Der 250 Jahre alte Grabstein aus Bickern (Wanne-Eickeler Zeitung 25. Juni 1927)
Am 25. Juni 1927 erschein in der Wanne-Eickeler Zeitung einen besonderen Artikel über einen damals 250 Jahre - heute fast 350 Jahre - alten Grabstein.

Der 250 Jahre alte Grabstein aus Bickern
Im vergangenen Jahre brachten wir eine Reihe von Artikeln über das Geschlecht, das auf den Bickernhöfen saß. Von gewisser Seite wurde die Behauptung aufgestellt, daß die Familie adelig gewesen sein. Bekannte Heimatforscher haben dieses jedoch widerlegt. Heute bringen wir nun die Abbildung eines Grabsteines, der klar und deutlich zeigt, daß die Familie sich zu Bickern geschrieben hat.
Auf dem Hofe der Hackert’schen Brennerei an der Schulstraße steht ein alter Grabstein. Die Zeichnung gibt diesen Stein ziemlich naturgetreu wieder. Er steht an verborgener Stelle, sorgsam neugierigen Blicken entzogen. Er redet durch seine Inschrift und durch seine Form. – Saxa loquuntur. – Der Stein ist sehr gut erhalten. Ein Beweis dafür, daß der Steinmetzmeister, der diesen Stein vor 250 Jahren gemacht hat, auf Qualitätsarbeit hielt und der Steinbruchbesitzer, der ihn lieferte, keinen Schund herausgegeben, ihn aus guter Bruchlage genommen hat. Im Laufe der Jahre, wohl durch Sturz oder unvorsichtiges Behandeln, ist am Hauptteil links ein kleines Stück, und ein großes Stück des Fußes, unterhalb der Sichtfläche, abgebrochen.
Man braucht nicht lange zu raten, was die Inschrift sagt. Ein Ehepaar aus dem Geschlechte der Bikkerer ist, die Gattin acht Tage früher, in rascher Folge gestorben und die Kinder haben ihnen diesen Denkstein auf das gemeinsame Grab setzen lassen. Und so, wie es die Inschrift erkennen läßt, werden beide auch heute noch, bis auf wenige Knochenreste vermodert, gebettet liegen. Es ist bezeichnend für die damalige Zeit: die Ehefrau liegt nicht zur Rechten, sondern zur Linken des Mannes. Die Ruhestätte selbst liegt, wie heute noch auf den Adelssitzen des flachen Landes üblich, innerhalb des Gutsbezirks des früher Bickernschen Besitzes. Wo allerdings, wird sich erst später, bei Ausschachtungsarbeiten zu einem Neubau, herausstellen.
„Anno 1678 den 26. September ist der Erbar Hindrich zu Bickern im Herren Entschlafen“ so lautet die Inschrift links. „Anno 1678 den 18. September ist seine Ehehaus-Fraw (lies: Frau) Catarina Behmer im H: Entschlafen“ lautet die Inschrift rechts. Der gute Steinmetzmeister hat sich wohl einige Mühe mit seiner Arbeit gegeben. Das Schriftenbild ist recht sauber gearbeitet und regelmäßig verteilt. Weil rechts durch „seine Ehehaus-Fraw“ und die bessere Trennung des Wortes „September“ (links hat er das „m“ unterschlagen, das „e“ auf die mittlere Leiste gequetscht) eine Schriftzeile mehr notwendig war, ist unten links freier Raum geblieben. Die großen Anfangsbuchstaben, nach damaliger Schreibweise willkürlich, haben gleiche Höhe mit den kleinen. Hier und da steht ein Buchstabe schief. Links steht „Entschlafen“ und rechts „Entschlaffen“ und für „Herren“, wie links, nur ein „H:“. Er hat sich zu helfen gewußt.
Die Architektur der beiden Häupter zeigt deutlich den Einfluß des damals Mode werdenden Barock. Aber die Inschrift ist noch durchaus der älteren Renaissance entsprechend. Ja, die „1“ ist noch gotischer Art. In den Kartuschen der beiden Häupter sind die Initialen lateinisch. Das „3“ bei beiden, vom Stamm des Kreuzes durchdrungen, ist uns fraglich geblieben. Die Form des Kreuzes ist noch runenhaft, gänzlich altdeutsch aufgefaßt.
Alles in allem ist der Stein als wertvolle, schöne Erinnerung zu schätzen. Die Familie Hackert – Frau Hackert ist eine geborene Möller zu Bickern – behütet den Stein, sie denkt nicht daran, ihn in den sachlichen Schatz des Heimatmuseums zu übereignen. Im Besitze der Familie hat er persönlichen, im Museum nur sachlichen, wohl auch historischen Wert. Nur deshalb mag gehofft werden, daß der Stein später an das Museum gelangt...
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