Die Herner Motte LWL 2010
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Die „Motte“ in Herne
Die sogenannte „Motte“ war eine begehbare Rekonstruktion einer mittelalterlichen Turmhügelburg auf dem Außengelände des LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne. Sie entstand 2009/2010 als zentrales Ausstellungsobjekt der Ausstellung „AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen“ im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010.
Mit rund 166.000 Besuchern zählte die Anlage zu den publikumswirksamsten Installationen des Ausstellungsjahres.[2]
Historischer Hintergrund
Der Begriff „Motte“ (französisch motte = Erdklumpen) bezeichnet eine im Hochmittelalter verbreitete Form der Turmhügelburg. Kennzeichnend sind ein künstlich aufgeschütteter Hügel, auf dem ein hölzerner Wehr- und Wohnturm errichtet wurde, häufig ergänzt durch eine Vorburg und einen Graben.
Da von diesen Anlagen meist nur Bodenreste erhalten sind und zeitgenössische Darstellungen fehlen, basiert ihre Erforschung wesentlich auf archäologischen Befunden. Die Herner Motte stellte daher keinen Nachbau einer konkreten Burg dar, sondern einen wissenschaftlich fundierten Idealtypus.[3]
Für Herne sind einige Motten bekannt. Besonders die Motte an der Wallburgstraße und der Hilligenwall sind dokumentiert. Man kann davon ausgehen, das alle Adelssitze und auch die größeren Gutshöfe ihre Ursprünge in kleineren oder größeren Motten hatten.
Idee und Konzeption
Die Motte wurde im Rahmen der Ausstellung AufRuhr 1225! als zentrales Vermittlungsobjekt konzipiert. Ziel war es, die Lebenswelt des Mittelalters anschaulich und körperlich erfahrbar zu machen.
Die Konzeption folgte mehreren Ansätzen:
- Visualisierung archäologischer Forschungsergebnisse
- experimentelle Annäherung an eine kaum überlieferte Bauform
- Schaffung eines begehbaren Großexponats
- Verbindung von Wissenschaft und Öffentlichkeit
Die Anlage wurde als eine der wenigen Turmhügelburgen in annähernder Originalgröße errichtet.[4]
Umsetzung
Die Motte wurde 2009/2010 auf dem Außengelände des Museums zwischen Schmiedestraße, Berliner Platz und Museumsstraße errichtet. Sie bestand aus einem künstlich angelegten Hügel und einem mehrgeschossigen Holzturm.
Zu den wichtigsten Merkmalen gehörten:
- Höhe von etwa 25 Metern[5]
- vollständig begehbare Konstruktion
- rekonstruierte Innenräume
- Nutzung als Aussichtspunkt und Vermittlungsort
Die Anlage fungierte sowohl als architektonischer Blickfang als auch als didaktisches Instrument innerhalb der Ausstellung.
Rezeption
Die Motte entwickelte sich zu einer der Hauptattraktionen der Ausstellung und wurde in regionalen Medien ausführlich rezipiert.
Zeitgenössische Berichte heben hervor:
- die hohe Besucherzahl
- den Erlebnischarakter der Anlage
- ihre Funktion als Wahrzeichen der Ausstellung
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bezeichnete die Motte als prägendes Element der Ausstellung.[6]
Abbau und Umsetzung
Nach dem Ende der Ausstellung im November 2010 war ein dauerhafter Verbleib der Motte in Herne nicht vorgesehen. Gründe hierfür waren insbesondere finanzielle und organisatorische Aspekte.[7]
Im Januar 2011 begann der Abbau der Anlage. Die Motte wurde vollständig zerlegt und in Einzelteilen abtransportiert.[8]
An ihrer Stelle einstand das GrabungsCAMP des Museums.[9]
Wiederaufbau in Neuenrade
Die Motte wurde anschließend in Neuenrade (Ortsteil Küntrop) wieder aufgebaut. Der neue Standort wurde unter anderem aufgrund eines historischen Bezugs gewählt, da in der Umgebung mit der Burg Gevern eine mittelalterliche Motte nachweisbar ist.[10] Lage: Siehe 2. Karte.
Die Anlage wurde dort 2013 wiedereröffnet und dient seitdem als touristisches und kulturhistorisches Ausflugsziel.[11]
Bedeutung
Die Herner Motte besitzt eine mehrfache Bedeutung:
- Archäologisch: experimentelle Rekonstruktion eines kaum überlieferten Burgentyps
- Museumspädagogisch: Beispiel für erlebnisorientierte Geschichtsvermittlung
- Regionalgeschichtlich: Sichtbarmachung vormoderner Geschichte im Ruhrgebiet
- Erinnerungskulturell: prägendes Projekt des Kulturhauptstadtjahres 2010
Sie gilt als Beispiel für die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, öffentlicher Vermittlung und temporärer Architektur im Kontext von RUHR.2010.
Einzelnachweise
- ↑ https://commons.wikimedia.org
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/blog/herner-motte-geht-nach-neuenrade/
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/blog/herner-motte-geht-nach-neuenrade/
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/blog/eine-burg-am-museum-die-motte/
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/blog/herner-motte-geht-nach-neuenrade/
- ↑ https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article8587422/die-motte-aus-herne-steht-nun-in-neuenrade-kuentrop.html
- ↑ https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article4633673/motte-soll-im-herbst-stehen.html
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/blog/herner-motte-geht-nach-neuenrade/
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/grabungscamp/
- ↑ https://www.lwl-landesmuseum-herne.de/de/blog/herner-motte-geht-nach-neuenrade/
- ↑ https://www.waz.de/staedte/herne-wanne-eickel/article8587422/die-motte-aus-herne-steht-nun-in-neuenrade-kuentrop.html
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