Die Aufzeichnungen des Bauer Theodor Koop in Börnig
Die Aufzeichnungen handeln über die Bauerschaft Alt-Börnig, die historische Bezeichnung für den alten Siedlungskern des heutigen Herner Stadtteils Börnig. Die Überlieferungen gehen im Wesentlichen auf Aufzeichnungen des Bauern Theodor Hoffmann gen. Koop (* 21. Oktober 1859 in Vellwig; † 14. Mai 1926 in Börnig.) zurück, der mündliche Traditionen seiner Familie über das ländliche Leben des 18. und 19. Jahrhunderts festhielt.
Siehe Hof Koop (Vellwig).
Sein Verwandter Wilhelm Hoffmann schrieb sogar selber Romane, die Theodor sammelte und aufbewahrte. Friedrich Becker sammelte diese und veröffentlichte sie.
Lage und Struktur der Bauerschaft
Börnig lag an der alten Landstraße zwischen Castrop und Herne und gehörte historisch zum Landkreis Dortmund sowie zum Gerichtsbezirk Bochum. Kirchlich war der Ort nach Castrop eingepfarrt.
Die Gemeinde bestand aus den Bauerschaften Börnig, Vellwig und Voßnacken. Sie umfasste mehrere Bauernhöfe sowie ein freiherrliches Gut, die Schadeburg.
Landwirtschaft und Alltagsleben
Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft, Viehzucht und Handwerk. Neben rund 19 Bauernhöfen und einem Kötterhof gab es eine ausgeprägte handwerkliche Struktur mit Schmieden, Schreinern, Schneiderbetrieben, Sattlern und weiteren Gewerken.
Ein Arzt war nicht dauerhaft im Ort ansässig; medizinische Versorgung erfolgte meist über Castrop. Eine Hebamme war jedoch vorhanden.
Die Bauernhöfe waren ursprünglich als Erbpachtverhältnisse organisiert und dem Adel verpflichtet. Abgaben in Naturalien sowie Hand- und Spanndienste waren üblich. Erst im Zuge der Reformen des frühen 19. Jahrhunderts konnten sich viele Höfe gegen Ablösesummen in Eigentum verwandeln.
Das Börniger Bruch
Das sogenannte Börniger Bruch war eine gemeinsame Viehweide im Bereich der heutigen nördlichen Sodinger Straße. Dort trieben die Bauern ihr Vieh gemeinschaftlich zur Weide.
Im Jahr 1824 wurde das Gebiet aufgeteilt und den Nutzungsberechtigten als Eigentum zugewiesen. Anschließend erfolgte eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung mit Entwässerung und Düngung, wodurch aus der Allmende ertragreiche Wiesen entstanden.
Haus Schadeburg
Das freiherrliche Gut Schadeburg war das bedeutendste Adelssitzgut der Region. Es war von einer Gräfte umgeben und bestand aus einem Vierflügelbau mit Turm, Toranlage und Wirtschaftsgebäuden.
Als Besitzer wird in der Überlieferung die Familie von Palant genannt. Historisch ist insbesondere Freiherr Johann Stefan Heidenreich von Palant (* 1705; † 1756) belegt. Er war verheiratet, starb aber Kinderlos. Teile der überlieferten Ereignisse, etwa seine Rolle im „Landtag“ oder ein Tötungsdelikt im Streit, sind als sagenhafte Überlieferung zu bewerten.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verfiel das Gut zunehmend und wurde schließlich abgebrochen. Die verbliebenen Wirtschaftsgebäude wurden später neu errichtet.
Eine Glocke der ehemaligen Schlossanlage gelangte nach Koop zeitweise in kirchlichen Besitz in Castrop und Börnig.
Überlieferung und historische Einordnung
Die Aufzeichnungen von Theodor Koop verbinden historische Tatsachen mit mündlich tradierten Erzählungen. Sie geben wertvolle Einblicke in das Alltagsleben der ländlichen Bevölkerung, enthalten jedoch auch legendenhafte Elemente, insbesondere zur Geschichte der Familie von Palant.
Literatur
- Theodor Koop: Aufzeichnungen zu Alt-Börnig (handschriftliche Überlieferung)
