Mai 2020 verließ Marcos Rodriguez die Band aus persönlichen Gründen.[1] Im Juni 2020 stellte die Band mit Stefan Weber (ex-Axxis) und Jean Bormann zwei neue Gitarristen vor, zusammen mit einer Neuaufnahme von The Price of War vom Album Black in Mind.[1][7] Damit war Rage erstmals seit 1999 wieder ein Quartett. In dieser Besetzung erschien im September 2021 das Album Resurrection Day.[1]
Über das Ausscheiden Webers gibt es unterschiedliche Angaben. Nach der Band-Biografie verließ er die Band kurz nach dem Erscheinen von Resurrection Day.[1] Die deutschsprachige Wikipedia gibt an, er habe laut Band-Homepage ab Juli 2023 aus gesundheitlichen Gründen eine Pause auf unbestimmte Zeit eingelegt; mit der Trennung 2024 sei Rage wieder ein Trio geworden.[8] In einem Interview vom Frühjahr 2025 wurde Weber noch als pausierendes Mitglied bezeichnet.[9] Die Pressemitteilungen zu den Alben ab 2024 nennen nur noch Wagner, Bormann und Maniatopoulos.[10][11]
Zum 40-jährigen Bestehen erschien am 29. März 2024 das Doppelalbum Afterlifelines mit 21 Titeln. Die erste CD („Afterlife“) wurde als Trio eingespielt, die zweite („Lifelines“) enthält zusätzlich Orchesterarrangements.[10] Das Album erreichte in Deutschland Platz 14, in Österreich Platz 12 und in der Schweiz Platz 18 der Albumcharts.[12] Auf der Jubiläumstournee „40 Years in Rage“ spielte die Band am 7. September 2024 in ihrer Heimatstadt beim Herner Rock Spektakulum.[13] Im selben Jahr veröffentlichte Peavy Wagner seine Autobiografie Soundchaser – Lebenslänglich Heavy Metal. Mein Leben mit Rage.[1][14]
Am 26. September 2025 erschien bei Steamhammer/SPV das Album A New World Rising.[15] Im selben Jahr war Straight to Hell erneut in einem Herbig-Film zu hören, der Fortsetzung Das Kanu des Manitu.[1]
Im April 2026 sagte die Band eine geplante Südamerika-Tournee ab.[16] Nach einer Rückenoperation Peavy Wagners strich die Band im Juli 2026 weitere Konzerte.[17] Da eine weitere Operation notwendig wurde, sagte sie Anfang September 2026 alle verbleibenden Festivalauftritte des Jahres ab.[18] Für April und Mai 2027 ist eine gemeinsame Europatournee mit Sonata Arctica angekündigt, bei der Rage mit Orchester unter anderem Stücke aus Lingua Mortis und XIII spielen wollen (Stand: 18. September 2026).[19]
Stil
Auf den ersten Alben sang Peter Wagner noch sehr hoch, die Lieder waren eher im Speed Metal angesiedelt. Seit dem Album The Missing Link wurde der Gesang tiefer. Nach Black in Mind schlug die Band einen deutlich ruhigeren Stil ein, den sie bis zur Neubesetzung 1999 beibehielt. Ab Welcome to the Other Side spielten Rage wieder Power Metal; mit Victor Smolski wurde der Stil progressiver und technisch anspruchsvoller. Carved in Stone und 21 knüpften wieder an frühere Alben wie Black in Mind und The Missing Link an, wobei das Lied Serial Killer auf 21 im Death Metal angesiedelt ist
Mit der Besetzung ab 2015 kehrte die Band nach eigener Darstellung stärker zu ihren musikalischen Wurzeln zurück.[1] Während Afterlifelines zur Hälfte orchestriert ist, verzichtet A New World Rising laut Wagner bewusst auf Orchesterarrangements.[11]
Diskografie
Studioalben
- 1985: Prayers of Steel (als Avenger)
- 1986: Reign of Fear
- 1987: Execution Guaranteed
- 1988: Perfect Man
- 1989: Secrets in a Weird World
- 1990: Reflections of a Shadow
- 1992: Trapped!
- 1993: The Missing Link
- 1994: 10 Years in Rage
- 1995: Black in Mind
- 1996: End of All Days
- 1996: Lingua Mortis (mit dem Prager Symphonieorchester)
- 1998: XIII
- 1999: Ghosts
- 2001: Welcome to the Other Side
- 2002: Unity
- 2003: Soundchaser
- 2006: Speak of the Dead
- 2008: Carved in Stone
- 2010: Strings to a Web
- 2012: 21
- 2016: The Devil Strikes Again
- 2017: Seasons of the Black
- 2020: Wings of Rage
- 2021: Resurrection Day
- 2024: Afterlifelines (Doppelalbum)
- 2025: A New World Rising
Livealben, Kompilationen und Box-Sets
- 1994: Power of Metal (Live-Sampler)
- 1998: The Best from the Noise Years (japanische Kompilation)
- 2001: Best of All G.U.N. Years (Kompilation)
- 2001: Metal Meets Classic Live – Rage & Lingua Mortis Orchestra (Live-DVD-Plus)
- 2002: The Lingua Mortis Trilogy (Wiederveröffentlichung von Lingua Mortis, XIII und Ghosts als 3-CD-Box)
- 2002: The Dark Side (Wiederveröffentlichung Black in Mind und End of All Days als 2-CD)
- 2004: From the Cradle to the Stage (Live-Doppelalbum)
- 2007: Full Moon in St. Petersburg (Live)
- 2014: The Soundchaser Archives (30th Anniversary, 2-CD und DVD)
- 2015: The Refuge Years (10-CD-Box)[1]
Singles und EPs
- 1985: Depraved to Black (EP, als Avenger)
- 1989: Invisible Horizons (EP)
- 1991: Extended Power (EP)
- 1992: Beyond the Wall (EP)
- 1993: The Missing Link (EP)
- 1994: Refuge (japanische EP)
- 1995: The Crawling Chaos (Promo-EP)
- 1996: Higher Than the Sky (japanische EP)
- 1997: Live from the Vault (japanische Live-EP)
- 1997: From the Cradle to the Grave (Promo-EP)
- 1998: In Vain – Rage in Acoustic (japanische EP)
- 1998: In Vain I–III (3 EPs)
- 2006: Full Moon (Promo-EP)
- 2009: Gib dich nie auf (EP)
- 2016: My Way (EP)
- 2020: The Price of War 2.0 (Single)[7]
Videos und DVDs
- 1994: The Video Link (Live-VHS, Wiederveröffentlichung auf DVD 2003)
- 1994: Power of Metal (Live-VHS-Sampler)
- 2001: Metal Meets Classic Live – Rage & Lingua Mortis Orchestra (Live-DVD-Plus)
- 2004: From the Cradle to the Stage (Live-DVD)
- 2007: Full Moon in St. Petersburg (Live-DVD)
- 2008: Live in Wacken 2007 (Bonus-DVD zum Album Carved in Stone)
- 2010: Live in Wacken 2009 (Bonus-DVD zum Album Strings to a Web)
Literatur
- Holger Schmenk, Christian Krumm: Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet. Henselowsky Boschmann, Bottrop 2010.
- Peter „Peavy“ Wagner: Soundchaser – Lebenslänglich Heavy Metal. Mein Leben mit Rage. 2024, ISBN 9783938652190.
Ursprungstext mit Autorenverzeichnis
Wikipedia: Rage (Band), abgerufen am 13. Juni 2015. Seitdem überarbeitet und ergänzt.
Weblinks
- Offizielle Website
- Rage bei Bandcamp
- Rage bei Encyclopaedia Metallum
- Rage bei laut.de
- Rage (Band) in der deutschsprachigen Wikipedia
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 1,21 1,22 1,23 1,24 1,25 1,26 1,27 1,28 Rage: Biography, rage-official.com, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Wikipedia: List of Rage band members, en.wikipedia.org, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Fritz: Line-Up für Bundesvision Song Contest steht, fritz.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Westfälischer Anzeiger: Hammer Metal-Gitarrist auf Klassikpfaden. Victor Smolski: In Wacken direkt nach Alice Cooper, wa.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Rock Hard: Rage: Peavy Wagner gibt Update zur Bandzukunft, rockhard.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Rage: Rage sign with SPV/Steamhammer, rage-official.com, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ 7,0 7,1 Blabbermouth.net: RAGE Announces Two New Guitarists, 12. Juni 2020, blabbermouth.net, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Wikipedia: Rage (Band), de.wikipedia.org, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Metal Factory: RAGE – Ohne Regel und Hausformel seit über vier Jahrzehnten im Haifischbecken der Musikindustrie, 2. April 2025, metalfactory.ch, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ 10,0 10,1 Rock Hard: Rage: Neues Doppelalbum "Afterlifelines" für den 29. März angekündigt, 15. Dezember 2023, rockhard.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ 11,0 11,1 BurnYourEars: RAGE: Neues Video, neues Album, 2. Juli 2025, burnyourears.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ EMP: Afterlifelines – Rage (Produktbeschreibung), emp.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Rage: 40 Years in Rage World Tour, rage-official.com, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ vampster: RAGE: Vom stillen Kämmerlein hinaus in die große weite Welt: Interview mit Peter „Peavy“ Wagner, 7. Dezember 2024, vampster.com, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ BetreutesProggen.de: Rage – A New World Rising, 27. September 2025, betreutesproggen.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Rage: South America Tour, 13. April 2026, rage-official.com, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Rock Hard: Rage: Weitere Shows nach Peavys Rücken-OP abgesagt, 23. Juli 2026, rockhard.de, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Metal1.info: Rage sagen verbleibende Festivalauftritte 2026 ab, 1. September 2026, metal1.info, abgerufen am 18. September 2026.
- ↑ Rage: Co-Headliner Tour 2027, 6. Juli 2026, rage-official.com, abgerufen am 18. September 2026.

