Allerhl. Dreifaltigkeit (Wanne)
Die Allerheiligste Dreifaltigkeits-Kirche war eine katholische Gemeindekirche in Wanne und liegt an der Helmholtzstraße. Bis zum 31. Dezember 2017 war sie Gemeindekirche der Allerhl. Dreifaltigkeits-Gemeinde im Pastoralverbund Wanne des Dekanates Emschertal im Erzbistum Paderborn. Heute gehört sie zur Katholische Kirchengemeinde Pfarrei St.Christophorus Wanne-Eickel.
Baubeschreibung
Die Kirche Allerheilige Dreifaltigkeit in Herne-Wanne ist ein prägnantes Beispiel für den katholischen Kirchenbau der Nachkriegsmoderne im Ruhrgebiet. Das 1958 fertiggestellte Bauwerk von Aloys Dietrich spiegelt die architektonischen und gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit wider.
1. Architektur und Stil: "Moderate Moderne"
Der Entwurf von Aloys Dietrich lässt sich als eine Form der gemäßigten Moderne einordnen. Er bricht zwar mit dem Historismus des 19. Jahrhunderts, bewahrt aber traditionelle sakrale Formen.
- Materialität: Die Verwendung von rotem Backstein ist typisch für das Ruhrgebiet und die Architektur der 1950er Jahre. Er verleiht dem massigen Baukörper eine bodenständige, fast schützende Anmutung.
- Baukörper: Das Kirchenschiff ist als klassische Hallenkirche mit Satteldach konzipiert. Der wuchtige, seitlich versetzte Glockenturm (Campanile-Typus) ist klar vom Hauptschiff abgesetzt, was ein typisches Merkmal der Nachkriegsarchitektur ist, um vertikale Akzente im Stadtbild zu setzen.
- Fassadengestaltung:
- Die Fensterrose: Das auffälligste Merkmal an der Westfassade ist das große Rundfenster (Rosette) mit Betonmaßwerk. Es ist eine moderne Interpretation gotischer Vorbilder, wirkt hier jedoch durch die geometrische Strenge sehr zeitgemäß.
- Lisenen und Lichtbänder: An den Längsseiten erkennt man hohe, schmale Fensterbänder, die durch Betonpfeiler (Lisenen) gegliedert sind. Dies sorgt im Inneren für eine rhythmische Lichtführung, die für die Liturgie der damaligen Zeit (kurz vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil) zentral war.
2. Der Architekt: Aloys Dietrich (1902–1975)
Aloys Dietrich war ein bedeutender Kirchenbaumeister des Erzbistums Paderborn. Seine Entwürfe zeichnen sich oft durch eine Verbindung von Funktionalität und symbolischer Monumentalität aus. Er gehörte zu einer Generation von Architekten, die nach dem Zweiten Weltkrieg die enorme Aufgabe hatten, zerstörte Kirchen zu ersetzen oder in den wachsenden Bergarbeitersiedlungen neue Zentren zu schaffen. Sein Stil ist sachlich, verzichtet auf überflüssiges Dekor und betont die Struktur des Gebäudes selbst.
3. Kontext: Wiederaufbau und Identität im Ruhrgebiet
Der Bau der Kirche im Jahr 1958 fällt in die Blütezeit der Montanindustrie.
- Sozialer Anker: In den 1950er Jahren wuchs die Bevölkerung in Herne und Wanne-Eickel durch die Zechen (wie z.B. Zeche Shamrock oder Zeche Königsgrube) stark an. Die Kirche diente als Identifikationspunkt und religiöses Zentrum für die zugezogenen Arbeiterfamilien.
- Sakraler Raum im Wandel: Die Architektur steht an der Schwelle: Sie bietet noch den monumentalen Rahmen für die traditionelle Messe, bereitet aber durch die Klarheit und Weite des Raumes bereits die liturgischen Reformen der 1960er Jahre vor, die die Gemeinschaft der Gläubigen stärker betonen sollten.
Fazit
Die Dreifaltigkeitskirche ist ein "ehrlicher" Backsteinbau. Sie kombiniert die Schwere und Beständigkeit des Materials mit der Leichtigkeit moderner Lichtgestaltung. In einer Region, die damals von Ruß und Industrie geprägt war, setzte dieser Bau einen ästhetisch anspruchsvollen, aber nahbaren Akzent.
Fenster
Die Kirchenfenster stammen von Jupp Gesing aus den Jahren 1958.
Nach umfangreichen Diskussionen und dem abschließenden Beschluss des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstands zur Neu-Ausrichtung der Immobilien der St. Christophorus Gemeinde, wird die Allerhl. dreifaltigkeitskirche und das dazu gehörige Gemeindezentrum am 24. November 2023 (zum 1. Advent) außer Dienst gestellt.
Am 2. Mai 2026 erfolgte ihre Profanierung durch die Verlesung einer zweckgebundenen Urkunde durch Weihbischof Holtkotte. Als Zeichen des Übergangs wurde eine Marienfigur zur Pfarrkirche St. Laurentius überführt.
Video
Kirchenpanorama
Das Erzbistum Paderborn stellt auf seiner Homepage Panoramen der Kirche zur Verfügung. https://panorama.erzbistum-paderborn.de
Geistliche (Auswahl)
Weblinks
- Offizielle Gemeindeseite
- Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V. mit Bildern der Kirche
Lesen Sie auch
- Allerhl. Dreifaltigkeit (Weiterleitungsseite) (← Links)

