Es klappert die Mühle im Westbachtal (1941 Brandt)

Herner Zeitung vom 5. April 1941:
Es klappert die Mühle im Westbachtal...
Die vergessene Overkampsche Mühle an der Hermann=Göring=Straße
Viel Leben im Mühlenteich
har Herne, 5. April. [1941]
Noch heute treibt der Ostbach eine Wassermühle, und zwar am Gysenberg. Weniger bekannt aber ist, daß auch der Westbach einmal eine Mühle getrieben hat. Sie gehörte zum Hof Overkamp an der Kronprinzenstraße. Vor einigen Jahren sind die letzten Reste abgerissen worden. Der Hof stand zwischen der Hermann=Göring=Straße und der Kronprinzenstraße. Wenn man heute von der Shamrockstraße aus zur Bochumer Straße geht, sieht man etwa nach 200 Meter linker Hand eine alte Pappel stehen. Hier, erwa 30 Meter feldeinwärts, stand früher die alte Mühle. Noch heute kennzeichnet ein Mühlstein diesen Flecken.
Schaut man von der Hermann=Göring=Straße hinüber zur Kronprinzenstraße, bemerkt man, daß der Westbach gerade an dieser Stelle durch ein tiefes Tal geflossen ist. Dieses Tal hat es ermöglicht, daß hier eine Mühle angelegt werden konnte. Am ganzen Lauf des Baches gab es keine günstigere Stelle. Zur damaligen Zeit reichte bis fast zur jetzigen Oskarstraße ein Mühlenteich, in dem man das zum Mahlen notwendige Wasser sammelte. Dieser Teich soll sauber und klar gewesen sein: das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß bis zur Jahrhundertwende keine Abwässer in den Westbach geleitet worden sind.
Mit der Errichtung industrieller Werke begann die Verschmutzung. Damit setzte auch das große Absterben der Fische ein. Vor diesem traurigen Ende muß es hier sehr malerisch gewesen sein. Hechte und Karpfen waren im Teich und wurden zu Karfreitag vom Besitzer Overkamp gefangen und verkauft. Wasserhühner waren ebenfalls vorhanden und zur Zeit der Storchzüge wurden häufiger Störche beobachtet, die sich hier einige Tage aushielten. Wildenten brüteten im Gestrüpp des Ufers. Glaubhaft verbürgt ist auch, daß sich zuweilen Möwen einstellten.
Man hatte das Wasser des Westbachs dadurch gestaut, daß man einen Staudamm quer durch das Tälchen zog. Etwa in der Mitte des Dammes befanden sich die Schleusen, die aus Holz angefertigt waren. Die Schleuse bestand aus drei Oeffnungen, die nach Bedarf durch Schieber geschlossen und geöffnet werden konnten. Das Mühlenrad bestand aus Holz und besaß etwa 50 Taschen. Das Rad wurde nicht durch den Druck des Wassers bewegt, sondern durch dessen Schwere.
Das Haus selbst bestand aus dem Mahlraum, vier kleinen Wohnräumen und dem Keller. Im Keller lief das Mehl aus den Mühlsteinen. Das Mahlwerk war vollständig aus Holz gefertigt, ebenfalls die Wellen und Zahnräder.
Wie der letzte Müller dieser Mühle erzählte, sind im Mühlenteich mehrere Menschen ertrunken. Der vorletzte Pächter kam im Mühlenteich um, als er einen Durchlauf reinigte, dabei einen Schlaganfall erlitt und ins Wasser stürzte.
Als die Zeche Shamrock errichtet wurde und in der Nachbarschaft der Mühle Wohnhäuser für die Gefolgschaftsmitglieder gebaut wurden, mußte die Mühle verschwinden. Die Grundwasser der Umgebung strebten zum Westbachtal. Solange der Teich dies aber verhinderte. kam das Grundwasser zum Stehen. Die Folge davon war, daß die Keller der Häuser der nächsten Umgebung sehr feucht und in Regenperioden mit Wasser angefüllt waren. Um diesem Mißstand ein Ende zu bereiten kaufte die Zeche das Staurecht, und damit war das Schicksal der alten Mühle besiegelt.
Von dem romantisch schönen Flecken Erde ist heute leider nichts mehr vorhanden. Im Gegenteil: heute „zieren“ Schutthaufen den Platz, wo sich früher das Mühlrad drehte.
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Siehe auch
- Karl Brandt (1898-1974) Heimatforscher und Museumsgründer (← Links)
- Overkampsche Mühle (Herne) (← Links)
