Die feierliche Einweihung des neuen Heimatmuseums (19. Juli 1928)

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Quellentext
TitelDie feierliche Einweihung des neuen Heimatmuseums.
Verfasserohne Verfasserangabe
Erschienen inHerner Anzeiger
Datum20. Juli 1928
Berichtet überEinweihungsfeier am 19. Juli 1928
DigitalisatZeitpunkt.NRW

Einen Tag nach der Eröffnung berichtete der Herner Anzeiger über die Einweihungsfeier des städtischen Museums für Natur- und Heimatkunde am Nachmittag des 19. Juli 1928.[1]

Während die am Vortag erschienenen Beiträge der Serie die einzelnen Abteilungen vorstellten, hält dieser Bericht den Festakt selbst fest: die Ansprache des Oberbürgermeisters Täger, die Führungen durch die Abteilungsleiter und den anschließenden Umtrunk bei Wirt Möller. Am Ende stehen die Besuchszeiten und der Eintrittspreis – für die Museumsgeschichte eine der handfestesten Angaben des ganzen Konvoluts.

Täger nutzt seine Rede, um die Beteiligten einzeln zu würdigen, und benennt dabei nebenbei die Arbeitsteilung des jungen Hauses. Auffällig ist seine Bemerkung zu Karl Brandt: Der frühere arbeitslose Anstreicher sei nun „frei von den Trivialitäten des Alltags" – eine verklausulierte Anspielung darauf, dass er inzwischen fest angestellt war.

Der folgende Quellentext gibt den Bericht im Wortlaut wieder. Die Absatzeinteilung und die Zwischenüberschriften in eckigen Klammern wurden zur besseren Lesbarkeit redaktionell ergänzt; sie stehen so nicht in der Vorlage. Anmerkungen der Redaktion des Wikis sind mit „A" gekennzeichnet.

Die Abteilungen und ihre Betreuer

Täger nennt in seiner Ansprache die Verantwortlichen. Zu jedem Gebiet gibt es einen eigenen Beitrag der Serie:

Dr. Dißmann, Studienrat
Organisatorische Leitung und geologische Abteilung
Karl Brandt, Museumsverwalter
Grundstock der Sammlung und vorgeschichtliche Abteilung
Hermann Cornelsen, Schneidermeister
Schmetterlingssammlung
Hans Krüger, Lehrer
Herbarium
Anton Rieke, Knappschaftsbürovorsteher
Kulturhistorische Abteilung
Dr. Hoischen, Studienrat
Archivalien – nach Tägers Worten „ein Gebiet, das noch völlig unbeackert ist"

Die auswärtigen Gäste

  • Rektor Cleft, Leiter des Bochumer Museums
  • Stadtschulrat Dr. Hellermann, Recklinghausen
  • Bergassessor Dr. Kuckuck, Leiter des Museums der Bergschule Bochum[A 1]
  • Oberstudiendirektor Dr. Dirks
  • Stadtschulrat Kastner sowie die Leiter der Herner höheren Schulen

Quellentext

[Die Einweihungsfeier]

Die feierliche Einweihung des neuen Heimatmuseums.

In dem geschmackvoll eingerichteten neuen Heim des Heimatmuseums fand Nachmittag in Gegenwart des Magistrats, des Stadtverordnetenkollegiums und besonders geladener Gäste die Einweihung des hübsch mit Blumen geschmückten und in sauberer Ordnung sich präsentierenden Ausstellungsraumes statt.

Als Gäste waren der Leiter des Bochumer Museums, Rektor Cleft, Stadtschulrat Dr. Hellermann, Recklinghausen, und der Leiter des Museums der Bergschule Bochum, Bergassessor Dr. Kuckuck, erschienen. Ferner die Leiter der Herner höheren Schulen, Stadtschulrat Kastner u. v. a.[A 2]

Oberbürgermeister Täger begrüßte die zahlreichen Einweihungsgäste und führte, nachdem er einen Rückblick auf die Geschichte des Museums geworfen hatte, aus:

[Ansprache des Oberbürgermeisters Täger]

Unser Heimatmuseum zeigt sich heute in viel netteren Räumen als bisher. Trotzdem ist das nicht das Ideal, aber wir haben erreicht, dass wir überhaupt erst einmal der Bevölkerung die Sammlung zugänglich machen können.

Ich kann mit Befriedigung feststellen, dass die Zahl der Ausstellungsgegenstände sich in den letzten 1½ Jahren des Bestehens außerordentlich vermehrt hat. Die organisatorische Tätigkeit ist in erster Linie von Herrn Studienrat Dr. Dißmann geleistet worden. Ihm sei für seine aufopfernde Tätigkeit Dank gesagt. Ich hoffe, dass es uns gelingen möge, seine bewährte Arbeitskraft dauernd dem Museum zu erhalten.

Als wir vor 1½ Jahren das Museum begannen, genügten der Gedanke und die Absicht nicht, es gehörte etwas Reales dazu, und dieses reale Fundament verdanken wir dem Museumsverwalter Brandt. Ich freue mich ganz besonders, hervorheben zu können, dass Herrn Brandt die Möglichkeit gegeben ist, frei von den Trivialitäten des Alltags seinen Forschungen zu leben und sein reiches Wissen uns zur Verfügung zu stellen.

Über unsere kleinen Anfänge schwebt ein guter Stern insofern, als wir imstande waren, das Museum über die geologische und vorhistorische Abteilung hinaus zu erweitern, indem Herr Cornelsen uns seine mit seltener Liebe aufgebaute Schmetterlingssammlung zur Verfügung stellte, Herr Lehrer Krüger uns sein Herbarium der heimischen Flora aufstellte, Herr Rieke sein kulturhistorisches Sammeltalent in unseren Dienst stellte und Herr Dr. Hoischen die Bearbeitung der Archivalien übernahm, eines Gebietes, das noch völlig unbeackert ist.[A 3] Augenblicklich sind wir mit Hilfe auswärtiger Gelehrter dabei, die Archive nach Urkunden durchzustöbern, die auf Herne Bezug haben.

Der heutige Tag ist die eigentliche Geburtsstunde des Museums. Bei einem solchen Feste sind auch gute Freunde vertreten, und so begrüßte ich denn die Herren, die von auswärts zu dieser Eröffnungsfeier erschienen sind.

Die Herren der städtischen Kollegien mögen heute sehen, dass wir bestrebt sind, zielbewusst weiterzuarbeiten. Die Öffentlichkeit ist sehr stark an unserer Arbeit interessiert. Das bezeugen die zahlreichen Zuschriften, Schenk= und Kaufangebote, die mir in herzlichster Form zugegangen sind. Wenn erst die Öffentlichkeit unser Museum hier betreten wird, wird dieses Interesse noch lebhafter werden.

Besondere Dankesworte richtete der Redner an die Ortspresse für ihre lebhafte Unterstützung und schloss mit dem Wunsche, dass das Kind, das heute aus der Taufe gehoben werde, ein recht großer, stattlicher und schöner Mann werde.

[Dank des Studienrats Dr. Dißmann]

Nach ihm ergriff Stud.=Rat Dr. Dißmann das Wort, indem er für das Interesse, das den Arbeiten der Abteilungsleiter entgegengebracht worden sei, herzlichst dankte; besondere Dankesworte richtete er an Herrn Oberbürgermeister Täger. Für sich und seine Mitarbeiter versprach er dann, recht kräftig für die weitere Ausgestaltung tätig zu sein.

[Führungen und Umtrunk]

Nunmehr übernahm jeder der Abteilungsleiter eine Führung durch sein Fachgebiet. Mit großer Anteilnahme folgte man ihren Ausführungen und bewunderte die Reichhaltigkeit und feine Ordnung des Ausgestellten.

Zum Schluss versammelte man sich bei Wirt Möller, von der Heydtstraße, zu einem Umtrunk, bei dem auch die auswärtigen Gäste ihre Glückwünsche überbrachten und die einzelnen Abteilungsleiter über Ernst und Freude der Sammlertätigkeit Unterhaltsames zu plaudern wussten und Oberstudiendirektor Dr. Dirks über die Bedeutung des Museums für den Schulunterricht Interessantes berichtete.

Nunmehr ist also das neue Heimatmuseum in seinen ersten rechten Lebensabschnitt eingetreten. Mögen recht viele es besuchen und reiches Wissen und vielseitige Anregungen daraus schöpfen.

[Die Besuchszeiten]

Die Besuchszeiten sind wie folgt festgesetzt:

Dienstag und Mittwochs vormittags
für Schulen
Mittwochs, Donnerstag und Samstags von 16—19 Uhr
für alle (Eintritt 20 Pf.)
Sonntags von 10—13 Uhr
frei
Montags
bleibt das Museum geschlossen

Erläuterungen

Magistrat, Stadtverordnetenkollegium
Die beiden Organe der preußischen Städteordnung. Der Magistrat führte die Verwaltung, das Stadtverordnetenkollegium war die gewählte Vertretung.
Städtische Kollegien
Sammelbezeichnung für beide Gremien gemeinsam.
Bergassessor
Abschlussgrad der höheren staatlichen Bergbaulaufbahn in Preußen, vergleichbar dem Assessor der Juristen.
Bergschule
Fachschule zur Ausbildung von Steigern und Grubenbeamten. Die Bochumer Bergschule unterhielt eine eigene geologische Lehrsammlung.
Stadtschulrat
Leiter des Schulwesens einer Stadt.
Studienrat, Oberstudiendirektor
Amtsbezeichnungen an höheren Schulen. Der Oberstudiendirektor leitete eine Anstalt.
Archivalien
Schriftliches Archivgut – Urkunden, Akten, Amtsbücher.
Aus der Taufe heben
Bildlich für die Gründung oder Eröffnung einer Einrichtung. Täger führt das Bild in seinem Schlusswunsch weiter.
Pf.
Pfennig. Der Eintritt von 20 Pfennig entsprach 1928 etwa dem Preis für ein Brötchen oder eine Straßenbahnfahrt.

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Anmerkungen

  1. Gemeint ist der Geologe Paul Kukuk; die Zeitung schreibt den Namen abweichend. Vgl. auch den Hauptbeitrag zur Museumseröffnung.
  2. In der Vorlage steht nach „erschienen" ein Komma, obwohl der folgende Satz groß beginnt.
  3. In der Vorlage „Herbarium der heimischen Fauna". Ein Herbarium ist eine Pflanzensammlung; gemeint ist die Flora. Vgl. den Beitrag Krügers.

Quellen