Bahnhofstraße 34 - Herne

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel e. V.
Bahnhofstraße 34
Bild: Andreas Janik Oktober 2026
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Auch bekannt alsWirtschaft Stemberg
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Die Geschichte des Hauses Bahnhofstraße 34 in Herne ist eng mit der Entwicklung der Bahnhofstraße und der benachbarten katholischen Kirche verbunden. An diesem Standort befand sich die Wirtschaft Stemberg, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand und deren Ursprünge bis in das Jahr 1874 zurückreichen.

Grundstückserwerb und Bau

AI rekonstruiertes Aussehen vor 1934
St. Bonifatius um 1880. rechts neben der Kirche steht, etwas zurück, das Haus Nr. 34

Am Fest Christi Himmelfahrt 1874 wurde die benachbarte St. Bonifatius Kirche eingeweiht. Wie Leo Reiners in seiner Darstellung zur Bahnhofstraße 34 berichtet, entwickelte sich in der Nähe der Kirche neben der bereits bestehenden Wirtschaft Rolofs auf der gegenüberliegenden südlichen Seite die Wirtschaft Stemberg.[1]

Im November 1874 erwarb der Bauunternehmer Wilhelm Frackmann (1840-1917) das angrenzende Grundstück von den Geschwistern Heinrich und Mathilde Rensinghoff genannt Schlenkhoff. Frackmann teilte das Grundstück und verkaufte im Januar 1875 dessen nördlichen Teil, der damals noch als Garten genutzt wurde, an den Ökonomen Theodor Pantaleon genannt Stemberg (1847-1895) aus Riemke. Er war der Vater des späteren Wirtes.

Auf dem Grundstück wurde ein Wohnhaus mit Stallanbau errichtet. Damit entstand die bauliche Grundlage für die spätere Gastwirtschaft Stemberg an der Bahnhofstraße.

Die Wirtschaft Stemberg

Die Wirtschaft Stemberg in der linken Hälfte zur Kirche hin war Teil des gastronomischen Lebens im Umfeld der Kirche. Die Nähe zu einem kirchlichen Mittelpunkt bot einen Standort, an dem sich kirchliches und gesellschaftliches Leben begegneten. Leo Reiners stellt die Entstehung der Wirtschaft in den Zusammenhang mit der Einweihung der Kirche im Jahr 1874.

Umbau und Neugestaltung

Die Gaststätte wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und erweitert. Ein zeitgenössischer Bericht[2] unter der Überschrift „Beliebte Herner Gaststätte in neuem Kleid“ schildert die Wiedereröffnung nach einer mehrmonatigen Umbauphase. Während der Arbeiten blieb das Lokal grundsätzlich geöffnet, wenngleich die gewohnte Bequemlichkeit zeitweise eingeschränkt war.

Bei der Neugestaltung wurde besonderer Wert auf Helligkeit und Behaglichkeit gelegt. Im vorderen Gastraum standen hell gehaltene, weiß gescheuerte Tische. Die Innenausstattung umfasste Bilder bedeutender historischer Staatsmänner, darunter Friedrich der Große, sowie Schützensymbole und eine Dekoration, die der damaligen nationalen Bildsprache entsprach. Die Ausführung der Dekoration übernahm eine Herner Firma.

Nach dem Bericht war insbesondere Frau Stemberg an der Umgestaltung beteiligt. Sie hatte sich für mehr Licht und Luft in den Gasträumen eingesetzt. Zuvor waren entsprechende Überlegungen offenbar an Bedenken wegen der Fenster zur benachbarten Kirche gescheitert.

Der Umbau wurde vom Herner Architekten Meier gestaltet, dessen Arbeit der zeitgenössische Bericht ausdrücklich würdigte.

Garten und gesellschaftliches Leben

Zur Gaststätte gehörte ein Garten mit großen, dicht belaubten Kastanienbäumen. Er bot den Gästen insbesondere in den wärmeren Monaten einen Aufenthaltsort im Freien.

Die offizielle Einweihung der neugestalteten Räume wurde als Familienfeier beschrieben. Ein Unterhaltungskonzert und Liedvorträge des damals in Herne zu Besuch weilenden Sängers Ferdi Böger[3] gehörten zum Programm. Der Bericht hob die freundliche Gestaltung der Räume und die gemütliche Atmosphäre des Lokals hervor.

Die Gaststätte war damit nicht allein ein gastronomischer Betrieb, sondern zugleich ein Ort des geselligen Lebens in Herne.

Auch heute, 2026 ist der urspüngliche Baukörper noch der von 1875. Neben "KODI" - schon vor 1985 - beherbergt es lange Jahre u.a. Schuhwaren R. Kuntz, Pafümerie und Friseur Alois Koks, Herrenmoden Ewald Weber, den erste Telekom Laden, das Schuhgeschäft "Tamaris" und nun das Parfum Geschäft LORIS. Im ersten Stock ist die Rechtsanwaltskanzlei (Bretz – Lewburg – Rauße / Michael Lewburg & Tim Rauße) beheimatet.

Die Geschichte des Hauses dokumentiert damit nicht nur die Entwicklung eines einzelnen Gebäudes, sondern auch die frühe Verbindung von Wohnnutzung und Gastwirtschaft an der Herner Bahnhofstraße.

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Quelle