Herner Licht-Tor - Lichtkunstobjekt an der Bahnhofstraße

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Das sogenannte „Herner Licht-Tor“ ist ein Lichtkunstobjekt des Krefelder Künstlers Günter Dohr in der Herner Innenstadt. Die Installation befindet sich an der Kreuzung Bahnhofstraße / Neustraße in Herne und gehört zu den markantesten Beispielen für Lichtkunst im öffentlichen Raum der Stadt. Das Werk entstand im Zuge der grundlegenden Neugestaltung des Boulevards Bahnhofstraße zwischen 1999 und 2003.

Herner Licht-Tor
Bild: Arnoldius 2005[1]
🗿
Errichtet2001
Die Karte wird geladen …

Entstehungskontext

Ende der 1990er Jahre wurde die Bahnhofstraße als zentrale Einkaufsstraße Hernes umfassend umgebaut und städtebaulich aufgewertet. Ziel war es, die zuvor als funktional und wenig charakteristisch wahrgenommene Fußgängerzone gestalterisch neu zu definieren. Licht wurde dabei zum zentralen Leitmotiv des gesamten Boulevardkonzepts. Nach Plänen des Dortmunder Büros „Professor Krause und Partner“ entstanden entlang der Achse mehrere Licht- und Leuchtkunstobjekte verschiedener Künstler.

Das „Herner Licht-Tor“ wurde 2001 errichtet. Es bildet zusammen mit weiteren Installationen — darunter „Licht unter der Brücke“ an der Bahnunterführung und der „Licht-Punkt“ an der Vinckestraße — eine zusammenhängende künstlerische Lichtachse durch die Innenstadt.

Künstler

Der Künstler Günter Dohr (* 7. Juli 1936 in Münster; † 25. Februar 2015 Krefeld) zählte zu den bedeutenden Vertretern konstruktiver Lichtkunst im Ruhrgebiet. Seit den 1960er Jahren arbeitete er mit kinetischen und lichtbasierten Objekten und entwickelte zahlreiche Installationen im öffentlichen Raum. Charakteristisch für seine Arbeiten ist die Verbindung geometrischer Konstruktionen mit künstlichem Licht als raumbildendem Element.

Dohr lehrte von 1980 bis 1999 als Professor an der Fachhochschule Niederrhein im Fachbereich Design. Viele seiner Werke entstanden im Zusammenhang mit Architektur und Stadtplanung.

Beschreibung des Kunstwerks

Das „Herner Licht-Tor“ besteht aus vier großformatigen rechteckigen Lichtkörpern, die auf einer bis zu sieben Meter hohen Stahlkonstruktion montiert sind. Die Lichtflächen bestehen aus mattiertem Glas und werden von farbigen Neonröhren hinterleuchtet. Verwendet werden unter anderem weiße, grüne, blaue und gelbe Lichtfarben.

Die Konstruktion erinnert formal an ein Stadttor oder an abstrahierte Werbe- und Schaufensterflächen einer Geschäftsstraße. Die Stahlrahmen greifen zugleich vertikale Strukturen der umgebenden Straßenbäume auf. Besonders bei Dunkelheit entfaltet die Installation ihre Wirkung, da das diffuse Licht weich in den Straßenraum abstrahlt.

Nach Darstellung des Projekts NRWskulptur interpretiert Dohr hier die traditionelle Idee eines Stadttors neu: Nicht als abschließendes Bauwerk, sondern als optisch öffnendes Element im urbanen Raum.

Städtebauliche Bedeutung

Das Werk markiert einen wichtigen Kreuzungspunkt innerhalb der Herner Fußgängerzone. Durch seine erhöhte Konstruktion wirkt es sowohl tagsüber als plastisches Zeichen im Stadtraum als auch nachts als weithin sichtbare Lichtmarke. Die Installation wurde bewusst nicht isoliert, sondern als Bestandteil eines gesamten städtischen Gestaltungskonzepts entwickelt.

Das Licht-Tor steht exemplarisch für die städtebaulichen Leitideen der frühen 2000er Jahre im Ruhrgebiet, bei denen Kunst im öffentlichen Raum zur Imagebildung ehemaliger Industriestädte eingesetzt wurde. Anders als klassische Denkmäler besitzt das Werk keinen narrativen oder historischen Inhalt, sondern wirkt atmosphärisch und identitätsstiftend über Farbe, Licht und räumliche Wahrnehmung.

Restaurierung und Erhalt

Die Installation war wiederholt Ziel von Vandalismus und Witterungsschäden. Im Jahr 2020 wurde das Objekt umfassend restauriert. Dabei ersetzte die Stadt Herne die ursprüngliche Beleuchtung teilweise durch moderne LED-Technik, wobei versucht wurde, den ursprünglichen Charakter der Lichtwirkung zu erhalten. Die Kosten der Instandsetzung beliefen sich auf rund 30.000 Euro. Unterstützt wurde die Maßnahme durch die Kulturinitiative Herne und die Herner Sparkasse.

Die Restaurierung verdeutlicht den inzwischen anerkannten kulturhistorischen Stellenwert der Lichtkunstobjekte entlang der Bahnhofstraße.

Kunsthistorische Einordnung

Das „Herner Licht-Tor“ gehört zur Tradition konstruktiver und geometrischer Lichtkunst, wie sie seit den 1960er Jahren insbesondere im Umfeld kinetischer Kunst entwickelt wurde. Anders als monumentale Skulpturen arbeitet Dohrs Installation primär mit immateriellen Mitteln: Licht, Farbe, Transparenz und räumlicher Wirkung.

Innerhalb des Ruhrgebiets steht das Werk zugleich in einer Reihe kommunaler Kunstprojekte, die seit den 1980er Jahren ehemalige Industrie- und Geschäftsräume kulturell aufwerten sollten. Vergleichbare Ansätze finden sich etwa bei Lichtinstallationen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park oder später im Projekt „Hellweg – ein Lichtweg“.

Rezeption

In lokalen Veröffentlichungen wird das „Herner Licht-Tor“ regelmäßig als prägendes Element der Innenstadt genannt. Besonders in den Abendstunden gilt die Lichtachse der Bahnhofstraße als charakteristisches Merkmal des Boulevards.

Die Installation gehört heute zu den bekanntesten Beispielen öffentlicher Kunst im Zentrum Hernes und ist Bestandteil verschiedener Stadtrundgänge und Dokumentationen zur Kunst im öffentlichen Raum.

Technische Daten

Titel	 Herner Licht-Tor / Licht-Tor
Künstler	 Günter Dohr
Standort	 Bahnhofstraße / Neustraße
Entstehungsjahr	 2001
Material	 Stahl, Mattglas, Neonröhren
Höhe	 ca. 7 Meter
Kunstgattung	 Lichtinstallation / Lichtkunst
Auftraggeber	 Stadt Herne im Rahmen der Boulevard-Neugestaltung

Quellen und Literatur

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.

Verwandte Artikel


Quellen