Die Herner Motte LWL 2010

Aus Hist. Verein Herne / Wanne-Eickel
Herner Motte
Bildinfo: Bild: Arnoldius 2010[1]
Die Karte wird geladen …
Die Karte wird geladen …
Letze Änderung: 27.03.2026
Geändert von: Andreas Janik

Die „Motte“ in Herne

Die sogenannte „Motte“ war eine begehbare Rekonstruktion einer mittelalterlichen Turmhügelburg auf dem Außengelände des LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne. Sie entstand 2009/2010 als zentrales Ausstellungsobjekt der Ausstellung „AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen“ im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010.

Mit rund 166.000 Besuchern zählte die Anlage zu den publikumswirksamsten Installationen des Ausstellungsjahres.[2]

Historischer Hintergrund

Der Begriff „Motte“ (französisch motte = Erdklumpen) bezeichnet eine im Hochmittelalter verbreitete Form der Turmhügelburg. Kennzeichnend sind ein künstlich aufgeschütteter Hügel, auf dem ein hölzerner Wehr- und Wohnturm errichtet wurde, häufig ergänzt durch eine Vorburg und einen Graben.

Da von diesen Anlagen meist nur Bodenreste erhalten sind und zeitgenössische Darstellungen fehlen, basiert ihre Erforschung wesentlich auf archäologischen Befunden. Die Herner Motte stellte daher keinen Nachbau einer konkreten Burg dar, sondern einen wissenschaftlich fundierten Idealtypus.[3]

Für Herne sind einige Motten bekannt. Besonders die Motte an der Wallburgstraße und der Hilligenwall sind dokumentiert. Man kann davon ausgehen, das alle Adelssitze und auch die größeren Gutshöfe ihre Ursprünge in kleineren oder größeren Motten hatten.

Idee und Konzeption

Die Motte wurde im Rahmen der Ausstellung AufRuhr 1225! als zentrales Vermittlungsobjekt konzipiert. Ziel war es, die Lebenswelt des Mittelalters anschaulich und körperlich erfahrbar zu machen.

Die Konzeption folgte mehreren Ansätzen:

  • Visualisierung archäologischer Forschungsergebnisse
  • experimentelle Annäherung an eine kaum überlieferte Bauform
  • Schaffung eines begehbaren Großexponats
  • Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit

Die Anlage wurde als eine der wenigen Turmhügelburgen in annähernder Originalgröße errichtet.[4]

Umsetzung

Die Motte wurde 2009/2010 auf dem Außengelände des Museums zwischen Schmiedestraße, Berliner Platz und Museumsstraße errichtet. Sie bestand aus einem künstlich angelegten Hügel und einem mehrgeschossigen Holzturm.

Zu den wichtigsten Merkmalen gehörten:

  • Höhe von etwa 25 Metern[5]
  • vollständig begehbare Konstruktion
  • rekonstruierte Innenräume
  • Nutzung als Aussichtspunkt und Vermittlungsort

Die Anlage fungierte sowohl als architektonischer Blickfang als auch als didaktisches Instrument innerhalb der Ausstellung.

Rezeption

Die Motte entwickelte sich zu einer der Hauptattraktionen der Ausstellung und wurde in regionalen Medien ausführlich rezipiert.

Zeitgenössische Berichte heben hervor:

  • die hohe Besucherzahl
  • den Erlebnischarakter der Anlage
  • ihre Funktion als Wahrzeichen der Ausstellung

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bezeichnete die Motte als prägendes Element der Ausstellung.[6]

Abbau und Umsetzung

Nach dem Ende der Ausstellung im November 2010 war ein dauerhafter Verbleib der Motte in Herne nicht vorgesehen. Gründe hierfür waren insbesondere finanzielle und organisatorische Aspekte.[7]

Im Januar 2011 begann der Abbau der Anlage. Die Motte wurde vollständig zerlegt und in Einzelteilen abtransportiert.[8]

An ihrer Stelle einstand das GrabungsCAMP des Museums.[9]

Wiederaufbau in Neuenrade

Die Motte wurde anschließend in Neuenrade (Ortsteil Küntrop) wieder aufgebaut. Der neue Standort wurde unter anderem aufgrund eines historischen Bezugs gewählt, da in der Umgebung mit der Burg Gevern eine mittelalterliche Motte nachweisbar ist.[10] Lage: Siehe 2. Karte.

Die Anlage wurde dort 2013 wiedereröffnet und dient seitdem als touristisches und kulturhistorisches Ausflugsziel.[11]

Bedeutung

Die Herner Motte besitzt eine mehrfache Bedeutung:

  • Archäologisch: experimentelle Rekonstruktion eines kaum überlieferten Burgentyps
  • Museumspädagogisch: Beispiel für erlebnisorientierte Geschichtsvermittlung
  • Regionalgeschichtlich: Sichtbarmachung vormoderner Geschichte im Ruhrgebiet
  • Erinnerungskulturell: prägendes Projekt des Kulturhauptstadtjahres 2010

Sie gilt als Beispiel für die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, öffentlicher Vermittlung und temporärer Architektur im Kontext von RUHR.2010.

Einzelnachweise

Dieser Artikel, diese genealogische oder textliche Zusammenstellung bzw. dieses Bild wird von Andreas Janik (ehem. Johann-Conrad) für das Wiki der Herner Stadtgeschichte zur Verfügung gestellt und unterliegt dem Urheberrecht. Bei einer Verwendung dieser Abbildung und/oder dieses Textes - auch als Zitat - außerhalb des Wikis der Herner Stadtgeschichte ist die Genehmigung beim Autor einzuholen.