Franz-Josef Hoffmann (1929-2009) Pfarrer

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel

Franz-Josef Hoffmann (*21. Januar 1929 in Havixbeck; † 11. Dezember 2009) war ein deutscher römisch-katholischer Priester des Erzbistum Paderborn und von 1970 bis 2004 Pfarrer der Gemeinde St. Laurentius in Wanne-Eickel (Herne). Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit prägte er über Jahrzehnte die Entwicklung des katholischen St. Anna Hospital sowie das kulturelle und kirchliche Leben in Wanne-Nord. Bekannt wurde er außerdem durch sein Engagement für sakrale Kunst und seine Kontakte zur katholischen Untergrundkirche in der damaligen Tschechoslowakei.

Franz-Josef Hoffmann
Hoffmann Franz-Josef (1929-2009) Pinwand 2004 .png
Hoffmann Franz-Josef (1929-2009) Pinwand 2004 .png
Geboren am: 21. Januar 1929
Geboren in: Havixbeck
Gestorben am: 11. Dezember 2009
Gestorben in: Herne
Friedhof: Kath. Friedhof St. Laurentius
Beruf: Pfarrer
Letzte Änderung: 16.03.2026
Geändert von: Andreas Janik


Leben

Franz-Josef Hoffmann wurde am 21. Januar 1929 im münsterländischen Havixbeck geboren.

Nach dem Studium der katholischen Theologie wurde er am 6. August 1954 in Paderborn zum Priester geweiht.

Im November 1970 übernahm er die Pfarrstelle der katholischen Gemeinde St. Laurentius in Wanne-Nord. Dort blieb er 34 Jahre lang Pfarrer, bis er 2004 in den Ruhestand ging.

Hoffmann starb am 11. Dezember 2009 im Alter von 80 Jahren.

Pfarrer von St. Laurentius (1970–2004)

Mit der Übernahme der Pfarrstelle wurde Hoffmann gleichzeitig Vorsitzender des Kirchenvorstandes und damit auch verantwortlich für die kirchlichen Einrichtungen der Gemeinde.

Zu diesen gehörte insbesondere das St. Anna Hospital, dessen Trägerschaft bei der Kirchengemeinde lag. Damit wurde Hoffmann automatisch zum obersten kirchlichen Dienstherrn des Krankenhauses.

Sein Ruhestand wurde in einer Hauszeitschrift des Krankenhauses mit einem historischen Bild kommentiert: Die Karikatur „Der Lotse geht von Bord“ – ursprünglich eine Anspielung auf den Rücktritt von Otto von Bismarck – wurde als Metapher für Hoffmanns Abschied verwendet.

Rolle beim St. Anna Hospital

Krise bei Amtsantritt

Als Hoffmann 1970 nach Wanne kam, befand sich das St. Anna Hospital in einer schweren wirtschaftlichen Krise:

  • hohe Schulden und Außenstände
  • konfliktreiche Beziehungen zu Krankenkassen
  • Kritik an zu langen Liegezeiten
  • Kredite in Höhe von etwa einem halben Jahresumsatz
  • Rückzug der letzten Ordensschwestern der Vinzentinerinnen

In der Öffentlichkeit wurde bereits diskutiert, ob die Stadt Wanne-Eickel das Krankenhaus übernehmen müsse.

Zusammenarbeit mit Gisbert Fulland

Der Kirchenvorstand entschied sich schließlich für einen neuen Verwaltungsleiter: Gisbert Fulland, den jüngsten der Bewerber.

Unter seiner Leitung stabilisierte sich die Situation des Krankenhauses. Hoffmann unterstützte ihn vor allem bei:

  • Personalentscheidungen auf Führungsebene
  • strategischen Planungen
  • Gesprächen mit Chefärzten und externen Partnern

Hoffmann selbst betonte später, er habe vom operativen Krankenhausmanagement wenig Erfahrung gehabt und deshalb auf die Kompetenz seines Verwaltungsleiters vertraut.

Konflikte und Gerichtsverfahren

Zu den schwierigsten Phasen gehörte ein Konflikt Anfang der 1990er Jahre über den Bau von Sanitärzellen im Krankenhaus. Krankenkassen warfen dem Hospital vor, der Bau sei mit unrechtmäßig erhaltenen Geldern finanziert worden.

In diesem Zusammenhang wurde Hoffmann vor dem Landgericht Bochum angeklagt – ein ungewöhnlicher Vorgang, da erstmals im Erzbistum Paderborn ein Pfarrer wegen eines Krankenhausprojektes vor Gericht stand.

Zu einer strafrechtlichen Hauptverhandlung kam es letztlich nicht.

Arbeitskonflikt mit Assistenzärzten

Mitte der 1970er Jahre geriet das Krankenhaus erneut in eine Krise, als sämtliche Assistenzärzte gleichzeitig kündigten. Hintergrund waren Streitigkeiten über Überstunden und Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste.

Nach intensiven Verhandlungen mit Chefärzten, Kirchenvertretern und dem Marburger Bund konnte eine Lösung gefunden und die medizinische Versorgung aufrechterhalten werden.

Strategische Entwicklung

Gemeinsam mit anderen Krankenhäusern der Region wurden zudem Gespräche über eine Neuordnung der Krankenhauslandschaft in Wanne-Eickel geführt.

Statt eines Bettenabbaus entschied man sich schließlich für neue medizinische Schwerpunkte. Besonders wichtig war die Gründung einer orthopädischen Klinik, die sich später als richtungsweisend erwies.

Nach seinem Ruhestand blieb Hoffmann noch bis Mai 2005 Mitglied im Verwaltungsrat der Trägergesellschaft des Krankenhauses.

Kontakte zur tschechoslowakischen Untergrundkirche

Bereits seit den 1960er Jahren unterhielt Hoffmann Kontakte zur katholischen Untergrundkirche in der kommunistischen Tschechoslowakei.
Er unterstützte:

  • Theologiestudenten
  • heimlich tätige Priester
  • kirchliche Netzwerke, die vom Staat verfolgt wurden.

In diesem Zusammenhang transportierte er mehrfach kirchliche Dokumente aus der Tschechoslowakei über Wanne-Eickel nach Rom, um sie dem Vatikan zugänglich zu machen.

Wegen dieser Aktivitäten erhielt Hoffmann 13 Jahre lang Einreiseverbot in die Tschechoslowakei; der Staatssicherheitsdienst des Landes hatte ein besonderes Interesse an seiner Festnahme.

Engagement für Kunst und kirchliche Kultur

Neben seiner seelsorgerischen Arbeit war Hoffmann ein engagierter Förderer moderner religiöser Kunst.

Durch seine Initiative erhielt die Kirche St. Laurentius und der Kath. Friedhof St. Laurentius eine bemerkenswerte Sammlung sakraler Kunstwerke verschiedener Epochen.

Sein Ziel war es, Kunst als Ausdruck religiösen Glaubens stärker in das Gemeindeleben einzubeziehen.

„Entdecken Sie, wie viel Glaube, wie viel Gottvertrauen in allen Kunstwerken liegt. Lassen Sie sich ansprechen von dem, der in diesem Raum den Menschen begegnen will: Gott“.[1]

Ruhestand und spätere Jahre

Nach seinem Rücktritt als Pfarrer 2004 engagierte sich Hoffmann noch einmal beim Ausbau der Kapelle in der neuen Eingangshalle des St. Anna Hospitals.

Anschließend zog er sich weitgehend aus öffentlichen Funktionen zurück, blieb aber weiterhin Ansprechpartner und Berater für kirchliche und soziale Fragen.

Bedeutung

Franz-Josef Hoffmann gilt als eine prägende Persönlichkeit der katholischen Kirche in Wanne-Eickel im späten 20. Jahrhundert.

Sein Wirken umfasste drei zentrale Bereiche:

  • Seelsorge und Gemeindeleitung über mehr als drei Jahrzehnte
  • Sanierung und Entwicklung des St. Anna Hospitals
  • Engagement für internationale kirchliche Solidarität und sakrale Kunst

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Quelle