Cubecracks in Herne – Das Kunstprojekt von HD Schrader
Die Werkgruppe „Cubecracks“ des deutschen Künstlers HD Schrader zählt zu den bedeutenden Beispielen konstruktiv-konkreter Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Herne. Seit Mitte der 1990er Jahre prägen sechs großformatige, signalrot lackierte Stahlskulpturen verschiedene Orte der Innenstadt und verbinden dabei Kunst, Stadtraum und geometrisches Denken.
Cubecracks in Herne – Das Kunstprojekt von HD Schrader
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Cubecrack Nr 1
Bild: HD Schrader 2007 [1] -
Cubecrack Nr 2
Bild: Arnoldius 2011 [2] -
Cubecrack Nr 3
Bild: Arnoldius 2011 [3] -
Cubecrack Nr 4
Bild: Arnoldius 2011 [4] -
Cubecrack Nr 5
Bild: Arnoldius 2011 [5] -
Cubecrack Nr 6
Bild: Arnoldius 2011 [6]
Entstehung des Projekts
Das Projekt „Cubecracks“ entstand 1995 im Rahmen einer Ausstellung der Städtischen Galerie des Emschertal-Museums Herne in Zusammenarbeit mit den Flottmann-Hallen. Die Ausstellung verband museale Präsentation mit Kunst im öffentlichen Raum und fand vom 6. Mai 1995 bis zum 2. Juli 1995 statt. [7]
Ausgangspunkt der Werkserie war ein großer Stahlquader mit den Maßen 2,50 × 2,50 × 7,50 Meter. Diesen Hohlkörper zerschnitt Schrader in zwölf einzelne Elemente. Sechs dieser Fragmente wurden dauerhaft im Stadtraum von Herne installiert; die übrigen Teile waren zunächst innerhalb der Ausstellung zu sehen. [8]
Die Herner „Cubecracks“ stehen heute an mehreren Standorten zwischen Schloss Strünkede und den Flottmannhallen. Genannt werden unter anderem:
- Schlosspark Strünkede
- Bereich Bahnhof Herne
- Robert-Brauner-Platz
- Kreuzkirche
- Hölkeskampring / Flottmannstraße
- Straße des Bohrhammers [9]
Die Skulpturen fungieren dadurch zugleich als künstlerische Wegmarken durch das Stadtgebiet.
Künstlerisches Konzept
Die „Cubecracks“ beruhen auf einem zentralen Gedanken der Konkreten Kunst: einer systematisch entwickelten Formensprache. Schrader beschäftigte sich seit den frühen 1970er Jahren intensiv mit dem „Kunstraum Kubus“. Ausgehend von Quadrat- und Kubusreihungen entwickelte er geometrische Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Objekte.[10]
Die „Cubecracks“ erscheinen zunächst wie autonome, kantige Fremdkörper im Stadtraum. Ihre signalrote Farbe verstärkt diese Wirkung. Tatsächlich sind sie jedoch Fragmente eines ursprünglich geschlossenen Körpers. Jede einzelne Form verweist auf das unsichtbare Ganze, aus dem sie hervorgegangen ist. Schrader formulierte dazu sinngemäß, dass gerade das Fehlende die Wirkung jedes Einzelteils bestimme. [11]
Kunsthistorisch werden die Arbeiten der Konkreten Kunst beziehungsweise konstruktiven Kunst zugerechnet. Charakteristisch dafür sind mathematisch-geometrische Ordnungssysteme, serielle Verfahren und eine Reduktion auf klare Formen und Farben. Dennoch verstand Schrader seine Arbeiten nicht als rein mathematische Konstruktionen: Die endgültigen Schnitte und Formen entstanden bewusst nach ästhetischen Entscheidungen des Künstlers. [12]
Bedeutung für Herne
Die Herner Installation besitzt innerhalb von Schraders Werk eine besondere Bedeutung. Die Ausstellung von 1995/96 in Herne war die erste große Präsentation der „Cubecracks“, bevor Teile der Serie anschließend auch in Ingolstadt und Lübeck gezeigt wurden. [13]
Mit den dauerhaft im öffentlichen Raum verbliebenen Arbeiten erhielt Herne ein überregional beachtetes Ensemble zeitgenössischer Skulptur. Die Objekte verbinden verschiedene Orte der Innenstadt miteinander und verändern die Wahrnehmung urbaner Räume. Gerade durch ihre abstrakte Formensprache und ihre auffällige rote Farbgebung setzen sie bewusste Kontraste zur Architektur und zum alltäglichen Straßenbild. [14]
Die „Cubecracks“ gehören heute zu den bekanntesten Beispielen für Kunst im öffentlichen Raum in Herne und sind Bestandteil verschiedener Skulpturenführer Nordrhein-Westfalens.[15]
HD Schrader – Biografischer Hintergrund
HD Schrader wurde 1945 als Hans-Dieter Schrader in Bad Klosterlausnitz in Thüringen geboren. Nach Studienaufenthalten unter anderem am San Francisco Art Institute studierte er von 1965 bis 1969 konstruktives Gestalten an der Werkkunstschule Hamburg bei Max Herrmann Mahlmann. [16]
1972 gehörte er zu den Mitbegründern des „Internationalen Arbeitskreises für konstruktive Gestaltung“ (IAFKG) in Antwerpen. Seit 1986 war Schrader Professor für Typografie an der Fachhochschule Dortmund.[17]
International bekannt wurde Schrader insbesondere durch seine Arbeiten zum Thema Kubus, darunter „Kubusreihungen“, „Elastic Cubes“, „Cube Wedding“ und die „Cubecracks“. Zahlreiche Werke befinden sich im öffentlichen Raum deutscher Städte. [18]
Rezeption und Wirkung
Die „Cubecracks“ werden häufig als Verbindung von rationaler Konstruktion und skulpturaler Dynamik beschrieben. Obwohl sie aus einem strengen geometrischen System hervorgehen, wirken die Formen organisch, beweglich und teilweise sogar instabil. Kunsthistoriker betonen insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen mathematischer Ordnung und subjektiver Formfindung. [19]
In Herne entwickelte sich daraus ein Kunstprojekt, das nicht allein einzelne Skulpturen präsentiert, sondern den gesamten Stadtraum als Ausstellungsfläche versteht. Die Verteilung der sechs Objekte im Stadtgebiet lädt dazu ein, die Stadt über Kunst neu wahrzunehmen und die einzelnen Fragmente gedanklich wieder zu einem imaginären Gesamtquader zusammenzusetzen. ([nrw-skulptur.net][2])
Öffentliche Kritik, Verwahrlosung und Debatten um Erhalt
Mit zunehmendem Alter der Installation verschob sich die öffentliche Wahrnehmung der „Cubecracks“ teilweise deutlich. Während Kunsthistoriker die Werkgruppe weiterhin als bedeutendes Ensemble konstruktiv-konkreter Kunst einordneten, wurden einzelne Skulpturen im Stadtbild zunehmend auch mit Verfall und mangelnder Pflege assoziiert.
Insbesondere seit den 2010er Jahren häuften sich Stimmen, die den Zustand einzelner Objekte kritisierten. In lokalen Diskussionen wurde auf Rost, Verschmutzungen, beschädigte Lackierungen und ein insgesamt „heruntergekommenes“ Erscheinungsbild hingewiesen. Die Skulpturen galten manchen Bürgern nicht mehr als kulturelle Aufwertung, sondern als Symbol städtischer Vernachlässigung.
Besonders deutlich wurde diese Kritik in einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) unter der Überschrift „Verrottet und heruntergekommen – Kritik an Cubecrack-Skulptur in Herne“. Darin wurde geschildert, dass Bürger den Zustand einer der roten Stahlplastiken beanstandeten und eine Sanierung beziehungsweise Umsetzung forderten. Die Diskussion bezog sich dabei nicht nur auf den materiellen Zustand, sondern auch auf die Frage, ob die Skulpturen noch zeitgemäß seien und tatsächlich zur Aufenthaltsqualität der Innenstadt beitrügen.
Die Debatte zeigt exemplarisch ein Spannungsfeld, das viele Werke moderner Kunst im öffentlichen Raum betrifft: Einerseits besitzen sie kunsthistorischen Wert und sind Teil kommunaler Erinnerungskultur; andererseits verändert sich ihre Wahrnehmung durch Alterung, Standortentwicklung und gesellschaftliche Erwartungen an den öffentlichen Raum.
Kritiker beschrieben die „Cubecracks“ teilweise als „Schandmal“, „Stahlklötze“ oder „verrottete Kunstobjekte“. Befürworter verwiesen dagegen darauf, dass die Arbeiten seit 1995 ein prägendes Element der Herner Stadtkultur seien und gerade ihre markante Präsenz eine bewusste Irritation im urbanen Raum erzeugen solle. Zudem handele es sich um eines der wenigen dauerhaft erhaltenen Großensembles von HD Schrader im öffentlichen Raum Nordrhein-Westfalens.[20]
Hinzu kommt, dass die ursprüngliche Idee der Installation – ein gedanklich rekonstruierbarer Gesamtkubus, verteilt über mehrere Orte der Stadt – im Laufe der Jahre vielen Passanten nicht mehr bekannt war. Ohne Kenntnis des konzeptuellen Hintergrundes wurden die einzelnen Fragmente oft nur noch als isolierte Objekte wahrgenommen. Dadurch ging ein wesentlicher Teil des künstlerischen Zusammenhangs verloren.
Trotz der wiederkehrenden Kritik blieben die „Cubecracks“ bislang Bestandteil des öffentlichen Kunstbestandes Hernes. Die Diskussion um Pflege, Restaurierung und mögliche Standortveränderungen verdeutlicht jedoch, dass öffentliche Kunstwerke dauerhaft auf gesellschaftliche Akzeptanz, kommunale Unterhaltung und kulturelle Vermittlung angewiesen sind.
Literatur und Quellen
- WAZ: „WAZ lädt zu Kulturspaziergängen in Herne ein“ – Beschreibung der ursprünglichen Konzeption und Standorte der „Cubecracks“.
- NRW Skulptur: Werkbeschreibung und Einordnung der Installation.
- RuhrKunstMuseen / 21x21: Dokumentation der Ausstellung „Cube Cracks“ 1995 in Herne.
- HD Schrader: *Cubecracks*. Ausstellungskatalog der Städtischen Galerie des Emschertalmuseums Herne, 1995.
- NRW Skulptur: „Cubecracks“ [21]
- Wikipedia: „HD Schrader“ [22]
- RuhrKunstMuseen / 21x21: Informationen zur Ausstellung „Cube Cracks“ ([21x21.de][1])
- HAW Kiel: Biografie und Werkübersicht zu HD Schrader [23]
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Verwandte Artikel
Quellen
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:HD_Schrader-1996-Cubecrack_Nr_1-Herne.jpg
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cubecrack_Nr._2_(02).jpg
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cubecrack_Nr._3_(01).jpg
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cubecrack_Nr._4_(01).jpg
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cubecrack_Nr._5_(01).jpg
- ↑ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cubecrack_Nr._6_(02).jpg
- ↑ https://21x21.de/emschertal-museum-herne-staedtische-galerie/reaktion-auf-flottmann-hallen-herne/?utm_source=chatgpt.com "Reaktion Emschertal-Museum Herne, Städtische Galerie auf Flottmann-Hallen Herne : Ruhr 21×21"
- ↑ https://nrw-skulptur.net/skulptur/cubecracks/?utm_source=chatgpt.com "Cubecracks • NRWskulptur"
- ↑ https://nrw-skulptur.net/skulptur/cubecracks/?utm_source=chatgpt.com "Cubecracks • NRWskulptur"
- ↑ https://nrw-skulptur.net/skulptur/cubecracks/?utm_source=chatgpt.com "Cubecracks • NRWskulptur"
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/HD_Schrader?utm_source=chatgpt.com "HD Schrader"
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/HD_Schrader?utm_source=chatgpt.com "HD Schrader"
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- ↑ https://nrw-skulptur.net/skulptur/cubecracks/?utm_source=chatgpt.com "Cubecracks • NRWskulptur"
- ↑ https://nrw-skulptur.net/skulptur/cubecracks/?utm_source=chatgpt.com "Cubecracks • NRWskulptur"
- ↑ https://www.haw-kiel.de/campuskunst-d/projekte/hd-schrader-kubus-balance/ueber-hd-schrader/?utm_source=chatgpt.com "Über HD Schrader | HAW Kiel"
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/HD_Schrader?utm_source=chatgpt.com "HD Schrader"
- ↑ https://www.haw-kiel.de/campuskunst-d/projekte/hd-schrader-kubus-balance/ueber-hd-schrader/?utm_source=chatgpt.com "Über HD Schrader | HAW Kiel"
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/HD_Schrader?utm_source=chatgpt.com "HD Schrader"
- ↑ WAZ: Verrottet und heruntergekommen“: Kritik an Cubecrack-Skulptur in Herne
- ↑ https://nrw-skulptur.net/skulptur/cubecracks/?utm_source=chatgpt.com "Cubecracks • NRWskulptur"
- ↑ https://en.wikipedia.org/wiki/HD_Schrader?utm_source=chatgpt.com "HD Schrader"
- ↑ https://www.haw-kiel.de/campuskunst-d/projekte/hd-schrader-kubus-balance/ueber-hd-schrader/?utm_source=chatgpt.com "Über HD Schrader | HAW Kiel"

