Cubecracks in Herne – Das Kunstprojekt von HD Schrader

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Die Cubecracks sind eine Werkgruppe des Künstlers HD Schrader, von der sechs großformatige, rot lackierte Stahlskulpturen seit 1995/1996 dauerhaft im Stadtraum von Herne stehen. Sie gehen aus einem einzigen zerschnittenen Stahlquader hervor und werden der konkreten beziehungsweise konstruktiven Kunst zugerechnet.

Cubecracks
HD Schrader
🗿
Errichtet1995
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Entstehung des Projekts

Die Ausstellung Cube Cracks war 1995 eine gemeinsame Veranstaltung der Städtischen Galerie des Emschertal-Museums und der Flottmann-Hallen in Herne. Der Weg zwischen den beiden Kunstorten wurde dabei selbst zum Ausstellungsort: An den U-Bahn-Stationen entlang der Strecke wurden sechs Cube Cracks aufgestellt, die nach dem Ende der Ausstellung dauerhaft im Stadtraum blieben.[1]

Ausgangspunkt der Werkgruppe war ein Stahlhohlkörper von 2,50 m × 2,50 m × 7,50 m – zu denken als drei aufeinandergestapelte Kuben von je 2,50 m Kantenlänge.[2][3] Diesen Quader zerschnitt Schrader in zwölf Teile. Sechs davon verteilte er über die Stadt, die sechs übrigen waren während der Ausstellung in den Flottmann-Hallen zu sehen.[1][3]

Zur Werkgruppe gehört außerdem eine zwölfteilige Zeichnungsserie von 1995 (Kreide und Buntstift auf Millimeterpapier, je 29,7 × 21 cm), die die konstruktive Idee hinter den Plastiken zeigt und sich seit 2005 in der Städtischen Kunstsammlung Herne befindet.[1]

Die sechs Skulpturen im Stadtraum

Die Herner Cubecracks bestehen aus rot lackiertem Stahl und sind zwischen 1,50 m und 7,50 m hoch.[2] Als Standorte werden genannt:

Damit reihen sich die Objekte als Wegmarken von Schloss Strünkede über die Bahnhofstraße bis zu den Flottmann-Hallen.[2]

Die Standorte sind nicht unverändert geblieben: Cubecrack Nr. 6 fand 2012 seinen Platz im SkulpturenPark Flottmann.[4]


Künstlerisches Konzept

Seit 1974 beschäftigt sich Schrader in Zeichnungen, Bildern, Objekten, Installationen, Animationsfilmen und Skulpturen mit dem Thema „Kunstraum Kubus“.[2][3]

Anders als eine modellierte Plastik, die unter der Hand des Künstlers wächst, oder eine gemeißelte Skulptur, die schrumpft, entstehen die Cubecracks durch Zerschneiden: Der Quader wird in Einzelteile getrennt, die jeweils als eigenständige Form lesbar sind und gleichzeitig auf das nicht mehr vorhandene Ganze verweisen. Schrader selbst formulierte dazu: „Das Weggelassene bestimmt selbstverständlich jedes Stück“.[3] Betrachter können versuchen, die Teile gedanklich wie ein Puzzle wieder zum Quader zusammenzufügen.[2][1]

Die eckigen bis spitzen Formen wirken im Stadtraum zunächst wie Fremdkörper; die Signalfarbe Rot verstärkt diesen Eindruck.[3] Kunsthistorisch werden die Arbeiten der konkreten beziehungsweise konstruktiven Kunst zugerechnet: Der Künstler unterwirft sich beim Entwurf einem vorgegebenen Regelsystem, hier dem systematischen Zerschneiden einer Quaderoberfläche. Die Formen ergeben sich daraus aber nicht zwangsläufig – Schrader setzt die Schnitte so, dass für ihn interessante Formen entstehen. Sie sind insofern Ergebnis subjektiver Entscheidungen.[3]

Bedeutung für Herne

Herne war 1995 die erste Station der Cubecracks. 1996 folgten das Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt sowie das Museum für Kunst und Kulturgeschichte und das Burgkloster in Lübeck; in Lübeck blieben die Cubecracks Nr. 4 und 5 dauerhaft im öffentlichen Raum.[3]

Mit den sechs verbliebenen Arbeiten besitzt Herne ein zusammenhängendes Ensemble konstruktiv-konkreter Skulptur im öffentlichen Raum, das über das Stadtgebiet verteilt ist und in der Landesdokumentation NRWskulptur erfasst ist.[2] Arbeiten Schraders befinden sich zudem in der Sammlung des Emschertal-Museums.[3]

HD Schrader

HD Schrader, eigentlich Hans-Dieter Schrader, wurde 1945 in Bad Klosterlausnitz in Thüringen geboren. Von 1965 bis 1969 studierte er an der damaligen Werkkunstschule Hamburg unter anderem konstruktives Gestalten bei Max Hermann Mahlmann.[2][3]

1972 gehörte er in Antwerpen zu den Mitbegründern der Künstlergruppe internationaler arbeitskreis für konstruktive gestaltung (IAFKG). Seit 1986 hat er eine Professur für Typografie an der Fachhochschule Dortmund inne.[3][5]

Neben den Cubecracks entstanden weitere Werkgruppen zum Kubus, unter anderem Kubusreihungen, Elastic Cubes, Kubushochzeit und Cubes and Trees. Zur EXPO 2000 in Hannover installierte Schrader den Kubuskoog im deutschen Pavillon.[3][2]


Öffentliche Wahrnehmung und Zustand

Wie bei vielen Werken moderner Kunst im öffentlichen Raum verändert sich die Wahrnehmung der Cubecracks mit dem Alter der Installation. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtete unter dem Titel „Verrottet und heruntergekommen“ über Kritik an einer der Herner Cubecrack-Skulpturen.[6]

Hinzu kommt, dass der konzeptuelle Zusammenhang – ein gedanklich rekonstruierbarer Gesamtquader, verteilt über mehrere Orte der Stadt – ohne Vermittlung vor Ort nicht erkennbar ist. Ohne Kenntnis dieses Hintergrundes werden die Fragmente als isolierte Objekte wahrgenommen.


Literatur

  • HD Schrader: Cubecracks. Katalog zur Ausstellung in der Städtischen Galerie des Emschertalmuseums, Herne, 1995, im Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, 1996, sowie im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, 1996. Hrsg. Emschertalmuseum, Herne 1995.
  • HD Schrader: Cubecracks. Katalog zur Ausstellung im Lichtwark Forum in der DG Hyp, Hamburg. Hrsg. Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG, Hamburg 2003 (mit Texten von Lothar Romain und Doris von Drathen).

Weblinks

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Verwandte Artikel

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 RuhrKunstMuseen: Cube Cracks – HD Schrader. Emschertal-Museum Herne, Städtische Galerie, Ruhr 21×21, 21x21.de, abgerufen am 27. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 NRWskulptur: Cubecracks, nrw-skulptur.net, abgerufen am 27. August 2026.
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 Wikipedia: HD Schrader, de.wikipedia.org, abgerufen am 27. August 2026. Der Artikel stützt sich für diesen Abschnitt auf die Katalogtexte von Doris von Drathen und Lothar Romain in: HD Schrader: Cubecracks, hrsg. von der DG Hyp, Hamburg 2003.
  4. Flottmann-Hallen Herne: SkulpturenPark, flottmann-hallen.de, abgerufen am 27. August 2026.
  5. HAW Kiel: Über HD Schrader, haw-kiel.de, abgerufen am 27. August 2026.
  6. „Verrottet und heruntergekommen“: Kritik an Cubecrack-Skulptur in Herne, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, waz.de.