Herner Ronden (2003)
Die Herner Ronden sind eine 2003 in Herne aufgestellte siebenteilige Stahlskulptur des in Herne geborenen Bildhauers Heinz-Günter Prager. Das Werk entstand im Auftrag der Herner Sparkasse beziehungsweise aus Mitteln der Herner Sparkassenstiftung für Kunst und Kultur. Es steht auf dem Zwickel zwischen dem Rathaus- und dem Friedrich-Ebert-Platz und gehört zu den markanten Kunstwerken im öffentlichen Raum der Herner Innenstadt.
Die Skulptur besteht aus sieben scheibenförmigen Stahlkörpern, den sogenannten Ronden. Die dauerhafte Aufstellung im öffentlichen Raum wurde von der Bezirksvertretung Herne-Mitte am 26. September 2002 beschlossen. Am 5. Juni 2003 wurde die siebenteilige Stahlskulptur der Öffentlichkeit übergeben.[2]
Entstehung
Die Entstehung der Herner Ronden geht auf eine Initiative der Herner Sparkasse im Jahr 2002 zurück. Die Stadt Herne begrüßte ausdrücklich die Absicht, den in Herne geborenen und der Stadt zeitlebens verbunden gebliebenen Künstler Heinz-Günter Prager mit der Schaffung einer Stahlskulptur zu beauftragen und diese im öffentlichen Raum aufzustellen.
Die Kulturverwaltung hatte bereits einige Jahre zuvor den Wunsch geäußert, ein Werk Pragers für Herne anzukaufen. Eine Realisierung war seinerzeit jedoch an fehlenden finanziellen Mitteln gescheitert. Mit der Finanzierung durch die Herner Sparkassenstiftung für Kunst und Kultur konnte dieses Vorhaben schließlich verwirklicht werden.[3]
Die Stiftung beauftragte Prager mit der Herstellung einer Stahlskulptur für den öffentlichen Raum. Als Standort wurde der Bereich zwischen Rathausplatz und Friedrich-Ebert-Platz ausgewählt. Die Bezirksvertretung Herne-Mitte stimmte am 26. September 2002 der beantragten Nutzung des öffentlichen Raumes für die dauerhafte Aufstellung der Skulptur zu.[4]
Am 5. Juni 2003 wurde das Werk der Öffentlichkeit übergeben. Bereits die städtische Beschlussvorlage bezeichnet die Arbeit eindeutig als 7-teilige Stahl-Skulptur.[5]
Gestaltung
Die sieben Ronden sind aus Stahl gefertigt und als eigenständige geometrische Körper auf der Platzfläche angeordnet. Die Kreis- beziehungsweise Scheibenform ist ein wiederkehrendes Element im plastischen Werk Pragers. Durch die unterschiedlichen Dimensionen und die räumliche Stellung der einzelnen Körper entsteht ein Wechselspiel zwischen Fläche, Körper, Gewicht und Raum.
Die Verwendung von Stahl verweist zugleich auf die industrielle Prägung des Ruhrgebiets und insbesondere auf die Geschichte Hernes. Die Skulptur ist jedoch kein gegenständliches Industriedenkmal. Prager reduziert die Form vielmehr auf geometrische Grundelemente und macht deren Verhältnis zueinander zum eigentlichen Gegenstand der künstlerischen Betrachtung.
Der Standort zwischen Rathaus und Friedrich-Ebert-Platz ist dabei Bestandteil der Wirkung des Werkes. Die Ronden treten nicht isoliert als Objekt auf einem Sockel in Erscheinung, sondern sind unmittelbar in die Platzgestaltung einbezogen. Besucher können sich zwischen den einzelnen Elementen bewegen und ihre Proportionen aus unterschiedlichen Entfernungen wahrnehmen.
Gestaltung und Bedeutung
Die Herner Ronden gehören zu Pragers Beschäftigung mit den elementaren geometrischen Körpern. Der Kreis beziehungsweise die Scheibe besitzt keine bevorzugte Blickrichtung und kann deshalb sowohl als Fläche als auch als Körper wahrgenommen werden. Entscheidend ist nicht allein die Form der einzelnen Elemente, sondern deren Verhältnis zueinander und zum sie umgebenden Raum.
Die schwere Materialität des Stahls steht dabei in einem bewussten Gegensatz zu der scheinbaren Leichtigkeit der Anordnung. Die einzelnen Körper wirken teilweise so, als seien sie auf dem Platz abgelegt oder könnten sich aus ihrer gegenwärtigen Position weiterbewegen. Besonders die liegende beziehungsweise geneigte Anordnung einzelner Elemente erzeugt ein Moment möglicher Bewegung.[6]
Die Kreisform besitzt zudem eine Bewegungsassoziation: Eine Scheibe kann als Rad verstanden werden und damit grundsätzlich rollen. Prager setzt diesen möglichen Bewegungsgedanken jedoch in einen öffentlichen Raum, in dem die schweren Stahlkörper tatsächlich unbeweglich sind. Die Spannung zwischen Bewegung und Stillstand gehört damit zu den wesentlichen Wahrnehmungselementen des Werkes.[7]
Auch das Material trägt zur Wirkung der Skulptur bei. Bei Cortenstahl bildet sich unter dem Einfluss der Witterung eine schützende Rostschicht. Die Oberfläche verändert dadurch im Laufe der Zeit ihr Erscheinungsbild und nimmt die Einwirkung von Wetter und Umgebung auf. Die entstehende Patina ist somit Teil der Wahrnehmung des Kunstwerks.[8]
Eine Nutzung der Ronden als Sitzgelegenheiten war nach der Konzeption des Künstlers nicht vorgesehen. Die Körper sind als autonome plastische Formen gedacht und sollen in erster Linie über ihre Materialität, ihre geometrische Gestalt und ihre Beziehung zum Raum wahrgenommen werden.[9]
Mit den Herner Ronden entstand erstmals ein größeres Werk Pragers dauerhaft in seiner Geburtsstadt. Die Stadtverwaltung verband mit dem Projekt deshalb nicht nur eine Bereicherung des öffentlichen Raumes, sondern auch eine besondere Beziehung zwischen dem Künstler und Herne.[10]
Eigentumsübertragung an die Stadt Herne
Die Herner Ronden befanden sich zunächst im Eigentum der Herner Sparkassenstiftung für Kunst und Kultur. Nach ihrer Aufstellung bot das Kuratorium der Stiftung der Stadt Herne die Skulptur im Wege einer Schenkung an. Mit der Schenkung war die Übertragung des Eigentums an dem Kunstwerk auf die Stadt Herne verbunden.
Der Rat der Stadt Herne beschloss, die Schenkung anzunehmen. Nach Einschätzung der städtischen Fachbereiche Kultur, Recht und Finanzen standen einer Annahme keine rechtlichen oder finanziellen Gründe entgegen.[11]
Damit ging die Skulptur dauerhaft in das Eigentum der Stadt Herne über und wurde zu einem Bestandteil des städtischen Kunstbesitzes.
Restaurierung und „Neuenthüllung“ 2015
Im Jahr 2015 wurden die Herner Ronden im Rahmen des Projekts Public Art Ruhr – Neuenthüllungen gereinigt und saniert. Die Initiative der RuhrKunstMuseen hatte zum Ziel, ausgewählte Kunstwerke im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.[12]
Die erneute Präsentation der Herner Ronden fand am 27. Oktober 2015 auf dem Friedrich-Ebert-Platz statt. Neben Heinz-Günter Prager nahmen Vertreter der RuhrKunstMuseen, der Stadt Herne und der beteiligten Kulturinstitutionen teil. Im Anschluss wurde im Ratssaal des Herner Rathauses über die Bedeutung und Verantwortung von Kunst im öffentlichen Raum diskutiert.[13]
Die Veranstaltung war Teil der Reihe Public Art Ruhr – Neuenthüllungen, mit der die RuhrKunstMuseen seit 2013 ausgewählte Kunstwerke im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets erneut öffentlich vorstellten. Die Herner Ronden waren dabei eines der für die Reihe ausgewählten Werke.[14]
Die erneute öffentliche Aufmerksamkeit machte zugleich deutlich, dass die Skulptur inzwischen Bestandteil des Stadtbildes geworden war. Zeitgenössische Berichte über die Veranstaltung betonten die breite Zustimmung zur Arbeit und die Tatsache, dass die Skulptur seit ihrer Aufstellung von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert worden war.[15]
Einordnung in die Kunstlandschaft Hernes
Die Herner Ronden sind Teil einer größeren Gruppe von Kunstwerken im öffentlichen Raum der Stadt. Zusammen mit Arbeiten unter anderem von Günter Tollmann, Günter Dohr, Peter Schwickerath, Herbert Hofer und HD Schrader gehören sie zu jener Kunstlandschaft, die insbesondere seit den 1970er Jahren durch Skulpturen und plastische Arbeiten im Stadtgebiet erweitert wurde.
Für Herne besitzt das Werk darüber hinaus eine besondere biografische Bedeutung, da sein Urheber Heinz-Günter Prager in Herne geboren wurde. Die Herner Ronden verbinden damit einen international beziehungsweise überregional tätigen Bildhauer mit seiner Geburtsstadt.
Die Arbeit ist zugleich ein Beispiel für die Entwicklung der Kunst im öffentlichen Raum im Ruhrgebiet. Statt ein Denkmal im traditionellen Sinn zu errichten, wird der vorhandene Stadtraum selbst zum Bestandteil des Kunstwerks. Die Skulptur besitzt weder Sockel noch erzählerische Darstellung; ihre Wirkung entsteht aus dem Verhältnis von geometrischer Form, Gewicht, Material, Bewegung und Platzraum.
Technische Angaben
| Bezeichnung | Angaben |
|---|---|
| Künstler | Heinz-Günter Prager |
| Titel | Herner Ronden |
| Entstehungsjahr | 2004 |
| Standort | Friedrich-Ebert-Platz, Herne |
| Material | Cortenstahl |
| Durchmesser | etwa 60 bis 160 cm |
| Aufarbeitung | 2015 |
Literatur und Quellen
- RuhrKunstMuseen: Heinz-Günter Prager – Herner Ronden, Objektbeschreibung und Angaben zum Werk.
- Stiftung für Kunst und Kultur e. V.: Public Art Ruhr – Neuenthüllungen, Projektübersicht.
- Brost-Stiftung: Jahrbuch 2015, S. 62–63.
- NRWskulptur: Herner Ronden, Objektbeschreibung und Künstlerbiografie.
- Ruhr-Guide: Herner Ronden von Heinz-Günter Prager, 23. Oktober 2015.
- inHerne: Scheinwerfer auf die „Herner Ronden“, 28. Oktober 2015.
Lesen Sie auch
- Heinz-Günter Prager (1944-2025) Bildhauer, Zeichner und Professor aus Herne (← Links)
- Herner Ronden (2004) (Weiterleitungsseite) (← Links)
Einzelnachweise
- ↑ Arnoldius 2006
- ↑ Rat der Stadt Herne, Beschlussvorlage zur Annahme der Schenkung der „Herner Ronden“ durch die Herner Sparkassenstiftung für Kunst und Kultur, Sachverhalt: Beschluss der Bezirksvertretung Herne-Mitte vom 26. September 2002 zur Nutzung des öffentlichen Raumes sowie Übergabe der siebenteiligen Stahlskulptur am 5. Juni 2003.
- ↑ Rat der Stadt Herne, Beschlussvorlage zur Annahme der Schenkung der „Herner Ronden“, Sachverhalt: Hinweise auf frühere Ankaufsüberlegungen der Kulturverwaltung und deren Scheitern an fehlenden Finanzmitteln.
- ↑ Rat der Stadt Herne, Beschlussvorlage zur Annahme der Schenkung der „Herner Ronden“, Sachverhalt: Beschluss der Bezirksvertretung Herne-Mitte vom 26. September 2002.
- ↑ Rat der Stadt Herne, Beschlussvorlage zur Annahme der Schenkung der von Prof. Heinz-Günter Prager im Auftrag der Herner Sparkassenstiftung für Kunst und Kultur erstellten 7-teiligen Stahl-Skulptur „Herner Ronden“.
- ↑ NRWskulptur: Herner Ronden, Beschreibung der sieben runden Elemente und ihrer räumlichen Anordnung.
- ↑ RuhrKunstMuseen: Herner Ronden, Erläuterungen zur Kreisform, Bewegung und Gegenüberstellung von Ruhe und Bewegung.
- ↑ RuhrKunstMuseen: Herner Ronden, Angaben zu den Eigenschaften des Cortenstahls und zur Patinabildung.
- ↑ RuhrKunstMuseen: Herner Ronden, Hinweis zur fehlenden praktischen Nutzung als Sitzmöglichkeit.
- ↑ Rat der Stadt Herne, Beschlussvorlage zur Annahme der Schenkung der „Herner Ronden“, Sachverhalt: Würdigung Pragers als in Herne geborener und mit Herne verbunden gebliebener Künstler.
- ↑ Rat der Stadt Herne, Beschlussvorlage zur Annahme der Schenkung der von Prof. Heinz-Günter Prager im Auftrag der Herner Sparkassenstiftung für Kunst und Kultur erstellten 7-teiligen Stahl-Skulptur „Herner Ronden“.
- ↑ Stiftung für Kunst und Kultur e. V.: Public Art Ruhr – Neuenthüllungen, Projektübersicht.
- ↑ Stiftung für Kunst und Kultur e. V.: Public Art Ruhr – Neuenthüllungen; Brost-Stiftung: Jahrbuch 2015, S. 62–63.
- ↑ Brost-Stiftung: Jahrbuch 2015, S. 62–63.
- ↑ inHerne: Scheinwerfer auf die „Herner Ronden“, 28. Oktober 2015.
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