Gartenstadt (Herne-Eickel) 1912
Die Gartenstadt ist ein Wohnquartier im Herner Stadtteil Eickel. Die Siedlung entstand ab dem frühen 20. Jahrhundert nach den Prinzipien der Gartenstadtbewegung und gehört zu den frühen Beispielen dieses städtebaulichen Konzepts im Ruhrgebiet. Charakteristisch sind kleinteilige Wohnhäuser, gartenreiche Grundstücke und Straßennamen mit Bezug zur Pflanzenwelt.
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Gartenstadt (Herne-Eickel)
Entstehung
Hintergrund: Gartenstadtbewegung
Die Entstehung der Siedlung steht im Zusammenhang mit der Gartenstadtbewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Ziel dieser Bewegung war es, als Gegenmodell zu den dicht bebauten und oft ungesunden Wohnquartieren der Industrialisierung neue Wohnformen mit mehr Grünflächen, Gärten und niedrigeren Gebäuden zu schaffen.
Solche Siedlungen sollten eine Verbindung von städtischem Leben und ländlicher Umgebung herstellen und eine bessere Lebensqualität für Arbeiter- und Angestelltenfamilien bieten.
Planung und Bau ab 1912
Die konkrete Umsetzung in Eickel geht auf den damaligen Amtmann Karl Berkermann zurück. Er griff die Ideen der Gartenstadtbewegung auf und initiierte die Planung einer entsprechenden Wohnsiedlung.
1912 begann die Bebauung des Geländes am Kuhkamp.
Bauherr bzw. organisatorischer Träger war die Treuhandstelle Bergmannswohnstätten, die sich mit der Planung von Wohnraum für Arbeiter beschäftigte.
Errichtet wurden überwiegend zwei- und dreigeschossige Wohnhäuser mit Gärten.
Die ersten Straßen trugen zunächst andere Namen. Beispiele sind:
- Bülowstraße (heute Dahlienweg)
- Katzbachstraße (heute Tulpenweg)
Viele Straßennamen orientieren sich seit 1947 an Pflanzen und Blumen (z. B. Rosenring, Tulpenweg oder Veilchenweg), was das Konzept der „grünen“ Siedlung unterstreicht.
Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs (1914–1918) kam die Bautätigkeit weitgehend zum Erliegen. Erst 1921/22 konnte die Planung wieder aufgenommen und abgeschlossen werden.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
Zwischenkriegszeit
In den 1920er-Jahren wurde die Siedlung schrittweise erweitert und konsolidiert. Gleichzeitig entstand in der Nähe eine Reihe von Kleingartenanlagen, die das grüne Umfeld der Siedlung ergänzten.
Eine wichtige Anlage war der spätere Kleingärtnerverein Gartenstadt, dessen Wurzeln auf die Teilung eines größeren Gartenvereins in den Jahren 1933/34 zurückgehen. Die Anlage entstand auf einem ehemaligen Ziegeleigelände, das durch die Stadt Wanne-Eickel für kleingärtnerische Nutzung vorbereitet wurde.
Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau
Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Gartenstadt vergleichsweise wenig zerstört. Nach Kriegsende bildeten die Bewohner 1947 eine Siedler- und Aufbaugemeinschaft, die sich um Wiederaufbau und Erweiterung kümmerte.
Weitere Bauphasen folgten:
- 1949: Bau neuer Eigenheime am Sonnenblumenweg
- 1952: weitere Wohnhäuser am Rosenring
- bis 1961: Schließung von Baulücken und Beseitigung vereinzelter Kriegsschäden
Zu diesem Zeitpunkt galt die Gartenstadt als vollständig ausgebaut.
Struktur der Siedlung
Die Siedlung umfasst:
- eine Fläche von mehr als 14 Hektar
- etwa 252 Wohnhäuser
- überwiegend ein- bis zweieinhalbgeschossige Gebäude
- Das Gesamtbild ist bis heute geprägt von Gärten, Grünflächen und einer relativ lockeren Bebauung.
Entwicklung der Kleingartenanlagen
Parallel zur Wohnsiedlung entwickelte sich eine ausgeprägte Kleingartenkultur.
- Kleingartenverein Gartenstadt e. V.
- KGV Aschebruch e.V
Entwicklung im 21. Jahrhundert
Verkehrsberuhigung und Fahrradzone
In jüngerer Zeit wurden Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung umgesetzt.
- 2022 richtete die Stadt Herne im Quartier Gartenstadt die erste Fahrradzone der Stadt ein.
- Sie umfasst 18 Straßen, auf denen der Radverkehr Vorrang hat.
- Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge beträgt 30 km/h.
Die Maßnahme wurde zunächst als Verkehrsversuch eingeführt und soll zu mehr Sicherheit und Lebensqualität im Quartier beitragen.
Bedeutung
Die Gartenstadt in Eickel ist ein Beispiel für die Umsetzung der Gartenstadtidee im Ruhrgebiet und zeigt die Entwicklung vom frühen Arbeitersiedlungsbau des 20. Jahrhunderts hin zu einem heute ruhigen Wohnquartier mit starkem Grünanteil.
Die Siedlung zeichnet sich insbesondere aus durch:
- gartenreiche Grundstücke und lockere Bebauung
- thematisch gestaltete Straßennamen mit Pflanzenbezug
- angrenzende Kleingartenanlagen
- eine bis heute weitgehend erhaltene Siedlungsstruktur.
Damit bildet die Gartenstadt ein charakteristisches historisches Wohngebiet innerhalb der Stadt Herne.
Die Gartenstadt Dorneburg.
Oestlich des alten Gutshofes Dorneburg, auf dem sogenannten„Kuhkamp“, herrscht seit einigen Monaten ein reges Leben. Auf diesem ehemals Herzoglich Arenbergischen Gelände sind 52 Ein= und Zweifamilienhäuser entstanden, die, in ihrem Rohbau bereits fertiggestellt, den Anfang der Gartenstadl Dorneburg bilden.
Im Herbst vorigen Jahres hat die Gemeinde Eickel von der Herzoglich=Arenbergischen Renteiverwaltung das 132 Morgen große Wiesen= und Feldgelände zum Preise von 332640 Mt. erworben, um darauf eine Eigenheim Kolonieanlage zu errichten Das Arenbergische Gelände schließt sich unmittelbar an die Nordseite des geschlossenen Ortskerns an und grenzt östlich in einer ungefähr 70 Meter langen Front an die Dorstener Straße. Westlich bildet ein vier Meter breiter Kulturweg den Zugang von der Königstraße aus, während südlich das Gelände mit einer Landzunge bis an die Herzogstraße reicht. Das Gartenstadtgelände wird in seinem östlichen Teil von dem Dorneburger Mühlenbach durchschnitten, der unlängst von der Emschergenossenschaft umgelegt und reguliert worden ist. Die Kanalhafenbahn Wanne-Bochum, die noch in diesem Jahre in Angriff genommen wird, durchschneidet gleichfalls das Gelände und bildet für die restlose Erschließung des Bauterrains eine wesentliche Hemmung. Beide Anlagen sind für die freie Entwicklung arge Beschränkungen und schreiben notwendig die Richtungslinien der Straßenzüge in der neuen Gartenstadt vor. Die Hauptstraßen sind folgende: Eine breite Straße mit Mittelallee, welche bereits im Jahre 1912 geplant war, stellt die Verbindung her zwischen Königstraße und Dorstener Straße. Sie gliedert sich zweckmäßig in den Bebauungsplan des Gartenstadtgeländes ein, indem von ihr aus die übrigen Straßenzüge abzweigen. An der West= und Nordseite der Gartenstadt liegen zwischen dem eigentlichen Grundstück und der nächsten Straße tiefe, im Privatzbesitz befindliche Grundstücke, die größtenteils der Bergwerksgesellschaft „Hibernia“, gehören. Durch diese Grundstücke sollen vier Zugangswege geschaffen werden, um die Gartenstadt mit dem benachbarten Wegenetz zu verbinden. Der erste dieser Wege ist fahrbar und führt von der Königstraße her im Zuge der schon erwähnten breiten Alleestraße nach dem geschlossenen Orte. Der zweite Zugangsweg soll zunächst als Fußweg in der Verlängerung der Manteuffelstraße hergestellt werden. Ein dritter fahrbarer Weg wird von der Dorneburg her angelegt ind ein vierter, wiederum nur Fußpfad, von der Nordseite des Baugeländes zur Holsterhausener Straße.
Die Gemeinde Eickel hat mit der Bergwerksgesellschaft „Hibernia“ einen Vertrag abgeschlossen nach dem die Gemeinde die erforderlichen Grundflächen unentgeltlich erhält. Dagegen verflichtet sich die Gemeinde, die Kellerdecken der Kleinbauten in Eisenbeton herzustellen und keine Reihenhäuser zu erbauen. Die Straßen der Gartenstadt erhalten nur geringe Fahrbahnbreite, meist nur drei bis fünf Meter und seitliche Bürgersteige, die zwei und ein Meter breit sind. Die Regenwässer werden durch die Straßenrinnen, die Küchenwässer und zum Teil auch die Fäkalien durch unterirdische Kanäle in den Dorneburger Mühlenbach geleitet. Der Mühlenbach hat einen Ausbau der Sohle mit Zementschalen und ein Gefälle von 1: 200 erhalten. Größtenteils fließt er als offener Graben durch die Kolonie. Seine Böschungen werden mit Sträuchern bepflanzt.
Die Straßen der Gartenstadt werden chausseemäßig mit Asche befahren, die Bürgersteige erhalten eine feste Teerdecke. Gegenwärtig ist man noch mit der Einbettung der Kanalisation, der Gas= und Wasserleitung und der elektrischen Kabel beschäftigt, Erst nach Fertigstellung dieser Arbeiten, die sich in folge der notwendigen Tiefenverhältnisse rech schwierig gestalten, kann mit der Ebnung und der Ausbau der Straßen begonnen werden. Hand in Hand hiermit geht die Anlage der Vorgarten und der sonstigen Grünflächen. Die Aufteilung des Geländes, die Anordnung von bebauten Flächen zu Grün= und Wiesengürteln, wie freien Plätzen, die Zweckmäßigkeit der Wohnanlage und die künstlerisch Gestaltung der Fassaden wie zweckmäßige Gruppierung der Hausbauten ist hier mustergültig gelöst.
52 Häuschen sind bereits unter Dach und Fach gebracht. Das Gesamtgelände reicht für ca. 350 Hausbauten bei einer Größe von 85 bis 40 Quadratruten pro Eigentum. Die Gruppierung der einzelnen Haus= und Gartenanlagen ist so gehalten, daß der Eindruck einer eintönigen Regelmäßigkeit aufgehoben ist. Ueberall sind freie Plätze und Grünflächen eingeschoben. Zwei große quadratisch gehaltene Plätze (Marktplatz) in einer Größe von 45 X 55 Meter und eine ovale Platzanlage, die ein Brunnenarrangement aufnehmen soll, sind vorgesehen und bereits abgesteckt. Die Gebäude erhalten ohne Ausnahme Vorgärten, deren Breite je nach der Lage geregelt wird. Die Vorgarteneinfriedigung wird in jeder Straße einheitlich ausgeführt, die Vorgärten selbst entsprechen den Hausbauten. Die Bepflanzung der Straßen und der Plätze erfolgt durch den Gemeindegärtner.
Die einzelnen Häuser sind nach modernen Gesichtspunkten angelegt und bestehen mit Ausnahme der größeren Geschäftshäuser um die freien Plätze aus Fachwerkbau. In bunter Abwechslung sind Ein= und Zweifamilienhäuser errichtet die bereits am 1. Oktober bezogen werden sollen. Freundlich und belebend leuchten die roten Ziegeldächer aus dem Grauschwarz des Landschaftsbildes hervor. Prächtig nimmt sich die Verschiedenartigkeit der Fassadengestaltung aus, die aber erst richtig wirkt, wenn sämtliche Häuser ihren belebenden Kunstputz erhalten haben.
Der einzelne Hausbau erfüllt die Forderung nach gesunder und sittlicher Wohnweise; dabei ist er zweckmäßig und geschmackvoll eingerichtet. Die Einfamilienhäuser erhalten alle sechs Zimmer. Eine Weiterverpachtung an fremde Personen ist nicht gestattet, nur die Beinahme von Verwandten ist erlaubt. Sämtliche Häuser erhalten je nach Wunsch des Eigentümers Gas= oder elektrisches Licht und Dampfheizung. Sie sind unterkellert und weisen alle eine durchaus bürgerliche. geschmackvolle Inneneinrichtung auf. In einzelnen Häusern ist neben der Wohnküche eine Spülküche eingerichtet, in der sich neben der Spülvorrichtung auch die Vorrichtungen für die Badegelegenheit der Famille befinden. Jede Wohnung erhält eigene Spülklosetts. Als Leitmotiv ist maßgebend gewesen, dem Industriearbeiter und Industriebeamten die Freude an der Natur und ihren Genuß und die Genugtnung des Eigenbesitzes zu geben. Und darin wird Eickel vorbildlich sein. Mit wenigen Ersparnissen, nur 600 bis 1000 Mf. ist es dem einfachen Mann hier möglich gemacht, sich ein eigenes Heim zu schaffen. Außer den 52 Hausbauten, liegen heute schon zahlreiche Baugesuche vor, so daß im nächsten Jahre bereite mit dem Bau weiterer 50 Häuser begonnen werden kann. Dem weitsichtigen, von sozialem Empfinden bewegten Leiter Eickels aber kann man nur rückhaltlos Lob spenden, daß er den Schritt gemagt und durchgeführt hat. im Herzen des rauchigen Industriegebietes eine Gartenstadt ins Leben zu rusen. in welcher man wieder Frende an der Natur geminnt und in welcher das Wort vom „trauten Heim“, lebendige Wahrheit wird.
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