Peter Scharwitz (1876-1916) Bildhauer

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Peter Scharwitz (* 4. Juni 1876 in Steinheim; ⚔23. November 1916 bei Arras) war ein im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert tätiger Bildhauermeister in Bochum. Er leitete eine Werkstatt bzw. Kunstanstalt für religiöse Plastik und war zugleich in der keramischen Produktion tätig. Als Lehrer prägte er junge Bildhauer der Region, darunter den späteren Künstler Franz Guntermann.

Peter Scharwitz
Geboren am: 4. Juni 1876
Geboren in: Steinheim
Gestorben am: ⚔23. November 1916
Gestorben in: bei Arras Frankreich
Friedhof: vermtl. St.-Laurent-Blangy[1]
Beruf: Bildhauer
Letzte Adresse: Bochum
Letzte Änderung: 22.03.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben und Vita

Peter Wilhelm Joseph Scharwitz wird in Steinheim im Kreis Höxter als Sohn des Sattlermeisters August Scharwitz und dessen Gattin Ludowika Dassel geboren. Spätestens in den 1890er Jahren ist er als Bildhauer in Bochum nachweisbar.

Werkstatt und Tätigkeit in Bochum

Um 1890/1900 betrieb Scharwitz ein eigenes Atelier bzw. eine Werkstatt in Bochum . Er war Mitinhaber bzw. Teilhaber einer christlichen Kunstanstalt (Hellermann & Scharwitz), die religiöse Skulpturen und Kirchenausstattungen produzierte . Die Werkstatt fertigte Arbeiten in Holz, Stein, Terrakotta und Gussmasse, insbesondere religiöse Figuren .

Zudem ist Scharwitz als Unternehmer in der keramischen Industrie nachweisbar:

Eine Terrakottafabrik in Bochum wird um 1900 unter seinem Namen geführt . Seine Tätigkeit erstreckte sich offenbar auch auf andere Produktionsorte (u. a. Velten-Vordamm) .

Lehrer und Ausbilder

Bedeutung erlangte Scharwitz vor allem als Ausbilder:

Von 1896 bis 1900 absolvierte der spätere Bildhauer Franz Guntermann seine Lehre bei ihm in Bochum .

Dies belegt die Existenz einer qualifizierten Werkstatt, die Lehrlinge ausbildete und in die regionale Kunsthandwerkstradition eingebunden war.

Tod

Scharwitz fiel als Landsturmmann im November 1916.

Werk

Allgemeine Einordnung

Das Werk von Peter Scharwitz ist dem kunsthandwerklich geprägten Sakralstil des späten Historismus und frühen 20. Jahrhunderts zuzuordnen. Seine Produktion lag an der Schnittstelle von Bildhauerei, Serienfertigung und keramischer Kunst.

Materialien und Techniken

  • Holz- und Steinbildhauerei
  • Terrakotta und Keramik
  • Gussmasse (Serienproduktion religiöser Figuren)

Die Verbindung von künstlerischem Entwurf und industrieller Fertigung ist typisch für kirchliche Kunstanstalten dieser Zeit.

Themen

  • religiöse Plastik (Madonnen, Heiligenfiguren)
  • Kirchenausstattung (Altäre, Figurenprogramme)

Beispielhaft sind:

  • Taufstein in Herz-Jesu.
  • Entwürfe für religiöse Skulpturen (z. B. Madonna mit Kind)

Kirchliche Arbeiten

Ausstattung der Marienkirche in Witten (Werkstatt Hellermann & Scharwitz)

Diese Arbeiten zeigen seine Einbindung in die kirchliche Bau- und Ausstattungskunst des Ruhrgebiets.

Familie

Am 24. Nov. 1898 heiratet er in Bochum Anna Catharina Brunnstein (* 21. Oktober 1873 in Bochum). 4 Kinder entsprossen ihrer Ehe.

Bedeutung

Peter Scharwitz gehört nicht zu den kanonischen Künstlern der deutschen Bildhauerei, ist jedoch regional- und kunsthandwerklich bedeutsam:

  • Vertreter der kirchlichen Serien- und Werkstattproduktion um 1900
  • Bindeglied zwischen Kunsthandwerk und industrieller Fertigung im Ruhrgebiet
  • Ausbilder einer nachfolgenden Bildhauergeneration (z. B. Guntermann)

Sein Wirken dokumentiert die religiöse Kunstproduktion im industrialisierten Ruhrgebiet und die Organisation von Bildhauerwerkstätten in dieser Zeit.

Quellenlage und Forschung

Die Überlieferung zu Scharwitz ist fragmentarisch und basiert vor allem auf:

  • Adressbüchern und Branchenverzeichnissen der Keramikindustrie
  • Hinweisen in Künstlerbiografien (z. B. Lehrmeisterangaben)
  • Einzelobjekten (Auktionshandel, Sammlungen)

Eine umfassende kunsthistorische Aufarbeitung steht bislang aus.

Literatur / Hinweise

  • Branchenadressbücher der keramischen Industrie (um 1900)
  • Biografien regionaler Bildhauer (z. B. Franz Guntermann)
  • Kirchliche Bau- und Ausstattungsdokumentationen im Ruhrgebiet

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Quelle