Conrad Diel (1843-1910) Tanzlehrer

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Conrad Diel
Conrad Diel
Geboren7. Mai 1843
in Schenklengsfeld-Konrode
✝️
Gestorben13. Januar 1910
in Wanne
🪦
FriedhofWanne-Süd

Conrad Diel wurde in Schenklengsfeld-Konrode im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg, einem Südwestlich an Schenklengsfeld anschließendes Dorf mit lockerer Gehöftanordnung, durch das der in die Solz mündende Ringbach fließt, geboren. Seine Eltern waren der Schuster Conrad Thiel (1801-1887) und Anna Catharina geb. Vogt (1803-1845). "Wie er in seinem ca. 80 Einwohner zählendem Heimatdorf die tänzerischen und musikalischen Fähigkeiten erworben hat, ist dem Chronisten nicht bekannt. Bekannt dagegen ist, dass er ein guter Geigenspieler war, der seinen Tanzunterricht in Gaststätten und Sälen mit diesem Instrument begleitete. Denn die Schallplatte war zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht erfunden und selbst ein Klavier stand oftmals nicht zur Verfügung, um damit die typischen Tänze dieser Zeit, wie Menuett -Gavotte -Francaise -und Polka den Kindern des gehobenen Bürgertums zu vermitteln. Zu diesem Zeitpunkt unterschied man bereits den Hoftanzlehrer vom Wandertanzlehrer.

Der klassische Tanzmeistertyp in Burgen und Schlössern war damals eine Kombination aus Sprach-, Fecht-, und Tanzlehrer. Er war zuständig für die Erziehung, das Protokoll, und die Organisation von Bällen und Zeremonien. Der Wandertanzlehrer stammte oftmals aus der Familie der Musiker, er war Schauspieler, Gaukler und Akrobat. Wichtig für die Verbreitung der bürgerlichen Tänze, den Umgang mit Menschen, die Privatstunde im eigenen Heim oder für den Heiratsmarkt."[1]

Am 11. Dezember 1871 heiratet er in Bielefeld-Brackwede Hanne Caroline Krackenberger (* 29. Sept. 1849 in Brackwede; † 1. April 1929 in Wanne-Eickel). Aus dieser Ehe entsprossen 5 Kinder.

Sein ältester Sohn Heinrich Wilhelm Conrad Diel wurde am 3. Dezember 1872 in Marten geboren.

Zunächst kam er also 1872 nach Dortmund-Marten. Sein nächstes Kind, Friedrich Heinrich Ernst Diel wurde am 12. Juni 1874 in Lütgendortmund geboren. 1875 wird in Marten Georg Heinrich Diel geboren. Er überlebt nur knapp 2 Monate und stirbt im Februar 1876.

Anzeige in der Dortmunder Zeitung vom 20. Februar 1881

1876 wurde nachfolgende Gerichtssache publiziert: "Dortmund, 28. Sept.(Criminalgerichts=Sitzung.) Die Bergleute August Netthövel und Ignaz Kuhlmann aus Huckarde wurden überführt, am 14. Juni d. J. den Tanz­lehrer Conrad Diel und den Maurer Mathias Ludwig daselbst mit Stöcken minhandelt und dem Diel dadurch Ver­letzungen beigebracht zu haben. Beide wurden zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt." [2] 1879 fandet er nach seinem Hund Hector und bezeichnet sich als Kaufmann.[3]

Ihr Sohn Heinrich Diel wurde 1880 ebenfalls in Marten geboren, verstarb aber gleich nach der Geburt. Hier wird Conrad als Musiker bezeichnet. 1881 wird estmals eine Anzeige für einen von ihm geleiteten Tanzkurz öffentlich nachweisbar. 1884 ist der "Wirt" Conrad Diel im Haus Marten Nr. 17 ansässig. Hier wird am 19. Dezember 1884 ein männliche Totgeburt beurkundet. Weihnachten 1886 wirbt Conrad Diel in Marterloh bei Marten mit dem "Anzünden eines Christbaumes".[4] Er ist also wirtschaftlich auf mehreren Hochzeiten aktiv. 1887 unterrichtet er in der Wirtschaft Marre in Marten.[5]

Nun, wie kommt Conrad Diel nach Wanne? Es gab drei Gründe:
Zwei seiner Gründe sind in die Personen von zwei seiner Geschwister zu sehen die um 1880 nach Wanne bzw. Eickel zogen. Elisabeth Diel heiratet 1882 in Wanne den Schneider Johannes Burghardt Daube (Dessen Vater ebenfalls Musikant war). Der Hülfsbremser Johannes Diel heiratete 1883 Anna Margaretha Licht. Und dann sein ältester Sohn Conrad jun. (*1872) Der gelernte Bäcker zieht es nach Wanne und heiratet dort Marie Friederike Pauline Diel Niederhommert (1880-1904).

Anzeige in der Emscher Zeitung vom 21. Oktober 1893

Am 24. Oktober 1893 findet im Saal Schulte-Berge der erste Tanzkurs in Wanne unter Conrad Diel statt. siehe Tanzschule Diel

Sein Neffe Heinrich zog zum Ende des Jahrhunderts nach Wanne, er wurde hier von seinem Onkel aufgenommen und begleitete ihn zu seinen Tanzstunden. So wurde auch Heinrich Diel Tanzlehrer.

Ein besonderes Bonbon war am 25. November 1902 in der Gelsenkirchener Zeitung zu lesen:
Bochum, 24. Nov.(Strafkammer.) Der Tanzlehrer Conrad Diel von Wanne und der Kaufmann Friedrich Schäfer in Eickel besitzen angrenzende Grundstücke. Auf der Grenze hatte nun Schäfer einen Zaun anbringen lassen, welcher Diel im Wege stand. Am 19. Juli begab sich Diel nach seiner Besitzung und traf dort die Eheleute Schäfer vor. In seiner begreiflichen Aufregung stieß er den schweren Zaun im, sodaß dieser dem Schäfer auf den Kopf fiel. Er erlitt innere Verletzungen, die ein lang­wieriges Leiden hervorriefen. Diel wurde von der Straf­kammer wegen vorsätzlich gefährlicher Körperverletzung zu 500 Mk. Geldstrafe bezw. 50 Tagen Gefängniß ver­urtheilt.[6]

Dies dürfte letztlich den Ausschlag dafür gegeben haben, die Tanzlehrerschaft noch im selben Jahr an seinen Neffen Heinrich zu übergeben.

Conrad Diel starb mit 66 Jahren am 13. Januar 1910 im St. Anna Hospital.

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