Fördergerüst Schacht 3 der Zeche Friedrich der Große

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.

Das Fördergerüst von Schacht 3 der Zeche Friedrich der Große ist ein historisches stählernes Strebengerüst aus Herne. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für die Schachtanlage 3/4 der Zeche Friedrich der Große in Herne-Horsthausen errichtet und war dort bis zur Stilllegung des Bergwerks 1978 in Betrieb.

Fördergerüst Schacht 3 - Alter Standort
Schachtanlage FdG III/IV 1959. Bildquelle: Bundesarchiv, B 145 Bild-F015021-0004 / Stoffels, Josef / CC-BY-SA 3.0
Herne-SodingenHorsthausen
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StadtbezirkOrtsteil
Fördergerüst Schacht 3 - Neuer Standort
Bild: Wikipedia 2017
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Nach dem Abbruch der Schachtanlage wurde das rund 45 Meter hohe Gerüst nicht verschrottet, sondern in den 1980er-Jahren demontiert, restauriert und auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen über dem früheren Schacht IV wieder aufgebaut. Es gehört heute zum Ensemble des LWL-Museum Zeche Zollern und ist ein bedeutendes Beispiel für die Bewahrung eines technischen Bauwerks durch Translozierung.[1]

Seit dem 27. April 1990 ist es unter Denkmalschutz gestellt (A 0373).[2]

Entstehung der Schachtanlage 3/4

Die Erweiterung der Zeche Friedrich der Große nach Norden beziehungsweise Nordosten erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 1902 begann das Abteufen von Schacht 3 an der Ilseder Straße in Herne-Horsthausen. Der neue Schacht lag rund 2,5 Kilometer vom älteren Schacht 1 entfernt. Sein Durchmesser betrug 4,80 Meter. Beim Abteufen wurde 1903 in etwa 220 Metern Teufe das Karbon erreicht. Schacht 4 wurde ab 1903 niedergebracht und erhielt einen Durchmesser von 5,75 Metern.[3]

Die beiden Schächte bildeten die neue Schachtanlage 3/4. Sie wurde 1907 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Schacht 3 erreichte später eine Endteufe von etwa 821 Metern, während Schacht 4 rund 818 Meter tief wurde.[4]

Die neue Anlage war Bestandteil der stetigen Erweiterung der Zeche Friedrich der Große, die sich zu einem bedeutenden Steinkohlenbergwerk im Herner Raum entwickelte. 1930 wurden die zuvor selbstständigen Schachtanlagen 1/2, 3/4 und 5 zu einer betrieblichen Einheit zusammengefasst.[3]

Das Bauwerk

Bei dem erhaltenen Bauwerk handelt es sich um ein deutsches Strebengerüst[5]. Diese Bauform entwickelte sich aus den frühen Fördergerüsten des Ruhrbergbaus und wurde überwiegend als filigrane Stahlfachwerkkonstruktion ausgeführt. Die Konstruktion verbindet die Funktion der Seilscheibenbühne mit den tragenden Streben des Fördergerüstes.[6]

Das Gerüst von Friedrich der Große, Schacht 3, gehört zu den charakteristischen Stahlkonstruktionen der frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die Konstruktion war ursprünglich Bestandteil der übertägigen Förderanlage der Herner Schachtanlage 3/4.

Das Gerüst weist eine Höhe von etwa 45 Metern auf. Die zugehörige Metallkonstruktion besitzt eine Oberfläche von rund 2.600 Quadratmetern. Zu den beim Abbau geborgenen Bauteilen gehörten auch die jeweils mehrere Tonnen schweren Seilscheiben. Eine der Angaben zur Translozierung nennt für die Seilscheiben ein Gewicht von jeweils etwa acht Tonnen.[1]

Funktion auf Friedrich der Große

Schacht 3 hatte auf der Zeche Friedrich der Große eine besondere Funktion. Er war sowohl Wetterschacht als auch Förderschacht. Die Förderung erfolgte bis zur 5. Sohle; diese lag etwa 536 Meter unter Tage. Die Wetterfunktion war für die Bewetterung der weitläufigen Grubenbaue von großer Bedeutung.[1]

Damit war das Gerüst nicht lediglich ein technisches Nebengebäude, sondern ein wesentlicher Bestandteil der übertägigen Infrastruktur der Zeche.

Die Schachtanlage 3/4 entwickelte sich im Laufe ihrer Betriebszeit zu einem wichtigen Produktionsstandort von Friedrich der Große. Nach dem Ausbau der Zeche und der Konzentration der Förderung auf jüngere Anlagen verlor Schacht 3 jedoch zunehmend an Bedeutung. Mit dem Bau des Zentralförderschachtes 6 ab 1962 wurde die Förderung auf dem Bergwerk weiter konzentriert. Schacht 6 ging 1967 in Betrieb.[3]

Die Zeche Friedrich der Große wurde schließlich am 31. März 1978 stillgelegt. Die Schächte und Tagesanlagen wurden in den folgenden Jahren zurückgebaut; 1980 wurden die Schächte verfüllt und große Teile der Tagesanlagen abgebrochen.

Die Rettung vor dem Abbruch

Mit der Stilllegung von Friedrich der Große drohte auch dem Fördergerüst von Schacht 3 das Ende. Der Abbruch der Schachtanlage begann 1980.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich jedoch die Auffassung über den Wert historischer Bergbauanlagen grundlegend verändert. Insbesondere die Rettung der Zeche Zollern in Dortmund hatte gezeigt, dass technische Anlagen des Bergbaus nicht nur als Produktionsstätten, sondern auch als Zeugnisse der Industrie- und Architekturgeschichte betrachtet werden konnten.

Für die Zeche Zollern war die Situation besonders interessant. Das ursprüngliche Fördergerüst über Schacht IV war bereits Jahrzehnte zuvor verschwunden. Für die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes suchte man deshalb nach einem möglichst baugleichen Strebengerüst.

Das Gerüst von Schacht 3 der Zeche Friedrich der Große erwies sich hierfür als besonders geeignet.[1]

Demontage in Herne

Im Zuge des Abbruchs der Schachtanlage wurde das Fördergerüst von Schacht 3 nicht zerstört, sondern demontiert und eingelagert. Verantwortlich für die Demontage war unter anderem der Dortmunder Richtmeister Erhard Raffer. Er hatte bereits beim Abbau des Gerüstes in Herne mitgewirkt und leitete später auch den Wiederaufbau in Dortmund.[1]

Das Gerüst wurde in seine einzelnen Bauteile zerlegt. Dabei mussten nicht nur die großen Tragwerke, sondern auch zahlreiche kleinere Verbindungsteile, Bühnen und technische Komponenten erfasst und für den späteren Wiederaufbau vorbereitet werden.

Die geborgenen Teile wurden zunächst in Dortmund zwischengelagert. Damit war das Bauwerk zwar von seinem ursprünglichen Standort verschwunden, seine Substanz blieb jedoch erhalten.

Wiederaufbau auf der Zeche Zollern

Die Entscheidung, das Herner Fördergerüst für die Zeche Zollern zu verwenden, war Teil einer größeren denkmalpflegerischen Maßnahme. Die historischen Gerüste über den Schächten II und IV der Zeche Zollern waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vollständig vorhanden.

Für Schacht II wurde das Fördergerüst von Schacht 1 der ehemaligen Zeche Wilhelmine Victoria in Gelsenkirchen übernommen. Für Schacht IV kam das Gerüst von Schacht 3 der Zeche Friedrich der Große in Herne zum Einsatz.[6]

Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1987/88. Das rund 45 Meter hohe Gerüst wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. Die Arbeiten wurden von Erhard Raffer geleitet, der bereits an der Demontage in Herne beteiligt gewesen war.[1]

Vor der erneuten Aufstellung wurde die Konstruktion umfassend überarbeitet. Rund 5,5 Tonnen Farbe wurden eingesetzt, um die etwa 2.600 Quadratmeter große Metalloberfläche zu konservieren.[1]

Damit erhielt das ursprünglich in Herne eingesetzte Gerüst eine neue Funktion: Es sollte nun nicht mehr einen betriebenen Förderschacht über Tage sichern, sondern als historisches Zeugnis die Gestalt der Zeche Zollern vervollständigen.

Vom Herner Schacht 3 zum Dortmunder Schacht 4

Eine Besonderheit des Bauwerks besteht darin, dass seine heutige Bezeichnung und sein heutiger Standort nicht mit seiner ursprünglichen Geschichte übereinstimmen.

Ursprünglich
  • Zeche Friedrich der Große, Herne
  • Schacht 3
  • Bau und Inbetriebnahme im Zusammenhang mit der Anlage 3/4
  • Funktion als Förder- und Wetterschacht
Heute
  • LWL-Museum Zeche Zollern, Dortmund-Bövinghausen
  • Standort über dem ehemaligen Schacht IV
  • museale Nutzung und Denkmal

Das Gerüst ist damit ein seltenes Beispiel einer Translozierung eines kompletten technischen Großbauwerks innerhalb der Industriekultur des Ruhrgebietes. Es bewahrt zugleich die Erinnerung an die Zeche Friedrich der Große und ergänzt die historische Überlieferung der Zeche Zollern.[7]

Bedeutung für die Industriekultur

Die Rettung des Gerüstes von Schacht 3 ist vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Ruhrgebiet zu sehen. In den Jahrzehnten nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus verschwanden zahlreiche Fördergerüste, Maschinenhäuser, Waschkaueanlagen und Zechengebäude.

In Herne selbst wurden die Tagesanlagen der Zeche Friedrich der Große weitgehend beseitigt. Das Gelände der ehemaligen Schachtanlage 3/4/6 wurde später für eine gewerbliche und logistische Nutzung hergerichtet. Durch die Geländemodellierung wurde das Areal teilweise um mehrere Meter angehoben.[8]

Das Fördergerüst von Schacht 3 blieb dagegen als eines der wenigen großen baulichen Zeugnisse dieser Zeche erhalten.

Seine Bedeutung geht deshalb über die reine technische Konstruktion hinaus. Das Gerüst steht heute stellvertretend für die Arbeitswelt des Bergbaus, für die Entwicklung der Fördertechnik und für die industrielle Entwicklung Hernes im frühen 20. Jahrhundert.

Gleichzeitig dokumentiert seine Wiederverwendung auf Zollern einen wichtigen Wandel in der Denkmalpflege: Ein industrielles Bauwerk musste nicht zwingend an seinem ursprünglichen Standort verbleiben, um als historisches Zeugnis erhalten zu werden.

Verbleib und heutiger Zustand

Das Fördergerüst befindet sich heute auf dem Gelände des LWL-Museums Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen. Es steht über dem ehemaligen Schacht IV und ist Bestandteil des denkmalgeschützten Zechenensembles.

Die Zeche Zollern gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Zechenanlagen des Ruhrgebietes. Die Rettung der Anlage begann bereits Ende der 1960er-Jahre, nachdem sich Denkmalpfleger, Architekten und Kunsthistoriker gegen den drohenden Abbruch wichtiger Teile eingesetzt hatten. Heute wird die Anlage vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Museum für die Geschichte von Arbeit und Industrie genutzt.[9]

Das ehemalige Herner Fördergerüst ist dadurch bis heute sichtbar erhalten geblieben. Während die ursprüngliche Schachtanlage Friedrich der Große 3/4/6 nahezu vollständig verschwunden ist, kann an der Zeche Zollern noch ein wesentliches technisches Bauwerk dieses Herner Bergwerks besichtigt werden.

Einordnung

Das Fördergerüst von Schacht 3 der Zeche Friedrich der Große ist ein besonderes Beispiel dafür, wie durch den industriellen Strukturwandel bedrohte Zeugnisse des Ruhrbergbaus gerettet werden konnten.

Seine Geschichte lässt sich in vier Phasen gliedern:

  1. 1902–1907: Entstehung der Schachtanlage 3/4 und Errichtung des Fördergerüstes.
  2. bis 1978: Betrieb auf Friedrich der Große als Förder- und Wetterschacht.
  3. 1980er-Jahre: Demontage, Sicherung und Restaurierung nach Stilllegung der Zeche.
  4. ab 1988: Wiederaufbau auf der Zeche Zollern über dem ehemaligen Schacht IV.

Das heute in Dortmund stehende Gerüst ist somit zugleich ein Herner Bergbaudenkmal und ein Bestandteil des Dortmunder Zechenensembles Zollern. Es gehört zu den erhaltenen Großobjekten, an denen die technische Geschichte des Ruhrbergbaus unmittelbar nachvollziehbar wird.

Weblinks

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Quellen

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