Paul Hesse (1843-1896) Amtmann
Paul Hesse (* 9. September 1843 in Rheinsberg, Brandenburg; † 18. Februar 1896 in Münster) war ein preußischer Offizier und Verwaltungsbeamter. Bekannt ist er insbesondere durch seine nur rund 21 Monate dauernde Tätigkeit als Amtmann des Amtes Herne in den Jahren 1875 bis 1877. Während seiner Amtszeit erfolgte die grundlegende Neuordnung des damaligen Amtsbezirks: Zum 1. August 1875 wurde das bisherige Amt Herne in die selbstständigen Amtsbezirke Herne und Wanne geteilt.
Hesses ungewöhnliche Laufbahn führte vom preußischen Offiziersdienst in die Kommunalverwaltung und nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Herne wieder zurück in das Militär. Seine Herner Amtszeit fiel in eine Phase tiefgreifender Veränderungen: die rasante Entwicklung der Gemeinde Herne, die Neuordnung der Amtsbezirke, die Einführung und Durchsetzung der Standesämter, den preußischen Kulturkampf sowie die spektakuläre Affäre um den Amtssparkassen-Rendanten Wilhelm Sprick.
Herkunft und Familie
Friedrich Emil Paul Hesse wurde am 9. September 1843 um 16 Uhr in Rheinsberg in Brandenburg geboren. Er war das zweite von vier Kindern und der einzige Sohn des Rektors und Hilfspredigers Johann Ludwig Hesse und dessen Ehefrau Friederike Caroline Auguste Elisabeth Bechthold.
Die Taufe erfolgte am 16. Oktober 1843 in der St.-Laurentius-Kirche in Rheinsberg. Zu seinen Taufpaten gehörten Angehörige der örtlichen Honoratiorenschicht sowie Familienangehörige, darunter ein Regimentsrat, ein Forstmeister, ein Justizrat, ein Arzt, ein Apotheker und Angehörige der Familien Bechthold und Schönias.
Sein Vater Johann Ludwig Hesse war bei Pauls Geburt Rektor der örtlichen Schule und Hilfsprediger. Später wurde er Prediger in Teupitz südöstlich von Berlin. Dort starb er 1854, als Paul Hesse erst elf Jahre alt war. Hesse wurde damit bereits in jungen Jahren Halbwaise.
Über seine konkrete schulische Ausbildung liegen nach der vorliegenden Untersuchung keine abschließenden Angaben vor. Aufgrund seiner späteren militärischen Laufbahn ist eine Ausbildung im preußischen Kadettenwesen wahrscheinlich; als mögliche Ausbildungsorte kommen Potsdam und Berlin in Betracht.
Militärische Laufbahn
Noch vor Erreichen der Volljährigkeit trat Hesse am 6. Mai 1864 in das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 ein. Das Regiment lag zu dieser Zeit in der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz. Hesse wurde damit aus Brandenburg in den rheinisch-westfälischen Raum versetzt.
Am 11. Oktober 1865 wurde er zum Secondeleutnant befördert. Im Deutschen Krieg von 1866 nahm er am Feldzug gegen Österreich teil. Nach der Verlegung der Garnison nach Düsseldorf erscheint er in den dortigen Ranglisten und Adressbüchern.
1868 wurde Hesse als Adjutant zum Bezirkskommandeur Lentz des 2. Bataillons des 3. Westfälischen Landwehr-Regiments Nr. 16 nach Unna kommandiert. Später kehrte er nach Düsseldorf zurück.
Die militärische Laufbahn war für Hesses späteren Lebensweg von besonderer Bedeutung, da er auch während seiner Herner Verwaltungszeit formal noch aus dem Offiziersstand kam und nach seinem Ausscheiden aus der Verwaltung wieder in den aktiven Militärdienst zurückkehrte.
Verbindung zur Familie von Forell
Eine wichtige persönliche Verbindung für Hesses späteren Lebensweg entstand während seiner Zeit im westfälischen Raum.
Im Umfeld von Unna und Kamen lernte er Adolfine von Mulert kennen. Die Familie von Mulert war mit den von Forell verwandt und gehörte damit zu jenem regionalen Familiennetz, das über mehrere Generationen mit dem Haus Strünkede und der Familie von und zu Strünkede verbunden war.
Besonders bedeutsam war die Bekanntschaft mit Friedrich Karl August Julius von Forell, genannt Fritz von Forell. Dieser war zwei Jahre jünger als Hesse und trat 1866 ebenfalls in das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 ein.
Friedrich von Forell war ein Sohn des Rittergutsbesitzers Friedrich von Forell auf Strünkede und dessen Ehefrau Bertha Batz. Der Vater war selbst langjähriger Amtmann von Herne werden und war zuvor zum Landrat des Kreises Bochum gewählt bzw. ernannt worden.
Die militärische Bekanntschaft zwischen Hesse und von Forell entwickelte sich damit zu einer familiären und später auch für Hesses beruflichen Weg wichtigen Verbindung.
Deutsch-Französischer Krieg 1870/71
Im Deutsch-Französischen Krieg nahm Hesse als Offizier des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 an zahlreichen Kampfhandlungen teil.
Bei der Schlacht von Spichern am 6. August 1870 übernahm Hesse nach der Verwundung seiner Vorgesetzten die Führung einer Kompanie. In zeitgenössischen militärischen Darstellungen wird außerdem seine Begegnung mit dem schwer verwundeten Generalmajor von François erwähnt.
Hesse nahm anschließend unter anderem an den Kämpfen bei Gravelotte teil. Für seine Leistungen erhielt er am 12. September 1870 das Eiserne Kreuz II. Klasse.
Während des Feldzuges führte er zeitweise verschiedene Kompanien und war unter anderem mit der Sicherung von Munitionskolonnen beauftragt. Ein von ihm selbst verfasster Bericht über einen Sonderauftrag im Januar 1871 wurde später in die Regimentsgeschichte aufgenommen.
Auch seine Bekanntschaft mit Fritz von Forell setzte sich während des Feldzuges fort. Die Regimentsgeschichte berichtet von einem zufälligen Zusammentreffen beider Offiziere im Februar 1871 in Arbois.
Nach dem Ende des Krieges kehrte das Regiment im Juni 1871 nach Düsseldorf zurück.
Ehe mit Adolfine von Mulert
Am 15. August 1871 heiratete Paul Hesse in Kamen Adolfine Ernestine Marie Conradine von Mulert (* 18. Januar 1851 in Kamen), Tochter des Conrad Jan von Mulert und seiner Ehefrau Anna Maria Ketschau.
Die Trauung fand als Haustrauung im Haus der Familie von Mulert am Kamener Markt statt.
Das Ehepaar wohnte anschließend zunächst in Düsseldorf. Hesse wurde am 19. Dezember 1871 vom Secondeleutnant zum Premierleutnant befördert.
Aus der Ehe ging eine Tochter hervor:
Helene Adolphine Hesse (* 8. November 1872 in Bückeburg; getauft 27. November 1872 in Bückeburg).
Zu den Taufpaten gehörte unter anderem der spätere Herner Amtmann Friedrich von Forell.
Der Weg nach Herne
Nach seiner Rückkehr zum Niederrheinischen Füsilier-Regiment Nr. 39 diente Hesse zunächst wieder in Düsseldorf.
1874 wohnte die Familie in der Elisabethstraße 36 in Düsseldorf. Hesse war weiterhin Berufsoffizier.
Der Wechsel in die Verwaltung kam überraschend. Im Frühjahr 1875 wurde Hesse nach Herne berufen. Hintergrund war die Erkrankung des damaligen Herner Amtmanns Gottfried Uhlenbusch.
Uhlenbusch war seit 1869 Amtmann in Herne und zugleich erster Standesbeamter der damaligen Amtsgemeinde. Er war schwer an Schwindsucht erkrankt und benötigte einen Vertreter.
Der erst 31 Jahre alte Premierleutnant Hesse wurde für diese Aufgabe herangezogen. Die Ernennung erfolgte zunächst nicht als reguläre kommunale Laufbahn, sondern als kommissarische Vertretung.
Das Amtsblatt der Bezirksregierung Arnsberg meldete Ende März 1875:
- „Dem Premier Lieutenant Hesse ist die Vertretung des erkrankten Amtmanns Uhlenbusch in Herne die einstweilige commissarische Verwaltung der Amtmannsstelle des Amtes Herne im Kreise Bochum übertragen worden und hat die Amtseinführung desselben am 20. März stattgefunden.“
Damit begann Hesses kurze, aber für die Verwaltungsgeschichte Hernes bedeutsame Tätigkeit.
Amtmann von Herne
Uhlenbusch starb bereits am 30. März 1875 in Herne. Wenige Tage später, am 3. April 1875, wurde Hesse endgültig mit der kommissarischen Verwaltung des Amtes Herne betraut.
Zunächst blieb Hesse jedoch noch Offizier des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39. Erst am 15. Juli 1875 wurde ihm der Abschied aus dem aktiven Militärdienst gewährt. Er wurde als beurlaubter Offizier des 1. Bataillons des 7. Westfälischen Landwehr-Regiments Nr. 56 geführt.
Damit war der junge Offizier faktisch zum Verwaltungsbeamten geworden.
Die Situation war außergewöhnlich: Ein erst wenige Jahre zuvor in den Offiziersstand eingetretener Militärmann übernahm die Leitung eines sich in einer starken Umbruchphase befindenden Verwaltungsbezirkes.
Die Teilung des Amtes Herne
Eine der wichtigsten Veränderungen während Hesses Amtszeit war die Teilung des bisherigen Amtsbezirks Herne.
Der damalige Amtsbezirk war groß und umfasste Gemeinden, die später teilweise völlig unterschiedliche Entwicklungsschwerpunkte aufweisen sollten. Durch Erlass des Oberpräsidenten vom 22. Mai 1875 wurde die Bildung zweier selbstständiger Amtsbezirke genehmigt.
Zum neuen Amt Herne gehörten:
- Bladenhorst
- Pöppinghausen
- Horsthausen
- Baukau
- Herne
- Hiltrop
Amtssitz wurde Herne.
Das neu gebildete Amt Wanne umfasste:
- Bickern
- Crange
- Eickel
- Holsterhausen
- Röhlinghausen
Amtssitz wurde Wanne.
Die neue Verwaltungsstruktur trat zum 1. August 1875 in Kraft.
Diese Teilung war für die weitere Entwicklung des mittleren Emscherraumes von außerordentlicher Bedeutung. Aus dem bisherigen, weit ausgedehnten Amtsbezirk entstanden zwei eigenständige Verwaltungseinheiten, deren Entwicklung im Zuge von Industrialisierung, Bergbau und Bevölkerungswachstum später zur Herausbildung der Städte Herne und Wanne-Eickel führen sollte.
Hesse war damit der erste Amtmann des neu zugeschnittenen Amtes Herne.
Am 6. November 1875 erfolgte seine endgültige Ernennung:
- „Der bisherige commissarische Verwalter des Amtes Herne Premier Lieutenant a. D. Hesse ist zum Amtmann des genannten Amtsbezirkes definitiv ernannt worden.“
Hesse als Standesbeamter
Mit dem Amtmann war in dieser Zeit zugleich eine wichtige staatliche Funktion verbunden: das Standesamt.
Paul Hesse war anfänglich auch als Standesbeamter tätig. Bereits am 1. April 1875 nahm er standesamtliche Amtshandlungen vor.
Die Einführung der staatlichen Eheschließung war Teil der umfassenden Neuordnung des Personenstandswesens im preußischen Staat. Sie fiel in die Zeit des Kulturkampfes zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche.
Gerade in einer konfessionell gemischten und sich schnell verändernden Gemeinde wie Herne hatte die neue staatliche Personenstandsverwaltung erhebliche praktische Bedeutung.
Allerdings entwickelte sich aus Hesses Tätigkeit als Standesbeamter später ein ernsthaftes rechtliches Problem.
Die Affäre um die standesamtlichen Trauungen
Im Frühjahr und Sommer 1875 führte Hesse zahlreiche Eheschließungen durch.
Nach den im Rahmen der Untersuchung ausgewerteten Kirchenbüchern lassen sich für den Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Oktober 1875 insgesamt 42 evangelische und 14 katholische Trauungen feststellen.
Im Mai 1877 berichtete die Zeitung Der Reichsfreund über eine rechtlich problematische Situation. Demnach sollten zahlreiche Ehepaare, die 1875 von Hesse getraut worden waren, zu einer erneuten standesamtlichen Trauung aufgefordert werden, da Hesse bei den betreffenden Amtshandlungen möglicherweise noch nicht über die erforderliche Befugnis verfügt hatte.
Der Bericht sprach von etwa 30 betroffenen Ehepaaren. Die Kirchenbuchauswertung weist jedoch eine höhere Zahl kirchlicher Trauungen aus.
Ob die betroffenen Paare tatsächlich erneut standesamtlich heiraten mussten, ist nach der vorliegenden Untersuchung nicht überliefert.
Der Vorgang zeigt exemplarisch, wie kompliziert die Einführung des neuen staatlichen Personenstandswesens in der Praxis sein konnte.
Der Kulturkampf und das Pfarrhaus
Bereits wenige Tage nach Hesses Amtsübernahme geriet er in Herne unmittelbar in die Auseinandersetzungen des preußischen Kulturkampfes. Ein zeitgenössischer Bericht vom 1. April 1875 schildert die Vorgänge im Zusammenhang mit dem erkrankten katholischen Kaplan Strickmann und dessen Pfarrwohnung.
Nach dem Bericht erschien in der Wohnung des erkrankten Kaplans der Polizeidiener Crämer gemeinsam mit zwei weiteren Personen und überbrachte verschiedene behördliche Verfügungen. Eine Verfügung des Landrates forderte den Kaplan auf, seine persönlichen Sachen auf eigene Kosten aus der verschlossen gehaltenen Pfarrwohnung entfernen zu lassen. Strickmann erklärte, er sei krank und könne die Gegenstände nicht selbst herausbringen; zudem könne er keine anderen Personen dafür gewinnen.
Eine weitere Verfügung wurde vom Vertreter des ebenfalls erkrankten Amtmanns überbracht. Darin wurde mitgeteilt, dass die Pfarrwohnung von Amts wegen vermietet worden sei. Der Kaplan widersprach dieser Maßnahme und erklärte die Vermietung für rechtswidrig, da das Haus bereits anderweitig rechtmäßig vermietet sei.
Besonders bemerkenswert ist die im zeitgenössischen Bericht enthaltene Angabe, dass das Pfarrhaus künftig dem kommissarischen Amtmann Hesse als Wohnung dienen sollte. Damit erscheint Hesse nicht nur als ausführendes Organ staatlicher Maßnahmen, sondern auch als unmittelbarer Nutznießer einer im Zuge des Kulturkampfes umstrittenen Neuordnung der Nutzung des Pfarrhauses.
Der rechtmäßige Mieter des Hauses soll wegen Besitzstörung Klage bei der Staatsanwaltschaft erhoben haben. Im Namen des Kaplans und der katholischen Gemeinde wurde außerdem durch den Hammer Justizrat Platzmann Beschwerde beim preußischen Innenministerium eingelegt.
Der Zeitungsbericht zeichnet ein ausgesprochen parteiisches Bild der Ereignisse. Er spricht von „Vexationen und Denunciationen“ durch besonders eifrige und „ordenssüchtige“ Liberale und berichtet, der gesperrte Kaplan habe trotz der staatlichen Maßnahmen spätabends und bei völliger Dunkelheit vor einigen Gemeindemitgliedern die heilige Messe gelesen.
Zugleich wird im Bericht die Erwartung geäußert, Kaplan Strickmann könne jederzeit die Vollstreckung weiterer Maßnahmen und sogar seine Ausweisung aus dem Regierungsbezirk treffen. Ein entsprechender schriftlicher Befehl soll sich bereits auf dem Amt befunden haben.
Die katholische Gemeinde setzte ihren Gottesdienst trotz der behördlichen Maßnahmen zunächst als Laiengottesdienst fort. Der Bericht wertet dies als Ausdruck des Widerstandes gegen die als „liberale Toleranz“ bezeichnete staatliche Politik.
Die Affäre um Wilhelm Sprick
Die größte Belastungsprobe für Hesses Amtszeit war die sogenannte Sprick-Affäre.
Wilhelm Sprick war der erste Rendant der damaligen Amtssparkasse. 1876 entzog er sich einer drohenden Verhaftung durch Flucht und nahm dabei erhebliche Geldbeträge mit.
Der dadurch entstandene finanzielle Verlust erschütterte das Vertrauen in die Verwaltung.
Der junge Amtmann Hesse geriet in den Mittelpunkt der öffentlichen Kritik. Obwohl ihm persönlich nach der vorliegenden Untersuchung kein konkretes Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, wurde er für die Krise verantwortlich gemacht.
Noch im Dezember 1876 wurde unter seiner Leitung eine Belohnung von 1000 Mark für Hinweise zur Ergreifung Spricks ausgesetzt. Der Flüchtige blieb jedoch verschwunden.
Anfang Januar 1877 wurde das gesamte Ausmaß des Schadens deutlich.
Die öffentliche Stimmung schlug gegen Hesse um. Seine Stellung in der Bevölkerung und in der Amtsversammlung war offenbar so stark beschädigt, dass eine Fortsetzung seiner Tätigkeit nicht mehr möglich war.
Rücktritt als Amtmann
Die Herner Zeitung kritisierte Hesses Tätigkeit und verwies insbesondere darauf, dass ein Offizier, der mit den örtlichen Verhältnissen nicht vertraut sei, die Verwaltung nicht dauerhaft erfolgreich führen könne.
Am 17. Januar 1877 legte Hesse sein Amt nieder.
Die zeitgenössische Presse schilderte seinen Abschied als Ausdruck einer tiefen öffentlichen Kontroverse. Ein Bericht bezeichnete ihn als „unpopular“ und berichtete von einem Fackelzug, an dem nur wenige Bürger teilgenommen hätten.
Die Darstellung zeigt, dass Hesses Amtszeit nicht nur durch sachliche Verwaltungsprobleme, sondern auch durch eine erhebliche Vertrauenskrise geprägt war.
Bemerkenswert ist, dass Hesse trotz seiner kurzen Amtszeit in eine Reihe von für die weitere Entwicklung Hernes wichtigen Vorgängen involviert war:
- die Neuordnung des Amtsbezirkes,
- die Bildung des eigenständigen Amtes Wanne,
- die staatliche Personenstandsverwaltung,
- die Umsetzung kulturkampfbedingter Regierungsmaßnahmen,
- die Affäre um die Amtssparkasse und Wilhelm Sprick.
Tätigkeit im Amt Körbecke
Nach seinem Ausscheiden aus Herne wechselte Hesse erneut in die Verwaltung.
Im Juni 1877 wurde er als Verwaltungsbeamter im Amt Körbecke eingeführt. Sein Dienstsitz befand sich auf Gut Drüggelte im heutigen Gemeindegebiet von Möhnesee.
Auch diese Tätigkeit dauerte nur rund zwei Jahre.
Ende Oktober 1879 wurde bekannt, dass Hesse den Verwaltungsberuf wieder verlassen hatte.
Rückkehr zum Militär
Hesse kehrte 1879 in den aktiven Militärdienst zurück.
Zum 21. Oktober 1879 trat er als Premierleutnant beim Hohenzollernschen Füsilier-Regiment Nr. 40 in Köln wieder in den Militärdienst ein.
Am 14. Mai 1881 wurde er zum Hauptmann und Kompaniechef befördert.
In den folgenden Jahren diente er an verschiedenen Orten und wurde am 5. Mai 1891 zum Major befördert.
Am 16. Mai 1891 wurde er in das Infanterie-Regiment Nr. 18 einrangiert.
Zu seinen Auszeichnungen gehörten unter anderem:
- Roter Adler-Orden IV. Klasse
- Eisernes Kreuz II. Klasse
- Dienstauszeichnungskreuz
- Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse
- Fürstlich Hohenzollernsches Ehrenkreuz III. Klasse
- Königlich Sächsischer Albrechtsorden, Komturkreuz II. Klasse
1893 wurde Hesse nach Wesel zum Infanterie-Regiment „Herzog Ferdinand von Braunschweig“ (8. Westfälisches) Nr. 57 versetzt und mit dem Kommando über das 3. Bataillon betraut.
Am 18. Oktober 1895 wurde ihm als Oberstleutnant der Abschied bewilligt.
Damit hatte Hesse insgesamt – mit der kurzen Unterbrechung durch seine Verwaltungstätigkeit – rund 31 Jahre im Militärdienst gestanden.
Tod
Paul Hesse starb am 18. Februar 1896 im Alter von 52 Jahren im Clemens-Hospital in Münster an einem Leber- und Magenleiden.
Nur wenige Monate zuvor hatte er seinen Abschied aus dem Militärdienst erhalten.
Beigesetzt wurde er im Erbbegräbnis der Familie seiner Ehefrau auf dem alten Friedhof in Kamen.
Bedeutung für die Geschichte Hernes
Die Herner Amtszeit Paul Hesses dauerte nur vom Frühjahr 1875 bis Januar 1877. Dennoch fällt sie in eine entscheidende Phase der lokalen Verwaltungs- und Stadtgeschichte.
Hesse übernahm das Amt zu einem Zeitpunkt, an dem Herne von einer ländlich geprägten Gemeinde zu einem industriell geprägten Gemeinwesen im entstehenden Ruhrgebiet wurde.
Besonders wichtig war die Teilung des alten Amtsbezirkes Herne im Jahr 1875. Die Gemeinden Herne, Baukau, Horsthausen, Hiltrop, Bladenhorst und Pöppinghausen blieben beim Amt Herne, während Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen dem neuen Amt Wanne zugeordnet wurden.
Damit wurde eine Verwaltungsstruktur geschaffen, die für die weitere Geschichte des Raumes prägend blieb.
Die spätere Entwicklung von Herne und Wanne-Eickel ist ohne diese Verwaltungsneuordnung kaum zu verstehen. Hesses Name steht deshalb – trotz seiner kurzen Dienstzeit und seines späteren Scheiterns als Amtmann – unmittelbar mit einem wichtigen Wendepunkt der kommunalen Geschichte des Herner Raumes in Verbindung.
Genealogische Angaben
| Person | Angaben |
|---|---|
| Paul Hesse | Friedrich Emil Paul Hesse, * 9. September 1843 Rheinsberg, † 18. Februar 1896 Münster |
| Vater | Johann Ludwig Hesse, * 22. Juni 1808 Egeln, † 3. August 1854 Teupitz; Pastor |
| Mutter | Friederike Caroline Auguste Elisabeth Bechthold, * 1827 Zechliner Glashütte, † 20. September 1898 Berlin-Charlottenburg |
| Ehefrau | Adolfine Ernestine Marie Conradine von Mulert, * 18. Januar 1851 Kamen |
| Heirat | 15. August 1871 in Kamen, Haustrauung |
| Tochter | Helene Adolphine Hesse, * 8. November 1872[1] Bückeburg ∞ 24. November 1896 in Dortmund Eduard von Müller (*21. Okt. 1865- v. 1954) , † 21. Juli 1954 Erbach, Ertrunken im Rhein. |
Zeitliche Übersicht
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1843 | Geburt in Rheinsberg |
| 1864 | Eintritt in das Niederrheinische Füsilier-Regiment Nr. 39 |
| 1865 | Beförderung zum Secondeleutnant |
| 1866 | Teilnahme am Deutschen Krieg |
| 1870/71 | Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg; Eisernes Kreuz II. Klasse |
| 1871 | Heirat mit Adolfine von Mulert in Kamen |
| 1872 | Geburt der Tochter Helene in Bückeburg |
| 1875 | Übernahme der kommissarischen Verwaltung des Amtes Herne |
| 1. August 1875 | Teilung des bisherigen Amtsbezirkes Herne in die Ämter Herne und Wanne |
| 6. November 1875 | Definitive Ernennung zum Amtmann des Amtes Herne |
| 1876 | Sprick-Affäre und Krise der Amtssparkasse |
| 17. Januar 1877 | Niederlegung des Amtes in Herne |
| 1877 | Wechsel zum Amt Körbecke |
| 1879 | Rückkehr in den aktiven Militärdienst |
| 1881 | Beförderung zum Hauptmann |
| 1891 | Beförderung zum Major |
| 1893 | Bataillonskommandeur in Wesel |
| 1895 | Abschied als Oberstleutnant |
| 1896 | Tod in Münster |
Quellen und Literatur
- Schaefer, Hermann: Die Geschichte von Herne. Herne 1912, S. 49.
- Rintelen, Wilhelm: Geschichte des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39. Berlin 1893.
- Militär-Wochenblatt, Band 58, Nr. 67, 6. August 1873, S. 606.
- Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg, Jahrgang 1875.
- Der Reichsfreund, Nr. 55, 12. Mai 1877.
- Herner Zeitung, Januar 1877.
- Emscher Zeitung, Oktober 1879.
- Kirchenbücher Rheinsberg, Kamen und Bückeburg.
- Ranglisten der Königlich Preußischen Armee.
- Janik, Andreas: Intermezzo im Kaiserreich – Ein Amtmann in Herne. Genealogische Spuren amtlicher Würden. Herne, September 2020. Die vorliegende Ausarbeitung bildet die Grundlage dieses Artikels.
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Quellen
- ↑ Laut Sterberegister 1880 geboren!

